Erweiterung für Textura Special Edition: Ukraine 1772–1922

Wir freuen uns, eine neue, kostenlose Erweiterung für das Textura-Spiel vorzustellen: Zwölf zusätzliche Karten zur Geschichte der Ukraine zwischen 1772 und 1922, die die bisherige Special Edition erweitern und vertiefen. Die Karten sind als PDF verfügbar und lassen sich nahtlos in das reguläre Textura-Spiel integrieren oder auch als eigenes Set spielen.

Warum diese Erweiterung wichtig ist

Die Ukraine spielt in deutschen Schulbüchern und Lehrplänen bisher oft nur eine Nebenrolle oder wird stark vereinfacht dargestellt. Aspekte wie die Teilungen Polens, nationale Bewegungen, Religion, Sprachenpolitik, Konflikte mit Polen oder die erste moderne Staatsgründung im Ersten Weltkrieg fehlen oft völlig – obwohl sie zentral für das Verständnis Europas und der heutigen politischen Lage sind.

Unsere Erweiterung zeigt historische Entwicklungen, die enge Vernetzungen mit deutscher und polnischer Geschichte haben, gleichzeitig aber eine eigenständige Perspektive auf die Ukraine eröffnen.

Inhaltliche Schwerpunkte der neuen Karten

  • Teilungen Polen-Litauens und ihre Folgen für ukrainischsprachige Gebiete – z. B. Galizien unter Habsburg, östliche Ukraine im Russischen Reich
  • Nationalbewegung und Sprache – wachsendes ukrainisches Bewusstsein trotz russischer Unterdrückung
  • Religion und Identität – Rolle der Kirchen in Galizien und Russland
  • Revolution und Staatswerdung 1917–1922 – Zentralrat, Volksrepublik, Sowjetrepublik, Friedensverträge
  • Deutsch-ukrainische und polnisch-ukrainische Verflechtungen – Austausch, Konflikte, Bündnisse

Warum gerade jetzt?

Vier Jahre liegt nun der Beginn der russischen Vollinvasion in der Ukraine schon zurück. Die ukrainische Geschichte sollte schon längst stärker ins Blickfeld des Geschichtsunterrichts gerückt sein. Um die Integration der ukrainischen Geschichte leichter zu machen, haben wir dieses neue Set von 12 Karten entwickelt. Die Anregung dazu kam durch die Ankündigung eines neuen trinational ausgerichteten Schulbuchprojekts des Instituts für Politische Studien der Polnischen Akademie der Wissenschaften, des Leibniz-Instituts für Bildungsmedien und des Zentrums für Historische Forschung der Polnischen Akademie der Wissenschaften.

Die Materialien können eine kleine Hilfe darstellen für den Unterricht für und mit ukrainischen Schüler:innen, die in Deutschland zur Schule gehen, für die Herausforderung, mehrsprachige Klassen zu unterrichten und gleichzeitig Geschichte aus einer multiperspektivischen Sicht zu vermitteln.

Kostenloser Download & Einsatzmöglichkeiten

Die Erweiterung steht als PDF-Download zur Verfügung und kann sowohl als Einzelset als auch zusammen mit anderen Textura-Sets genutzt werden. Didaktisch eignet sie sich u.a. für:

  • Sek I & Sek II Geschichtsunterricht
  • deutsch-polnisch-ukrainische Unterrichts- und Schulprojekte
  • Projektwochen zu Ukraine oder dem östlichen Europa
  • fächerübergreifende Einheiten zu Sprache, Identität und Migration

Den Download gibt es auf der offiziellen Textura-Website: https://textura-spiel.de/2026/02/ukraine-erweiterung/

Hinweis: Vorbestellung der „Textura Special Edition“ zur deutsch-polnischen Geschichte

Zum Schulstart in Rheinland-Pfalz noch ein kurzer Hinweis in eigener Sache: Für unser Spielprojekt zur deutsch-polnischen Geschichte, die „Special Edition“ von Textura, haben wir eine Website aufgesetzt:

https://textura-spiel.de/

Dort finden sich u.a. Informationen zum Spielprinzip und den Projektpartnern. Darüber hinaus gibt es für Schulen und andere Bildungseinrichtungen in Deutschland und Polen auch eine Vorbestellmöglichkeit für das Spiel. Wenn ab jetzt alles glatt läuft, können wir die Spiele voraussichtlich Mitte Oktober verschicken.

 

Spielerisch Geschichte erzählen – ein Spiel zur Förderung narrativer Kompetenz im Geschichtsunterricht

Über ein Jahr intensive Arbeit und Testen in verschiedenen Klassen und Kursen steckt hinter dem folgenden Unterrichtskonzept. Basierend auf einer Idee von Ronald Hild haben wir ein Spiel zur Förderung des Erzählens im Geschichtsunterricht entwickelt. Das Spiel haben wir „Textura“ getauft, weil beim Spielen ein dichtes Netz, eine Art Erzähl-Gewebe entsteht. Textura hat einen modularen Aufbau und ist in mehreren Varianten vielseitig einsetzbar sowohl zum Einstieg in ein neues Thema, zur Texterschließung wie auch zur Wiederholung und Übung am Ende einer Unterrichtseinheit. Das vollständige Konzept findet sich hier zum Download als PDF-Datei.

Beispielhaft stellen wir die Inhalts- und Verknüpfungskarten zum Thema „Herrschaft im Mittelalter“ zur Verfügung. Wer mag kann sich die Materialien runterladen und im Unterricht ausprobieren:

Die Verknüpfungen können einfach ausgedruckt, kopiert und ausgeschnitten werden. Die Inhaltskarten müssen einmal gefaltet und zusammengeklebt werden, so dass auf der Vorderseite der Begriff und ein Bild, auf der Rückseite die passenden Infos zu sehen sind.

Das Beispiel zeigt das Potential von Textura, zugleich aber auch die Grenzen der Arbeit mit gemeinfreien bzw. CC-lizensierten Materialien. Die ausgewählten Symbole und Bilder sind in Teilen nicht ideal. Einige würden wir anders gestalten – wenn wir könnten, aber dazu bräuchten wir die Zusammenarbeit mit einem Illustrator bzw. mit einem Verlag, um die Materialien nicht improvisieren zu müssen, sondern um sie optimal gestalten zu können.

Anleitungen als Kopiervorlage für die Schülerinnen und Schüler zu zwei Spielvarianten können gleichfalls heruntergeladen werden:

Trotz der genannten Einschränkungen hat das Spiel beim Einsatz im Geschichtsunterricht überzeugt. Die Schülerinnen und Schüler waren begeistert und auf Lehrerseite stärkt das Spiel die Diagnostik, weil an den Diskussionen im Spiel und den mündlichen Erzählungen mit Hilfe der Karten sehr schnell deutlich wird, welche Inhalte und Zusammenhänge noch nicht ganz oder gar nicht verstanden wurden.

Deshalb stellen wir das Konzept und die beispielhaften Materialien gerne zur Verfügung und würden uns über Rückmeldungen freuen, um das Konzept auf breiterer empirischer Grundlage weiterentwickeln zu können.

Zu einzelnen weiteren Epochen haben wir bereits Kartensätze ausgearbeitet, die wir auf Anfrage auch gerne weitergeben.

Historisches Lernen als Detektivspiel

Die Arbeit des Historikers ist schon oft mit der des Detektivs verglichen worden. Für den Unterricht nutzbar gemacht wurde das bislang kaum. Zu sehr orientiert sich seit der Hinwendung zur Quellenorientierung der Geschichtsunterricht an der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit vor allem schriftlichen Texten.

Zur Zeit stark vor allem im Bereich der Mediendidaktik sehr en vogue ist die Idee des Game Based Learning (GBL), vereinfacht gesagt, geht es darum, durch Spaß am und im Spiel gezielte Lernprozesse anzuregen und zu unterstützen. Darin steckt meines Erachtens noch eine Menge bisher wenig beachtetes Potential für die Motivation im Geschichtsunterricht.

Hier möchte ich einen kleinen Vorschlag machen, wie man so die Idee spielerischer Detektivarbeit in jüngeren Klassen für historisches Lernen im Geschichtsunterricht nutzen kann. Inhaltlich steht im Mittelpunkt die Ermordnung des Tiberius Gracchus, ein Mordfall bei dem die Schüler im Gegensatz zu anderen berühmten, wie z.B. dem Caesars, in der Regel die Hintergründe nicht kennen. Das ist eine wichtige Voraussetzung für die Umsetzung. Im Gegensatz zu Christoph Kühberger sehe ich übrigens durchaus einen relevanten Gegenwartsbezug für die Behandlung der Reformen der Gracchen im Unterricht.

Die Schüler erhalten Rollenkarten mit der Aufgabe als Detektiv. Sie können auch kleine Teams bilden. Dazu gibt es sechs Rollen mit Vertretern verschiedener sozialer Schichten und Interessensgruppen aus dem alten Rom. Diese Personen müssen die Detektive befragen und aus ihren Erzählungen müssen sie versuchen, den Mordfall zu lösen. Wichtig ist, dass nicht nur nach dem oder den Mördern, sondern immer auch nach den Motiven gesucht wird. Das ist für das historische Lernen in diesem Zusammenhang entscheidend.

Die Hypothesen der Detektivgruppen können im Plenum vorgestellt und diskutiert werden. Je nach Zeitansatz und Lerngruppe lässt sich das Thema vertiefen, in dem die eigene Detektivarbeit reflektiert und eventuell mit einem Darstellungstext, z.B. aus dem Schulbuch, verglichen wird.

Die Texte finden sich hier als DOC-Datei zum Download. Sie können also modifiziert und dem eigenen Unterricht und der Lerngruppe angepasst werden.

Bei der Durchführung der Unterrichtsstunde hatte ich mit vier Schülern im Vorfeld die Übernahme der „Zeugen“-Rollen abgesprochen. Das war allerdings nicht ideal. Eine Alternative könnten virtuelle Avatare darstellen, die den Text sprechen. Vorteil ist, dass hier keine Rollenwechsel stattfinden (die Avatare werden ja nicht als Mitschüler angesprochen) und dass die Detektive individuell einzelne Texte so oft anhören können, wie nötigt und auch gezielt einzelne Passagen noch einmal abrufen können (an Computerstationen oder ihren eigenen mobilen Geräten mit Kopfhörern).

Wie so ein sprechender Avatar aussehen kann, lässt sich hier sehen. Die Figuren können per Link oder Einbettung in eine Lernplattform, ein Blog oder als QR-Code für die Schüler zur Verfügung gestellt werden. Allerdings gibt es noch ein Problem: Die Sprachwahl und -ausgabe bei Voki ist ziemlich gut. Das Progamm lässt sich auch ohne Anmeldung benutzen und stellt dauerhafte Links zu den erstellten Avataren bereit.

Doch die nicht sehr umfangreichen Texte der sechs Charaktere sind für Voki bereits zu lang und können nicht komplett eingegeben werden. Zudem ist die Auswahl an Avataren ist sehr begrenzt und für historische Themen kaum geeignet. Andere Programme wiederum ermöglichen das Hochladen von eigenen Bildern, die in beweglichen und sprechende Avatare konvertiert werden können, hier ist dann aber meines Wissens bislang keine Umsetzung in eine deutsche Sprachausgabe möglich.

Wenn jemand eine entsprechende Online-Anwendung oder App kennt, bitte ich um Hinweis: Dann ließen sich z.B. römische Büsten oder andere historische Abbildungen von Personen mit verschiedenen Stimmen zum Sprechen bringen und das wäre eine sehr spannende und motivierende Abwechslung für das Geschichtsunterricht!

Musikrätsel vor den Ferien

Eine Idee zu einer kleinen Aktitivtät für zwischendurch, eine Vertretungsstunde oder die letzten Minuten vor den Ferien:

Gebraucht werden mindestens 20 Minuten Zeit, Musik und ein entsprechendes Abspielgerät.

Einzelne historische Lieder werden angespielt. Sobald ein Schüler „Stopp“ ruft, wird die Wiedergabe angehalten. Geraten werden soll das Veröffentlichungsdatum des Liedes. Bei der genauen Jahreszahl gibt es 5 Punkte, bei einem Jahr mehr oder weniger noch 3, im Rahmen von bis zu 5 Jahren 1 Punkt. Liegt der Vorschlag ganz daneben, wird ein Punkt abgezogen. Dann wird das Lied weiter abgespielt, bis jemand so nah dran liegt, dass er mindestens einen Punkt erzielt. Letzteres verhindert, dass durcheinander reingerufen wird und einfach Jahreszahlen runtergerattert werden.

Um die Lieder einzuordnen, muss sehr genau zugehört werden, zum einen auf die Musik und die Aufnahmequalität, zum anderen und vor allem auf den Text. Entsprechend sollten die Lieder auch ausgewählt werden. Wie bei dem Beispiel des „Trizonesien“-Songs: Hier lässt sich die Entstehungszeit zwischen Ende des 2. Weltkriegs und Gründung der BRD gut eingrenzen. Das macht durch den Spiel-/Wettbewerbscharakter Spaß. Entscheidend für das historische Lernen ist die argumentative Begründung zur Einordnung des jeweiligen Liedes. Wer nicht auf Youtube oder ähnliche Webangebote zurückgreifen und selbst Lieder zusammensuchen möchte, findet mehrere gute Zusammenstellungen, z.B. in den

Protestsongs bei der BpB (2. Hälfte 20. Jahrhundert, Schwerpunkt: 70er-90er Jahre)

– in der CD-Beilage zu Praxis Geschichte Heft 5 (2004): Hi(t)story (Heft allerdings vergriffen)

– 4 CD-Boxen mit 12 CDs „Dass nichts bleibt, wie es war“ 150 Jahre Arbeiter- und Freiheitslieder (von 1844-1990, Rezension in der Zeit)

Hilfreich und sehenswert in diesem Zusammenhang ist auch die Seite Historisch-Kritisches Liederlexikon des Deutschen Volksliedarchivs.

„Was-ist-passiert?“-Geschichten

Wer diese Art von Rätselgeschichten (auch Laterale) nicht kennt, findet auf spielewiki.de eine verständliche Erklärung und ein paar Beispiele. Methodisch bietet dieses Spiel eine schöne Alternative für den Unterrichtseinstieg, wobei die Geschichten dazu noch selbst verfasst werden müssen. Vorteile sind: Hohe Aktivierung der Lernenden, die mitdenken, selbst Fragen an den Gegenstand formulieren und dadurch interessiert und motiviert werden (falls der Einstieg denn klappt! ;))

Im Kern geht es darum, dass in Form eines Rätsels eine kurze Geschichte erzählt wird und die Teilnehmer dann mit geschlossenen Fragen erkunden müssen, was passiert ist. Einsetzen lässt sich die Methode als Einstieg in allen Schulformen und jedem Alter. Die Schwierigkeit der Geschichten, die immer schon Hinweise für die Lösung beinhalten, kann entsprechend variiert werden.

Ich habe das Verfahren bisher einmal im Unterricht ausprobiert. Basierend auf der Erzählung des Luthervereins zu Luthers „Entführung“ auf dem Rückweg vom Wormser Reichstag habe ich daraus eine verkürzte Rätselgeschichte (PDF) vefasst. Im Unterricht hat das Verfahren bei den Lernenden Interesse geweckt, allerdings war zwei Schülern die Geschichte bereits bekannt, so dass sie mit gezielten Fragen das Spiel schnell zu einem Ende geführt haben…

Der erste Einsatzersuch ist also ein wenig „gefloppt“, was immer wieder vorkommen kann, für den Verlauf des Unterrichts aber nicht weiter schlimm ist, da die Inhalte vermittelt werden, wenn auch mit etwas weniger Spiel- und Rätselspaß. Zu empfehlen ist es auf jeden Fall gleichfalls spannende Ereignisse mit kriminalistischem Charakterr (Entführungen, Mordfälle etc.) zu nehmen, die aber weniger bekannt sein sollten als die Ermordung Caesars oder eben die Entführung Luthers.

Denkbar ist es natürlich genauso, wenn ungleich anspruchsvoller, dass Schülerinnen und Schüler selbst historische Ereignisse recherchieren und dann selbst Rätselgeschichten verfassen.