Ein Ohr an der Werkstatt: von Textura zu Link-15

Im „Spielenden Klassenzimmer“ ist eine neue Podcast-Folge erschienen, die für alle interessant sein dürfte, die sich für Lernspiele und insbesondere für Spiele im Geschichtsunterricht interessieren. In der aktuellen Folge gibt es ein Autorengespräch mit Ron Hild, mit dem ich seit fast zehn Jahren gemeinsam Spiele für den Unterricht entwickle:

https://das-spielende-klassenzimmer.de/dsk045

Anlass des Gesprächs ist die Überarbeitung und Neuveröffentlichung unseres ersten gemeinsamen Spiels Textura. Das erscheint (voraussichtlich am 21.01.2026) in neuer Fassung als Link-15 bei Kallmeyer im Friedrich-Verlag:

https://www.friedrich-verlag.de/shop/link-15-geschichte-ab-klasse-5-1003

Zum ersten Mal wurden die Idee und das Spiel 2017 tatsächlich hier im Blog veröffentlicht:

Online zum kompletten Download sowohl der Handreichung wie des gesamten Spielmaterials findet sich auch die „Special Edition“ zur deutsch-polnischen Geschichte:

https://textura-spiel.de/deutsch-polnische-geschichte/

Im Podcast erklären wir, warum das damals überhaupt eine „Special Edition“ war und wir sprechen über die Entstehung von Textura, über die vielen kleinen und großen Entscheidungen, die in die Entwicklung eines Lernspiels einfließen: Es bedeutet ja, das Spiel muss nicht nur „spielbar“ sein, was schon schwierig genug ist, sondern fachlich korrekt und didaktisch sinnvoll gestaltet sein. Gerade für den Geschichtsunterricht ist das keine kleine Herausforderung: Wie lassen sich historische Inhalte sinnvoll auswählen und die geforderten Kompetenzen so in Spielmechaniken übersetzen, dass sie fachlich sinnvoll bleiben und gleichzeitig zum Denken, Diskutieren und zur weiteren Beschäftigung mit dem Thema anregen.

Wir geben in der Folge einen kleinen Einblick in unsere „Werkstatt“: Was ist in den letzten 10 Jahren passiert, rund um Textura, jetzt Link-15, was ändert sich, wenn ein Spiel nach einigen Jahren noch einmal grundlegend überarbeitet und neu aufgelegt wird und wie geht es (vielleicht, voraussichtlich, hoffentlich) weiter…

Wer sich also für die Entwicklung von Lernspielen für die Schule interessiert und einen Blick hinter die Kulissen werfen möchte, dem sei diese Folge des „Spielenden Klassenzimmers“ ausdrücklich empfohlen.

Fake-Interviews im Klassenzimmer: wie KI die Quellenkritik verändert

Nachdem ich nun schon seit etwas mehr als einem Jahr wieder Geschichte unterrrichte – aktuell an der Deutschen Schule Mexiko-Stadt West – und sich aus dem Unterricht und der technischen Entwicklung doch immer wieder die ein oder andere Frage ergibt, bin ich froh dieses Blog vor über vier Jahren nicht gelöscht zu haben und öffne es mit diesem Beitrag erneut als Ort lauten Nachdenkens und hoffentlich auch wieder des fachlichen Austauschs.

Durch Zufall bin ich auf die neue Google-Anwendung „NotebookLM“ aufmerksam geworden.  Eigentlich ein Tool für das eigene Wissensmanagement, das aber auch die Möglichkeit bietet, in us-amerikanischem Englisch mit einem weiblichen und einem männlichen Host auf Knopfdruck einen Podcast zu generieren.

So einen Podcast habe ich mal mit in den Unterricht genommen. Kein:e Schüler:in hat vermutet, dass es sich um ein KI-generiertes Gespräch handeln könnte und waren entsprechend überrascht als ich das dann offenlegte, obwohl sie beim Eindruck schon formulierten, dass es sehr „geskriptet“ wirke. 

Aber nicht nur der Podcast war KI-generiert, sondern auch die „Gesprächsgrundlage“: Denn als erstes hatte ich ChatGPT ein fiktives Interview zwischen einem Journalisten und Adolf Hitler über die NS-Ideologie verfassen lassen.

Das Fake-Interview könnt ihr hier nachlesen:

… diesen Text habe ich dann in NotebookLM kopiert und das Programm hat dazu einen Audio-Podcast erstellt. Wenn ihr die Zeit habt, hört euch das bitte mal an:

NotebookLM Podcast-Aufnahme zu KI-generiertem Hitler Interview

Was mich total überrascht hat, wie die beiden KI-Moderatoren die Aussagen aus dem Interview kommentieren, sich distanzieren, das Ganze bewerten und einordnen. Damit hätte ich nicht gerechnet.

Und es stellt sich die Frage: Wie kann man das noch prüfen? Die erste Antwort der Schüler:innen? Entsprechend dem, was sie bisher gelernt haben: Die Inhalte checken, mit dem Schulbuch und anderen Informationen abgleichen. Das können sie machen, aber nicht nur dass dies sehr zeitaufwändig ist. Am Ende kommen sie zum Ergebnis, dass sowohl das Interview wie auch der Podcast inhaltlich ziemlich plausibel klingen. So fragte dann auch ein Schüler: Wenn das alles richtig ist, warum sollten wir dem nicht vertrauen?

Im Podcast wird die Textgrundlage kurz referenziert als „this rare interview from back then“. Das ist aus meiner Sicht ein zentraler Punkt: Es wird ein Interview genannt, aber keine Quellenangabe gemacht, die sich überprüfen ließe. Von wann ist das Interview? Wer hat es geführt? Wo wurde es veröffentlicht?

Natürlich lassen sich auch diese Angaben ausdenken und dann angeben, aber sie wären (vergleichsweise) leicht überprüfbar. Also traue nie Informationen ohne Quellenangabe. Ist es das? Nie war es so einfach Quellen und Darstellungen zu fälschen und es wird zunehmend einfacher zugleich besser…

Was meint ihr dazu: Greift ihr das im Geschichtsunterricht auf? Wenn ja, wie? Was können, vielleicht sollten Schüler:innen dazu lernen, damit sie einen vielleicht nur kurzfristig wirksamen, aber trotzdem vorübergehend hilfreichen Orientierungsrahmen haben?