„Der Staat macht die Nation, nicht die Nation den Staat.“ (Roman Dmowski)

businessmen-152572_1280Schon Rénan (siehe den vorangehenden Beitrag) beklagte, dass die Begriffe Rasse und Nation zu seiner Zeit nicht deutlich unterschieden würden.1 In der Alltagssprache heute wird „Nation“ oft synonym mit „Staat“ verwendet, was bei Schülerinnen und Schülern oft zu Verwirrungen führt. Dies lässt sich jedoch im Kontext in der Regel schnell klären und ist Teil des Begriffslernens im Geschichtsunterricht, das von einem Alltagsverständnis zu einem historischen Fachwortschatz führen soll. Für den heutigen deutschen Sprachgebrauch2 scheint eine Unterscheidung und Abgrenzung zu den Begriffen „Volk“ bzw. „Ethnie“ , der so deutlich wie möglich vom Nations-Begriff abzugrenzen ist.3

Der Begriff Volk besitzt eine Doppelbedeutung: nämlich zunächst in einem ethnischen Sinne, in dem „Volk“ als Synonym von Ethnie4 verstanden werden kann. Die ist die ursprüngliche, ältere Bedeutung des Wortes. Gemeint ist damit eine Abstammungsgemeinschaft, eine imagniert homogene Bevölkerung mit gemeinsamer Sprache, Kultur und Geschichte. In dieser Bedeutung steht auch das ursprüngliche lateinische natio. Der zweite Sinn des Wortes ist neuer und politischer Art: Er bezeichnet die Bevölkerung eines Staates, i.S. eines Staatsvolkes, also einer Nation. Diese muss aber nicht unbedingt dieselbe Sprache, Kultur, Religion oder Geschichte teilen. Durch diese Doppelbedeutung kommt es in der Alltagssprache zu Unklarheiten und Ungenauigkeiten, so dass oft auch „Nation“ als Begriff für den Staat oder das Land verwendet wird.5 Problematisch ist gleichfalls, dass bis in neuere Forschungsarbeiten hinein, neben der ungenauen Verwendung des Nationsbegriffs oft auch eine Vermischung der Begriffe Volk und Nation zu finden ist. Die frühmittelalterlichen Ethnogenese wird teilweise bereits als Nationsbildung beschrieben, was ganz der Geschichtskonstruktion entspricht, die der Nationalismus selbst hervorgebracht hat und die offenkundig ein Deutungsmuster darstellt, das bis heute wirkt.6

Deutlich zeigt sich das an Arbeiten einiger Mediävisten, die dazu neigen, die Entstehung von Nationen vergleichsweise früh anzusetzen. Exemplarisch seien hier zwei Argumentationen herausgegriffen. Ausgehend vom übersetzten Quellenbegriff „die Deutschen“ bei einem Chronisten schreibt Nonn: „Seit jener Zeit wurde der Name der Deutschen bei den Galliern missachtet.“ Er spricht hier von „patriotischer Begeisterung“ und setzt auch die Deutschen im Sinne seiner im Aufsatztitel enthaltenen These von der „Entstehung der französischen Nation im frühen Mittelalter“ mit einem noch nicht existierenden „Deutschland“ gleich: „[…] das Königtum in Deutschland [sic!] [verlor] seit der Doppelwahl von 1198 zunehmend an Bedeutung“.7 Die anachronistische Verwendung von „Deutschland“ unterstützt die Vorstellung einer kontinuierlichen Nations- und Staatsvorstellung. Diese Sichtweise deckt sich weder mit den Quellenbegriffen noch mit den historischen Gegebenheiten des „römischen Reichs“, das erst später den Zusatz „deutscher Nation“ erhalten sollte, und postuliert zum anderen eine Kontinuität, die der prinzipiellen Offenheit historischer Entwicklung grundlegend widerspricht.8 Schiller stellte bereits treffend in einem unvollendeten Gedicht fest: „Deutsches Reich und deutsche Nation sind zweierlei Dinge.“9

Der Begriff „die Deutschen“ hat seinen Ursprung als Fremdbezeichnung von Aßen für die Bewohner des (Kaiser-) Reiches nördlich der Alpen.10 Der Begriff, der zwar aus den Quellen stammt, kann allerdings wie oben schon ausgeführt, zu Missverständnisse führen, wenn den historischen Begriffswandel nicht berücksichtigt. Die Bezeichnung kann nicht mit ihrer heutigen Bedeutung gleichgesetzt werden. Im frühen und hohen Mittelalter ist mit „den Deutschen“ nicht ein Volk gemeint. Als „Völker“ galten vielmehr Gemeinschaften der Herzogtümer wie die Sachsen oder Thüringer. So stellt auch Weinfurter in der Einleitung zu seinem Werk über das Reich im Mittelalter fest, dass dieses nicht „deutsch“ in einem modernen Sinn war und man daher auch kaum von einem „deutschen Reich“ sprechen kann.11 Noch die Goldene Bulle weist auf „die Vielfalt der Sitten, der Lebensweisen und der Sprachen“12 des Reiches hin. Gleichzeitig wird festgelegt, dass zukünftige Fürsten in den Sprachen des Reiches zu unterrichten seien.13

Erst Mitte des 15. Jahrhunderts taucht dann für das Reich die Formulierungen „heiliges Reich und Teutsche gezunge“ oder „reich und deutsche landen“14 auf. Dabei steht das deutsche Wort „gezunge“ zunächst als Übersetzung des lateinischen „natio“. Ab den 70er Jahren desselben Jahrhunderts findet sich der Zusatz „deutscher Nation“ an den Reichstitel angehängt, also eines Reiches, in dem vorrangig deutsch gesprochen wird.15

Was versteht man also unter „Nation“ bzw. wann spricht man von einer Nation im Gegensatz z.B. zu Begriffen wie Volk oder Ethnie? Der Politikwissenschaftler Deutsch beschreibt „Volk“ zunächst nur als „Personengruppe mit komplementären Kommunikationsgewohnheiten“ und grenzt davon die Nation ab, in dem er in der Nation ein Volk sieht, das die Kontrolle über einige gesellschaftliche Institutionen erlangt hat, was zur Ausbildung eines Nationalstaates führen kann.16 Schon hier wird der Zusammenhang von Nation und Staat in Abgrenzung zu „Volk“ deutlich. Dieser Zusammenhang ist in der Forschung unstrittig. Die Definition von Deutsch ist allerdings zu ergänzen und gerade in Hinsicht auf die implizite ethnische Gleichsetzung von Volk und Nation zu korrigieren.

Hobsbawm nennt drei Kriterien, die seines Erachtens eine eindeutige Klassifizierung eines Volkes, i.S. einer ethnischen Gruppe, als Nation ermöglichen: 1. Staat, 2. geschriebene Literatur und Sprache sowie 3. die erwiesene Fähigkeit zu Eroberung.17 Hobsbawm macht im Gegensatz zu anderen Autoren zu Recht deutlich, dass Nationalstaaten immer auch (sprachlich und ethnisch) heterogen sind, und damit immer auch Minderheiten umfassen, deren (zumeist späten) Schutz nach jahrzehntelanger Unterdrückung er als zivilisatorischen Fortschritt ansieht.18 Aus dieser wichtigen, an zahllosen Beispielen für alle Nationalstaaten zu belegenden Beobachtung kann abgeleitet werden, dass eine rein ethnisches Argument keine Rolle spielen kann für eine wissenschaftliche Definition des Nationsbegriffes.19

Zusätzlich bedarf es seines Erachtens einer gewissen Mindestgröße für ein Volk, um eine Nation zu konstituieren. Letzteres bezeichnet er als „Schwellenprinzip“.20 Dieses Prinzip lässt er allerdings nur für die Anfangszeit gelten und sieht spätestens nach 1870 eine „Aufgabe des Schwellenprinzips“.21 Daher kann es nicht zu den grundlegenden Bestandteilen des Nationsbegriffes gezählt werden. Gegen die Fähigkeit zur Eroberung als eindeutiges Kriterium gibt es ausreichend Beispiele für die Bildung „anerkannter“ Nationen ohne Eroberungen (so z.B. Norwegen, Belgien, Schweiz), so dass es keine Berücksichtigung in einer allgemeinen Definition zu finden braucht. Hobsbawm bietet eine „vorläufige Arbeitshypothese“, dernach eine Nation eine „ausreichend große Gemeinschaft [ist], deren Angehörige sich als Angehörige einer Nation betrachten.“22 Hobsbawm betont also neben der erforderlichen Größe, vor allem das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit, das Nationalbewusstsein.

Definitionsansätze von Alter, Dann und Langewiesche

Alter definierte Nation als „soziale Gruppe, die sich aufgrund vielfältiger historisch gewachsener Beziehungen sprachlicher, kultureller, religiöser oder politischer Art ihrer Zusammengehörigkeit und besonderen Interessen bewusst geworden ist. Die Nation stellt die Forderung nach politischer Selbstbestimmung oder hat diese Forderung im Rahmen des Nationalstaates bereits verwirklicht. Konstitutiv für die Nation seien das Bewusstsein einer sozialen Gruppe, eine Nation zu sein oder sein zu wollen, sowie der Anspruch auf politische Selbstbestimmung. Gegenüber anderen Solidaritätsverbänden wie der sozialen Klasse, der Konfessionsgemeinschaft oder der Familie wird ihr eine höherrangige und allgemeinere Bedeutung zugestanden.23

Einen vergleichbaren Definitionsansatz bietet Dann: Eine Nation ist ihm zufolge „eine Gesellschaft, die aufgrund gemeinsamer geschichtlicher Herkunft eine politische Willensgemeinschaft bildet. Eine Nation verstehe sich als Solidargemeinschaft. Sie gehe von der Rechtsgleichheit ihrer Mitglieder aus und sei angewiesen auf einen Grundkonsens in ihrer politischen Kultur. Nationen seien stets auf ein bestimmtes Territorium orientiert, auf ihr Vaterland. Ihr wichtigstes Ziel sei die eigenverantwortliche Gestaltung ihrer Lebensverhältnisse, ihre politische Selbstverantwortung (Souveränität) innerhalb ihres Territoriums, ein eigener Nationalstaat.24

Langewiesche kritisiert an diesen Definitionsversuchen zu Recht die einseitige Festlegung des Nationsbegriffs auf das positive, partizipative Element, während die mit negativen Assoziationen verbundene aggressive Seite von Dann dem Nationalismus zugeordnet wird. So erklärt Dann den Nationalismus als „ein politisches Verhalten, das nicht von der Gleichwertigkeit aller Menschen und Nationen getragen ist, sondern intolerant einzelne Völker und Nationen als minderwertig oder als Feinde einschätzt und behandelt.“25 Zwar sei diese Tendenz in jeder Nationalbewegung anlegt, Dann versucht aber davon einen positiven besetzten Patriotismus abzugrenzen. Eine solche Zweiteilung ist, wie weiter unten noch darzulegen ist, nicht möglich. Der Begriffsdefinition von „Nation“ ist also das aggressive Potential, das in jeder Nation, steckt, hinzuzufügen. Für alle nationalen Bewegungen und Nationen gilt das Prinzip: Die Abgrenzung nach Außen bildet den notwendigen Gegenpol zur Integration nach Innen.26

Elemente einer Begriffsdefinition

Zusammenfassend bietet die Forschung für den Nationsbegriff folgende konstituierende Elemente (ohne Rangfolge):

  • a) Bewusstsein der Zusammengehörigkeit (Nationalbewusstsein)
  • b) Abgrenzung nach außen (und damit einhergehend: Integration nach Innen)
  • c) Partizipationsversprechen27
  • d) Rechtsgleichheit der Bürger
  • e) eine (zumindest teilweise) gemeinsame Geschichte
  • f) Anspruch28 auf ein bestimmtes Territorium
  • g) Anspruch auf Souveränität (zusammen mit f => Nationalstaat)
  • h) Solidarität mit den Mitgliedern der Gemeinschaft29

Diese Teilelemente müssen nicht alle und nicht gleichzeitig vorhanden sein, damit von einer modernen Nation gesprochen werden kann. Daher können sie auch keine Grundlage für eine sinnvolle Begriffsdefinition bilden. Von einer Minimalbeschreibung her gedacht, ist es sicherlich aber auch nicht ausreichend, bereits dann davon auszugehen, dass eine Gruppe von Menschen eine Nation bildet, wenn sie sich selbst als Nation bezeichnet.

Eine Arbeitsdefinition des Begriffs „Nation“, die sich auch für den Geschichtsunterricht eignet, könnte wie folgt aussehen:

Eine Nation ist eine Gruppe von Menschen, die sich als zusammengehörig ansieht, Anspruch auf politische Selbstbestimmung in einem bestimmten Territorium erhebt und von anderen Gruppen anerkannt wird.

Der moderne Nationsbegriff, der mit der Idee des Nationalstaats verbunden ist und sich dadurch von älteren Begriffsverständnissen abgrenzt, ist seit Mitte des 18. Jahrhunderts in Europa entstanden. Auch wenn Nationalstaaten oft Homogenität anstreben, finden sich nie homogene Staaten. Jeder Nationalstaat, dessen Nationsidee von der größten und/oder einflussreichsten Bevölkerungsgruppe geprägt wird, umfasst immer auch Minderheiten sprachlicher religiöser, ethnischer o.a. Art. Dieses grundlegende Phänomen der seit etwas über 200 Jahren in nationalen Kategorien denkenden Welt führt zu immer neuen sozialen Gruppen, die sich als Nation betrachten und staatliche Souveränität anstreben und damit zu einer andauernden Zunahme der Anzahl von „National“-Staaten.30

Aus dem vorangegangen folgt, dass Nationen sich in der Zeit verändernde Gruppen von Menschen darstellen und daher historischem Wandel unterworfen sind. Da eine exakte Definition des Begriffes Nation nicht möglich ist, lassen sich zwar diese Veränderungen des Begriffgebrauchs in der Geschichte und das Selbstverständnis der jeweiligen Gruppen untersuchen und beschreiben, ein klarer Anfang bzw. Ursprung lässt sich jedoch nicht festlegen. Hingegen ist die Unterscheidung zwischen einem älteren, vormodernen, d.h. Mittelalter und frühe Neuzeit umfassenden, und einem modernen Nationsverständnis, das mit der Entwicklung des Nationalismus einhergeht, grundlegend.

Bestimmte Merkmale, die einer sozialen Gruppe als Nation zugeschrieben werden, wie z.B. eine gemeinsame Sprache, Geschichte oder Religion, sind somit Zuschreibungen bzw. Konstruktionen, die in seltenen Fällen der Nationsbildung vorausgehen können und die Identitätsbildung tragen, oder historisch weitaus häufiger der Staatsbildung folgen und auf eine Homogenisierung der Bevölkerung mit entsprechenden Integrations- und Exklusionsmechanismen zielen. Aufgrund dieser Mechanismen konstruiert der Nationsdiskurs auch nie nur eine, sondern immer mehrere Nationen, so dass einige Nationen zunächst als Fremdkonstrukte entstanden. Nationen bilden sich in „multipolarer Abgrenzung“, das heißt andere Gemeinschaften werden gleichfalls als Nationen aufgefasst, von denen es viele gibt und die jeweils als autonom verstanden werden.31

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1 Rénan (1887), S. 278. Schon Rousseau hatte Volk mit Nation gleichgesetzt und eng mit seinen Vorstellungen von Demokratie verknüpft, so dass bis heute im westlichen Denken sowohl eine weitgehende Übereinstimmung von Volk als auch von (demokratischem) Staat mit Nation besteht. Bayer (1974), S. 369.

2 Zum Vergleich der Bedeutungsdifferenzen von „Volk“ und „Nation“ in verschiedenen europäischen Sprachen: Hirschhausen (2001), S. 13f.

3 Vgl. von Borries (2004), S. 310.

4 Der Begriff Ethnie wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts in der französischen Anthropologie entwickelt, um Gruppen mit gemeinsamer Sprache, Kultur oder Religion von anderen Gruppen von Menschen abzugrenzen. Im Bereich der Wissenschaft bildete „Ethnie“ zunächst den Gegenbegriff zu „Rasse“, bei dem versucht wurde, Unterscheidungen von Menschengruppen an äußerlichen Merkmalen festzumachen. Franche (2004), S. 92f.

5 Dann (1997), S. 82. Siehe auch Schnapper (1994), S. 28ff.

6 Zur politischen Bedeutung dieser Gleichsetzung und der daraus abgeleiteten historischen Rechtfertigung aktueller politischer Forderungen siehe z.B. Hösch (2007) 40ff. oder Sundhaussen (2007).

7 Alle Zitate: Nonn (1995), S. 50. Siehe auch: Ohler (1997), S. 316.

8 Einem vergleichbaren Muster folgt auch die Konzeption der im Oktober und November 2008 auf dem ZDF erstmals ausgestrahlten Dokumentationsreihe „Die Deutschen“, die in Zusammenarbeit mit dem Geschichtslehrerverband und unter wissenschaftlicher Beratung u.a. der beiden Mediävisten Gerd Althoff und Stefan Weinfurter erstellt wurde. Exemplarisch sei hier ein Zitat aus dem Vorspann jeder Folge zitiert, dass die geschichtsteleologische Darstellungsabsicht deutlich werden lässt: Deutschland „ein Land, das lange braucht, um eins zu werden“. Siehe dazu auch den sehr kritischen Artikel von Gustav Seibt in der Süddeutschen Zeitung vom 06.11.2008.

9 Zitiert bei Safranski (2007), S. 176.

10 Auch die wiederholt angeführten „Zitate“ von Johanna von Orléans, die „die Engländer“ aus Frankreich habe vertreiben wollen (siehe z.B. Ohler (1997), S. 318f.), sind problematisch. So waren die französischsprechenden Burgunder mit den Engländern verbündet und sollten ebenso „aus dem Land gejagt werden“. Dazu kommt eine heterogene Zusammensetzung der englischen Armee sowie die loyale Verbundenheit großer Teile des heutigen Westfrankreichs zu England. Das Beispiel zeigt, dass es historisch zweifelhaft ist, rückblickend von einer ähnlichen Deckung von Bezeichnung und Bezeichnetem auszugehen wie heute.

11 Weinfurter (2008), S. 8.

12 Ebda., S. 204.

13 Ebda.

14 Ebda., S. 220.

15 Ebda. (2008), S. 220f.

16 Von Bredow (1996), S. 453f.

17 Hobsbawm (2005), S. 50f.

18 Zum Umgang mit nationalen Minderheiten in den Staaten vor allem Ostmitteleuropas zwischen den Weltkriegen siehe den Aufsatz von Lemberg (2007). Hier auch zu den Alternativen des Minderheitenschutzes wie z.B. Teilautonomie, Assimilierung, Zwangsaustausch und „ethnische Säuberungen“: Beer (2007), Ther (2011). Speziell mit Blick auf die Staaten des Balkan vgl. den Überblick von Sundhaussen (2007).

19 Nonn (2007), S. 195. Dies gilt, auch wenn natürlich historisch betrachtet „Volk“ bzw. „Rasse“ einer der zentralen „Kristallisationskerne des Nationalgefühls“ im nationalistischen Diskurs waren.

20 Hobsbawm (2005), S. 44f.

21 Hobsbawm (2005), S. 121f. Zur Kritik an dem „Schwellenprinzip“ vgl. auch Langewiesche (2007), S. 22.

22 Hobsbawm (2005), S. 19.

23 Zitiert nach Kunze (2005), S. 22.

24 Dann (³1996), S. 12.

25 Dann (1997), S. 83.

26 Langewiesche, Nation (2000), S. 40. Der „Nationalismus“ wird in eigenen Blogbeitrag später noch einmal ausführlich thematisiert.

27 In der deutschen Geschichte spielt die angestrebte Partizipation der Bürger eine große Rolle. Bekanntermaßen erfolgte erst nach 1848 eine Trennung der Ziele und in der Staatsbildung 1871 wurde der Nation dann tatsächlich weitgehend die Partizipation verweigert. Diese Schwäche der politischen Kraft war einer der grundlegenden Faktoren für die weitere Entwicklung der deutschen Geschichte. Dazu Kocka, „Das Problem der Nation in der deutschen Geschichte 1870-1945“ (1989) und Langewiesche „Staats- und Nationsbildung in Deutschland – ein Sonderweg? Die deutsche Nation im europäischen Vergleich“ (2001).

28 Die vorsichtige Formulierung ist hier ebenso wie das Versprechen bei Punkt c) sinnvoll, da z.B. die Polen im 19. Jahrhundert eine Nation bilden, die zwar einen Anspruch auf ein bestimmtes Territorium und Selbstverwaltung erhebt, aber seit den Polnischen Teilungen bis zum Ende des 1. Weltkrieges keinen eigenen Staat bildeten. Der Anspruch auf beides stellt gerade deswegen einen wichtigen Teil der nationalen Selbstfindung dar. Vgl. hierzu: Davies (2000), S. 228ff., der deutliche Wurzeln für einen polnischen Nationalismus schon vor der Französischen Revolution, und zwar spätestens mit der ersten „Teilung“ von 1773 sieht, die ein bewusstes Streben nach einem Nationalstaat ausgelöst und das Entstehen eines Nationalbewusstseins gefördert habe. Interessant auch der Aufsatz von Orłowski (2003), der den Zusammenhang von Nationsbildung und der Entstehung von gegenseitigen Stereotypen im deutsch-polnischen Verhältnis darstellt.

29 Am Beispiel Belgiens kann man sehen, wie sehr das Infragestellen dieses Punkts zusammen mit einem Dissens über die politische Kultur schon das Bestehen einer Nation gefährden kann. Zu Belgien siehe z.B.  den Artikel „Das doppelte Land“ (17.05.2010) und „Belgien am Rande der Spaltung: Dieses Spiel wird langsam gefährlich“ (19.05.2010) von Cornelia Bolesch in der Süddeutschen Zeitung.

30 Die formulierten Ansprüche wurden bei dem 2008 angenommenen Entwurf für die Fahne des unabhängigen Kosovo symbolisch umgesetzt: So zeigt die Flagge die Umrisse des (mit Serbien umstrittenen) Staatsgebiets, über dem sechs Sterne für die sechs größten Bevölkerungsgruppen des jungen Landes stehen.

31 Hirschi (2005), S. 58.

„In Rom bin ich Mailänder, in Paris bin ich Italiener, und in New York bin ich Europäer.“ (Umberto Eco)

Angesichts der politischen Entwicklungen in Deutschland wie auch in Europa folgt in den nächsten eine kleine Beitragsserie, die sich mit Nation, Nationalismus und Geschichtsunterricht beschäftigt. Die Beiträge speisen sich aus meinem abgebrochenen Dissertationsprojekt, das als empirische Untersuchung von Schülervorstellungen neben einer Vollzeitstelle an der Schule nicht zu bewältigen war. Es würde mich freuen, wenn die Beiträge als kleine Impulse für die inhaltliche Auseinandersetzunng mit dem Thema im Unterricht dienten.

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em-1433704_1920Nach Norbert Elias ist die Nation „eines der mächtigsten, wenn nicht das mächtigste soziale Glaubenssystem des 19. und 20. Jahrhunderts“1. Es scheint, als ob die Nation auch für das 21. Jahrhundert ihre Position als einer der wichtigsten Faktoren der Politik beibehalten wird. Der Aufstieg rechtspopulistischer Parteien in (fast) allen europäischen Ländern, Nationalismus als dominierende politische Strategie einzelner Regierungen, Unabhängigkeitsbewegungen in Konflikt mit der Zentralregierung (z.B. Katalonien oder Schottland) und neuen Nationalstaatsgründungen (z.B. Kosovo, Südsudan) beherrschen neben dem „Terrorismus“ und „Krisen“ die Schlagzeilen. Die Wikipedia bietet gar eine eigene Seite mit einer „Liste derzeitiger Sezessionsbestrebungen in Europa“, die ingesamt 27 Einträge enthält (Stand: 25.06.2016).

Die Frage nach der Geschichte des Nationsgedankens und des Nationalismus hat eine neue Aktualität gewonnen. Bei der Betrachtung der Weltkarte bzw. der Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen lässt sich eine stete Zunahme von (National-) Staaten beobachten. Die Nation ist unzweifelhaft eine der bedeutendsten Triebfedern der modernen Geschichte und daher auch von hoher Relevanz für den Geschichtsunterricht. Von Borries beklagte allerdings zu Recht, dass der Geschichtsunterricht bisher wenig zur Differenzierung und zur Relativierung von nationalen Loyalitäten und Feindbildern beigetragen habe. Ganz im Gegenteil – so von Borries – habe der Geschichtsunterricht mit seinem nationsspezifischen Lernen bei der Ausformung des nation building „mit all seinen Irrwegen“ eine zentrale Rolle gespielt.2

Während weniger Jahrzehnte galt das Nationalbewusstsein nicht mehr als wichtigste Form der Zugehörigkeit, sondern an die Stelle des sich vor allem über die Nation definierenden Individuums waren (besonders in Westeuropa und Nordamerika) weitgehend neue Formen der Identitätsbildung und Gemeinschaftszugehörigkeiten entstanden, die zumeist keine territoriale Grundlage hatten.3 Seit dem Fall der Berliner Mauer hingegen hat das nationale Identitätsmodell in allen Teilen der Welt, zuerst im Bereich der ehemaligen Sowjetunion und des Balkans dann aber auch in anderen Teilen Europas eine zuvor für kaum möglich gehaltene Renaissance erlebt.4

Trotz supranationaler Organisationen wie z.B. der EU oder der UNO scheint es bislang zum Nationalstaat mit seinem spezifischen Gesellschaftsaufbau noch kein tragfähiges Alternativmodell zu geben. Noch behält der Nationalstaat, der als einziger staatsbürgerliche Rechte und die Akzeptanz der entsprechenden Pflichten garantiert sowie Partizipation und solidarische Sicherungssysteme ermöglicht, seine Bedeutung und Daseinsberechtigung.5

Was ist eine Nation? Die Frage scheint einfach und steht so („Qu’est-ce qu’une nation?“) auch am Beginn der wissenschaftlichen Untersuchung des Phänomens. Schon 1882, also mitten in der Hochzeit des Nationalismus, hielt der Religionswissenschaftler Ernest Rénan einen Vortrag gleichnamigen Titels.6 So einfach die Frage scheint, so schwierig ist ihre Beantwortung. Rénan fragte sich u.a., warum z.B. die Niederlande eine Nation ausgebildet haben, nicht aber Hannover?7 Festzuhalten ist zunächst, dass Nationen historische Phänomene sind. Das heißt: Sie sind irgendwann entstanden und können dementsprechend auch wieder vergehen.8

In Bezug auf die gesamte Geschichte sind moderne Nation und Nationalismus vergleichsweise junge Phänomene.9 Obwohl fest im Alltag verankert und alltagssprachlich in der Regel nicht hinterfragt, gibt es für sie keine allgemein gültige Definition, wohl aber viele Definitionsversuche.10 Einige davon werden im nächsten Beitrag kurz vorgestellt.

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1 Zitiert nach Langewiesche, Nation (2000), S. 42.

2 Borries, Staatsnation (2004), S. 310.

3 Özkirimli (2005), S. 6.

4 Gies (1998), S. 18.

5 Langewiesche (2000), S. 38; Gies (1998), S. 27.

6 Rénan (1887), « Qu’est-ce qu’une nation? » (Conférence faite en Sorbonne, le 11 mars 1882).

7 Rénan (1887), S. 287.

8 Das hat auch Rénan schon so gesehen: Rénan (1887), S. 286. Grundlegend: Schieder (1964); siehe auch: Dann (1997), S. 81; Langewiesche (2003), S. 597.

9 Zur zeitlichen Einordnung folgt ein eigener Beitrag im Blog.

10 Einen Überblick über die historischen und aktuellen Definitionsansätze findet sich bei Kunze (2005), S. 17-24.

Brettspiel: Das Römische Reich in der Krise

Bild Reichskrise„Reichskrise – Rettet das Römische Reich!“ so lautet der etwas möchtegern-reißerische Titel des Brettspiels, das ich als Unterrichtsmaterial hier zum Download anbieten möchte. Das Spiel ist eine Eigenentwicklung und mittlerweile in etlichen Spielrunden getestet. Thematisch wird die spätantike Krise des Römischen Reichs und die sogenannte „Völkerwanderung“ in den Blick genommen. Die bis zu 4 Spielerinnen und Spieler schlüpfen in die Rolle eines Kaisers, verwalten ein Teilreich und verteidigen gemeinsam das Römische Reich. Allerdings kann sich jeder Spieler auch heimlich das Spielziel setzen, selbst Alleinherrscher im Reich zu werden.

Der Spielplan besteht aus einer Karte des Römisches Reichs im 3. Jahrhundert nach Christus. Das Reich ist unterteilt in vier Teilreiche mit jeweils einem Kaiser. Insgesamt gibt es beim Start im ganzen Reich 28 Legionen, die allerdings ebenso wie die Einnahmen historisch ungleich verteilt sind.

Es geht nicht um ein exaktes Nachspielen von Ereignissen, sondern das Spiel verdichtet verschiedene Ereignisse und Entwicklungen der römischen Spätantike in zehn Spielrunden. Man in diesem Spiel sicher etwas lernen, aber keine Jahreszahlen oder Herrschernamen. Das Spiel kann aber einen Eindruck von den Problemen und Handlungsmöglichkeiten der spätantiken Kaiser vermitteln.

Die Spieldauer beträgt ca. 90 Minuten. Das Spiel eignet sich also für eine Doppelstunde. für einen sinnvollen Einsatz in der Schule sind allerdings mindestens 4 Unterrichtsstunden notwendig. Die Anleitung sollte vor Spielbeginn im Überblick bekannt sein. Im Unterricht kann es sowohl zur Auflockerung vor den Ferien wie auch innerhalb einer Reihe zur römischen Geschichte eingesetzt werden. Eine Nachbesprechung ist in jedem Fall sinnvoll, um zu klären, welche Probleme das römische Reich ausgesetzt war, welche Handlungsoptionen die Kaiser hatte und wie sich diese im Spiel auf den Verlauf ausgewirkt haben. Anschließend kann die angebotene Geschichtserzählung des Spiels z.B. mit der Darstellung im Schulbuch verglichen werden.

Spielplan ReichkriseAbgesehen von einigen zusätzlichen Spielmaterialien, die aber aus gängigen Brettspielen von zuhause selbst ergänzt werden können, stelle ich hier alle Materialien für das Spiel zum Runterladen und Ausdrucken zur Verfügung. Das hat den Vorteil, dass die Materialien auch mehrfach ausgedruckt werden können, so dass alle Schülerinnen und Schüler im Klassenraum in mehreren Kleingruppen spielen können.

Eventuell können die Lernenden in einer vorbereitenden Stunde bereits die Anleitung lesen und die Materialien auseinanderschneiden. Beim Ausdrucken des Spielplans sollte dieser auf Din A2 vergrößert werden. Dies geht im Acrobat Reader oder anderen PDF-Programmen: Unter „Drucken“ im Bereich „Seite anpassen und Optionen“ das Format „Poster“ wählen und den Ausdruck der Datei auf vier Seiten vergrößern. Die Blätter können festgeklebt oder auch nur aneinander gelegt werden. Es ist zudem hilfreich, die Ereignis- und Aktionskarten auf verschieden farbiges Papier zu drucken, damit sie beim Aufbau des Spiels einfach auseinandergehalten werden können.

Falls jemand das Spiel in der Schule einsetzen sollte, würde ich mich sehr über eine Rückmeldung freuen. In dem Spiel stecken mehrere Monate Arbeit, nichtsdestotrotz gibt es sicherlich noch einiges, was sich verbessern lässt.

Spielmaterialien:

Die Spielmaterialien sende ich auf Anfrage auch gerne als veränderbare Word-Dokumente zu.

Credits: Die Grundlage für die Karte des Spielplans findet sich in den Commons der Wikipedia und ist unter CC BY SA-Lizenz erstellt worden von: Roman_Empire_map.svg: Ssolbergj, en:User:Andrei nacu, die Überarbeitung dieser Grundkarte ist erfolgt durch: Cjcaesar.

Life stories – didaktische und methodische Ideen für den Unterricht

Harry Weinsaft of the American Jewish Joint Distribution Committee, gives food to three-year-old Renati Rulhater, a Jewish DP child in Vienna, Austria, 1945.

Harry Weinsaft of the American Jewish Joint Distribution Committee, gives food to three-year-old Renati Rulhater, a Jewish DP child in Vienna, Austria, 1945.

Eine Woche nach dem Aufruf sind bereits drei Kurzbiographien vollständig übersetzt, drei weitere sind in Arbeit. Bald stehen auf Deutsch also genug Übersetzungen zur Verfügung, um sie bereits im Rahmen von Gruppenarbeit im Unterricht zu nutzen.

Wer bislang das Lesen der englischen Version gescheut hat, kann sich nun schnell einen Eindruck von den Biographien als Lernmaterialien machen. Einen Überblick, wie diese entstanden sind und wer für die jeweilige Darstellung verantwortlich ist, findet sich übrigens auf den Seiten des Historiana-Portals als PDF.

Eine deutsche Übersetzung liegt bis jetzt für die Kurzbiographien folgender Personen vor:

Hier ein paar Ideen aus dem Historiana-Portal, wie mit den „Life stories“ im Unterricht gearbeitet werden kan:

Displaced Persons in December 1948 about to board KNM

Displaced Persons in December 1948 about to board KNM „Svalbard“ in Genoa, Italy, for resettlement in Australia.

  • Die Schülerinnen und Schüler bekommen einen Kurzüberblick (Beispiel als PDF) über die vorhandenen bzw. alle oder die für den Unterricht vorausgewählten Biographien und wählen selbst daraus die Lebensgeschichte, die sie am meisten interessiert.
  • Die Lebensgeschichten sind in alle in fünf Abschnitte unterteilt. Zu jedem Abschnitt gibt es eine Frage auf einem Arbeitsblatt (deutsche Übersetzung als Word-Docx). Damit kann die Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit strukturiert werden. Eventuell werden die fünf Abschnitte getrennt ausgedruckt bzw. die Kopien zerschnitten, da sich einige Fragen auf Vermutungen über den Fortgang der Lebensgeschichte beziehen. Diese Fragen funktionieren nicht mehr, wenn die Biographie bereits vollständig vorab gelesen wurde.
  • Anschließend können sich die Schülerinnen und Schüler in Expertengruppen die Biographie ihrer Person mit Hilfe des Arbeitsblatts gegenseitig vorstellen und gemeinsam überlegen und festhalten, was an Gemeinsamkeiten und Unterschieden im Leben vieler Menschen in Europa in der Nachkriegszeit gab. Dazu ebenso wie zur folgenden Aktität kann es zur inhaltlichen Fokussierung hilfreich sein, den jeweils letzten Abschnitt (moving on/ weiter geht’s) zunächst nicht auszuteilen, so dass die biographische Darstellung zunächst mit dem Jahr 1949 endet.
  • Daran kann eine Aktivität anknüpfen, in der eine Zukunftsvision ausgehend von den Bedürfnissen der Menschen (Nahrung, Wohnung, Familie, Freiheit, Arbeit, Leben in Frieden etc.) entwickelt und überlegt wird, welche politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dazu nötig und sinnvoll gewesen wären.
  • DIe Lernenden können im Anschluss an die Arbeit mit den Biographien aber auch den Darstellungstext zur Nachkriegszeit in ihrem Schulbuch lesen und nachweisen, welche Ereignisse im Leben der Menschen, mit den dort genannten abstrakten Entwicklungen und Begriffe gemeint sind. Etwas herausfordernder ist die (ggf. zusätzliche) Aufgabe zu prüfen, ob es Widersprüche oder Lücken in der Darstellung des Schulbuchs im Vergleich zu den bearbeiteten Lebensgeschichten gibt.
  • Anknüpfend an die Arbeit mit den Lebensgeschichten können die Schülerinnen und Schüler selbst Zeitzeugengespräche führen z.B. in der Familie  oder Nachbarschaft und diese in der Klasse oder Schule in Form von Vorträgen oder eine Ausstellung präsentieren.

Leben in Europa nach dem 2. Weltkrieg: life stories – Aufruf zur Mitarbeit

Toni_Frissell,_Abandoned_boy,_London,_1945 „Millionen Deutsche waren bei Kriegsende unterwegs. Familien waren zerrissen, Frauen suchten ihre Männer, Eltern ihre Kinder, Kinder ihre Angehörigen. Flüchtlinge, Vertriebene und Ausgebombte waren auf der Suche nach einem Dach über dem Kopf. Kleine und große Nazis bemühten sich unterzutauchen. Hinzu kamen zehn bis zwölf Millionen Displaced Persons. Das waren unter anderem die ausländischen
Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen, die während des Krieges ins Deutsche Reich verschleppt worden waren, um in der Rüstungsindustrie und in der Landwirtschaft zu arbeiten, und nun in ihre Heimat zurückkehren wollten.“ (Buchner „Das waren Zeiten“ Ausgabe Rheinland-Pfalz Band 2, S. 188).

So oder so ähnlich wird die Situation nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland in vielen Schulbüchern beschrieben. Aber bedeutete es denn damals, wenn eine „Famillie zerrissen“, man selbst ein „Flüchtling“ oder „ausgebombt“? Lehrpläne und Schulbücher beziehen sich in der Regel auch nur auf die Situation in Deutschland, eine – eigentlich notwendige – europäische Perspektive fehlt bzw. schimmert nur an wenigen Stellen durch.

euroclio hat im Rahmen des Projekts „Decisions and dilemmas“ mit viel Aufwand eine umfangreiche Unterrichtseinheit zum Leben in Europa in der Nachkriegszeit erstellt. Die Unterrichtseinheit ist im Historiana-Portal unter CC-Lizenz abrufbar.

Kern der Unterrichtseinheit sind 23 aufwändig recherchierte „Life stories“, denen weitere folgen werden. Dabei handelt es sich um für den Unterricht auf Quellengrundlage geschriebene Kurzbiographien, die die Lebenserfahrungen von Menschen aus ganz Europa in den Nachkriegsjahren widerspiegeln. Die Auswahl der Biographien versucht eine möglichst breite Spannweite verschiedene Lebenssituationen abzudecken (jung/alt, Mann/Frau etc.), ohne allerdings insgesamt repräsentativ zu sein. Neben der Anschaulichkeit liegt die Stärke des Materials in seiner europäischen Perspektive.

Die Ruinen von Guernica 5603/37

Die Ruinen von Guernica
5603/37

Es gibt verschiedene Anregungen und mehrere Arbeitsblätter, die die Lernprozesse mit den Biographien strukturieren. Es geht vor allem darum, dass auch jüngere Lernende die abstrakten Begriffe aus den Darstellungstexten mit konkreten Vorstellungen füllen können, um ein vertieftes Verständnis der Situation der Menschen nach dem Krieg sowie ein Verständnis für die folgende politische Entwicklung in Europa entwickeln zu können.

Die Biographien sind großartige Lernmaterialien, liegen aber nur auf Englisch vor. Damit sind sie zumindest in jüngeren Klassen in Deutschland, Österreich und der Schweiz in der Regel nicht einsetzbar. Da alle Materialien jedoch unter CC-Lizenz vorliegen, können sie übersetzt und neu für alle interessierten Lehrkräfte und Lernenden zur Verfügung gestellt werden.

Dazu habe ich ein Google Doc erstellt: Oben finden sich die Links zu den bisher veröffentlichten Life Stories sowohl als Word-Doc wie als PDF. Darunter steht eine Tabelle, die alle Life Stories auflistet und in der letzten Spalte auf leere Google Docs verweist, in denen alleine oder gemeinsam an einer Übersetzung gearbeitet werden kann. Es wäre super, wenn sich ein paar Leserinnen und Leser für die Mitarbeit an der Übersetzung fänden. Wenn jede/r ein oder zwei Kurzbiographien übersetzt, haben wir schnell einen großen Materialfundus auf Deutsch zusammen, der zugleich allen Interessierten zugänglich und jederzeit erweiterbar ist.

Link zum Google-Doc „Life Stories“: https://goo.gl/xWknal

Noch ’ne Zeitleistenidee: Schüler spielen Timeline

timeline-800pxAm dritten Tag des Internationalen Training Seminar bin ich immer noch begeistert über die vielen methodischen Ideen, die euroclio in den letzten Jahren entwickelt hat und von denen wir einen kleinen Teil vorgestellt bekommen. Mein Eindruck ist, dass vielen großartigen Unterrichtsaktivitäten auf dem Historiana-Portal untergehen und man sie nur findet, wenn man weiß, dass sie da sind und gezielt danach sucht. Es werden also in den nächsten Tage noch einige Blogbeiträge folgen, um hoffentlich etwas dazu beizutragen, die von euroclio entwickelten Methoden und Materialien bekannter zu machen.

Die in diesem Beitrag kurz vorgestellte Methode heißt auf Englisch „human timeline„. Der Unterrichtsvorschlag bezieht sich auf die Ursachen des Ersten Weltkriegs, kann aber auch auf andere Themen übertragen werden. Alle Schülerinnen und Schüler erhalten jeweils child-1096177_1280eine Karte, je nach Anzahl können die Lernenden auch jeweils zu zweit eine Karte bekommen. Die ausgearbeiteten Beispielkarten für die Ursachen des Ersten Weltkriegs kann hier als PDF heruntergeladen werden.

Auf den Beispielkarten sind die Daten der Ereignisse bereits angegeben, in einer Variante könnten – je nach Vorkenntnis und nach Einsatz der Methode am Anfang oder am Ende der Unterrichtsreihe – diese aber auch weggelassen werden. Die Schülerinnen und Schüler formen eine „Zeitleiste“, in der sie sich in der chronologischen Reihenfolge ihrer Karten im Klassenraum oder auf dem Schulhof platzieren.

Mit dieser „menschlichen Zeitleiste“ kann nun auf unterschiedliche Art und Weise gearbeitet werden. Die Lernenden können zum Beispiel die zeitlichen Abstände zwischen den Ereignissen im Raum abbilden, so dass sehr schnell deutlich wird, dass es „ruhigere“ Zeiten und Zeitabschnitten beschleunigten Wandels gab. Die Lernenden könnten – je nach Thema und ausgewählten Ereignissen – versuchen, Beziehungen und Interdependenz Highway-800pxvon Ereignisse und dadurch Entwicklungen darzustellen, z.B. durch Verschieben der Zeitleiste auf mehrere Stränge, Hand- oder Armkontakt und andere verfügbare Hilfsmittel oder Darstellungsformen.

Im Anschluss sind verschiedene Aktivitäten möglich, um das Verständnis der Ereignisse, ihrer Abfolge und Beziehungen zu vertiefen: Die Schülerinnen und Schüler können die Zeitleiste noch einmal graphisch umsetzen und dabei besonders folgenreiche, wichtige Ereignisse in Bezug auf den Ersten Weltkrieg größer darstellen als andere (Vorschlag euroclio: Als „Weg“ bzw. Straße in den Ersten Weltkrieg mit unterschiedlichen Fahrzeugen, Abzweigungen, Hindernissen usw.), den Ablauf in einem Text zusammenfassen oder, falls zu Beginn der Unterrichtseinheit, ausgehend von der Zeitleistenarbeit eigene Fragen  entwickeln, die in den Folgestunden aufgegriffen und untersucht werden.

Idee für die Arbeit mit Zeitleisten im Unterricht: Managing conflict in Europe

Timeline conflict 2DEuroclio bietet auf seinem Portal Historiana auf Englisch zahlreiche Unterrichtseinheiten zur europäischen Geschichte unter CC-Lizenz an. Gestern wurde eine Einheit vorgestellt, die mir besonders gut gefallen hat, weil sie eine interessante für die Arbeit mit einer digitalen Zeitleiste im Unterricht enthält.

Die komplette Einheit „Managing conflict in Europe in times of change: 1648-1945. What can we learn from a timeline about conflict management in Europe?“ umfasst mehrseitige Hinweise für Lehrkräfte als PDF und als zentrales Element eine Zeitleiste mit insgesamt 79 Einträgen unterteilt in drei Stränge von Ereignissen, Ideen und dem „weiteren Kontext“.

Die Unterrichtsplanung ist umfangreicher (PDF), hier möchte ich nur die Kernarbeit mit der Zeitleiste kurz vorstellen, weil mir dieser Ansatz von Zeitleistenarbeit gut gefällt und als Methode auch auf andere Themen übertragbar ist. Die zentrale Timeline conflict 3DFrage ist dabei, wie die europäische Staatenwelt mit Konflikten in dem langen Zeitraum zwischen 1648 und 1945 umgegangen ist. Es handelt sich dabei also um einen Längsschnitt, der vom Westfälischen Frieden über den Wiener Kongress und die Pariser Vorortverträge bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs reicht.

Für eine erste Orientierung können die Schülerinnen und Schüler in allen drei Strängen der Zeitleiste nach Hinweisen suchen, warum sich die Art und Weise änderte, wie die europäischen Staaten mit Konflikten umgegangen sind. Dabei lassen sich folgende Settings identifizieren:

  • supranationale Lösungen
  • Bündnisse zwischen Staaten
  • Friedensverträge
  • Mächtegleichgewicht
  • Wirtschaftliche Lösungen
  • Hegemonie eines Staates

Die Hauptarbeit besteht im Anschluss darin, die Zeitleiste nach den oben genannten, selbst erarbeiteten (ggf. auch vorgegebenen) Kriterien in verschiedene Abschnitte jeweils nach dem vorherrschenden Konfliktlösungsansatz innerhalb der europäischen Staatenwelt zu unterteilen. Voraussetzung sind in der Regel Kenntnisse über den behandelten Zeitraum. Schwieriger, aber dennoch möglich, ist auch der Einsatz zu Beginn einer Unterrichtseinheit, in der im Anschluss vertiefende Untersuchungen der einzelnen Friedensschlüsse folgen.

Diese Art mit einer Zeitleiste im Unterricht zu arbeiten unterstützt die Schülerinnen und Schüler dabei, eine langfristige und grundlegende Orientierung in der Zeit zu gewinnen. Auf diese Weise lässt sich auch mit vorgebenenen Zeitleisten in Schulbüchern arbeiten, um z.B. zum Abschluss einer Unterrichtseinheit das Gelernte noch einmal zu wiederholen und über Kategorienbildung zu einem vertieften Verständnis langfristiger Prozesse von Wandel und Kontinuität zu gelangen.

Flüchtling, Migrant, oder was? Vorschlag für eine Auftaktstunde zur Orientierung

20160513_154149Dieses Wochenende bin ich auf dem abschließenden Treffen des euroclio-Projekts „Teaching Europe“, in dem im vergangenen Jahr jeweils eine Lehrerin bzw. ein Lehrer aus jedem der 28 Mitgliedsstaaten vier Geschichts- und Politik-/Sozialkundebücher aus dem eigenen Land im Hinblick auf die Darstellung der EU untersucht hat. Die Kommunikationssprache ist Englisch. Somit liegt nun auf Englisch ein großer Fundus von Einzelanalysen vor, der in der Gesamtschau einen einmaligen Überblick über die Darstellung der EU in ausgewählten Schulbüchern aus allen Mitgliedsstaaten bietet. Wie wir die Ergebnisse der gemeinsamen Arbeit weitergeben und veröffentlichen  können, werden wir die kommenden Tage diskutieren.

euroclio macht großartige Arbeit, die in Deutschland vielleicht nicht immer in dem Maß wahrgenommen wird, wie sie es verdient hätte. Alle aktuellen Projekte von euroclio stehen für einen modernen, inhaltlich wie methodisch innovativen Geschichtsunterricht. Wenn die nächste Tage Zeit bleibt, werde ich über die ein oder andere Anregung vom Projekttreffen bloggen. Vorab möchte ich nur eine kleine Idee für eine Unterrichtsstunde weitergeben, die ich gemeinsam mit den Kollegen aus Lettland, den Niederlanden und der Tschechischen Republik heute in der ersten „working session“ erarbeitet habe.

Es handelt sich dabei um eine Einstiegsstunde in das Thema „Migration“ oder „Flüchtlinge“ in historischer Perspektive. Ziele der Stunde sind, dass die Schülerinnen und Schüler verschiedene Ursachen von „Migration“ kennenlernen, verschiedene Formen von Migration (Flucht vor Krieg, Verfolgung, Arbeitsmigration etc.) unterscheiden können und dass sie schließlich erkennen, dass Migration historisch betrachtet der Normalfall und keine Ausnahme ist.

Zum Einstieg erfolgt die Abfrage vorhandener Vorstellungen der Schülerinnen und Schüler über die Frage „Was ist (deiner Meinung nach) ein Migrant?“. Gegebenenfalls kann dies durch ein Bild als Impuls unterstützt werden. Dabei ist jedoch darauf zu achten, dass das Bild nicrefugees-800pxht zu stark lenkt.

In einem zweiten Schritt erhalten die Schülerinnen und Schüler mehrere Kurzbiographien von Migranten, die sie in Kleingruppen bearbeiten. Sie sollen dabei die Ursachen für das Verlassen des Wohnorts, Veränderungen der Lebenssituation sowie langfristige Folgen herausgearbeiten. Eventuell kann hier gerade bei jüngeren Lernenden ein Arbeitsblatt mit einem vorgebenen Raster hilfreich sein, um die Arbeit mit den Text zu stützen.

Bei der Auswahl der beispielhaften Biographien sollten verschiedene Räume und Zeiten Berücksichtigung finden (z.B. Antike: griech. Kolonien, Mittelalter: Juden evtl. Maimonides, 17. Jahrhundert: Hugenotten, 18. Jahrhundert: Revolutionsflüchtlinge, 19. Jahrhundert: Arbeitsmigration aus Italien, Irland oder der Pfalz, 20: Jahrhundert: Vertreibungen Griechenland, Türkei, Polen, Jugoslawien usw.) Gut ist es auch, wenn ein oder zwei Biografien mit regionalem Bezug zum Schulort dazugenommen werden können. Auf Deutsch finden sich einige Biografien, die sich gut für den Unterricht eignen, allerdings nur die Neuzeit und verschiedene von Formen von „Flucht“, aber nicht Migration allgemein abdecken, auf dem Blog „gefluechtet.de“.

In einem Gruppenpuzzle stellen sich die Schülerinnen und Schüler anschließend in Expertengruppen die verschiedenen Migrationsgeschichten vor. Gemeinsam wird abschließend die Eingangsfrage noch einmal aufgeworfen, um dann festzuhalten, welche unterschiedliche Ursachen und Typen von Migration es gab und gibt.

Diese Stunde bietet als Einstieg bereits einen Überblick über das Thema, an den in den Folgestunden auf verschiedene Art und Weise angeknüpft werden kann: Es können sowohl eine historische Epoche näher betrachtet als auch – z.B. im übergreifenden Fach Gesellschaftslehre – die aktuelle Flüchtlings- „Krise“ mit ihren Ursachen und Folgen in den Blick genommen oder anhand der Familiengeschichten der Schülerinnen und Schüler, auch in scheinbar homogenen Klassen gerade unter Berücksichtigung von „Binnenmigration“, das Thema vertieft werden.

Wikipedia in der Praxis – Open Peer Review

cibo00-abstracted-personal-stress-appraisal-800pxDie ausgearbeiteten Beiträge zur Tagung in Basel werden nun nach und nach zum Open Peer Review im Blog des Arbeitskreises „Digitaler Wandel und Geschichtsdidaktik“ online gestellt. Den Auftakt macht mein kurzer Praxisbericht zu Schwierigkeiten und Lösungsansätzen der Wikipedia-Nutzung in Klasse 8. Die Folien zum Vortrag hatte ich bereits Ende November zur Tagung hier im Blog zur Verfügung gestellt.

Open Peer Review bedeutet, dass „alle interessierten Personen“ eingeladen sind, „nicht nur zu lesen, sondern auch zu kommentieren.“ Die genauen Informationen über Ablauf des Review-Verfahren und die Reihenfolge der Publikation der Tagungsbeiträge haben Jan Hodel und Marco Zerwas als Herausgeber in einem einleitenden Blogbeitrag zusammengefasst.

Spielend Begriffe wiederholen & vernetzen

In dem folgenden Beitrag möchte ich kurz eine Adaptation des recht neuen, aber bereits mehrfach ausgezeichneten Spiels „Codenames“ für den Geschichtsunterricht vorstellen.

b100-800pxBei „Codenames“ werden 25 Karten mit unterschiedlichen, zufällig ausgewählten Begriffen offen in einer Reihung von 5×5 offen auf dem Tisch ausgelegt. Gespielt wird in zwei Teams: Auf der einen Seite des Tischs sitzen 2 „Geheimdienstschefs“, auf der anderen Seite die „Agenten“ des blauen und des roten Teams. Blaues und rotes Agenten-Team können nur aus einem Spieler oder auch aus mehreren Spielern bestehen. Die ausliegenden Begriffe auf den Karten sind „Decknamen“ (codenames) von Agenten. Nur die Geheimdienstchefs wissen, welche Decknamen Agenten des eigenen Teams bezeichnen. Diese müssen sie mit Hilfe von Oberbegriffen ihren Mitspielern versuchen mitzuteilen (die kompletten Spielregeln auf Deutsch kann man beim Verlag als PDF herunterladen).

Es liegen also z.B. Karten mit den Wörtern „braun“, „Brause“, „Getränk“ aus, die alle zum eigenen Team gehören, aus. Dann kann der „Geheimdienstchef“ mit dem Hinweis „Cola“ – 3 darauf hinweisen, dass es in der Auslage drei Begriffe gibt, die zu seinem Oberbegriff gehören und die die Agenten herausfinden müssen. Gespielt wird abwechselnd, gewonnen hat das Team, das zuerst alle seine Begriffe gefunden hat, ohne dabei die Karte des „Attentäters“ zu benennen, die sofort den Sieg des anderen Teams zur Folge hätte.

So weit, so einfach. Als Oberbegriffe sollen alltagssprachliche gewählt werden, die sich auch im Duden finden sowie Eigennamen, diese ggf. zur Präzisierung auch mit Vornamen. Es ist also zumeist nötig Begriffe miteinander in Beziehung zu setzen und übergeordnete Kategorien zu bilden. Das ist nicht nur für Sprachlernen, sondern auch für Geschichte interessant – entsprechend ausgewählte und vorbereitete Kartensets vorausgesetzt.

Inhalte der vorangehenden Unterrichtsstunden können so wiederholt, Ereignisse, Personen und Begriffe wieder aufgegriffen und miteinander verbunden werden, um dadurch Oberbegriffe bilden bzw. die ausliegenden Begriffe dem genannten Oberbegriff zuordnen zu können. Um dieses (sprachlich kognitive anspruchsvolle) Spiel für den Geschichtsunterricht zu können, sind kleinere Änderungen hilfreich.

  • Es müssen eigene Karten erstellt werden, die zu den Inhalten des Unterrichts der vorangehenden Stunden passen. Dies kann durch die Lehrkraft oder durch die Lernenden erfolgen.
  • Anders als im Originalspiel sollten auch Personennamen sowie Daten bzw. Jahreszahlen auf den Karten zugelassen werden.
  • Dies gilt auch für die Bildung von „Oberbegriffen“ durch die „Geheimdienstchefs“. So könnte die Karten „Hyperinflation“, „Hitler-Putsch“ und „Separatismus“ auch durch den Hinweis „1923 – 3“ angedeutet werden oder „Abdankung“ und „Hitler-Putsch“ durch „9. November -2“.

Ein Beispiel für 50 Karten zur „Weimarer Republik“ kann hier als PDF und als DOC heruntergeladen werden. Die Zuordnung der Karten für die Geheimdienstchefs können aus dem Originalspiel inklusive Kartenhalter übernommen werden. Der Materialumfang ist sehr übersichtlich und einfach zu erstellen, der Zeitansatz auch vergleichsweise gering. Der Effekt des Spiels für Wiederholung, Festigung und Vernetzung von Inhalten ist allerdings – soweit nach dem erstmaligen Einsatz zu beurteilen sehr groß! Das Spiel scheint für das Geschichtslernen überaus brauchbar und lohnenswert… aber auch so richtig schwer.

Da viele Lehrkräfte mangels Zeit keine Materialien selbst für den Unterricht basteln und sie daher lieber fertig kaufen, wäre es vielleicht eine Idee für den Verlag eine Edu-Version von Codenames rauszubringen mit Begriffskarten für Fächer wie Geschichte, Biologie, Erdkunde oder Politik. Ich bin mir angesichts von Lernpotential und Spielspaß sicher, dass sich die in Lehrerkreisen gut verkaufen würde.