Rollenspiel 2-plus-4-Vertrag

Nach Markus Bernhardt (Das Spiel im Geschichtsunterricht, ²2010, S. 95ff.) handelt es sich eigentlich i.e.S. nicht um ein Rollenspiel. Ich verwende den Begriff hier der Einfachheit halber trotzdem. Die zum Download bereit gestellten Quellenausschnitte bieten einen Überblick über die grundsätzlichen Positionen der sechs Hauptakteure (Kohl, Modrow, Bush sen., Thatcher, Mitterand, Gorbatschow) für die Verhandlungen zum 2-plus-4-Vertrag als internationale Grundlage für die deutsche Wiedervereinigung.

Mögliches methodisches Vorgehen: Die Schüler erarbeiten in Kleingruppen die Position ihres jeweiligen Landes und schicken dann einen Vertreter zu einer Podiumsdiskussion. So werden die grundlegenden Standpunkte der 2-plus-4-Länder (BRD, DDR, USA, Großbritannien, Frankreich,  UdSSR) kennengelernt. Die in der Podiumsdiskussion vertretenene Standpunkt sowie eventuelle Ergebnisse der Diskussion können im Anschluss mit Auszügen aus dem Vertragstext, der sich in den meisten Geschichtsschulbüchern findet, verglichen werden.

Einsatz von Computer und Internet im Geschichtsunterricht

Hilke Günther-Arndt schreibt: „Solange ein erheblicher Teil der kognitiven Kapazität durch die Bedienung der Programme absorbiert wird, bleibt der didaktische Nutzen der Computer ambivalent: Zwar wird das Lernziel ‚Mit den neuen Medien umgehen‘ erreicht, aber bei den Fachzielen müssen teilweise noch Abstriche hingenommen werden. Erst wenn sich die Alternative ‚Bedienkompetenz‘ versus ‚historische Kompetenz‘ nicht mehr stellt, wird der Computer ein selbstverständlicher Bestandteil für guten Geschichtsunterricht werden.“ (aus: Geschichtsdidaktik. Praxishandbuch für die Sekundarstufe I und II, 2003, S. 219.)

Gilt diese Aussage auch noch 2010? Bieten Programme und digitale Werkzeuge vielleicht nicht doch auch trotz eventueller Einarbeitung einen ‚Mehrwert“ für historisches Lernen?

Buchtipp: Jonathan Hearn, Rethinking nationalism

Jonathan Hearn, Senior Lecturer an der Universtität Edinburgh, bietet mit seinem Buch eine Einführung in das Thema “Nationalismus” und zugleich – wie der Titel ankündigt – eine kritische Reflexion der disziplinär vielfältigen Theorieansätze. Das Buch ist zusammen mit Einführung und Schluss in zehn Kapitel unterteilt. In vier Hauptkapiteln bietet Hearn zunächst eine zusammenfassende Darstellung der wesentlichen Theorieansätze aus primordialistischer (Kap. 2, auch z.B. bei Langewiesche nicht ganz zutreffend als Ethnonationalismus bezeichnet) und modernisierungstheoretischer Sicht (Kap. 4). Die Kapitel 6 und 8 sind dem Zusammenhang von Kultur und Macht gewidmet. In den Kapitel mit den ungeraden Zahlen folgt daraufhin jeweils eine kritische Betrachtung des Vorangegangenen. Diese Aufteilung bringt es mit sich, dass das Buch sowohl zum Einstieg als auch zur weiteren Reflexion gut geeignet ist. Kenner der Thematik können sich auf das Lesen der kritischen Kapitel beschränken.

Für Hearn gehen Nation und Nationalismus aus der Interaktion von „ethnicity-making“ und „state-making“ Prozessen hervor. Deshalb spricht er sich gegen eine strikte Trennung der oft konträr gesehenen Theorien aus. Den Begriff des Nationalismus betrachtet er in seiner Arbeitsdefinition als das Kreieren von miteinander verknüpften Forderungen nach Identität, Rechtsprechung und Territorium im Namen der Bevölkerung. Moderner Nationalismus unterscheidet sich seiner Meinung nach vom älteren in Legitimation und Kommunikation eben dieser Forderungen. Ausgehend von der Hypothese, dass das Streben nach Macht zu den Grundverhaltensweisen der Menschen gehört, definiert er Nationalismus darüber hinaus als eine besondere, im weitesten Sinne moderne Art von Machtstreben.

An den primordialistischen Ansätzen kritisiert Hearn vor allem die mangelnde Berücksichtung der gesellschaftlichen Aspekte. Auch in der Analyse nationalistischer Symbole und Diskurse sieht er keine hinreichende Erklärung, da ihre Effizienz immer abhängig ist von den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Machtstrukturen. Die Idee der Nation entwickelt sich im Kontext von komplexen Formen gesellschaftlicher Organisation und diese müssen dann folglich auch bei der Analyse berücksichtigt werden.

Hier sieht man seine Nähe zum modernisierungstheoretischen Ansatz. Allerdings lässt dieser für ihn die Fragen nach den Wurzeln und Ursprüngen der Nationsvorstellungen unbeantwortet. Aus diesen Problemen mit den eher als komplementär zu sehenden Theorieansätzen leitet Hearn die Forderung ab, sich intensiver mit den Konzepten von „Power“ und „Culture“ zu beschäftigen, die er als grundlegend für alle Arten von sozialen Beziehungen ansieht. Damit bietet er selbst keinen neuen Theorieansatz, sondern Anregung zum Weiterdenken durch einen Fokuswechsel.

Um das zu verdeutlichen bringt Hearn das Beispiel von Sprache und Religion, die in Diskursen über Nationalismus eine große wenn nicht gar zentrale Rolle spielen. Ausgehend von seinem Ansatz sieht er Sprache als fundamentales Medium für jegliche Art von Machtanspruch und dessen Durchsetzung. Die Religion hingegen, bzw. die mit ihr verbundene Kirche, bietet organisatorische Strukturen und Ressourcen, die wiederum ein Umlenken religiöser Gefühle auf die Nation ermöglichen.

Schließlich stellt er postmodernen Ansätzen seine Sicht gegenüber, dass Nationalismus eine sich im Laufe der Zeit verändernde Realität ist, weswegen er das Phänomen des Nationalismus als eine historische, sich langsam entwickelnde Form gesellschaftlicher Organisation begreift, die eben Macht und Kultur miteinander verknüpft.

Die kritischen Anmerkungen Hearns zu den gängigen Nationalismus-Theorien bieten viele Anknüpfungspunkte um weiterzudenken. Gerade weil dieses Buch keine fertigen Antworten liefert und auch nicht liefern will, ist es eine sehr anregende Lektüre zu einem komplexen Themenfeld.

Jonathan Hearn, Rethinking nationalism. A critical introduction (2006), 272 S., kt., 33,50 €, Palgrave Macmillan, Basingstoke/New York.

Links zur Kartenarbeit

Die aktuelle Ausgabe der GWU 4/2010 widmet sich dem Spatial Turn der Geschichswissenschaft und Relevanz für Geschichtsdidaktik, dabei ist natürlich auch die Frage nach Arbeit mit Karten im Unterricht wichtig. Einige Links zur Kartenarbeit, u.a. die im Heft genannten, habe ich zusammengestellt und würde mich über weitere Hinweise auf brauchbare Seiten mit gutem Kartenmaterialien für den Geschichtsunterricht freuen. Zumal ja bekanntlich Digitalisierungen aus Schulbüchern nicht mehr zulässig sind (siehe hier) und man dadurch auf anderes Material angewiesen ist. Vieles ändert sich, doch Lehrer bleiben Jäger & Sammler 😉

Geschichte abwählbar

Das Saarland unternimmt offensichtlich einen entsprechenden, fragwürdigen Vorstoß:  Geschichtsunterricht soll für die Schüler nach der Klasse 10 nicht mehr verpflichtend, sondern abwählbar sein.

http://archiv.twoday.net/stories/6315970/

http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/themen/144026/index.html

Entsprechende deutliche Proteste wären hier angebracht. Ein Statement des Geschichtslehrerverbandes Saarland findet sich auf dessen Internetseiten (etwas versteckt unter: „Statements“).

Bismarcks Bündnissystem

Neue Flipchart-Vorlage zu den europäischen Bündnissystem vor und nach 1890. Hier nur als PDF, da wordpress das Dateiformat nicht unterstützt; auf prometheanplanet auch als Flipchart-Download in Farbe und mit funktionierendem Link.

Ausgehend von einem Text bei Lemo (oder alternativ aus dem Schulbuch) erarbeiten die Schüler an den Computern die Veränderungen der europäischen Bündnissysteme zur Zeit Bismarcks. Die Grundstruktur ist durch die Flipchart vorgegeben. Die Schüler ergänzen mit dem Text- und Linienwerkzeug die entsprechenden Bündnisse. Eine Gruppe stellt ihre Ergebnisse vorne am Board vor. Das Deutsche Reich ist auf der zweiten Folie rot markiert, um die Orientierung auf den beiden Seiten zu erleichtern. Sie kann zur späteren Fortsetzung des Themas und dem Vergleich für die Veränderungen in der Zeit nach Bismarck dienen.

Kurz einige Hinweise zum Erstellen der Flipchart: Wichtig ist alle angelegten Objekte und Beschriftungen sowie die Karte unbeweglich zumachen. Das geht entweder durch die Funktion „Geperrt“ oder das Legen der entsprechenden Objekte in die Hintergrundebene. Der Aufbau dieser Seite lässt sich im Objektbrowser nachvollziehen.

Die Seite wurde nur einmal erstellt, dann im Seitenbrowser dupliziert. Anschließend wurde der Titel („nach“) sowie die Farbe („rot“) mit dem Fülleimer geändert.

Die Arbeit mit den beiden Flipcharts kann auch gut getrennt durchgeführt werden: Zunächst das Üben von Erstellen solcher Schemata am Bündnissystem Bismarcks und in einer späteren Stunde der Rückgriff auf die erste Flipchart mit der Frage nach den Veränderungen nach 1890. Dabei könnten dann auch die Schüler die erste Flipchart duplizieren und dort die Verbindungslinien entsprechend den veränderten Bündnissen verschieben.

Klima, Vulkane und die Auswirkungen

Zum Thema, das gerade die Medien beherrscht, eine Buchempfehlung: Wolfgang Behringer, Kulturgeschichte des Klimas. Das Buch ist von 2007. Ich habe es erst vor einem halben Jahr mit großem Interesse gelesen und  möchte es hiermit zur Lektüre weiterempfehlen. In einem großen zeitlichen Bogen stellt Behringer Beziehungen zwischen kulturellen Phänomenen, gesellschaftlichen Entwicklungen und klimatischen Einflüssen her. Darunter fallen auch die Auswirkungen mehrere großer Vulkanausbrüche.  Über den Zusammenhang von „kleiner Eiszeit“ und den Hexenverfolgungen der Neuzeit hatte ich schon an der Uni was gelernt, neu waren für mich viele andere, plausible Zusammenhänge (z.B. zu den Abbildungen der Totentänze, die oft mit der großen Pest in Verbindung gebracht werden, viele sind aber etwas älter und haben ihren Ursprung in Hungersnöten Anfang des Jahrhunderts, die aus schlechten Wetter und Ernten resultierten), auch wenn zu Recht darauf hingewiesen wurde, dass vieles zunächst doch nur Korrelation und Vermutung ist. Einige eher kritische Rezensionen zum Buch finden sich auf clio online.

Tage, Maße und Währungen

Obwohl es außer in der Projektarbeit sicher ein eher marginales Thema im Geschichtsunterricht möchte ich dennoch auf zwei interessante Webseiten hinweisen.  Aus dem Studium sicher noch allen bekannt, gibt es den Grotefend auch online.  Schnupperweise ist der Grotefend sicher im Leistungskursbereich einsetzbar und auch bei Nachfragen von Schülern und zum eigenen Nachschlagen kann das Buch auch für Geschichtslehrern hilfreich sein.

Was Maße und Einheiten in Mittelalter und Neuzeit angeht, bietet der Mittelalter-Rechner ein schönes Angebot. Alf Leue hat für viele, gängige Maße und Einheiten einen Umrechner online gestellt, der zum schnellen Nachschlagen geeignet ist, sollte z.B. im Unterricht im Buch oder bei Auszügen von historischen Romanen entsprechende Daten auftauchen. Das Ganze ist auch hilfreich mit Links und Quellenangaben versehen, so dass auch die Möglichkeit besteht von hier aus mit Schülerinnen und Schüler tiefer in das Thema einzusteigen.

P.S. Dank an Hans-Gerd Ackermann für die Hinweise auf die beiden Seiten.