„Bist du Jude?“

Andreas Körber weist in seinem Blog auf einen lesenswerten Artikel der Zeit zum Umgang mit der Erinnerung an den Holocaust von Migranten in Deutschland, hier speziell mit türkischem Migrationshintergrund, hin. Körber schreibt: „Bitte auch die beiden verlinkten weiteren Artikel beachten — und die Kommentare der Leser, die zum Teil tiefe Einblicke in die (vorhandenen oder fehlenden) Fähigkeiten von Lesern geben, mit den Konzepten von historischer Identitäten umzugehen.“ Mittlerweile sind es 16 Seiten Kommentare unter dem Artikel.

DW-World Dossier: 50 Jahre Unabhängigkeit – Afrika und das koloniale Erbe

„17 afrikanische Kolonien erreichten vor 50 Jahren ihre Unabhängigkeit. Die europäischen Kolonialherren übergaben die Macht an Afrikaner. Das große Jubiläum – ein Grund zum Feiern?“ Das Online-Dossier der Deutschen Welle nähert sich mit zahlreichen Artikeln und Hörbeiträgen der  politischen Geschichte und Gegenwart des afrikanischen Kontinents aus verschiedenen Perspektiven.

Buchtipp: Zwangsumsiedlung, Flucht und Vertreibung 1939-1959

Zwangsumsiedlung, Flucht und Vertreibung 1939-1959. Atlas zur Geschichte Ostmitteleuropas, hg. v. der Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2009.

Großartiges Buch mit hervorragendem Kartenmaterial, um das Thema im Unterricht aufzugreifen. Das Buch ist ursprünglich von polnischen Wissenschaftlern erarbeitet und wurde für die Lizenzausgabe der BpB ins Deutsche übersetzt. Daher ergibt sich der Schwerpunkt auf der polnischen Geschichte. Da aber das komplette polnische Territorium vor- und nach dem 2. Weltkrieg miteinbezogen wird, ergibt sich hier eine ausgedehnte mitteleuropäische Perspektive, die auch Deutsche, Ukrainer, Litauer, Weißrussen, Tschechen und Slowaken mit einbzieht. Damit sind natürlich noch längst nicht alle betroffenen Gebiete Europas erfasst, aber diese europäische Perspektive ist m.E. für jede Art der Darstellung und Behandlung absolut grundlegend. Das Buch zeichnet sich neben den hervorragenden Karten durch das gelungene Layout, viele Fotoabbildungen und gelungenen Informationstexten und Übersichtstafeln aus. Es eignet sich daher sowohl zum Einlesen für Lehrer und Schüler in das Thema als auch die Darstellung im Geschichtsbuch als ergänzende Materialfundgrube.

Das Buch kann hier gegen eine Bereitstellungspauschale von 6 7€ bei der BpB bestellt werden. Es wäre wünschenswert, wenn das Buch in Deutschland breit rezepiert würde, da die Diskussion um Zwangsumsiedlung, Flucht und Vertreibung ja weiterhin eine hoch sensible und politische Angelegenheit ist, die einen entsprechend hohen Grad an Informiertheit  in einer möglichst breiten Öffentlichkeit erfordert.

Zum „Vertriebenen-Streit“ auch ein ganz aktueller Artikel in der taz, ein Interview mit dem polnischen Historiker Tomasz Szarota.

Paulskirchenprojekt en français

Lyonel Kaufmann gibt in seinem Blog eine Zusammenfassung des Twitter- und Blogprojekts auf Französisch. Für alle, die des Französischen mächtig sind, bietet Lyonel Kaufmann, der in der Lehrerfortbildung an der Haute Ecole Pédagogique in Lausanne in der Schweiz arbeitet, umfangreiche Seiten, von denen der Blog nur ein Teil ist,  mit zahlreichen Informationen, Anregungen und Überlegungen rund um den Geschichtsunterricht und vor allem dessen Entwicklung mit digitalen Medien. #Lesenswert!

Indian Ocean in World History

IndianOceanHistory ist ein großartiges, englischsprachiges Portal zur Geschichte des Indischen Ozeans in globaler Perspektive. Das Portal bietet interaktive Karten von der Antike bis heute, über die zunächst der geographische Raum des indischen Ozeans definiert sind und die in jeder Großepoche mit Mouseover-Buttons Informationen zu verschiedenen Schwerpunkten wie Karten, Reisende, Handelsgüter usw. bieten.

Es gibt zudem für Schüler und Lehrer einleitende Texte (im pdf-Format) sowie weitere Leseempfehlungen. Für den Einsatz im Unterricht werden darüber hinaus Unterrichtsanregungen und Aufgaben angeboten.

Für interessierte Schülergruppen mit entsprechenden Englischkenntnissen (d.h. wohl wenn für bilinguale Schulzweige und Leistungskurse) bietet die Seite eine hevorragende Möglichkeit, die eurozentrische Perspektive zu verlassen und eine andere Weltregion vergleichend in den Unterricht hinzuzunehmen. Da davon auszugehen ist, dass auch die wenigsten Geschichtslehrer  sich in der Geographie und der Geschichte des Raums gut auskennen, eignen sich die optisch schön gestalteten Seiten gut, um sich selbst erstmals mit dem Thema und der Region auseinanderzusetzen und damit seinen eigenen Horizont zu erweiteren.

Buchtipp: The Hidden History of the Secret Ballot

An dieser Stelle möchte ich einen Sammelband empfehlen, den ich vor kurzem selbst empfohlen bekommen habe. Um mir die Arbeit einfacher zu machen, zitiere ich einfach den ersten Satz des Buchrückens, weil er auch mein Lesegefühl gut zusammenfasst:

„Every once in a while, a book comes along, that is refreshingly original and makes on think anew about a ‚well-known‘ topic“. (Akhil Gupta, Standford University)

Ohne auf alle Artikel in Ausführlichkeit eingehen zu können, möchte ich einige Punkte herausgreifen: Besonders lesenswert fand ich den Aufsatz von Frank O’Gorman „The Secret Ballot in the Nineteenth-Century Britain“. Mir war vorher nicht klar, wie spät das heute als selbstverständliches Grundprinzip unserer Demokratie geltende geheime Wahlrecht eingeführt wurde – in England z.B. durch den bekannten ballot act von 1872! – und wie kontrovers es gesellschaftlich disktutiert wurde. Eine chronologische Übersicht findet sich übrigens bei der englischsprachigen Wikipedia. Die u.a. deutschen, französischen und niederländischen sind ürigens überraschend kurz und bieten keinen historischen Überblick. Erstaunlich! Aber hoffentlich keine Frage der Relevanz 😉

Neu war mir auch, dass sich das geheime Wahlrecht erst durchsetzen ließ in einem Bündnis von progressiven und reaktionären Kräften, wobei letztere darin eine Chance sahen, den Demokratisierungsprozess zügeln und kontrollieren zu können. Interessanterweise haben Untersuchungen des Wahlverhaltens in England ergeben, dass durch die Einführung des geheimen Wahlrechts zunächst kaum Veränderungen des Abstimmungsverhaltens zu beobachten war. Interessant fand ich zudem, die zahlreichen aus unterschiedlichen politischen Richtungen vorgebrachten Argumente gegen ein geheimes Wahlrecht. In Erinnerung geblieben ist mir vor allem die Argumentation, dass nur durch die Öffentlichkeit des Wahlakts sichergestellt werden könne, dass der einzelne Wähler für das Wohl der Gemeinschaft und nicht für sein Eigeninteresse abstimme. Ein grundlegend anderes Demokratieverständnis als heute, das sich übrigens in entsprechenden Inszenierungen und Ritualen rund um die Wahl widerspiegelte.

Auch der kultursoziologische Ansatz, die geheime Wahl als Technik und Performanz zu verstehen und dahingehend zu untersuchen, ist äußerst aufschlussreich, da in mehreren Artikeln überzeugend dargelegt wird, wie in völlig unterschiedlichen Kontexten, geheime Wahlverfahren ganz unterschiedliche Bedeutungen zugeschrieben bekommen, so dass man nicht von einem grundsätzlich demokratielegitimierenden Verfahren sprechen kann.

Um noch einmal auf die Chronologie zurückzukommen:  Das moderne geheime Wahlverfahren ist übrigens in Australien entwickelt worden und von dort auch z.B. in den USA als „Australian ballot“ übernommen worden. Zum ersten Mal eingesetzt wurde es um 1855 in den australischen Staaten Tasmanien und Victoria. Zum 150. Jubiläum erschien 2005 ein kurzer, informativer Artikel in der Canberra Times, der sich gut zur Einführung eignet, vielleicht auch als Diskussionsgrundlage für eine entsprechende Einheit im Englischunterricht.

Romain Bertrand / Jean-Louis Briquet / Peter Pels (Hgg.), The Hidden History of the Secret Ballot, Bloomington/Indianapolis 2006.

My history network

Nach einer langen Winterpause beginnen wir gerade damit das weltweite Lehrer-Schüler-Netzwerk wiederzubeleben. Hier dann also noch mal (weil an anderer Stelle in diesem Blog schon ausführlicher vorgestellt) die herzliche Einladung an alle GeschichtslehrerInnen mit oder ohne ihre Schüler (eher für die Oberstufe geeignet) dem ning-Netzwerk beizutreten, um mit Schülern und Kollegen aus aller Welt über Geschichte und Geschichtsunterricht zu diskutieren. Nach einer ersten Probephase im Herbst 2009 muss ich sagen, myhistorynetwork ist eine äußerst interessante und bereichernde Plattform.

http://myhistorynetwork.ning.com/

Schule & Archiv in Rheinland-Pfalz

Die Landesarchive in Koblenz und Speyer bieten auf ihrem generalüberholten Internetauftritt einen Überblick über ihre pädagogischen Angebote, die u.a. Führungen durch die Archive und Werkstätten, Einführungen in das Lesen alter Schriften, in die Archiv- und Quellenarbeit umfassen. Besonders erwähnenswert scheint mir noch die für Schulen ausleihbare „Archivkiste“, mit der sich das Archiv in die Schule holen lässt. Außerdem finden sich einzelne Archivalien, die für den Unterricht aufbereitet wurden.