…ist im Grund der Herren eigner Geist, in dem die Zeiten sich bespiegeln.

Bundesarchiv, Bild 183-R90909 / CC-BY-SA

Nationaltheater Weimar, Wiedereröffnung am 28.8.48 Goethe-„Faust“-Studierzimmerszene, Faust und Famulus Wagner
Bundesarchiv, Bild 183-R90909 / CC-BY-SA

Für die meisten Leserinnen und Leser mit Sicherheit nichts Neues, für mich gerade ein schöner Zufallsfund. Ein Zitat aus Goethes Faust (V. 575ff.):

Wagner:

Verzeiht! es ist ein groß Ergetzen,
Sich in den Geist der Zeiten zu versetzen;
Zu schauen, wie vor uns ein weiser Mann gedacht,
Und wie wir’s dann zuletzt so herrlich weit gebracht.

Faust:

O ja, bis an die Sterne weit!
Mein Freund, die Zeiten der Vergangenheit
Sind uns ein Buch mit sieben Siegeln.
Was ihr den Geist der Zeiten heißt,
Das ist im Grund der Herren eigner Geist,
In dem die Zeiten sich bespiegeln.

P.S. Eine Google-Suche, wer sich wie der Zitate bedient und wer sie in welchem Zusammenhang anders interpretiert ist übrigens überaus kurzweilig.

Unterrichtsmaterial: Geschichte Afghanistans im 20. Jahrhundert

Ausgangpunkt für die kurze Unterrichtsreihe im Leistungskurs Geschichte war ein Vortrag von Dr. Reinhard Erös in meiner Schule (zur Person siehe die Seiten der Afghanistan-Hilfe, zu seinem Auftreten bei Vorträgen siehe auch hier inklusive der dort verlinkten Seiten oder den Bericht in der taz).

Die Ansichten zur Geschichte Afghanistans, die Erös in dem Vortrag teilweise implizit, teilweise explizit äußerte, sind, vorsichtig formuliert,  zumindest mal diskussionswürdig. Insgesamt war der Vortrag letztendlich doch irgendwie gut, weil er bei den teilnehmenden Schülerinnen und Schüler der gesellschaftswissenschaftlichen Leistungskurse ein Interesse an Afghanistan und vor allem aber weil er viele Fragen provozierte.

Als Einstieg wurden in der Folgestunde zunächst die historisch-politischen Thesen aus dem Vortrag von Erös gesammelt. So u.a. sinngemäß:

  • Die Afghanen haben Sowjetunion im Alleingang besiegt.
  • Eine zentrale Ursache für den Fall der Berliner Mauer liegt im verlorenen Afghanistan-Krieg der UdSSR.
  • Die Instabilität in Afghanistan ist durch Interventionen von außen bedingt. Afghanen sind keine Terroristen. Sie waren immer nur Opfer und Überfallene.

Steilvorlagen für den Unterricht. Alternativ lässt sich auch auf entsprechende Dokumenationen oder Texte zurückgreifen, die sich im Netz finden. Mit Hilfe weitere Informationen sollten diese Thesen geprüft und die lebendig vorgetragenen Informationshäppchen des Vortrags breiter kontextualisiert werden. Grundlage für die Arbeit waren wesentlich aus drei Publikationen der BpB für politische Bildung entnommene und für den Unterrichtszusammenhang gekürzte Texte:

1) Überblick Geschichte Afghanistans in der zweiten Hälfte des 20 Jahrhunderts

2) Afghanistankrieg 1979-1989

3) Infotext Taliban

Daneben wurde auch noch ein Text gleichfalls von Seiten der BpB in Auszügen hinzugezogen, in den die Darstellung der Ursachen für den Mauerfall in Schulgeschichtsbüchern analysiert werden. In mehreren methodischen Schritten mit Einzel-, Partner- und Gruppenarbeiten wurden neben der Überprüfung der Thesen mit Hilfe der Texte auch die Rollen folgender Akteure in Afghanistan und die Folgen des Afghanistankriegs für sie herausgearbeitet: UdSSR, USA, Mujaheddin, Taliban, BRD und DDR.

Zur Einordnung der Taliban erarbeiteten die Schülerinnen und Schüler anschließend kollaborativ in einem Etherpad Grundbegriffe und Strömungen des Islam. Entsprechende Ausgangsbegriffe und Links zu Internetseiten (u.a. zu Planet Wissen) wurden über die im Unterricht verwendete Lernplattform zur Verfügung gestellt.

Die Einordnung der Taliban-Bewegung erfolgte über das Erstellen eines „Steckbriefs“, der die zentralen sechs W-Fragen (Wer? Wo? Wann? Wie? Warum? Was?) sowie eine Einordung der Taliban innerhalb der vielfältigen Strömungen des Islam. Am Ende der Unterrichtsreihe stand eine Klärung offener Fragen und eine abschließende Bewertung des Vortrags durch die Schülerinnen und Schüler.

Archäologische Befunde virtuell aufbereiten

Interessantes Video, das einen kleinen Einblick gibt, wie Erfahrungen aus Computerspieldesign mit archäologischer Forschung verknüpft werden können.

Das Projekt geht über 3D-Rekonstruktionen von historischen Gebäuden, wie sie schon länger z.B. für Ausstellungen produziert werden, hinaus. Dazu noch ein Beispiel aus Köln. Dort wird in der Innenstadt in der sogenannten archäologischen Zone das Judenviertel der Stadt ergraben. Geplant ist auch ein jüdisches Museum. Der Film auf Youtube ermöglicht in Computerspieloptik einen Gang bzw. Flug durch eine 3D-Rekonstruktion der „ältesten Synagoge nördlich der Alpen“. Das ist eindrucksvoll. Für ein breiteres Publikum braucht es aber mehr Informationen, der reine Film ist nicht ausreichend. Ein Audiokommentar wäre gut, denkbar wären auch  Beschriftungen und Informationen im Video selbst – eventuell als interaktive Punkte oder Flächen. Diese Art der Aufbereitung ist im Vergleich zur Produktion der eigenlichen Rekonstruktion eine – allerdings entscheidende – Kleinigkeit.

Kurz notiert: Personalisierte Geschichtserzählungen?

Der folgende Gedanke steht hier als Frage, gerne zur Diskussion, im Sinne eines öffentlichen Zettelkastens noch völlig unausgereift. Geschichte begegnet uns in Film, Fernsehen, Comic und oft auch im Computerspiel in personalisierter Form. Im Rückblick auf ein älteres Projekt des geschätzten Kollegen König (Youtube: Alexander, der Große?) sowie aber auch auf eigene Unterrichtsprojekt zum „virtuellen Reenactment“ mit Twitter (Paulskirchenprojekt und Eroberung Mexikos) frage ich mich, ob nicht auch die Hinwendung zur Narration im Geschichtsunterricht in Verbindung mit den spezifischen Möglichkeiten des digital storytelling eine (Re-) Personalisierung des Geschichtsunterrichts begünstigt, wenn nicht sogar fördert.

Sollte dem so sein, bedeutete das eine Rückkehr zur Geschichte „großer Männer“ des 19. Jahrhunderts – mit dem (entscheidenden?) Unterschied, dass sie nun von den Lernenden selbst erzählt wird?Wäre das ein Rückschritt gegenüber einem als emanzipativ verstandenen schulischen Geschichtslernen – mit allerdings eher bescheidenen Ergebnissen – oder handelt es sich um eine (andere?) Art von Personalisierung, die für die Entwicklung historischen Denkens vielmehr sogar Potentiale bietet?

Könnten personalisierte Geschichtserzählungen z.B. durch ihre Anschaulichkeit zusätzlich dazu beitragen, dass im Gegensatz zu den stark gekürzten und daher vergleichsweise abstrakten Verfassertexten in heutigen Schulgeschichtsbüchern Orientierungswissen an Daten, Namen etc. besser behalten, weil miteinander verknüpft wird?

Lassen sich sogar vielleicht politische, wirtschaftliche und soziale Strukturen exemplarisch an ausgewählten (vielleicht sogar fiktiven?) Persönlichkeiten besser, im Sinne von für Kinder und Jugendliche verständlicher, darstellen bzw. erarbeiten?

 

Mehr oder weniger?

In der Geschichtswissenschaft wird bei der Digitalisierung von Quellen auch immer über den damit einher-gehenden Informationsverlust diskutiert. Im Vergleich zum Archiv ist das richtig. Im Bereich des schulischen Geschichtsunterrichts sieht das anders aus.

Im Unterricht kommen Textquellen in der Regel nur als transkribierte, übersetzte, stark gekürzte, mit einer Einleitung versehene Materialblöcke vor. Alle gleich aufgebaut und äußerlich nicht zu unterscheiden. Im Druck des Schulbuchs begegnet Schülerinnen und Schüler eine „mittelalterliche Urkunde“ genauso wie ein „Brief“ aus dem 18. Jahrhundert oder ein „Zeitungsartikel“ aus dem 20.

Digitalisierte Quellen bieten für den Geschichtsunterricht, sofern sie denn im Klassenraum verfügbar gemacht werden können, keinen Verlust, sondern einen Mehrwert an Informationen. Natürlich ersetzt eine digitalisierte Quelle nicht den Archivbesuch. Natürlich müssen Quellen auch weiterhin für junge Lernende aufbereitet, d.h. ggf. transkribiert, übersetzt oder auch gekürzt werden. Nichtsdestotrotz liegen in der Arbeit mit digitalisierten Quellen Potentiale für historisches Lernen:

Ein Brief ist wieder als Brief zu erkennen, eine Handschrift im 12. Jahrhundert sieht anders aus als im 19., ein Zeitungsartikel steht im Umfeld der Titelseite, auf der er publiziert wurde usw. Die Schülerinnen und Schüler erhalten also wesentlich mehr für das Verständnis und die Interpretation der vorliegenden Quelle relevanten Informationen als bislang in den Schulbücher oder auf Fotokopien. In großen Teilen, insbesondere bei gedruckten Quellen des 19. und 20. Jahrhunderts, ist nicht mal eine Aufbereitung notwendig, sondern es kann direkt mit dem Digitalisat gearbeitet werden.

Technisch ist die Umsetzung eine Kleinigkeit. Daher muss man nicht immer zuerst an aufwändige und in der Erstellung oft teure Simulationen, 3D-Modelle, Filme oder Lernplattformen denken, wenn man überlegt, wie die Arbeit mit digitalen Materialien im Geschichtsunterricht aussehen könnte. Bereits die Arbeit mit digitalisierten Quellen ermöglicht eine bedeutende Erweiterung und Veränderung historischen Lernens in der Schule. Neben die inhaltliche Analyse können nun gattungspezifische, formale und vor allem medienhistorische Aspekte treten. Wer sich daran macht, ein „wirklich digitales Schulgeschichtsbuch“ zu entwickeln, darf das Potential, das die digitalisierte Quellen für den Unterricht bieten, nicht unberücksichtigt lassen.

Verknappung vs. Überfluss

Auf die Formel von Verknappung versus Überfluss könnte man einen grundlegenden Unterschied zwischen analogem und digitalem Geschichtslernen bringen. Die bisherige Methodik des Geschichtsunterrichts basierte notwendigerweise auf verknappten Ressourcen. Grundlage des Geschichtsunterrichts ist in der Regel weiterhin weitgehend das Schulbuch, das aus einer mehr oder weniger umfangreichen Darstellung in Form eines Verfassertextes sowie einige Quellenauszügen besteht. In den letzten Jahrzehnten wurden diese durch Fotokopien ergänzt und erweitert.

Den in Schulbüchern abgedruckten Quellen ebenso denen durch die Lehrkraft auf Kopien ausgeteilten wird durch die erfolgte Vorauswahl und den Abdruck bereits eine hohe Relevanz zugeschrieben. Das ist ein Grund dafür, dass sie oft nur noch der Informationsentnahme, der Bestätigung des Lehrervortrags oder Verfassertextes dienen, aber nicht der historischen Auseinandersetzung. Eigentliche Quellenarbeit müsste früher einsetzen und sich nicht auf die Bearbeitung stark zusammengekürzte Textschnipsel reduzieren. So schreibt auch Körber:

„Im Unterricht wird jedoch zumeist einfach von einem gegebenen Quellenwert ausgegangen. Bereits die einfache Übung, den Schülerinnen und Schüler[n] ebenso Materialien zur Bearbeitung einer Fragestellung vorzulegen, die sich (erst) nach Prüfung als (für diesen Zusammenhang) belanglos erweisen, findet kaum statt – um so weniger noch die differenzierte Erörterung des Quellenwerts der, z.B. in Schulbüchern als relevant bezeichneten Materialien: Was im Buch oder auf dem Arbeitsblatt steht, muss bedeutsam sein, denn es hätte sonst nicht seinen Weg dorthin gefunden. Damit ist aber den Schülern geradzu die Denkleistung abgenommen, die zu der Erkenntnis führen kann, dass der Quellenwert dem Material nichts inhärentes, sondern ein ihm im Zuge des fragenbasierten historischen Denkens zugewiesenes ist.“ (Neuried 2007, 559)

Gegen eine wissens- oder archivnahe Beschäftigung mit Quellen im Klassenraum sprach neben der mangelnden Verfügbarkeit, im Wesentlichen ein Platzproblem des Schulbuchs, auch die Frage der „Effektivität“ des „durchgenommenen Stoffs“ in Bezug zur Unterrichtszeit sowie insbesondere für ältere Quellen deren Lesbarkeit. Ein Paläographiekurs ist Schülerinnen und Schülern sicher nicht zuzumuten. Mit der wachsenden Bedeutung der Zeitgeschichte in der Schule wird dieses Argument allerdings weniger wichtig.

Während der Archivsbesuch im Rahmen einer Exkursion oder eines Projekts die Ausnahme vom Regelunterricht bleibt, bietet die Digitalisierung die Möglichkeit die Archivsituation in die Schule zu holen. Zahlreiche Projekte und Institutionen haben dazu beigetragen, dass sich umfangreiche Themenangebote, Ausstellungen, vor allem aber zunehmend digitalisierte Quellensammlungen im Internet finden.

Eine im Hinblick auf den Überfluss von verfügbaren digitalisierten Quellen und Darstellungen veränderte Unterrichtsgestaltung kann sich aber erst entwickeln, wenn die Lehrkräfte die zur Verfügung stehenden Ressourcen nicht mehr nur für die Unterrichtsvorbereitung nutzen und diese damit bereits filtern und auswählen, sondern ihre direkte und ubiquitäre Verfügbarkeit für historisches Lernen in der Schule nicht nur zuzulassen und sie dazu zu nutzen, grundlegende Kompetenzen für den Umgang mit Geschichte außerhalb der Schule zu fördern.

Um die Fülle digitalisierter Quellen im Netz sinnvoll erschließen und verwenden zu können, müssen Schülerinnen und Schüler lernen, über adäquate Recherchestrategien in Suchmaschinen und Datenbanken zu verfügen, Dokumente anhand von Metadaten schnell zu identifizieren und ihre Relevanz im Hinblick auf die Fragestellung in einem ersten Schritt zu prüfen, ohne die komplette Quelle en détail zu lesen. Schließlich müssen sie in die Lage versetzt werden, die gefundenen Quellen gezielt und methodisch angemessen, ggf. mit Hilfe digitaler Werkzeuge, auszuwerten. Hier sind also Kompetenzen gefragt, die über den Geschichtsunterricht hinaus relevant sind, aber innerhalb des aktuellen schulischen Fächerkanons besonders in „Geschi“ angebahnt und eingeübt werden können.

Um dies zu leisten, ist in mehrfacher Hinsicht eine veränderte Gestaltung des Geschichtsunterrichts notwendig. Dies betrifft u.a. das Aufbrechen der Planung von Einheiten im 45 Minuten-Rhythmus, die durch längere Phasen projektorientierten Arbeitens ersetzt werden, eine Offenheit der Lernprozesse, deren Ergebnis anders als bei im Referendariat eingeübten Stundenmodellen nicht vorn vornherein feststeht und damit einhergehend das Zulassen eigener Fragen der Lernenden, deren mögliche Beantwortung an verfügbaren Materialien geprüft werden (Es kann dann auch eine wichtige Erkenntnis sein, dass sich gewisse historische Fragen aufgrund der Quellenlage nicht oder nicht eindeutig klären lassen).

Tagungsankündigung: #gld14. Geschichte Lernen digital. Geschichtsdidaktische Medienverständnisse

Am Freitag, den 25., und Samstag, den 26. April 2014, findet am Historischen Institut der Universität zu Köln die Tagung #gld14 | Geschichtsdidaktische Medienverständnisse | Entwicklungen – Positionen – neue Herausforderungen des KGD-Arbeitskreises dWGd | digitaler Wandel und Geschichtsdidaktik statt.

Interessierte Beiträger/innen können bis Dienstag, den 10. Dezember 2013, einen Vorschlag für einen Beitragstitel sowie ein kurzes Abstract (max. 800 Zeichen) bei Christoph Pallaske einreichen.

Weitere Informationen zum Tagungskonzept finden sich im Blog des KGD-Arbeitskreises „Digitaler Wandel und Geschichtsdidaktik“.

P.S. Zuerst hatte ich ja geschichtsdidaktische „Missverstädnisse“ gelesen, aber das hat sich dann doch als Verleser herausgestellt… 😉

Auswahl von Online-Materialien & digitalisierten Quellen zur Geschichte des 1. Weltkriegs

Der Erste Weltkrieg in Rheinland-Pfalz:
————
Bildpostkarten Universität Osnabrück: Der Erste Weltkrieg auf der Bildpostkarte

http://www.bildpostkarten.uni-osnabrueck.de/index.php?cat=142

BpB Dossier: Der Erste Weltkrieg

http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/ersterweltkrieg/

Deutsch-französisches Kriegsalbum

http://centenaire.org/de/international/das-deutsch-franzoesische-album-des-ersten-weltkriegs

DHM Der Weltkrieg1914-1918 Ereignis und Erinnerung

http://www.dhm.de/ausstellungen/der-erste-weltkrieg/ausstellung_ziele.html

Digitales Archiv Hessen-Darmstadt: Feldpostbriefe im 1. Weltkrieg

http://www.digada.de/wk1/kap2/feldpostbriefe.htm

European Film Gateway – First World War Collections

http://www.europeanfilmgateway.eu/about_efg/EFG1914collections

Europeana 1914-1918

http://europeana1914-1918.eu/de

Imperial War Museums – Google Art Project

http://www.google.com/culturalinstitute/collection/imperial-war-museums

Informationsportal Politische Bildung: Linksammlung 100 Jahre Erster Weltkrieg

http://www.politische-bildung.de/100_jahre_erster_weltkrieg.html

Feldpost 1916/17: Die Briefe und Tagebücher des Oberleutnants August Dänzer aus
Siebenbürgen und Rumänien

http://www.uni-cms.net/feldpostsammlung/

Feldpostbriefe. Lettres de poilus „…wer fällt, der stirbt den Heldentod“ (Deutschlandfunk)

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/feldpost/index.html

Feldpostbriefe: Bernd Ulrich, Die Augenzeugen. Deutsche Feldpostbriefe in Kriegs- und Nachkriegszeit 1914-1933, Essen: Klartext Verlag 1997, online:

http://www.erster-weltkrieg.clio-online.de/default.aspx?tabid=40208182

Irland und der Erste Weltkrieg

http://www.irelandww1.org/

La grande guerre. A Global History of World War I

http://grandeguerre.hypotheses.org/

Over the Top. An Interactive Adventure. Canadian War Museum

http://www.warmuseum.ca/cwm/games/overtop/index_e.shtml

Stadterinnerungen des Ersten Weltkriegs: Le Havre und Koblenz

http://memoires-urbaines-premiere-guerre-mondiale.spip.ac-rouen.fr/

Supremacy 1914 – Online-Spiel

http://www.supremacy1914.de

Themenportal Erster Weltkrieg der Bibliothek für Zeitgeschichte in der WLB Stuttgart
Traces 1914 – Schülerprojekt

http://www.traces1914.eu/

Walter Koessler Project (Fotoalbum eines deutschen Soldaten)

http://wwiphotos.tumblr.com/

Wikimedia Commons: World War I

http://commons.wikimedia.org/wiki/World_War_I

————
Auch als Etherpad ergänz- und weitergebbar: http://geschichtsunterricht.titanpad.com/10

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint…

Wollen wir den potentiellen Koalitionären von Union und SPD guten Willen und vielleicht sogar die überraschend gereifte Erkenntnis zugestehen, dass digitalen Medien und insbesondere individuellen mobilen Endgeräten für das Lernen in der heutigen Welt wie für die Zukunft eine wichtige Rolle zukommt. Der Gedanke, dass es sich hier nicht mehr nur um „Empfangsgeräte“ zur „Vermittlung von Inhalten“, sondern um die zentralen „Kulturpartizipationsgeräte“ handelt, scheint mir keineswegs abwegig und unterstreicht ihre Bedeutung.

Selbst wenn man davon absieht, dass es sich bei der Ankündigung vermutlich um nicht viel mehr als ein Lippenbekenntnis handelt, da der „Finanzierungsvorbehalt“ – von vielen in den sozialen Netzwerken schon als (Un-) Wort des Jahres 2014 vorgeschlagen – gleich mit benannt wird, der sich für mich so liest: „Schöne Idee, dafür werden uns viele mögen, aber das machen wir eh nicht.“ Also selbst wenn man davon absieht und guten Willen unterstellt, scheint die groß angekündigte und öffentlichkeitswirksame Ankündigung – „Große Koalition will jedem Schüler ein Handy schenken“ titelte z.B. Die Welt – ein wenig durchdachter Schnellschnuss.

Um aufzuzeigen, wo mögliche Fallstricke liegen, nur einige Nachfragen:

– Wozu sollen alle Schüler mit mobilen Endgeräten ausgestattet werden, wenn deren Nutzung in den meisten Schulen verboten ist?

– Wie soll in den Schulen mit den Geräten gearbeitet werden, wenn die entsprechende Infrastruktur (Breitband/Wlan) fehlt?

– Viele Kinder und Jugendliche haben bereits eigene mobile Endgeräte (→ BYOD-Projekte): Warum muss nach dem „Gießkannenprinzip“ allen ein Gerät zur Verfügung gestellt werden?

– Was bedeutet „allen Schülerinnen und Schülern“? Wer ein Jahr später eingeschult wird, erhält dann kein Gerät mehr oder bekommt jedes Jahr ein Jahrgang eine Komplettausstattung? Wie wird die Nachhaltigkeit gesichert?

– Mobile Endgeräte halten zur Zeit in der Regel zwei, vielleicht drei Jahre. Nach spätestens vier bis fünf Jahren ist ein solches Gerät technisch überholt. Wenn ein Schüler nun in der 5. Klasse ein Gerät vom Staat finanziert bekäme, dann hätte er spätestens in der 9. Klasse nichts Brauchbares mehr in den Händen. Was passiert dann?

– Von welchem Anbieter werden die Geräte erworben? Soll eine Monokultur in den Schulen implentiert werden mit allen Nachteilen der Bindung an einen Hersteller? Wie auch immer das Vorhaben wäre eine riesige staatliche Investition, ein sehr attraktiver Auftrag für jedes Unternehmen. Steckt hier vielleicht doch mehr Lobbyismus für die Förderung der IT-Wirtschaft dahinter als Überlegungen zur Bildung?

– Nicht nur Regeln und Infrastruktur spielen eine Rolle, auch der Umgang der Lehrkräfte mit den Schülergeräten? Wie sieht es aus mit Lehrerfortbildungen und Materialien zur Technik und zum (fachspezifischen) Unterrichtseinsatz?

Man mag die Ankündigung als „positives Zeichen“ werten, so ist es vermutlich auch gemeint, quasi ein Nachwahlversprechen, eine Art Zuckerstückchen, um die von allen ungeliebte große Koalition etwas annehmbarer zu machen. Ich sehe das kritischer, weil sich aus der Ankündigung mehr Fragen ergeben, als gelöst werden. Sicher hat es in den letzten Jahren bereits in vielen anderen Ländern Ausstattungsinitiativen für Schülerinnen und Schüler in diesem Umfang gegeben; in Deutschland bislang nicht. Aber aus den Erfahrungen anderer Länder könnte man lernen. Wenn man das Thema Bildung, das neue Lernen mit (digitalen) Medien in der Schule ernsthaft angehen und von Bundesseite fördern wollte, würden sich meines Erachtens andere Konzepte anbieten, z.B.: durch die Bereitstellung von Bundesmitteln u.a.

– zur gezielten Förderung von finanziell schwachen Familien zum Erwerb eigener Geräte für die Kinder, nach ähnlichen Kriterien wie beim Schulbuchgeld oder der Förderung von Klassenfahrten;

– zum Ausbau der schulischen Infrastruktur (Breitbandanschluss, Wlan), damit Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Geräte sinnvoll und ohne weiteren Kosten in der Schule genutzt werden können;

– zur Finanzierung von regionalen Stellen, Budgets oder Stundenkontigenten an Schulen zur Pflege und Wartung der neuen Infrastruktur, das ist für Lehrkräfte nicht „nebenbei“ zu leisten;

– zur Finanzierung einer Arbeitsgruppe (oder nennt es: „Task Force“), deren Auftrag die Erstellung einer Online-Plattform mit OER-Materialien zum (schulischen) Lernen mit mobilen Endgeräten und die Durchführung von Lehrerfortbildungen ist.