Rezensionen der Rezensionen? Und die Blogosphäre…

Gerade entdeckt (siehe Zitat unten, Link zur Internetseite hier). Frage mich aber ehrlich, ob das eine gute Idee ist? Ich denke eher nicht….

Ziel der Online-Sitzung am 10.11.2010 ist es, dass Sie – allein oder zu Zweit – einen Kommentar zu einer der Rezensionen (siehe Linkliste unten) sowie deren Rezeption verfassen. Weitere Informationen folgen per E-Mail.

Web 2.0 scheint auf jeden Fall gerade sehr angesagt als Thema in Übungen an den historischen Seminaren in Deutschland…

Spannender fände ich hingegen zu lesen, wie die Studierenden, die die Rezensionen verfasst haben, die Angelegenheit nun, mit etwas Abstand und den mittlerweile zahlreichen Kommentaren aus der Geschichtsblogosphäre sehen. Hier würde ja über die Kommentarfunktion in den verschiedenen Blogs die Möglichkeit bestehen, miteinander ins Gespräch zu kommen. Ganz ähnlich, wie Alexander König das schon formuliert hat.

Im übrigen könnte das Ganze eventuell (ich bin da noch vorsichtig) positive Nebeneffekte haben, auch wenn man sich das sicher auf angenehmere Weise hätte vorstellen können: Ich habe über die Diskussion der vergangenen Tage noch einige, mir bisher nicht bekannte, interessante Blogs entdeckt und selten (nie?) ist ein Thema auf so vielen „Geschichts-„Blogs gleichzeitig diskutiert worden. Es ist vermutlich auch noch nicht vorgekommen, dass mehrere Uni-Seminare, die sich wohl eher zufällig mit ähnlichen Fragestellungen beschäftigen, so über das Internet direkt miteinander in Kontakt gekommen sind.

Der Austausch ermöglicht ganz neue, allerdings, wie zu sehen, auch problematische Formen des Lehrens und Lernens. die sowohl didaktisch wie auch methodisch noch stärker reflektiert werden müssen. Ich hoffe jedenfalls, dass niemand entmutigt, sondern im Gegenteil ermutigt wird, weil das eigentlich sehr spannende Prozesse sind (siehe dazu auch die Beiträge auf Digitale Revolution), die hier gerade ablaufen. Vielleicht hilft die „causa ‚zeittaucher.de‘“ (so die Kollegen von histnet) eine intensivierte Diskussion und Reflektion über die  ‚historischen“ Blogs anzuregen und damit zu einer verstärkten Vernetzung der verschiedenen „Geschichts-„Blogs zu führen, die Klaus Graf auf Archivalia schon vor über einem Jahr angemahnt hat 😉

Netzwerk digitale Geschichtswissenschaften

Am kommenden Dienstag (2. November) wird die neue Internetplattform des Netzwerks „Digitale Geschichtswissenschaften“ (inklusive Didaktik) der Universität des Saarlandes offiziell vorgestellt. Einen ersten Eindruck des Portals kann man auf der Seite bereits bekommen. Beim Informationsdienst Wissenschaft gibt es  dazu auch eine kurze Pressemitteilung.

[Aufmerksam geworden auf die Seiten bin ich übrigens durch den noch relativ neuen Blog von Historiker Kraus.]

Buchtipp: Was können Abiturienten?

Der Unterttitel gibt sich bescheiden: „Zugleich ein Beitrag zur Debatte um Kompetenzen […]“. Es ist ein wichtiger Beitrag, den Schönemann et al. hier leisten. Indem sie sich die Leistungskursarbeiten des Abiturjahrgangs 2008 in NRW (Zentralabitur) vornehmen und daraufhin überprüfen, was die Abiturienten der Leistungskurse Geschichte, und damit der vermuteten höchsten Niveaustufe des schulischen Geschichtsunterricht, leisten. Die Ergebnisse sind in der Tat ernüchternd, vor allem angesichts der postulierten Zielsetzungen in Lehr- und Rahmenplänen sowie den verschiedenen normativ gesetzten Kompetenzmodellen.

Die vorliegende Studie ist deshalb so wichtig, weil sie helfen kann, „die Diskussion zu erden“ (S. 127) und die vorliegenden theoretischen Kompetenzmodelle „vom Kopf auf die Füße“ (S. 121) zu stellen. Empirische Studien zu einzelnen Kompetenzen liegen bisher nur in vereinzelten Artikeln vor. Einerseits gilt das Gymnasium als „überforscht“, andererseits sind hier noch grundlegende Arbeiten, allerdings nicht allein für das Gymnasium, notwendig. Diese Arbeiten sind dringend notwendig, um die Setzungen der Modelle, die bereits in Lehr- und Rahmenpläne sowie in Lehrwerke und Prüfungsanforderungen einfließen, zu überprüfen, möglicherweise zu korrigieren, zu stufen – zumindest für den kognitiven Bereich erscheint dies möglich – und erst damit praxistauglich zu machen.

Die im Vergleich zu den normative gesetzten Erwartungen schlechten Ergebnisse sind Mühlen auf des kulturpessimistischen Rezensenten der FAZ.  Das geht aber am Eigentlichen vorbei und auch an der vorsichtigen wissenschaftlichen Argumentation der Autoren. Der Resenzent möge bei Gelegenheit und in dem Zusammenhang mal überlegen, dass beim eingeführten Zentralabitur in NRW die Prüfungstexte und -aufgaben nicht mehr von einzelnen Lehrern gemacht werden (zum Lehrerbashing der Rezension, auch eine Art Habitus) und dass es auch in der Schule neben dem Hauptunterricht in Geschichte auch Fächer wie z.B. Deutsch gibt, wo Rhetorik und Konjunktiv gelernt werden könnten. („Offenbar fehlen im Geschichtsunterricht einige Stunden über Rhetorik und Textgattungen.“) Der Geschichtsunterricht ist nicht für alles verantwortlich und kann auch nicht alles leisten, aber schon der Auftakt der Rezension zeugt von wenig Fachkenntnis des Journalisten, insofern sollte man sich (bzw. ich mich) vermutlich nicht so darüber ärgern.

Das Buch ist auf jeden Fall in höchstem Maßen lesenswert, eine Pflichtlektüre für Geschichtslehrer und universitäre Didaktiker:

Bernd Schönemann / Holger Thünemann / Meik Zülsdorf-Kersting, Was können Abiturienten?  Zugleich ein Beitrag zur Debatte über Kompetenzen und Standards im Fach Geschichte, Berlin 2010. [Lit-Verlag]

Lenin, Churchill, De Gaulle, Gandhi, Roosevelt und Mao

Was haben Lenin, Churchill, De Gaulle, Gandhi, Roosevelt und Mao gemeinsam, außer dass sie Staatsmänner waren und tot sind?

Unglaublich aber wahr auf Initiative des Präsidenten der Region Languedoc-Rousillon werden gerade von den „großen Staatsmännern“ der Geschichte über 3m hohe Bronzestatuen in Montpellier aufgestellt. Siehe die entsprechenden deutschen Presseberichte dazu hier oder naturgemäß etwas umfangreicher das Echo der französischen Presse.

Der Historiker als Detektiv – und der Schüler?

Eigentlich ist es nur ein kleiner, unausgereifter Gedanke, den ich aber trotzdem hier zur Diskussion stellen möchte. In der Geschichtswissenschaft ist der Vergleich des Historikers mit einem Detektiv, der Vergleich ihrer jeweiligen Arbeit etabliert. Man denke nur an das gleichnamige Buch von Achim Saupe oder den Essay „Spurensicherung“ von Carlo Ginzburg.  Der Vergleich liegt nahe und ist historisch wohl sogar in einem Wechselverhältnis von entstehender Kriminalistik und Geschichtswissenschaft verwurzelt. Natürlich macht sich auch das Fernsehen die Nähe zu Nutzen in der Inszenierung von Sendungen mit historischen Inhalten. Aber für den Geschichtsunterricht? Mir fallen keine Unterrichtseinheiten ein, die die Schüler in die Rollen von Detektiven oder Kommissaren schlüpfen lassen, um die Vergangenheit zu erforschen. Ich denke, hier steckt ein enormes Motivationspotential.  Geschichte  außerhalb der Schule wird von Jugendlichen oft als sehr interessant und spannend bewertet. Das zeigt das anhaltende Interesse an historischen Filmen und Romanen, auch und gerade bei Jugendlichen. Der Geschichtsunterricht hingegen wird nach großer Begeisterung am Anfang oft  schnell zu einem der Fächer, das zu den langweiligsten zählt. In der Verknüpfung von Krimi-Spannung mit historischem Geschehen und Verstehen liegt vielleicht eine Chance für den Unterricht, diese Kluft etwas kleiner zu machen.

Wäre es nicht möglich, die Quellen und Materialien zum Beispiel zum Mord an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, so zu arrangieren, dass die Schüler hier wie Kriminalisten herangehen und den „Fall“ lösen? Die dafür benötigten Kompetenzen sind grundlegend für den Umgang mit Geschichte und Kern jeden Geschichtsunterrichts. Ähnliches lässt sich für viele andere Themen und Zeiten denken. Ohne dabei die Inhalte zu eng zu führen, da der ganze Hintergrund zum Verständnis des Geschehens notwendig ist, können hier in Form von vergleichsweise offenen Projekten  ganzen Themenbereiche ausgehend von einer „Fallbeschreibung“ aufgearbeitet werde, vom Mord an Caesar  über die „Entführung“ Luthers, die Hinrichtung Karl Ludwigs Sands oder  die Attentate auf Zar Alexander II. oder  Kaiser Wilhelm I. bis hin zur Ermordung von Dollfuß oder Kennedy. In der Regel werden die Schüler in arbeitsgleichen Gruppen arbeiten, die abschließend ihre Ergebnisse vorstellen, vergleichen und im Hinblick auf Plausibilität und unterschiedliche Wertungen überprüfen können.  Dies wären auch mögliche Szenarien für historische WebQuests.

Vielleicht aber gibt es schon entsprechende Unterrichtsvorschläge und -entwürfe? Kennt jemand welche?

Lehrplanreformen und Kompetenzorientierung

Zu der Diskussion um Reform von Lehrplänen und der zunehmenden Kompetenzorientierung möchte ich auf zwei Beiträge hinweisen: Andreas Körber in seinem Blog einen lesenswerten Aufsatz veröffentlicht. Zentral ist für mich folgende Aussage:

Eine sinnvolle Verknüpfung von content-standards (in einem echten „Kerncurriculum“) und performance-standards (auf der Basis eines Kompetenzmodells) müsste getrennt voneinander Gegenstände und Themen angeben und die jeweils an ihnen zu entwickelnden bzw. zu fördernden Kompetenzen mit einem bestimmten Niveau ausweisen, nicht aber die reine Fähigkeit zur Wiedergabe oder nur Nennung bestimmter Deutungen als eine Performanz ausweisen.

Entwürfe, die sich hieran orientieren, scheinen mir wirkliche Entwicklungschancen für den Geschichtsunterricht zu bieten. Die von Körber geäußerte Kritik an bisherigen Entwürfen und einem großenteils falschen Kompetenzverständnis ist m.E. zutreffend.

Die wegen ihrer massiv in Kritik geratenen Vorschläge aus Hessen werden von Christian Jung in seinem Blog Zeittaucher besprochen. Sehr interessant ist dort auch die in den Kommentaren geführte Diskussion, gerade weil hier auch wieder deutlich wird, das im Zentrum der Debatte auch die Frage nach einer vermeintlichen inhaltlichen „Kanon“ steht.

In Rheinland-Pfalz erfolgt zur Zeit eine Überarbeitung des Lehrplans für die Sekundarstufe I. Von einer öffentlichen Diskussion und Präsentation von Arbeitsfassungen, wie für Hamburg bei Körber beschrieben, habe ich hier leider noch nicht gehört. Nach den Diskussionen in den anderen Bundesländern wird es auf jeden Fall spannend, welche Richtung der Entwurf in Rheinland-Pfalz einschlagen wird.

2. Newsletter des Verbandes der Geschichtslehrer Deutschlands erschienen

Der Newsletter informiert

„in enger Verbindung mit der Rubrik „Szene“ in „geschichte für heute“ (Wochenschau-Verlag) über die Verbandsarbeit sowie kurz und präzise über aktuelle Entwicklungen und Themen aus der Geschichtswissenschaft und Geschichtsdidaktik, dem musealen Bereich und den Medien.“

Wer in den Newsletter des VGD aufgenommen werden möchte, kann sich per Mail an die Redaktion wenden: Christian Jung

Viele Beiträge erscheinen auch vorab im Blog Zeittaucher, der gleichfalls von Christian Jung betreut wird.

Aufruf zur Mitarbeit: Studie zum Einsatz historischer Spielfilme im Geschichtsunterricht

Historische Spielfilme erfreuten sich schon vor Jahrzehnten großer Beliebtheit und auch in den letzten Jahren strömten Millionen Zuschauer in die Kinos, um „Der Untergang“, „Das Leben der Anderen“, „Inglourious Basterds“ oder „Die Päpstin“ zu sehen.

Angesichts der großen alltagsgeschichtlichen Bedeutung dieses Mediums möchte ich im Rahmen meiner Masterarbeit mithilfe einer Online-Befragung den Einsatz historischer Spielfilme im Geschichtsunterricht untersuchen.

Hierzu suche ich möglichst viele Teilnehmer – meine Befragung richtet sich an alle Geschichtslehrkräfte der allgemeinbildenden Schulen ab Klasse 5. Ihre Meinung und Ihre Erfahrungen sind gefragt! Was denken Sie generell über historische Spielfilme? Wie bewerten Sie das geschichtsdidaktische Potenzial und inwiefern haben Sie historische Spielfilme bislang in Ihrem Unterricht eingesetzt?

Beantworten Sie diese und einige weitere Fragen und unterstützen Sie damit meine Studie! Das Ausfüllen des Online-Fragebogens ist anonym und nimmt ca. 10 Minuten in Anspruch.

Unter folgendem Link können Sie bis zum 11.07.2010 an meiner Forschung teilnehmen: 

https://www.soscisurvey.de/SpielfilmeGU

Vielen Dank im Voraus für Ihre Unterstützung!

Britta Wehen

----------------------------------------
Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg
Institut für Geschichte
Abteilung für Didaktik der Geschichte
Wissenschaftliche Betreuung durch Prof. Dietmar von Reeken und Dr. Berit Pleitner
E-Mail:       Historische-Spielfilme@gmx.de

Fortschrittsdenken und Geschichtsunterricht

Dass Schülerinnen und Schüler mehrheitlich mit dem Konzept von Fortschritt an die Gegenstände historischen Lernens herangehen ist mittlerweile vielfach empirisch belegt. Geschichte präsentiert sich Schülern als Erfolgsgeschichte des immer Schnelleren, Weiteren, Besseren. Viel zu wenig Beachtung hat m.E. in diesem Zusammenhang bisher die Rolle der Geschichtscurricula und -bücher bei der Konstruktion oder zumindest Unterstützung dieses Konzeptes gefunden.

Um kurz zu rekapitulieren: Was bedeutet das unterschwellig vorhandene Fortschrittskonzept für historisches Lernen? Für Schüler heißt es oft: Abstand zur Vergangenheit, i.S. von „die“ konnten das „damals“ noch nicht wissen, „wir“ sind da heute viel „weiter“. Daraus kann sich dann ein Überlegenheitsgefühl der Gegenwart gegenüber der Vergangenheit ableitenn. Gerade dieses verhindert aber historisches Lernen.

Ein Blick auf typische (so schwierig und pauschal das jetzt auch sein mag) Themen und deren Abfolge im Geschichtsunterricht zeigt aber eben eine Auswahl erfolgreicher Entwicklungen: vom Absolutismus zur Demokratie (englische, us-amerikanische und französische Revolution), vom Ackerpflug zum Computer (bäuerliches Leben und Handwerk in Mittelalter und Früher Neuzeit über Manufakturen zu Liberalismus und Industrialisierung ) ebenso wie bei Philosophie und Religion (Mittelalter – Renaissance / Humanismus – Aufklärung). Nuancen, Brüche und Gegenentwicklungen verschwinden dabei weitgehend: Die meisten Schüler verstehen das Besondere des Absolutismus nicht, weil sie keine Ahnung von Herrschaft und Mitbestimmungsrechten seit dem Mittelalter haben (siehe auch das aktuelle Heft von Geschichte lernen).

Es gibt wenige Stelle, wo „Scheitern“ im Geschichtsunterricht ausdrücklich thematisiert wird: die Revolution von 1848/49, die aber als Bezugpspunkt für die Demokratieentwicklung noch positiv umgedeutet wird, im schlimmsten Fall behalten die Schüler, dass die Zeit noch nicht „reif“ war (ähnliches gilt für die Französische Revolution); und  ohne Einschränkung das Scheitern der Weimarer Republik, das wiederum von Schülern und Lehrkräften meiner Erfahrung nach als eines der spannendsten Themen angesehen wird. Und das eben nicht nur, weil hier eine „Urfrage“ der Beschäftigung mit Geschichte heute thematisiert wird („Wie war Hitler möglich?“).

Gerade in der Thematisierung von gescheiterten Entwicklungs- und Reformversuchen liegt m.E. eine enormes, bisher kaum berücksichtigtes didaktisches Potential, weil hier aufgezeigt werden kann, dass der Gang der Geschichte eben nicht nur, wie die Auswahl von Geschichte für den Geschichtsunterricht oft suggeriert, Fort- sondern auch Rückschritte und Rückschläge beinhaltet. Außerdem lassen sich an solchen Gegenständen auch sehr gut  Fragen nach Relevanz und Auswahl historischer Themen für den Unterricht stellen. Gerade wenn man exemplarisch das Scheitern an einem Gegenstand herausgreift, der nicht im Geschichtsbuch steht, lassen sich solche Fragen  mit Schülern gewinnbringend diskutieren. Die oft beklagte Stofffülle und die geringe Stundenzahl stehen dem nicht im Wege, wenn man das Prinzip der Exemplarität wirklich ernst nimmt.

Drei mögliche Themen, um das „Scheitern“ im Geschichtsunterricht beispielhaft zu thematisieren, sind z.B.

1) Die Friedensbewegung vor dem 1. Weltkrieg. Jeder Lehrer kennt das vermutlich aus dem Unterricht, dass Schüler meinen heute wäre der Kriegsausbruch wäre so nicht mehr möglich. Warum steht denn viel über die „Kriegsbegeisterung“ in den Geschichtsbüchern, aber nichts über die Friedensdemonstrationen, die 1913/1914 Hunderttausende in ganz Europa auf die Straßen brachten? Nur, weil sie nicht erfolgreich waren? Die Thematisierung dieser Bewegung kann uns ein Stück unserer gegenwärtigen Überheblichkeit nehmen.

2) Die korsische Revolution von 1755: Unter Pasquale Paoli gibt sich Korsika die erste geschriebene demokratische Verfassung der Neuzeit, lange vor den USA, Polen oder Frankreich und erklärt sich zugleich von Genua unabhängig. Die Genusesen überlassen die Insel Frankreich, das mit seinen überlegenen Truppen 1769 die korsische Demokratie und Unabhängigkeit blutig beendet. Die französischen Revolutionäre schließlich bestätigen 1789/90 die Annexion Korsikas, die bekanntlich bis heute Bestand hat

3) Dasselbe gilt für die polnische Verfassung und Reform von 1791. Gerade im Vergleich mit Frankreich und den USA können hier tiefere Einsichten gewonnen werden, weswegen „Scheitern“ als Gegenkonzept zu „Fortschritt“ einen Platz in Geschichtsdidaktik  und -unterricht erhalten sollte.

Einsatz von Computer und Internet im Geschichtsunterricht

Hilke Günther-Arndt schreibt: „Solange ein erheblicher Teil der kognitiven Kapazität durch die Bedienung der Programme absorbiert wird, bleibt der didaktische Nutzen der Computer ambivalent: Zwar wird das Lernziel ‚Mit den neuen Medien umgehen‘ erreicht, aber bei den Fachzielen müssen teilweise noch Abstriche hingenommen werden. Erst wenn sich die Alternative ‚Bedienkompetenz‘ versus ‚historische Kompetenz‘ nicht mehr stellt, wird der Computer ein selbstverständlicher Bestandteil für guten Geschichtsunterricht werden.“ (aus: Geschichtsdidaktik. Praxishandbuch für die Sekundarstufe I und II, 2003, S. 219.)

Gilt diese Aussage auch noch 2010? Bieten Programme und digitale Werkzeuge vielleicht nicht doch auch trotz eventueller Einarbeitung einen ‚Mehrwert“ für historisches Lernen?