Chats and videoconferencing in classroom

Here is a presentation from the European eTwinning Workshop in Bonn last weekend about the „Pedagogical use of chats and videoconferencing in classroom“:

For more information on the eTwinning Professional Development Workshop in Bonn click here.

Herrscher, Stadt und Privilegien 2

Zur Vertiefung aber auch losgelöst vom vorangehenden Eintrag lässt sich folgender Text zum Thema der symbolischen Kommunikation und der Bedeutung von und Umgang mit Schrift (Urkunden) zu Beginn der Neuzeit im Unterricht einsetzen: Genter Aufstand 1539-1540

An dem frühen Beispiel der Stadt Gent lässt sich der Übergang vieler Städte von ihrer mittelalterlichen (Teil-)Autonomie zur Integration in das Landesterritorium in der Neuzeit exemplarisch studieren. Vor oder während der Arbeit mit dem Text können die Kenntnisse zur mittelalterlichen, städtischen Ratsverfassung aus vorangehenden Stunden reaktiviert werden.

Die Maßnahmen, wie z.B. der Zitadellenbau, die die alten Freiheiten der Stadt einschränken bzw. aufheben, finden sich in ähnlicher Form auch in anderen Städten: so z.B. in Münster nach der Rückeroberung der Stadt durch den Fürstbischof. An der Stelle der alten Zitadelle zur Kontrolle der Stadt steht heute das Schloss als Hauptgebäude der Universität. In Trier wird der Konflikt um den Status der Stadt am Ende vor dem Reichsgericht entschieden. Auch hier inszeniert der Fürstbischof seine Macht anschließend durch einen sehr wohl überlegten, der seine bestätigte Herrschaft über die Stadt sichtbar macht. Auf diese Weise kann vertiefend z.B. durch eine Recherche und einen Vergleich als Hausaufgabe auch ein regionaler Bezug hergestellt werden.

Zentrale Arbeitsaufträge und Fragen in der Auseinandersetzung mit dem Text zur Genter Geschichte können sein:

  • Arbeite die Ursachen und den Anlass für den Konflikt heraus.
  • Nenne die Maßnahmen der Concessio Carolina und erkläre, was ihr Ziel war.
  • Liste die einzelnen Elemente der öffentlichen Abbitte vom 3. Mai 1540 auf und analysiere ihre Aussage/Bedeutung im Gesamtzusammenhang (z.B. das Niederknieen als Geste der Unterwerfung, aber auch die Kleidung, Gegenstände, Personengruppen etc.).
  • Weise nach, dass es sich hierbei um eine Inszenierung handelt.
  • Überlege, ob Karl im Anschluss an die öffentliche Abbitte der Stadt Gnade gewährt hat.

Es gibt verschiedene, zeitgenössische Darstellungen der Deditio einer Stadt, so auch der Genter von 1540 durch Vermeyen bzw. die Kopie von Pinchart, die zur Veranschaulichung hinzugezogen werden können. Das genannte Gemälde zeigt den Kniefall der Genter und die Verlesung der Concessio Carolina. Für jüngere Schüler, für die der Text sicher gekürzt und in Teilen umformuliert werden muss, könnte es auch interessant sein, ausgehend von dem Text das Bild in den Verlauf des Konflikts einzuordnen.

Für einen kreativeren Zugang wären z.B. folgende Arbeitsaufträge aus unterschiedlicher Perspektive der Konfliktparteien denkbar:

  • Verfasse für die Stadtgemeinschaft einen Brief an Maria, die Vertreterin Karls in dessen Abwesenheit, indem du eure Beschwerden und Forderungen darstellst.
  • Versetze dich in die Rolle des kaiserlichen Gesandten und formuliere aus seiner Sicht eine Rede an die Genter Bürger.

Zur Vertiefung kann folgendes Zitat aus einem Buch zur Geschichte der Stadt Gent an die Wand projiziert werden: „Einer der grotesk volkstümlichen Tiefpunkte dieser Revolution war die Zerschneidung des Calfvel.“ In einer Transferleistung aus der vorangehenden Besprechung der Deditio als inszenierter Abbitte können die Schüler nun auch den Höhepunkt der Revolution als Inszenierung deuten und damit selbstständig eine wichtige Umbewertung der Ereignisse vornehmen, die keineswegs „grotesk“ oder „volkstümlich“ sind, sondern in höchstem Maße koordiniert und aussagekräftig. Das lässt sich an der wohl bedachten, repräsentativen Beteiligung der Räte und Zünfte aufzeigen. Man überlege zudem einmal, was auf ganz natürliche Weise mit den verspeisten Urkundenteilen anschließend passiert.

Weitere Aspekte, die an dem Text beispielhaft behandelt werden können, sind die Bedeutung der geschriebenen Urkunde in einer Zeit weitgehender Illiteralität und der städtischen Forderung nach Übersetzung und Druck der alten Privilegien in der Landessprache. Je nach Vorkenntnissen kann hier ein Bezug zur Entwicklung des Buchdrucks, zu Renaissance, Reformation und/oder den Forderungen der Bauern von 1525 hergestellt werden und damit das Geschehen in einen weiten historischen Kontext eingebettet werden.

Herrscher, Stadt und Privilegien

Eine sehr schöne Bildquelle zur Beschäftigung mit dem Thema Schriftlichkeit  und Herrschaft im Übergang von Mittelalter zur Frühen Neuzeit findet sich  in dem Festbuch des Einzugs des späteren Karl V. als neuer Graf von Flandern 1515 in Brügge, das von der British Library zusammen mit anderen Festbüchern in einem ebenso informativen wie sehenswerten Internetauftritt veröffentlicht wurde.

Beim Herrschaftsantritt zogen die neuen Fürsten festlich in die Städte des Landes ein. Dieser Einzug wird als Adventus, Joyeuse Entrée oder Blijde Inkomst bezeichnet und stellte eine aufwändige Inszenierung der Verhältnisses der Stadt zu ihrem neuen Landesherrn dar. Intensiv erforscht werden diese Formen symbolischer Kommunikation u.a. seit 10 Jahren in dem Sonderforschungsbereich 496 an der Universität Münster.

Die Stadt wurde für den Ersteinritt des neuen Herrn mit umfangreichen, ephemeren Kunstwerken an verschiedenen Stationen geschmückt, die u.a. politische Botschaften transportierten. Zentral in den Inszenierungen waren Festbögen in den Straßen, durch die der Herrscher einzog. In der Renaissance wurden diese Einzüge in Büchern schriftlich und bildlich festgehalten. Ein besonders schönes Exemplar bietet die Joyeuse Entrée des jungen Karl 1515 in Brügge.

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In einem der dokumentierten Bögen (siehe oben) wurden Karl zwei Szenen dargeboten, die ihn an seine Verpflichtungen als Herrscher erinnern sollten. Im Mittelpunkt der Herrschaftsübernahme stand die Zusicherung der urkundlich belegten Privilegien der Stadt. Im rechten Bogen ist eben jene Szene von einem von Karls Vorgängern zu sehen: Ludwig von Nevers (1322-46, Graf von Flandern) übergibt  an Vertreter der Stadt die Urkunde mit den städtischen Privilegien. Er hatte die Privilegien der Stadt 1327 erneuert. Im linken Bogen ist Moses mit den beiden Tafeln der 10 Gebote zu sehen.

Was lässt sich an diesem Bild im Unterricht lernen?

Zum einen lässt sich ansatzweise das komplexe Verhältnis von Landesherrn und Stadt in Mittelalter und Früher Neuzeit thematisieren. Interessant erscheint mir aber insbesondere die Annäherung an die Bedeutung städtischer Privilegien und das zeitgenössische Verhältnis zu Schrift und Urkunden, die durch das Nebeneinanderstellen der 10 Gebote mit den städtischen Privilegien angedeutet wird. Wieder aufgreifen lassen sich die Ergebnisse wieder später im Unterricht, z.B. bei der Menschen- und Bürgerrechtserkärung die in der Präambel bekanntermaßen die nachfolgenden Recht als „unveräußerlich und heilig“ definiert.

Das Bild kann im Zusammenhang mit dem Thema Stadt im Mittelalter eingesetzt werden. Als Einstieg scheint es mir zu komplex, aber zur Vertiefung scheint es mir durchaus geeignet, da es einen wichtigen Aspekt bezüglich der Vielfalt der komplexen Herrschaftsverhältnisse aufzeigt, der in der vereinfachenden Gegenüberstellung freie Reichsstädte gegenüber „unfreien“ Städten vieler Geschichtsbücher zu kurz kommt.

Update1: Zum Thema Joyeuse Entrée/Blijde Inkomst besteht übrigens noch Arbeitsbedarf in der deutschen Wikipedia, wie ich gerade gesehen habe. In der englischen, französischen und niederländischen Wikipedia ist das Thema  Zudem behandeln die englische und portugiesische Wikipedia das Thema des königlichen Einzugs.

Update2: Zur Einführung in das Thema Rituale und symbolische Kommunikation im alten (d.h. mittelalterlichen und frühneuzeitlichen) Europa eignen sich neben dem hervorragenden Band zur Ausstellung „Spektakel der Macht“, die bis Anfang Januar 2009 in Magdeburg gezeigt wurde, auch die kurzen Artikel auf der Webseite der Ausstellung.

Einstieg in die Arbeit mit Schriftquellen

Aus meiner Erfahrung tendieren viele Schüler dazu, Quellen als eher „objektiv“ und Darstellungen als eher „subjektiv“ anzusehen. Um im Anfangsunterricht den Übergang zur Arbeit mit schriftlichen Quellen zu erleichtern und zugleich für einen kritischen Umgang mit Schriftzeugnissen zu sensibilisieren, hier ein möglicher Unterrichtsvorschlag:

Zum Einstieg schreiben die Schüler spontan zu Beginn der Stunde einen kurzen Bericht z.B. über die vorangegangene Geschichtsstunde oder ein andere gemeinsam erlebte Situation aus dem Schulalltag, wie das letzte Schulfest oder den ersten Schultag des Schuljahres. Daraus können sich auch interessante Fragen ergeben, was das denn mit Geschichte zu tun habe, wie „Geschichte“ gemacht wird und was historisch „bedeutsam“ ist.

Einige der Schülerberichte werden vorgelesen. Es stellt sich sehr schnell heraus, dass jeder Bericht andere Fakten nennt und andere Eindrücke schildert.In der anschließenden Diskussion werden die Gründe für die Unterschiede herausgearbeitet und schriftlich gesichert. Genannt werden u.a.:

– Vergessen aufgrund zeitlicher Distanz

– Andere Wahrnehmung desselben Ereignisses

– Unterschiedliche Interessen und Einschätzungen

– Positive Selbstdarstellung

Daran anschließen können sich allgemeine Reflexionen über die Möglichkeiten aus einem bzw. mehreren Berichten Rückschlüsse auf ein vergangenes Ereignis ziehen zu können. Hieraus lässt sich dann ein Erkenntnislernziel formulieren und festhalten, das die Schüler bei der weiteren Beschäftigung mit schriftlichen Quellen immer wieder anwenden können.

Die Unterrichtseinheit kann auf die Arbeit mit Bildquellen ausgeweitet werden, in dem Schüler als Hausaufgabe den Auftrag erhalten, bei der nächsten Schulveranstaltung Fotos zu machen, eines auszuwählen und in den Unterricht mitzubringen. An der Auswahl lassen sich wiederum Probleme der Überlieferung und der Perspektivität von Bildquellen sehr konkret und schülernah deutlich machen, die  dann als Transfer für die weitere Quellenarbeit im Unterricht zur Verfügung stehen.

Nicht nur eine Frage der Relevanz…

Aufmerksam geworden durch den Eintrag auf archivalia hier nun der Hinweis auf einen sehr lesenswerten Artikel über Relevanz- und Löschkriterien bei wikipedia und ein paar eigene Gedanken zum Thema in bezug auf den Einsatz von wikipedia in der Schule. Ich denke, diese Infos gilt es sowohl für aktiv beitragende als auch für rezeptive Arbeit mit wikipedia zu berücksichtigen.

Der m.E. legitime Versuch, Kriterien für die Relevanz von Einträgen in wikipedia zu erstellen, ist offensichtlich in eine Orientierung an z.Zt. recht willkürlich gesetzten Quantitäten und eine Bindung an vermeintlich durch redaktionelle Auswahl Relevanz schaffende (alte) Medien wie Print und TV gemündet. Keine Berücksichtigung findet alles, was ausschließlich im Netz stattfindet und nur dort veröffentlicht wird. Das gleiche gilt für neue Forschungsansätze. Somit wird nur altes, scheinbar bewährtes Wissen aufgenommen. Ebenso problematisch wie der hier durchscheinende Wissensbegriff ist der  zweifelhafte Umgang der Administratoren mit ihren Lösch- und Zensurrechten (siehe dazu den Eintrag: Wikipediastrafrecht, oder: die sadistische Arrgonz der Admins auf archivalia). Qualität und Relevanz sind zwei verschiedene Dinge. Qualitätssicherung ist absolut grundlegend für wikipedia und ihren Nutzwert, kann aber über andere Mittel erreicht werden;  die Relevanzkriterien erscheinen mir hingegen äußerst fragwürdig.

Das alles kann man als „vordigital“, „konservativ“ oder „reaktionär“ bezeichnen, auf jeden Fall ist das Wissen um das  Funktionieren von wikipedia „relevant“ für deren Nutzung, auch im schulischen Bereich, wo ein kritischer Umgang  mit  wikipedia als Informationsquelle eingeübt werden sollte und eine aktive Mitgestaltung der wikipedia durch Schüler aufgrund des oben genannten schwierig wird. Erfahrungen haben dazu auch meine Schüler schon gemacht, deren Artikel, ein Ergebnis ihres Beitrags für den Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten gleichfalls zur Löschung vorgeschlagen wurde. D.h. ich muss mir als Lehrer gut überlegen, was ich dort recherchieren lasse und ob ich mit meinen Schüler etwas zum „Weltwissen“ der wikipedia beitragen möchte. Nur weil etwas bisher nicht in wikipedia steht, heißt das nicht, dass  es das nicht gibt oder dass es zukünftig darin stehen wird.  Es lohnt auch nicht in seinem Fachgebiet nach Lücken in der wikipedia zu suchen und diese gemeinsam mit Schülern in Projektform aufzuarbeiten. Gerade innovative, selbst erstellte  und eigenständig recherchierte Inhalte (wie in dem Fall des o.g. Schüler-Projekts) laufen Gefahr, der Löschkontrolle zum Opfer fallen. Eigene wikis, die möglichst nicht nur auf der „Insel“ oder im „Hafen “ eines geschlossenen moodles-Kurses liegen, sind da auf jeden Fall die bessere Alternative.

Aktuell bietet auch Spiegel-Online in einem Artikel einen Überblick zum Thema mit weiteren Links. Sehr empfehlenswert als Gegenposition zum Eingangsartikel der Beitrag von Torsten Kleinz als Plädoyer für durchdachte Relevanzkriterien.

PS. Einen Einblick in die wikipedia-Kultur durch eine der Diskussionen um Relevanz bei wikipedia ermöglicht übrigens auch der Blog von Jean-Pol Martin in verschiedenen Einträgen und Kommentaren.

Kritische Anmerkung zur Quellenarbeit im Geschichtsunterricht

Schulgeschichtsbücher enthalten in der Regel nur relativ kurze Quellenausschnitte, die mehr als Beleg denn als Arbeitsmaterial taugen. Sie sind in ihrer Aufbereitung und Auswahl nicht mit editierten oder gar unbearbeiteten Quellenfunden vergleichbar. Deshalb eignen sie sich kaum dazu, die historische Quellenarbeit einüben, wobei in der Geschichtsdidaktik zunehmend diskutiert wird, ob die starke Orientierung an Quellen und wissenschaftlichen Arbeitstechiken überhaupt für den Geschichtsunterricht adäquat sein kann (siehe auch hier das Eingangszitat und den Literaturhinweis) . Schließlich tritt den wenigsten Menschen Geschichte außerhalb von Schule und Universität in Form von Quellen entgegen als vielmehr in verschiedenen Ausgestaltungen der Geschichtskultur, also in Fernsehdokumentationen, Spielfilmen, Computerspielen, historischen Romanen, mittelalterlichen Märkten, Ausstellungen usw. Ich kann mich dem nur anschließen. Ich denke, die von Geschichtslehrern mittlerweile als selbstverständlich erachtete Quellenorientierung gilt es grundsätzlich zu überdenken. Damit ist keineswegs eine Absage an propädeutisch wissenschaftliches Arbeiten in der Schule intendiert. Für eine Teilhabe an der Geschichtskultur, die mehr ist als reiner Konsum ist, muss der Unterricht auch eben genau diese geschichtskulturellen Phänomene thematisieren und in viel stärkerem Maße berücksichtigen, als dies bisher geschieht.

World is witness

FireShot capture #022 - 'World Is Witness' - blogs_ushmm_org_WorldIsWitness

World is witness is an internet based project by the US Holocaust Memorial Museum. google earth is used to map the actual places of genocides around the world. On the interactive map, actualisations by the staff of the project and guest contributors can be seen showing eyewitness reports and photos from the places of crisis. Since the beginning of the project, two years ago, several regions have been focussed such as Congo, Chad, Burundi, Rwanda and Sudan, but also Chechnya.

For history teaching the page can be helpful to show the actual dimensions of genocides and to discuss the possibilities of learning from history as well as preventing genocides nowadays. You will find also good resources for lessons about genocides there.

Secrets of Great History Teachers

„In these interviews distinguished teachers share their strategies and techniques. Good teaching is more often honored in rhetoric than reality. And great teachers are generally known locally within their own schools, but less often to a larger group of national colleagues. Our goal in this section is, in part, to identify and honor those people who have taught with excellence, dedication, and distinction. But more than that, we believe that these teachers have lessons to offer the rest of us and that there are remarkably few forums for hearing their wisdom.“

There is nothing to add, just read the interviews yourself. Very inspiring.