#gd_dig: Visuell + digital + regional

Deutsches Eck 1875. Stadtarchiv Koblenz

Deutsches Eck 1875. Stadtarchiv Koblenz

„Einen Teil dieser Fragen [der Bilderschließung] können Schülerinnen und Schüler beantworten, wenn sie gelernt haben, die in Bildlegenden, Bildbegleittexten oder Bildnachweisen enthaltenen Informationen auszuwerten. In Schulbüchern und auf Internetseiten fehlen die nötigen Angaben leider häufig oder sie sind unvollständig. Grundsätzlich empfiehlt es sich daher, bei der Gestaltung fotohistorischer Lernangebote die Bestände der regionalen Bildarchive zu nutzen […]“ aus einem lesenswerten Kurzbeitrag von Andreas Weinhold: „Den fotografischen Blick durchschauen lernen. Zum Umgang mit historischen Fotos im Geschichtsunterricht“, Medienbrief 2/2012 (PDF), S. 40-44.

Ebenso anregend wie sehenswert ist das Projekt des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe „Historisches Lernen an Bildquellen“ mit interaktiven Lernmodulen an regionalen Fotoquellen.

Leider habe ich das Projekt erst jetzt entdeckt, das in den grundlegenden Überlegungen eine große Schnittmenge mit der gerade erstellten GeschichtsApp aufweist, wenn auch die Umsetzung und die Lernangebote weitgehend anders geraten sind. Ein wesentlicher Unterschied liegt darin, dass die App im engeren Sinn mobiles Lernen und damit zum Verlassen des Klassenraums anregen will.

Der Fund bestärkt meinen Eindruck, dass die Möglichkeiten des Digitalen im Geschichtsunterricht eine verstärkte Auseinandersetzung mit visuellen Materialien, was naheliegend sein mag, aber m.E. auch notwendig ist, wie auch, was angesichts des „World Wide Webs“ vielleicht überraschender ist, die Hinwendung zu lokal- und regionalgeschichtlichen Aspekten unterstützen.

Am 7. März

[…] Der Sonntag wird erfunden von Konstantin dem Großen
Hans Rosenthal auf RIAS, ein Star ist geboren
GI’s haben bei Remagen den Rhein überquert
‚We are the World‘ zum ersten Mal im Radio gehört

Das erste Spiel Monopoly, ich hab keinmal gewonnen
Der WDR hat ‚Sendung mit der Maus‘ an diesem Tag begonnen
Marc Aurel wird Kaiser, die FDJ gegründet […]

Banales steht neben Persönlichem und vermischt sich mit Weltgeschichte anbei noch der Link zum kompletten Songtext und wer sich fragt, ist das wirklich alles passiert am 7. März, findet in der Wikipedia Antwort: „Dies und noch viel mehr“ im Artikel zum „7. März“ und es würde nicht überraschen, wenn der Teile des Liedtextes den Wikipedia-Artikel zur Grundlage haben…

Übrigens: Wer die Manie historischer Jahrestage und Jubiläen im Unterricht aufgreifen möchte, findet mit dem Song einen schönen Einstieg. Viel Spaß beim Hören!

Ach ja, der Stern meinte bei Erscheinen 2013 übrigens dazu:

„Dabei ist es faszinierend, welche Bedeutung ein einziges Datum gewinnen kann.“ Nun ja…

Kollaboratives Arbeiten an einem Geschichtslexikon von Schülern für Schüler

historische stichworteZur Ausgangsidee und der ersten Umsetzung steht das Wichtigste direkt auf der Seite des Schülerlexikons selbst, das braucht hier nicht wiederholt zu werden. Mittlerweile ist schon eine ganze Reihe von Begriffserklärungen zusammengekommen, die allerdings sowohl in der Quantität als auch in der Qualität noch ausbaufähig sind.

Gedacht ist das Schülerlexikon als Nachschlagewerk für jüngere Schüler. Wer damit im Unterricht arbeiten will, kann das idealerweise zur Wiederholung am Ende einer Unterrichtseinheit tun. Die Schülerinnen und Schüler sammeln zunächst, welche Begriffe sie nach Abschluss des Themas für wichtig erhalten. Sie gleichen ihre Liste mit den vorhandenen Stichwörtern auf der Lexikonseite ab. Bestehende Begriffseinträgen können auf ihre Korrektheit, ihre sprachliche Einfachheit, die Vernetzung mit anderen Begriffen und auf Vollständigkeit der Erklärung geprüft und ggf. erweitert werden.

Für bislang nicht vorhandene Stichwörter werden von den Schülerinnen und Schüler neue Erklärungen verfasst. Das lässt sich über ein Etherpad auch kollaborativ erledigen. Die Lernenden übernehmen zunächst allein oder zu zweit ein Stichwort und schreiben eine ersten Entwurf. Dieser wird dann in einen zweiten und dritten Schritt von anderen Lernenden gegenlesen, korrigiert, ergänzt und mit anderen Beiträgen verlinkt. Am IWB oder an der Tafel wird in einer Tabelle mit einem Kreuz kenntlich gemacht, welche Bearbeitungsstufe für den einzelnen Begriffe abgeschlossen ist. Die Lernenden arbeiten selbstständig und wählen selbst aus, wo sie weiterarbeiten wollen. Da alle Begriffe im selben Etherpad bearbeitet werden, ist jeweils sichtbar, wo aktuell jemand eine Bearbeitung vornimmt.

Auf diese Weise wiederholen die Schülerinnen und Schüler die zentralen Inhalte der letzten Unterrichtsstunden und vernetzen diese noch einmal miteinander. Sie üben an vergleichsweise kurzen Texten kollaboratives Schreiben. Die Ergebnisse stehen so dauerhaft zur Verfügung, so dass auf sie im weiteren Unterrichtsverlauf immer wieder zurückgegriffen werden kann, was auch die Möglichkeit umfasst, zentrale Begriffe wie Monarchie oder Demokratie zu vertiefen und ihrem historischen Wandel auszudifferenzieren. Diese Form kompetenorientierten Begriffslernens dürften zu einem vertieften Verständnis der Phänomene und ihrer Verknüpfung wesentlich beitragen.

Aufruf zur Mitarbeit: Unterrichtsideen zur Arbeit mit den Europeana Collections 1914-1918

Mit dem EU-geförderten Projekt Europeana Collections 1914-1918 wurden in den letzten drei Jahren über 400.000 Quellen aus dem Ersten Weltkrieg digitalisiert und öffentlich über das Portal „Europeana 1914-1918“ zugänglich gemacht. An dem EU-Projekt waren von zehn Nationalbibliotheken und weitere Partner aus acht europäischen Ländern beteiligt.

Gleichzeitig entstand unter Federführung der British Library, einer der am Projekt beteiligten Bibliotheken, eine E-Learning-Seite, auf der etwa 500 ausgewählte Quellen vorgestellt und sowohl englisch- als auch originalsprachig erläutert werden.

Begleitend werden auf der E-Learning-Website auch Unterrichtsmaterialien („Teachers’ Notes“) angeboten, bisher nur auf Englisch. Bis zum 14. März besteht die Gelegenheit, auch deutschsprachige Materialien dort einzustellen.

Gesucht werden daher Geschichtslehrer/-innen, die Interesse daran haben, anhand der auf der Webseite  vorgestellten Quellen Unterrichtsmaterialien beizusteuern oder zu entwerfen. Leider besteht keine Möglichkeit der Vergütung.

Als Ansprechpartnerin für Rückfragen steht unter den folgenden Kontaktdaten Frau Dr. Ulrike Hollender zur Verfügung:

Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz
Fachreferentin für Romanistik
„Europeana Collections 1914-1918“
Potsdamer Str. 33
10785 Berlin

Tel.: ++49 (0)30 – 266 433 151
E-Mail

Ruanda 1994-2014

Foto: I, Inisheer, CC-BY-SA 3.0

Foto: I, Inisheer, CC-BY-SA 3.0

Im April jährt sich der Genozid in Ruanda zum 20. Mal. Ruanda steht ganz im Zeichen der Erinnerung an den Genozid mit einer Vielzahl von Veranstaltungen und Initiativen, mit zum Teil auch internationaler Reichweite. Der offizielle Gedenktag in Ruanda ist der 7. April 2014.

In Deutschland hat die Erinnerung an den Genozid bislang in diesem Jahr kaum Aufmerksamkeit gefunden. Medial fokussiert wird in bisher unbekanntem Maße die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg, auch andere “runde” Jahrestage im “Gedenkjahr” 2014 (u.a. 14 n.Chr., 714, 1714, 1814) treten dahinter weiter zurück.

Nicht nur als Partnerland von Rheinland-Pfalz, sondern auch im Hinblick auf Ursachen des Genozids, den gesellschaftlichen und politischen Umgang mit den Ereignissen sowie der Erinnerung an sie ist der Genozid in Ruanda ein relevantes Thema für den Geschichtsunterricht. Deshalb haben ich einige Online-Ressourcen zusammengestellt, um die Geschichte Ruandas und im besonderen die Erinnerung an den Genozid von 1994 im Geschichtsunterricht aufzugreifen.

Genocide Alert

http://www.genocide-alert.de/genozid-in-ruanda-zwanzig-jahre-danach/

Die Seite bietet zusammenfassende Informationen sowie Hinweis auf eine Veranstaltungsreihe in mehreren deutschen Städten mit Podiumsdiskussionen.

Von Genocide Alert gibt es auch ein Twitter-Projekt zur Erinnnerung an die Ereignisse 1994, das Tag für Tag 20 Jahre danach “Tagesnachrichten” sendet:

http://www.genocide-alert.de/genozid-in-ruanda-zwanzig-jahre-danach/twitter-timeline

Kwibuka20

Kwibuka bedeutet Erinnern auf Kinyarwanda. Unter dieser Bezeichnung firmiert das nationale Gedenken mit einer Vielzahl von Veranstaltungen, Aktionen und dem intensiven Einsatz von Social Media: http://www.kwibuka.rw

Auf Youtube findet sich ein Kurzfilm Kwibuka ‚Remember, Unite, Renew‘ http://www.youtube.com/watch?v=00x1L34wLF8

Die “Flamme der Erinnerung” wird zwischen Januar und April durch die 30 Bezirke des Landes getragen. U.a. auf Twitter und Facebook werden die Veranstaltungen in den verschiedenen Städten dokumentiert:

http://www.kwibuka.rw/events/events-listing/urumuri-rutazima-kwibuka-flame/

Homepage des Kigali Memorial Center http://www.kigaligenocidememorial.org

Les hommes debout / Upright men ist ein sehenswertes Kunstprojekt zur Erinnnerung an die Opfer des Genozids, das auf einer eigenen Homepage auf Englisch und Französisch dokumentiert ist:

http://www.uprightmen.org/

Arte hat weiterhin sein umfangreiches Dossier zum 15. Jahrestag online: http://www.arte.tv/de/2532286.html

In Ruanda ist die offizielle Bezeichnung der Genozid an den Tutsi, womit die Erinnerung an weitere Opfergruppen wie z.B. moderate Hutu ausgeblendet wird. Dagmar Dehner berichtet in einem “Ruanda-Tagebuch” aktuell für den Tagesspiegel mit einem kritischen Blick “vom richtigen und falschen Gedenken”:

http://www.tagesspiegel.de/politik/ruanda-tagebuch-2-vom-richtigen-und-falschen-gedenken/9435046.html

Hinweise zu Filmen über den Völkermord in Ruanda im Film finden sich in einem Beitrag auf “Lernen aus der Geschichte”: http://lernen-aus-der-geschichte.de/

Speziell zum Film „Hotel Ruanda“ bietet Amnesty ein kurze Handreichung mit Unterrichtsideen als PDF zum Download an: http://www2.amnesty.de/

Bereits von 2011 hat Julia Viebach für BpB über Ruanda für die BpB geschrieben:http://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/68826/gedenken-an-genozid-in-ruanda-07-04-2010

Dort findet sich auch ein Beitrag von 2010 über das Gedenken an den Genozid in Ruanda: http://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/68826/gedenken-an-genozid-in-ruanda-07-04-2010

Für eine tiefere historische Kontextualisierung und Ursachenforschung sollte auch die deutsche und später belgische Kolonialherrschaft bearbeitet werden. Im Hinblick auf den Genozid relevant ist die gegenseitige Wahrnehmung sowie insbesondere die durch die Kolonialmächte erfolgte und festgeschriebene Einteilung der Bevölkerung in Hutu und Tutsi.

Arbeitsblatt zur Ankunft der ersten Deutschen in Ruanda und der gegenseitigen Wahrnehmung

https://geschichtsunterricht.wordpress.com/2009/07/12/deutsche-kolonialherrschaft-in-ruanda/

Kurzer Überblick zur Genese und Entwicklung der Zuschreibungskonstruktion von Hutu und Tutsi von Johannes Scheu: http://www.exc16.de/cms/ruanda.html

Ausführlicher Simone Paulmichl (1998, PDF): http://www.gsi.uni-muenchen.de/forschung/forsch_zentr/forschung_3_welt/arbeitspapier/ap26.pdf

Working with the Europeana 1914-18 collections in the history classroom – Part 3/3: Learning with „unlocked sources“

[Part 1/3]                             [Part 2/3]

Introducing WWI by working with photographs

Students never come to class as „blank sheets“. They always have heard or read something about the topics the curriculum is proposing. They have their own concepts to explain the world around them, including history. Working this way allows teachers to get to know these pre-concepts and to adjust contents, methods and materials to the needs of each learning group.

Before you start talking about World War One in your history lessons, you will give the students the links to the Europeana photo collection. Ask them to choose one photo representing World War One for them. After some minutes of research in the collections, the students present their findings and explain to the others why they have chosen the photo. By this, you will get to know their pre-concepts, ideas and beliefs about World War One. At the end of the teaching unit on the First World War, students look again at their photo from the beginning and they are asked if they chose now the same photo as representation of WWI. Thereby, you will see if there were conceptual changes after having discussed several aspects of WWI in the past lessons. The students’s explanations may serve you as indicator for the quality of the past lessons.

You can use the same idea in a bit more complexe way by letting the students work in small groups creating collages of several photos (fix the number, it should not be equal to the number of students in a group). The advantage is that there will be less presentations. The approach in itself is more dynamic because from the very beginning the students have to discuss about the choice of the pictures – so they already start comparing and adjusting their pre-concepts on the topic. In the end of the teaching unit you can use it in the same way asking if they kept the same pictures or not after what they have learned about World War One in school.

Curate a virtual exhibition

Usually, the history curriculum prescribes to treat different aspects of World War One in the classroom. Obviously, there are differences from country to country. However in general, these are aspects like the war in the trenches, woman in World War One, Propaganda or the Home Front. If you take a look at the Europeana collections you see quickly that the sources are already structured around such topics, called “subjects” in the Europeana. With additional materials like the corresponding chapters in the textbook, students can be asked to choose between one of the topics demanded by the curriculum, eventually they can also propose additional ones as long as the obligatory topics are covered.

Students work in small groups, gathering and exploiting information with the final task to curate a virtual exhibition on their topic using pieces from the Europeana collections. It can be helpful to restrict the number of objects to 5 or 10 (of course, limited space as a reason seems less relevant online than in a museum – nevertheless this is real life task). That way students have to discuss the choice of objects and develop criteria for their presentation. In addition, like in a museum, they have to write short texts to explain the objects in exhibition, in order that their classmates are able to use their exhibition to learn about this aspect of the war without further information. It is important that all students have the time to see the results of the other groups, to discuss and evaluate the different exhibitions with regard to previously defined criteria on their quality.

Working with film sources

The Europeana collections 1914-1918 contain also digitised film sources from several European archives and institutions. Students love films. Not only watching them but also making videos. This is the generation of youtube we are working with in schools.

And in fact, in every class you will find some pupils who are quite handy and experienced in making videos. Some even have their own youtube channel. As a teacher, it is absolutely not necessary to be a perfect filmmaker. You only has to check if the students are interested in making their own videos and if there are enough of them to help and support their fellow students in group work.

If so, what can you do with the moving images from 1914 or 1918? Well, first you can watch and analyse them. That is not too exciting, though some general ideas of film analysis, camera positions etc. are absolutely essential for any work in which students start creating their own videos.

A technically very easy idea to work with these videos in the classroom is to let students do some research and on this base, let them write and record an audio commentary to one of the films. If this seems to easy for you, students can write their commentary from a defined (historical or current) perspective.

In a more sophisticated approach, students use these films, cut off scenes and remix them to create their own documentary on World War One. Of course, this needs already a lot of practice and quite a good knowledge about propaganda, perspectives and different use of images. It is certainly rather a kind of project for upper grade students. The results do not have to be as perfect as what students can see everyday on television or youtube. However, I have made the experience that some pupils get quite ambitious to create an excellent product. In any case, this activity promotes a deeper understanding of how TV documentaries are made, how they work and how manipulation is possible. After this teaching unit, students will look differently, certainly much more critical, at the products of visual history we are all surrounded by.

Publikationshinweis: Interaktive Whiteboards im Unterricht

Cover IWB Unterricht

Nach langer Vorarbeit ist das Heft nun endlich erschienen. Gemeinsam mit Alexander König und Michael Gros habe ich das Heft „Interaktive Whiteboards im Unterricht richtig einsetzen. Anregungen und Beispiele für die Praxis“ herausgegeben, das jetzt im Friedrich-Verlag erschienen ist.

Bei der Konzeption des Hefts ging es uns nicht um eine neue Lobpreisung des vermeintlichen Wunderwerkzeugs „IWB“. Ein IWB macht noch keinen besseren Unterricht, auch nicht zwei oder drei. Es geht um Didaktik und Methodik, nicht Technik. Deshalb haben wir versucht, einen praxisnahen Ansatz zu wählen, der beispielhaft an ausgewählten Aktivitäten aufzeigt, in welcher Phase des Unterrichts ein IWB sinnvoll eingesetzt und auch der medienintegrative Mehrwert der Technik genutzt werden kann.

Die Beiträge des Hefts sind weder fach- noch schulspezifisch, sondern decken ein möglichst ein weites Spektrum an. Die vorgestellten Aktivitäten sind zudem so ausgewählt, dass sie mit leichten Modifikationen auch für die Arbeit in anderen Altersstufen oder Schulformen angepasst werden können. Nichtsdestotrotz finden unter den Unterrichtsbeispielen einige aus den Fächern Geschichte, Politik bzw. Gesellschaftslehre (Inhaltsverzeichnis als PDF).

Holger Meeh schreibt über die Möglichkeiten Orte und Begriffe geografisch zuzuordnen, Manuel Altenkirch über die Arbeit mit Musikdateien am Beispiel der Marseillaise sowie über Transkriptions- und Leseübungen in Sütterlin-Schrift. Christiane Bolte-Costabiei und Thomas Spahn haben zwei Beiträge zur Arbeit mit Videos beigesteuert, wovon einer sich mit dem 17. Juni 1953 befasst. Darüber hinaus gibt es u.a. auch noch Anregungen zur Erstellung von Verfassungsschemata oder historischen (Audio-) Stadtrundgängen.

Unterrichtsmaterial: Geschichte Afghanistans im 20. Jahrhundert

Ausgangpunkt für die kurze Unterrichtsreihe im Leistungskurs Geschichte war ein Vortrag von Dr. Reinhard Erös in meiner Schule (zur Person siehe die Seiten der Afghanistan-Hilfe, zu seinem Auftreten bei Vorträgen siehe auch hier inklusive der dort verlinkten Seiten oder den Bericht in der taz).

Die Ansichten zur Geschichte Afghanistans, die Erös in dem Vortrag teilweise implizit, teilweise explizit äußerte, sind, vorsichtig formuliert,  zumindest mal diskussionswürdig. Insgesamt war der Vortrag letztendlich doch irgendwie gut, weil er bei den teilnehmenden Schülerinnen und Schüler der gesellschaftswissenschaftlichen Leistungskurse ein Interesse an Afghanistan und vor allem aber weil er viele Fragen provozierte.

Als Einstieg wurden in der Folgestunde zunächst die historisch-politischen Thesen aus dem Vortrag von Erös gesammelt. So u.a. sinngemäß:

  • Die Afghanen haben Sowjetunion im Alleingang besiegt.
  • Eine zentrale Ursache für den Fall der Berliner Mauer liegt im verlorenen Afghanistan-Krieg der UdSSR.
  • Die Instabilität in Afghanistan ist durch Interventionen von außen bedingt. Afghanen sind keine Terroristen. Sie waren immer nur Opfer und Überfallene.

Steilvorlagen für den Unterricht. Alternativ lässt sich auch auf entsprechende Dokumenationen oder Texte zurückgreifen, die sich im Netz finden. Mit Hilfe weitere Informationen sollten diese Thesen geprüft und die lebendig vorgetragenen Informationshäppchen des Vortrags breiter kontextualisiert werden. Grundlage für die Arbeit waren wesentlich aus drei Publikationen der BpB für politische Bildung entnommene und für den Unterrichtszusammenhang gekürzte Texte:

1) Überblick Geschichte Afghanistans in der zweiten Hälfte des 20 Jahrhunderts

2) Afghanistankrieg 1979-1989

3) Infotext Taliban

Daneben wurde auch noch ein Text gleichfalls von Seiten der BpB in Auszügen hinzugezogen, in den die Darstellung der Ursachen für den Mauerfall in Schulgeschichtsbüchern analysiert werden. In mehreren methodischen Schritten mit Einzel-, Partner- und Gruppenarbeiten wurden neben der Überprüfung der Thesen mit Hilfe der Texte auch die Rollen folgender Akteure in Afghanistan und die Folgen des Afghanistankriegs für sie herausgearbeitet: UdSSR, USA, Mujaheddin, Taliban, BRD und DDR.

Zur Einordnung der Taliban erarbeiteten die Schülerinnen und Schüler anschließend kollaborativ in einem Etherpad Grundbegriffe und Strömungen des Islam. Entsprechende Ausgangsbegriffe und Links zu Internetseiten (u.a. zu Planet Wissen) wurden über die im Unterricht verwendete Lernplattform zur Verfügung gestellt.

Die Einordnung der Taliban-Bewegung erfolgte über das Erstellen eines „Steckbriefs“, der die zentralen sechs W-Fragen (Wer? Wo? Wann? Wie? Warum? Was?) sowie eine Einordung der Taliban innerhalb der vielfältigen Strömungen des Islam. Am Ende der Unterrichtsreihe stand eine Klärung offener Fragen und eine abschließende Bewertung des Vortrags durch die Schülerinnen und Schüler.

Auswahl von Online-Materialien & digitalisierten Quellen zur Geschichte des 1. Weltkriegs

Der Erste Weltkrieg in Rheinland-Pfalz:
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Bildpostkarten Universität Osnabrück: Der Erste Weltkrieg auf der Bildpostkarte

http://www.bildpostkarten.uni-osnabrueck.de/index.php?cat=142

BpB Dossier: Der Erste Weltkrieg

http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/ersterweltkrieg/

Deutsch-französisches Kriegsalbum

http://centenaire.org/de/international/das-deutsch-franzoesische-album-des-ersten-weltkriegs

DHM Der Weltkrieg1914-1918 Ereignis und Erinnerung

http://www.dhm.de/ausstellungen/der-erste-weltkrieg/ausstellung_ziele.html

Digitales Archiv Hessen-Darmstadt: Feldpostbriefe im 1. Weltkrieg

http://www.digada.de/wk1/kap2/feldpostbriefe.htm

European Film Gateway – First World War Collections

http://www.europeanfilmgateway.eu/about_efg/EFG1914collections

Europeana 1914-1918

http://europeana1914-1918.eu/de

Imperial War Museums – Google Art Project

http://www.google.com/culturalinstitute/collection/imperial-war-museums

Informationsportal Politische Bildung: Linksammlung 100 Jahre Erster Weltkrieg

http://www.politische-bildung.de/100_jahre_erster_weltkrieg.html

Feldpost 1916/17: Die Briefe und Tagebücher des Oberleutnants August Dänzer aus
Siebenbürgen und Rumänien

http://www.uni-cms.net/feldpostsammlung/

Feldpostbriefe. Lettres de poilus „…wer fällt, der stirbt den Heldentod“ (Deutschlandfunk)

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/feldpost/index.html

Feldpostbriefe: Bernd Ulrich, Die Augenzeugen. Deutsche Feldpostbriefe in Kriegs- und Nachkriegszeit 1914-1933, Essen: Klartext Verlag 1997, online:

http://www.erster-weltkrieg.clio-online.de/default.aspx?tabid=40208182

Irland und der Erste Weltkrieg

http://www.irelandww1.org/

La grande guerre. A Global History of World War I

http://grandeguerre.hypotheses.org/

Over the Top. An Interactive Adventure. Canadian War Museum

http://www.warmuseum.ca/cwm/games/overtop/index_e.shtml

Stadterinnerungen des Ersten Weltkriegs: Le Havre und Koblenz

http://memoires-urbaines-premiere-guerre-mondiale.spip.ac-rouen.fr/

Supremacy 1914 – Online-Spiel

http://www.supremacy1914.de

Themenportal Erster Weltkrieg der Bibliothek für Zeitgeschichte in der WLB Stuttgart
Traces 1914 – Schülerprojekt

http://www.traces1914.eu/

Walter Koessler Project (Fotoalbum eines deutschen Soldaten)

http://wwiphotos.tumblr.com/

Wikimedia Commons: World War I

http://commons.wikimedia.org/wiki/World_War_I

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Auch als Etherpad ergänz- und weitergebbar: http://geschichtsunterricht.titanpad.com/10

„Was uns der Lehrer über das Vaterland, über den Ruhm erzählt hat, ist dummes Zeug und Lügen.“ Pazifismus im Ersten Weltkrieg. Geschichte von unten – Unterrichtsmaterial zur Perspektivenerweiterung

Durch die online verfügbare Vorlesungsreihe zu Frankreich seit 1871 von John Merriman von der Yale Universität bin ich auf ein spannendes Buch aufmerksam geworden, das ich mit großem Gewinn gelesen habe. Es handelt sich um die Autobiographie von Emilie Carles, die Ende der 1970er Jahre in Frankreich erschien und ein Bestseller wurde. So gibt es sogar einige Schulen, die nach ihr benannt sind. In Deutschland ist sie dagegen kaum bekannt.

Emilie Carles ist im Jahr 1900 in einem kleinen Dorf in den französischen Hochalpen geboren. Trotz zahlreicher Probleme und Widerstände kann sie ihre Ausbildung über die Grundschule hinaus fortsetzen und nach Paris gehen, um selbst Lehrerin zu werden. Zwei Jahre vor ihrem Tod 1979 hat sie mit „Une soupe aux herbes sauvages“ (sinngemäß: eine Wildkräutersuppe) eine Autobiographie veröffentlicht, in der sie nicht nur ihr Leben, sondern auch den Alltag der dörflichen Bevölkerung zu Beginn des 20. Jahrhunderts sehr ausführlich und eindrucksvoll schildert.

Da ich zeitgleich zum Lesen des Buchs an Material zum Ersten Weltkrieg gearbeitet habe, sind mir zwei Passagen besonders aufgefallen, in denen sie Erinnerungen an diese Zeit wieder gibt. Meines Erachtens eignen sich beide Stellen, um der Narration der Schulbücher eine sonst wenig beachtete Perspektive hinzufügen, die weitere Fragen provoziert, zu denen die Schülerinnen und Schüler dann recherchieren und diskutieren können.

Da die wenigsten das Buch ganz oder in Auszügen im bilingualen Unterricht lesen können, habe ich die zwei Passagen übersetzt, um sie für den Geschichtsunterricht nutzbar zu machen. Ich bin kein professioneller Übersetzer, daher ist die Übersetzung sicher an einigen Stellen hoplrig, an anderen vielleicht etwas frei. Ich hoffe, dass die Texte in der Form trotzdem etwas taugen. Beide übersetzte Passagen stelle ich hier im Blog zum Download als Textdatei im ODT-Format ein, so dass die Auszüge ggf. noch bearbeitet, gekürzt und mit eigenen Aufgabenstellungen versehen werden können.

Der erste Auszug (Download) beschäftigt sich mit dem Fronturlaub des Bruders von Emilie Carles, den sich nach einem Jahr im Krieg zum ersten Mal wiedersieht und an ihm starke Veränderungen beobachtet. Nach ihrer Erinnerung hat ihr Bruder ihr bei diesem Treffen eine pazifistische Botschaft und einen klaren Auftrag mitgebracht. Die Desillusionierung im Kriegsverlauf, die Situation der Frontsoldaten wird in diesem Abschnitt sehr anschaulich und es stellt sich die Frage, warum der Bruder trotz seiner Erkenntnisse, wie andere auch, an die Front zurückkehrt und weiterkämpft.

Hier schließt eine zweite Passage (Download) an, in der Emilie Carles ihre Erinnerungen an eine Begegnung mit einem älteren Freund nach dem Krieg aufgeschrieben hat. In ihrer Zeit in Paris hatte sie Anschluss an die politischen Kreise der Pazifisten und Anarchisten gefunden. Ihr Leben und Werk ist durchdrungen von einer überzeugten pazifistischen Grundhaltung, deren Entstehung sie an dieser Stelle in ihrer Biographie nachzeichnet. Die wiedergegebene Rede ist als Quelle zunächst einmal kritisch einzuordnen – gerade auch angesichts der vielen sprachlichen Übereinstimmungen mit der referierten Erzählung ihres Bruders -, birgt aber mit der massiven Kritik am nationalen Erziehungssystem und der positiven Deutung der „Fahnenflucht“ einen guten Ausgangspunkt für weitere Recherchen zu Historie der Kriegsdienst-Verweigerung als alternative „Kriegs“-Geschichte sowie zu einer kritischen Diskussion über die vortragenen Positionen sowohl in ihrem historischen Kontext des Ersten Weltkriegs wie auch in ihrer Bedeutung für die Gegenwart.

P.S. Je nach Unterrichtsschwerpunkt könnte das Thema am historischen und heutigen Umgang mit Wehrmachtsdeserteuren vertieft werden.