Historisches Lernen als Detektivspiel

Die Arbeit des Historikers ist schon oft mit der des Detektivs verglichen worden. Für den Unterricht nutzbar gemacht wurde das bislang kaum. Zu sehr orientiert sich seit der Hinwendung zur Quellenorientierung der Geschichtsunterricht an der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit vor allem schriftlichen Texten.

Zur Zeit stark vor allem im Bereich der Mediendidaktik sehr en vogue ist die Idee des Game Based Learning (GBL), vereinfacht gesagt, geht es darum, durch Spaß am und im Spiel gezielte Lernprozesse anzuregen und zu unterstützen. Darin steckt meines Erachtens noch eine Menge bisher wenig beachtetes Potential für die Motivation im Geschichtsunterricht.

Hier möchte ich einen kleinen Vorschlag machen, wie man so die Idee spielerischer Detektivarbeit in jüngeren Klassen für historisches Lernen im Geschichtsunterricht nutzen kann. Inhaltlich steht im Mittelpunkt die Ermordnung des Tiberius Gracchus, ein Mordfall bei dem die Schüler im Gegensatz zu anderen berühmten, wie z.B. dem Caesars, in der Regel die Hintergründe nicht kennen. Das ist eine wichtige Voraussetzung für die Umsetzung. Im Gegensatz zu Christoph Kühberger sehe ich übrigens durchaus einen relevanten Gegenwartsbezug für die Behandlung der Reformen der Gracchen im Unterricht.

Die Schüler erhalten Rollenkarten mit der Aufgabe als Detektiv. Sie können auch kleine Teams bilden. Dazu gibt es sechs Rollen mit Vertretern verschiedener sozialer Schichten und Interessensgruppen aus dem alten Rom. Diese Personen müssen die Detektive befragen und aus ihren Erzählungen müssen sie versuchen, den Mordfall zu lösen. Wichtig ist, dass nicht nur nach dem oder den Mördern, sondern immer auch nach den Motiven gesucht wird. Das ist für das historische Lernen in diesem Zusammenhang entscheidend.

Die Hypothesen der Detektivgruppen können im Plenum vorgestellt und diskutiert werden. Je nach Zeitansatz und Lerngruppe lässt sich das Thema vertiefen, in dem die eigene Detektivarbeit reflektiert und eventuell mit einem Darstellungstext, z.B. aus dem Schulbuch, verglichen wird.

Die Texte finden sich hier als DOC-Datei zum Download. Sie können also modifiziert und dem eigenen Unterricht und der Lerngruppe angepasst werden.

Bei der Durchführung der Unterrichtsstunde hatte ich mit vier Schülern im Vorfeld die Übernahme der „Zeugen“-Rollen abgesprochen. Das war allerdings nicht ideal. Eine Alternative könnten virtuelle Avatare darstellen, die den Text sprechen. Vorteil ist, dass hier keine Rollenwechsel stattfinden (die Avatare werden ja nicht als Mitschüler angesprochen) und dass die Detektive individuell einzelne Texte so oft anhören können, wie nötigt und auch gezielt einzelne Passagen noch einmal abrufen können (an Computerstationen oder ihren eigenen mobilen Geräten mit Kopfhörern).

Wie so ein sprechender Avatar aussehen kann, lässt sich hier sehen. Die Figuren können per Link oder Einbettung in eine Lernplattform, ein Blog oder als QR-Code für die Schüler zur Verfügung gestellt werden. Allerdings gibt es noch ein Problem: Die Sprachwahl und -ausgabe bei Voki ist ziemlich gut. Das Progamm lässt sich auch ohne Anmeldung benutzen und stellt dauerhafte Links zu den erstellten Avataren bereit.

Doch die nicht sehr umfangreichen Texte der sechs Charaktere sind für Voki bereits zu lang und können nicht komplett eingegeben werden. Zudem ist die Auswahl an Avataren ist sehr begrenzt und für historische Themen kaum geeignet. Andere Programme wiederum ermöglichen das Hochladen von eigenen Bildern, die in beweglichen und sprechende Avatare konvertiert werden können, hier ist dann aber meines Wissens bislang keine Umsetzung in eine deutsche Sprachausgabe möglich.

Wenn jemand eine entsprechende Online-Anwendung oder App kennt, bitte ich um Hinweis: Dann ließen sich z.B. römische Büsten oder andere historische Abbildungen von Personen mit verschiedenen Stimmen zum Sprechen bringen und das wäre eine sehr spannende und motivierende Abwechslung für das Geschichtsunterricht!

Über die Fußball-EM im Unterricht zum Thema Nation und ihrer Konstruktion

Große Sportereignisse bieten auch immer die Möglichkeit, Themen, die sonst weniger Aufmerksamkeit erhalten, stärker in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. So ist dies auch mit der EM in Polen und der Ukraine. Sport ist nicht nur gegenwärtig, sondern war immer auch Politik. Während die Ukraine als Austragungsort gerade hoch politisiert wird, gerät Polen in der Debatte etwas ins Abseits. Dabei kann die EM Anlass sein, unsere Nachbarn besser kennenzulernen und z.B. die deutsch-polnischen Beziehungen auch im Unterricht aufzugreifen.

Dies lässt sich anhand der großen Politik tun, oder aber an Fußballgeschichte, an konkreten Biographien einzelner Spieler, wie z.B. Ernst Willimowski bzw. Ernest Wilimowski:

Seine Fußballlaufbahn begann er 1927 mit elf Jahren im deutsch-oberschlesischen 1. FC Kattowitz, wo er bis zum Jahr 1934 erfolgreich spielte. Nach dem Wechsel zu Ruch Wielkie Hajdukiwurde er bereits 1934 als 18-Jähriger polnischer Fußball-Meister. Diesen Titel errang er mit seinem Team auch 1935, 1936 und 1938. In 86 Spielen für Ruch Chorzow schoss Willimowski 112 Tore und wurde 1934 und 1936 polnischer Torschützenkönig.

Am 21. Mai 1934 debütierte er in der polnischen Nationalmannschaft in Kopenhagen gegen Dänemark. Polen verlor das Spiel mit 2:4. Vor dem Zweiten Weltkrieg spielte er 22 Mal für die Polnische Nationalmannschaft. […] Nach dem Einmarsch der Deutschen in Polen unterschrieb Willimowski die deutsche Volksliste. […] 1941/42 absolvierte er acht Länderspiele für die Deutsche Nationalmannschaft.

Aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Willimowski

Dass das Thema nicht völlig an den Haaren herbeigezogen ist, zeigen die neuen Veröffentlichungen und Veranstaltungen (Auswahl siehe unten).

Buch

Thomas Urban, Schwarze Adler, weiße Adler. Deutsche und polnische Fußballer im Räderwerk der Politik, Göttingen 2011. Lizenzausgabe der BpB 2012

Artikel

Marcin Wiatr, „Der oberschlesische Fußballplatz – ein europäischer Erinnerungsort?“, in: Inter Finitimos 9 (2011) – Themenschwerpunkt: Fußball, S. 22-47.

Konferenz

Konflikt und Konkurrenz: Deutsch-polnische Beziehungsgeschichte im Fußball. Ein historisches Symposium aus Anlass der Euro 2012 in Polen und in der Ukraine, FES Berlin, 29.-31.5.2012, Link

Ausstellung

Ausstellungseröffnung „Willimowski, Klose, Podolski & Co. • Oberschlesier in der deutschen und polnischen Nationalmannschaft – gestern und heute“  am 8. Juni 2012 im Amerika-Haus, Berlin, PDF 

Für den Geschichtsunterricht aufbereitet, wurde das Thema meines Wissens noch nicht. Lehrplanthemen an Fußballgeschichte aufzuhängen ist nichts Neues, für 1954 und 1974 kenne ich da einige Beispiele auch aus den bekannten Fachzeitschriften (zuletzt in Geschichte lernen Nr. 47).

Bücher und Aufsätze können das Material liefern, um hier exemplarisch eine Unterrichtseinheit vorzubereiten und passend zur EM das spannende und komplexe Thema der deutsch-polnischen Beziehungen und der Konstruktion von regionalen bzw. nationalen Identitäten an konkreten Spieler- und/oder Vereinsbiographien anschaulich im Unterricht aufzugreifen.

Kurzum die Frage: Hat jemand Interesse kollaborativ in einem Google Doc zum Themenkomplex: Deutsch-polnische Beziehungsgeschichte, Konstruktion von Nation und Nationalismus am Beispiel der oberschlesischen Fußballer und Vereine eine Unterrichtseinheit für eine 10./11. Klasse zu entwickeln?

http://goo.gl/HXCWE

Das wäre auch methodisch ein spannendes Experiment. Zwar habe ich über solche Dokumente bereits kollaborativ an Texten gearbeitet, gemeinsam eine kurze Unterrichtseinheit auf diesem Wege habe ich bisher noch nicht erstellt. Ich würde mich freuen, das mal mit ein paar Kollegen auszuprobieren!

Material fürs IWB: Anne Franks Geschichte

Das Anne Frank Zentrum hat schönes Material für die Arbeit mit interaktiven Whiteboards erarbeitet und stellt dieses kostenlos als Download auf seiner Seite zur Verfügung. Es ist sowohl für Windows als auch Mac verfügbar.

Das Material besteht im Wesentlichen aus kurzen Filmen sowie Zuordnungsübungen von Bildern auf Zeitleisten. Nichts Revolutionäres, aber das Material ist ansprechend gestaltet, kein reines Gymnasialmaterial, sondern auch für Lerngruppen anderer Schulformen geeignet. Interessant scheint mir auch der Einsatz nicht nur am Board, sondern an Computern mit Kopfhörer, wo die Schülerinnen und Schüler alleine oder zu zweit arbeiten können.

Auch in anderen Fächern wie Deutsch, Religion oder Ethik lässt sich das Material gut zum Anfang einer Unterrichtsteihe einsetzen. Hilfreich für Lehrkräfte ist auch die beigegebene Handreichung im PDF-Format, die gleichfalls mit dem Materialpaket heruntergeladen wird.

via @Lernen aus der Geschichte

#OER in Norwegen – ein interessanter Blick über den Tellerrand

Vor ein paar Tagen hatte ich im Blog von Leonardo Quintero folgendes gelesen:

Die staatlichen Behörden Norwegens haben sich offensichtlich vor einiger Zeit direkt an die Autorinnen und Autoren von Unterrichtsmaterial gewandt und diese gefragt, ob sie nicht bereit wären, für das doppelte Gehalt lizenzfreie (gemeinfreie?) Unterrichtsmaterialien für die staatlichen Schulen zu erstellen. Das gute an diesem Ansatz ist erstens: es musste kein einziges Gesetz bezüglich des Urheberrechts geändert werden und zweitens musste kein einziger Verlag angeschrieben werden, in wie weit eine digitale Mediennutzung seiner Materialien erlaubt sei.

Auch wenn Damian Duchamps in einem Kommentar dort sicher nicht zu unrecht darauf hinweist, dass eine vergleichbare Initiative in Deutschland zur Zeit vermutlich (noch?) wenig Aussichten auf Erfolg hätte, klang der Ansatz beispielhaft und ich wollte mehr darüber erfahren. Also habe ich ein paar norwegische Kollegen angeschrieben. Das Resultat ist bislang bescheiden, aber nicht uninteressant.

Da ich selbst kein Norwegisch kann, die Seiten aber nur auf Norwegisch verfügbar sind, habe ich den Google Translator genutzt und verlinke das auch entsprechend hier. Wer selbst Norwegisch lesen kann, kann den Übersetzer ja wegklicken.

Zum einen wiesen mich die Kollegen auf ein Ning-Lehrernetzwerk (d&b) hin, dass u.a. auch ein Wiki und eine Social Bookmarking-Gruppe bei Diigo nutzt. Der Aufbau und die Kombination der Werkzeuge ist nicht uninteressant, aber letztlich vergleich den Lehrerportalen, die wir im deutschsprachigen zum Austausch von Materialien auch haben. Zur Entstehung des Portals und zur Lizenzierung der Materialien habe ich auf Anhieb nichts gefunden.

Der Hinweis aus dem Blogzitat bezog sich vermutlich auf den zweiten Link, den mir die Kollegen aus Norwegen geschickt haben: NDLA – Digitale Lernmaterialien für die Sekundarstufe (so die Google-Übersetzung).

Ich muss ja nicht alles aufschreiben, was man woanders nachlesen kann: Zur Entstehungsgeschichte und den Hintergründen des Portals finden sich Informationen in der norwegischen Wikipedia (Die Nynorsk-Version ist hier verlinkt und bietet etwas mehr Informationen als in Bokmål).

Hier wurde tatsächlich durch den Staat, finanziert durch Bildungsministerium und getragen von regionalen und lokalen Behörden, ein Portal für digitale CC-lizenzierte Unterrichtsmaterialien geschaffen, und das bereits seit 2007! Wenn ich das richtig verstanden haben, dann haben Schüler der weiterführenden Schulen seitdem ein gesetzlich garantiertes Anrecht auf kostenlose Unterrichtsmaterialien in Norwegen. Statt den Weg über eine staatliche Finanzierung Schulbuchausleihe hat man sich damals wohl dann für den Aufbau eines entsprechenden Online-Portals entschieden.

In beiden Wikipedia-Einträgen wird deutlich auf die Probleme und Kritik an dem Projekt, natürlich besonders von Seiten der (norwegischen) Schulbuchverlage hingewiesen. Kritik kommt aber auch von den Lehrerverbänden, die am Ende der Entwicklung ein staatliches Monopol bei den Lehrmaterialien und eine Vereinheitlichung des Unterrichts fürchten.

Die Situation scheint auf den ersten Blick der deutschen gar nicht so unähnlich, nur dass sich Norwegen bzw. das Bildungsministerium und andere staatliche Einrichtungen schon vergleichsweise früh einen ganz anderen Weg eingeschlagen haben als ihn die deutsche KMK nun zu gehen versucht.

Wie umstritten das Projekt auch in Norwegen ist, zeigen allein schon die Titel der unter dem Wikipedia-Artikel verlinkten Zeitungsartikel (siehe z.B. hier). Der Blick über den deutschen Tellerrand lohnt sich auf jeden Fall, nicht nur für Lehrkräfte.

Krieg in den Medien

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat bereits 2007 die DVD-Rom „Krieg in den Medien“ herausgegeben. 2010 wurden die Materialien in Teilen aktualisiert und überarbeitet. Ich kannte die DVD bisher nicht. Vor zwei Wochen nun war ich auf einer Fortbildung, in der die DVD sowie mögliche Einsatzszenarien im Unterricht verschiedener Fächer vorgestellt wurden – und ich muss sagen, ich war und bin begeistert.

Mein spontanes Fazit vor zwei Wochen war: Wenn die Schulbuchverlage solch gelungene multimedialen Materialien erstellen würden, wäre ich durchaus bereit dafür entsprechend Geld auszugeben und sie  im Unterricht einsetzen. Vergleichbares habe ich da im Bereich Geschichte noch nicht entdeckt. Vieles, was dort für teures Geld als interaktiv und/oder  multimedial angeboten wird, ist oft nur eine Zusammenstellung von Powerpoint-Präsentationen (siehe z.B. hier). Eine Frechheit und reine Geldmacherei.

Deshalb soll die DVD „Krieg in den Medien“ hier ausführlicher vorgestellt werden, denn sie scheint mir  zu Unrecht nur wenig bekannt. Zumindest kannte sie keiner der Kollegen, denen ich davon erzählte.

Die DVD gliedert sich in drei Einheiten:

1) Live dabei? Der Krieg und die Medien

2) Medienprodukt Krieg? Die Inszenierung des Krieges in den Bildschirmmedien

3) Alles Propaganda? Medien als Instrument der Beeinflussung

Alle drei Einheiten bieten zunächst eine Einführungstour und anschließend einen Wissensteil. Die Einführungen sind sehr gut durchdacht und didaktisiert und können (je nach Fach und Klasse) eins zu eins als Einstieg in das Thema übernommen werden. Sie enthalten zudem auch einzelne zum Teil hervorragende (Zuordnung verschiedener Sprechertexte zur selben Filmsequenz) und auch weniger gelungene (einfach Bildpuzzle) interaktive Übungen. Die Wissensteile sind informativ, allerdings auch etwas textlastig, und daher nicht unbedingt in dieser Form für alle Schularten und Klassenstufen geeignet. Die Lizenzierung der DVD ist hingegen ideal für Schulen, da mit Erwerb einer DVD die Inhalte auch auf weitere Computer kopiert werden dürfen (dafür ist sogar höchst komfortabel) im Startmenü ein eigener Punkt vorgesehen, so dass alle Schüler an eigenen Rechnern individuell oder in Kleingruppen am Material arbeiten können, ohne dass man eine teure Schullizenz oder einen Klassensatz DVDs erwerben müsste.

Die Medienauswahl ist sehr weit gespannt und reicht von Plakaten über Radioausschnitte, Film und Fernsehen bis zu relativ aktuellen Computerspielen. Vor allem die Fotos und Filmsequenzen sind toll ausgewählt und können direkt, ggf. auch losgelöst von der Einbettung in der DVD, im Unterricht eingesetzt werden. Das erleichtert die Arbeit in der Vorbereitung des Themas für den Unterricht ganz enorm. Etwas schade ist, dass einige der Abbildungen und Filme sehr klein dargestellt. Zumindest für die Filmausschnitte bietet sich hier ein Umweg über das Dateiverzeichnis an, so dass von dort aus direkt in einem anderen Player gestartet werden können.

Geeignet sind die Materialien nicht nur für den Geschichtsunterrichts, sondern ebenso für die Fächer Politik/Sozialkunde, Deutsch, Religion, Ethik oder auch Kunst. Dabei sollte man die DVD durchaus als Steinbruch betrachten, aus dem man für den eigenen Unterricht fertige Einheiten oder eben auch nur aufbereitete und ausgewählte Materialien beziehen kann. Mit diesen lässt sich auch sehr gut am interaktiven Whiteboard arbeiten, z.B. zur Analyse von visuellen Inszenierungen von Krieg.

Neben den genannten Inhalten bietet die DVD noch einige erwähnenswerte Extras, dazu gehören u.a. (soweit gesehen: gelungene) Arbeitsblätter im PDF-Format, die in der Neuauflage auch auf der DVD selbst vorhanden sind, ein Glossar   eine Film- und Spieledatenbank sowie eine Linkliste zum Thema.

Der zeitliche Schwerpunkt liegt auf der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert. Es finden sich aber auch zahlreiche Materialien zum 1. Weltkrieg auf der DVD. Einige Kapitel schlagen sogar einen Bogen bis ins Mittelalter. Das ist allerdings die Ausnahme.

Es bietet sich an je nach Schwerpunktsetzung weitere Materialien hinzuzuziehen. Zu nennen wäre zunächst die hier bereits vorgestellte Seite http://www.conflicthistory.com, die sich u.a. eignet für eine Aktualisierung des Themas, eine Ausweitung der globalen Perspektive oder eigene Recherchen der Lernenden. Ergänzend gibt es auch mehrere Printpublikationen. Im Umfeld der DVD-Produktion gab es eine Tagung, zu der ein lesenswerter Band entstanden ist. Das Inhaltverzeichnis kann beim Verlag eingesehen werden, die didaktischen Materialien können kostenlos auf den Seiten des Instituts für Friedenspädagogik in Tübingen heruntergeladen werden. Anfang diesen Jahres ist zudem bei der BpB eine Lizenzausgabe von Michael Howards Der Krieg in der europäischen Geschichte erschienen. Eine kurze Rezensionsnotiz der NZZ findet sich auf Perlentaucher.

Bestellt werden kann die DVD über die Bundeszentrale für politische Bildung. Sie kostet 7 €. Das Buch von Michael Howard, Der Krieg in der europäischen Geschichte, ist als Band 1106 in der Schriftenreihe der BpB erschienen und für 4,5€ erhältlich.

Einstieg Höhlenmalerei

Zwei Videos, die sich je nach Lerngruppe und Intention zum Einstieg in das Thema Höhlenmalerei eignen. Das erste ist der Trailer, das zweite ein kurzer Zusammenschnitt des neuen 3D-Films von Werner Herzog über die Chauvet-Höhle, der am 3. November anläuft.

Denkbar ist auch nach dem „anregenden“ Trailer als direktem Einstieg den zweiten längeren Ausschnitt anschließend schon mit einem Arbeitsauftrag zu einer ersten Erarbeitung zu nutzen.

Daran anschließen lässt sich in angepasster Form z.B. der Unterrichtsentwurf von Stefan Schuch auf lehrer-online, wo sich die Schülerinnen und Schüler als „Forscher“ in kleinen Teams selbst auf  Entdeckungstour in die jüngere Höhle von Lascaux begeben.

Zur Chauvet-Höhle gibt es keinen vergleichbaren Internetauftritt (auch nicht zu Altamira), deshalb muss man auf Lascaux zurückgreifen. Zur Überleitung empfiehlt es sich neben dem Hinweis auf das unterschiedliche Alter der Malereien und der Entdeckung auch auf die Lage hinzuweisen, z.B. mit Hilfe dieser Karte, die die französischen und nordspanischen Höhlenfunde aufzeigt.

Das Alte Ägypten im Geschichtsunterricht – Entwicklung von Unterrichtseinheiten

Das Thema steht demnächst in meiner 7. Klasse an. Hat jemand Lust, hier in den nächsten Wochen gemeinsam eine Unterrichtsreihe zu entwickeln und die Einheiten in einem eigenen Blog online unter CC-Lizenz zur Verfügung zu stellen?

Grundsätze für die Erarbeitung der Einheiten könnten u.a. die Berücksichtigung

– einer globalgeschichtlichen Perspektive,

– interkulturellen Lernens,

– der Möglichkeiten digitaler Medien,

– kooperativer und kollaborativer Lernformen

sowie

– der inhaltlichen Kritik an der Aufbereitung des Thema in aktuellen Schulbüchern sein.

Ich finde, es wäre ein interessantes Experiment, gemeinsam über einen Blog Unterrichtseinheiten zu entwerfen, zu diskutieren, im Unterricht auszuprobieren und nach Überarbeitung online zu stellen.

Materialien zur Sozialgeschichte

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat eine Ausstellung und umfangreiche Materialien zur deutschen Sozialgeschichte aufbereitet. Auf der Internetseite In die Zukunft gedacht gibt es eine Darstellung, die bereits im späten Mittelalter einsetzt und bis ins Jahr 2010 reicht. Begleitet werden die Texte von vielen Bildern sowie Unterrichtsmaterialien, die – soweit ich das gesehen habe – aus Fragebögen zu den Darstellungstexten bestehen.

Zugänglich sind die Texte und Bilder über eine Zeitleiste,  ein chronologisches Inhaltsverzeichnis oder eine Themenauswahl. Zusätzlich enthält die Seite auch noch ein Glossar zum Nachschlagen zentraler Begriffe. Die Inhalte der Website gibt es zugleich auch als DVD, die beim Ministerium kostenlos bestellt werden kann.

In Berlin zeigt das BMAS auch eine (permanente?) Ausstellung, die vielleicht auch als Station für Klassenfahrten interessant sein könnte. Der Besuch kann mit den bereit gestellten Materialien dann im Geschichts- und /oder Sozialkundeunterricht eingebettet werden. Der Eintritt ist frei und umschließt auch die Benutzung von Audioguides. Konzept und Inhalte der Ausstellung werden in einem Beitrag auf lehrer-online ausführlicher beschrieben. Dort finden sich auch weitere Links rund um das Thema.

Damit noch nicht genug: Begleitend zur Ausstellung hat das BMAS Lehrerbegleitheft zur Ausstellung herausgegeben, das gleichfalls kostenlos über das Ministerium bezogen werden kann.

Es ist offensichtlich viel Geld für ein recht umfangreiches und medial breit gestreutes Projekt bereit gestellt worden. Die Internetseite macht auf den ersten Blick einen sehr guten Eindruck. Die Seiten sind klar gegliedert und übersichtlich gestaltet, die Texte verständlich geschrieben. Die Unterrichtsmaterialien scheinen mir hingegen weniger geeignet und wirken ein wenig unmotiviert dabei gegeben. Zum Sichern des Textverständnis lassen sich die Fragen aber auf jeden Fall nutzen. Spannend könnte es sein, ausgehend von den Internetseiten z.B. ein WebQuest zum Thema zu entwickeln.

Das Lehrerbegleitheft ist bestellt, aber noch nicht eingetroffen. Ich bin gespannt, was hier als „Arbeitsheft für die Schule“ noch angeboten wird.

Mit selbst erstellten Apps üben und wiederholen

Wer die Seite noch nicht kennt, sollte einen Blick darauf werfen: LearningApps.org bietet die Möglichkeit kleine Anwendungen selbst mit Inhalten zu füllen und so an den eigenen Unterricht anzupassen.

Ich habe gestern und vorgestern ein bisschen experimentiert. Die Ergebnisse sind nichts, wofür ich mich rühmen könnte (siehe hier). Vor einem Einsatz im Unterricht müssten alle Entwürfe noch überarbeitet und ergänzt werden. Das gilt für die meisten der auf der Seite bisher freigeschalteten Apps. Mir ging es zunächst einmal darum, selbst auszuprobieren, wie das funktioniert und ich muss sagen, ich bin begeistert.

LearningApps ist ein gemeinsames Projekt in der Beta-Phase der Hochschulen Bern, Mainz und Zittau/Görlitz. Wer die Apps ansehen und ausprobieren möchte, kann dies auch ohne Anmeldung tun. Empfehlenswert ist die Nutzung der Apps im Vollbildmodus. Wer selbst eigene Apps gestalten möchte, muss sich dafür auf dem Portal registrieren. Entdeckt man unter den bereits veröffentlichten eine interesssante App, die aber entweder inhaltliche Fehler enthält oder an die Inhalte des eigenen Unterrichts angepasst werden müsste, so kann diese nach Anmeldung auch verändert (über den Button „Ähnliche App erstellen“) und unter den eigenen Apps gespeichert werden. Selbst erstellte Apps kann, aber muss man nicht veröffentlichen.

Es sind vor allem einfache Zuordnungsaufgaben und -spiele, die angeboten werden. Alle Apps enthalten eine Rückmeldungsfunktion, ob und die Ergebnisse richtig sind oder nicht. Von den bisher 10 Appmodellvorlagen lassen sich alle im Geschichtsunterricht einsetzen, um nur einige Beispiele zu nennen:

  • Zahlenstrahl-Zuordnung: Es können Begriffe, Ereignisse, Personen auf einer selbst definierten Zeitleiste eingetragen werden und die einzelnen Elemente auch mit einer Hilfe zur Zurordnung versehen werden.
  • Zuordnung mit Landkarte: Texte, Bilder, Audio- und/oder Videodateien müssen auf einer Landkarte verortet werden.
  • Videos mit Einblendungen: Videos können mit Text versehen werden, der z.B. an bestimmten Stellen Verständnishilfen oder Arbeitsaufträge bereitstellt.
  • Gruppenzuordnung: Es können 2-4 Gruppen/Kategorien vorgegeben werden, denen dann Texte (Begriffe), Bilder, Audio- und/oder Videodateien zugeordnet werden müssen.

Wo und wie lassen sich diese Apps im Geschichtsunterricht einsetzen? Ein paar erste Gedanken:

Die Apps lassen sich vielfältig einsetzen. Mit der Erstellung werden automatisch eine Linkadresse, ein Einbettcode und ein QR-Code erstellt. So können die Apps auf interaktiven Whiteboards und festinstallierten Rechnern in der Schule, mobilen Endgeräten wie Laptops oder iPads, aber auch auf Smartphones genutzt werden. Auf den IWBs und Tablets macht das Verschieben und Zuordnen am meisten Spaß.

Der Einsatz scheint vor allem sinnvoll zum Üben und Wiederholen: zentrale Jahreszahlen, Begriffe, Epochen können so auf spielerische Weise noch einmal aufgegriffen werden, z.B. für einen aktivierenden Einstieg auf dem interaktiven Whiteboard am Beginn oder, falls noch Zeit ist, am Ende der Stunde. In älteren Klassen können auch die Schülerinnen und Schüler z.B. am Ende einer Unterrichtseinheit selbst Apps zu einzelnen Unterthemen erstellen, die dann von den anderen anschließend gespielt werden. Dies wäre ebenso unterrichtsbegleitend denkbar, so dass vor einem größeren Test oder einer Klausur die Apps zum Lernen herangezogen werden können.

Denkbar ist aber auch der Einsatz in einer Erarbeitungsphase, z.B. könnte man zentrale Begriffe der Aufklärungsphilosophie vorgeben, die dann einzelnen Philosophen zugeordnet werden. Die Schülerinnen und Schüler lesen einen Text oder schauen einen Film, dem sie die notwendigen Informationen entnehmen. Die Lösung dient dann zugleich der Ergebnissicherung, kann von jedem Lerner individuell erarbeitet und dann gemeinsam im Plenum besprochen werden.

Die Apps sind schnell erstellt. Nach einer ersten grundlegenden Orientierung habe ich für das Erstellen der vier Beispielapps jeweils 15-20 Minuten gebraucht. Für inhaltlich etwas aufwendigere benötigt man vielleicht 30 Minuten. Das ist überschaubar. Programmierkenntnisse benötigt man keine, die Bedienung ist weitgehend intuitiv. Damit nähern wir uns weiter der von Hilke Günther-Arndt beschriebenen Voraussetzung für die breite Nutzung digitaler Medien im Unterricht: „wenn sich die Alternative ‘Bedienkompetenz’ versus ‘historische Kompetenz’ nicht mehr stellt„.

Natürlich sind 30 Minuten Vorbereitung für 5-10 Minuten im Unterricht verhältnismäßig viel, dennoch resultieren aus der Erstellung der digitalen Materalien einige Vorteile für Lehrkräfte:

  • Die Apps liegen dauerhaft vor und können einmal erstellt immer wieder eingesetzt werden.
  • Sie sind schneller eingerichtet als vergleichbare Aufgaben mit der Software der interaktiven Whiteboards.
  • Auch andere Lehrkräfte erstellen Apps, die schnell an den eigenen Unterricht angepasst werden können. Der Pool der Materialien wächst sehr schnell.
  • Wo ein Internetzugang vorliegt, können die Apps auch in Vertretungsstunden eingesetzt werden.
  • Die Apps sind multimedial angelegt. Es können Texte, Bilder, Audio- und Videodateien eingebunden werden.
  • Die erstellten Apps sind unabhängig von der an der Schule verwendeten Lernplattform und der Marke der interaktiven Whiteboards. Sie funktionieren übergreifend webbasiert.

Ebenso vielfältig sind Vorteile für das Lernen:

  • Die Apps stehen den Lernenden auch außerhalb der Schule zur Verfügung. Wer mag oder Übung benötigt, kann die Apps zum individuellen Üben und Wiederholen zuhause oder mobil auf dem Handy nutzen.
  • Alle Apps haben sowohl bei der Erstellung als auch beim Einsatz etwas Spielerisches, das motivierend wirken kann. Gerade das ungeliebte Üben und Wiederholen, oft als „stumpf“ qualifiziert, wird leichter: Man lernt, wiederholt, ohne dass es sich wie Arbeit anfühlt.
  • Gleichfalls unterstützend wirken die Möglichkeiten zur Differenzierung (durch Hilfeangaben) und die Ausrichtung am individuellen Lerntempo (sofern individuelle Endgeräte vorhanden).

PS. Einen Wermutstropfen gibt es dennoch zu vermelden, das Einbetten hat mit dem Code trotz längerem Rumprobieren hier im Blog nicht geklappt. Das ist schade, aber verschmerzbar.

Zeitzeugenbüro

Zur SED-Diktatur und deutschen Teilungsgeschichte von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Die Initiative ist heute zwei Jahre alt. Ich kannte sie noch nicht. Für Rheinland-Pfalz gibt es zwei Zeitzeugen, die man in die Schule einladen kann. (Hier sei auch noch einmal auf die rheinland-pfälzische Koordinierungsstelle für Zeitzeugengespräche im Unterricht hingewiesen.) Darüber hinaus finden sich auf den Seiten des Zeitzeugenbüros auch Unterrichtsmaterialien zum Thema.