Buchtipp: Chronik der Schule Nidden

Blick auf das Haff in Nida

Blick auf das Haff in Nida

Als ich vor einigen Monaten in Vilnius auf einem euroclio-Treffen ist mir im Shop des Nationalmuseums ein deutsches Buch aufgefallen: „Chronik der Schule Nidden“

Nidden, litautisch Nida, liegt auf der kurischen Nehrung, heute südliche Grenzstadt zum russischen Gebiet der Kaliningrader Oblast, das die Nehrung in zwei Hälften teilt.

Ursprünglich ein Fischerdorf war Nida aufgrund seiner Lage auch früh Ziel für Künstler und Touristen. Der bekannteste ist sicherlich Thomas Mann, der sich 1929 dort ein Ferienhaus bauen ließ, in dem sich heute ein deutsch-litauisches Kulturzentrum befindet.

Die Chronik umfasst die Jahre 1894-1944. Die Bücher sind erst 2012 bei einer Auktion in Berlin aufgetaucht, wurden anschließend geprüft und dann in einer wissenschaftlichen Edition auf deutsch und in litautischer Übersetzung 2013 veröffentlicht. Die Edition enthält neben dem gedruckten Quellentext zahlreiche Faksimiles und Bilder aus der Chronik, aber auch von Geldscheinen, Briefen und Zeitungsausschnitten.

Hochspannend, aber für den Unterricht wohl weniger relevant, ist der Eindruck, den die Chronik vom ländlichen Leben in Ostpreußen zu Beginn des 20. Jahrhunderts vermittelt. Für den Geschichtsunterricht ist die Quellenedition hingegen besonders deshalb interessant, weil Nidden/Nida zum Memelgebiet gehörte, das nach dem 1. Weltkrieg unter internationale Kontrolle gestellt wurde, und zwischen Deutschland und Litauen umstritten war. Dieser Konflikt lässt sich anhand des Materials exemplarisch bearbeiten.

Auch die mehrjährige Vorbereitung und Agitation vor Ort und dann schließlich der Einmarsch ins Memelgebiet im März 1939 lassen sich anhand der Chronik erarbeiten:

„Am 22. März [1939], eine Woche nach der Errichtung des Protektorats Böhmen u[nd] Mähren, erfolgt die Rückgliederung des Memelgebiets an das Reich. Damit ist endlich die größte Sehnsucht aller Memeldeutschen erfüllt: Memelland ist deutsch u[nd] wir sind frei! Am 23. März kommt der Führer persönlich nach Memel.“

Dazu müssen natürlich noch weitere Materialien hinzugezogen werden, um eine kritische Einordnung der deutschnationalen Perspektive des Autors der Chronik leisten zu können. Der Konflikt um das Memelgebiet erscheint mir aber deshalb für den Unterricht relevant, weil ein Punkt aufgegriffen werden kann, der im Geschichtsunterricht in der Regel nicht vorkommt, damit aber das Tor für rechte Propaganda und Fehlinformation öffnet, die den deutschen Angriff auf Polen als Reaktion und „Verteidigung“ angesichts der polnischen Teilmobilmachung im März 1939 darstellt – so u.a. mit großem medialen Echo 2010 von Erika Steinbach vorgetragen.

geschichtscheckAufmerksamkeit bekommen solche Argumentationen durch den Verweis auf kaum bekannte Fakten (Teilmobilmachtung Polens). Diese Hinweise werden dann als Aufklärung gegen staatliche „Verdummung präsentiert, allerdings werden gleichzeitig weitere einordnende Aspekte weggelassen. An dieser Stelle sei dann auch direkt auf das wichtige und unterstützenswerte neue Projekt GeschichtsCheck.de verwiesen, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, „historisch basierte Hassrede und Legendenbildung im Netz analysieren und deutlich machen, dass diese verfälscht, verkürzt und manipuliert.“

Der Beschäftigung mit dem Kriegsbeginn kommt also aktuell eine geschichtskulturelle Bedeutung zu und sollte deshalb detaillierter als bislang im Unterricht aufgegriffen werden. Die Chronik der Schule von Nidden bietet dazu bisher nicht genutzte, interessante Quellen an. Vertiefend lohnt sich übrigens noch der Blick auf die unterschiedliche Darstellung der Zugehörigkeit des Memelgebiets und des deutschen Einmarschs in LeMo („Einmarsch“), der Wikipedia („Wiedervereinigung“) sowie der auf der Wikipedia-Seite hinterlegten englischen Karte.

Eine manipulierte Quelle zum Einstieg ins Fach Geschichte?

An den Gesamtschulen in Rheinland-Pfalz gibt es in der Mittelstufe das Fach „Gesellschaftslehre“. Daraus ergibt sich ein schwieriger Übergang in die dann in der Oberstufe getrennten Fächer Geschichte / Erdkunde / Sozialkunde. Die im Lehrplan der Oberstufe vorgesehene Einführung in das (dann neue) Fach „Geschichte“ erhält dadurch eine besondere Bedeutung. Die gemeinsam mit zwei Kollegen entwickelte Unterrichtsreihe entwickelt, die wir parallel in den ersten Wochen des Schuljahrs in allen drei Geschichtskursen durchgeführt haben, möchte ich hier kurz vorstellen.brief-1917-einstieg-geschichte

Als Einstieg nutzten wir ein von uns manipuliertes Digitalisat einer Briefquelle (siehe rechts). Wer genau hinschaut, kann an mehreren Stellen die Veränderungen erkennen oder zumindest erahnen. Das Digitalisat ist der Sammlung von Feldpostbriefen der Museumsstiftung Post und Telekommunikation entnommen. Dort findet sich auch das vollständige Digitalisat inklusive vollständigem Transkript und kurzer biographischer Skizze zum Autor.

In der ersten Stunde wurde gemeinsam versucht, die Handschrift zu entziffern, also ein eigenes Transkript anzufertigen, um anschließend begründete Vermutungen anzustellen, um was es in dem Brief geht, was dessen Hintergrund ist (das entscheidende Wort ist allerdings durchgestrichen, so dass verschiedene Deutungen möglich sind). Anschließend wurde festgehalten, welche Informationen dem Brief bereits entnommen werden können (Datum, Ort, Vorname des Autors und der Empfängerin), welche Informationen zum Verständnis des Briefs fehlen und wie man an diese kommen könnte.

In der zweiten Stunde stand die Frage im Mittelpunkt, ob der Brief, der als „Zufallsfund aus dem Internet“ eingeführt worden war, überhaupt glaubwürdig ist oder ob es sich in irgendeiner Form um eine Manipulation oder Fälschung handeln könnte. Es wurden innere und äußere Kriterien der Quellenkritik erarbeitet (Prüfen von Schrift, Wortwahl, Unregelmäßigkeiten im Schriftbild, Fundort im Netz, Autor usw.). Um dann in einer ersten Internetrecherche die Glaubwürdigkeit der Quelle zu prüfen. Die Schülerinnen und Schüler haben unterschiedlich schnell und erfolgreich die entsprechende Seite der Museumsstiftung gefunden und konnte erkennen, dass es sich um eine leicht veränderte Kürzung des dort zu findenen Digitalisats handelt. Die verschiedenen Recherchestrategien wurden abschließend kurz besprochen und reflektiert und die Anfangsvermutungen über Kontext und Inhalt des Briefs anhand des vollständigen Texts überprüft.

Die dritte und vierte Stunde waren dem Kennenlernen von Periodisierungsmodellen der Geschichtswissenschaft und der Einordnung der Quelle in den historischen Kontext gewidmet. Schwerpunkt war dabei die Frage nach  1917 als „Epochenjahr“.

quellenanalyse-geschichtsunterrichtDie fünfte und sechste Stunde beschäftigten sich mit Quellenbegriff und –interpretation. Zunächst wurde derUnterschied von Quelle und Darstellung geklärt, dann verschiedene Quellengattungen kennengelernt und schließlich der Brief als erzählende Textquelle und Überrest eingeordnet. Mit Hilfe einer Übersicht mit den einzelnen Arbeitsschritten zur Interpretation von Textquellen (ergänzt durch das übersichtliche Schema von Marc Albrecht-Hermanns (siehe links) stellten die Schülerinnen und Schüler zunächst fest, welche Fragen sie bereits beantworten konnten und welche Informationen sie noch recherchieren mussten, um eine vollständige Quelleninterpretation durchführen zu können. Vorab wurden dazu Tipps für die Internetrecherche gesammelt und festgehalten (u.a. Phrasensuche, Suchfunktion im Browser)

Auf Grundlage der Auswertung der Briefquelle sowie der Recherchen verfassten die Schülerinnen und Schüler anschließend in Kleingruppen eine Quelleninterpretation, explizit auch als Annäherung an die Anforderungen der ersten Klausur – in der Mittelstufe werden ja weder in Geschichte noch in Gesellschaftslehre Klassenarbeiten geschrieben. Das gegenseitige Feedback und die ausführliche Besprechung der verschiedenen Schülertexte bildete dann eine gute Grundlage um abschließend in der Einführungsreihe den Konstruktionscharakter von Geschichte sowie die Frage der Objektivität von Geschichtsdarstellungen zu besprechen.

Insgesamt hat die Reihe als Einstieg ins Fach im ersten Durchlauf bewährt. Der Einstieg mit Hilfe einer Manipulation mag ungewöhnlich wirken, hat aber insofern gut funktioniert, als dass die Quelle nicht nur Aufhänger war, sondern den roten Faden für die ganze Unterrichtsreihe von 8 Stunden bildete und diese inhaltlich so getragen hat, dass es nicht langweilig wurde. Ganz im Gegenteil war besonders der Einstieg mit dem Rätselcharakter motivierend und hat die Schülerinnen und Schüler zugleich – quasi detektivisch – an die grundlegenden Begriffe und Methoden historischen Arbeitens in der Oberstufe herangeführt.

Unterrichtsmaterial zur Diskussion über den Völkermord an den Herero und Nama

Heute habe ich das erste Mal einen Ausschnitt aus der heute-show im Geschichtsunterricht eingesetzt. Die Sendung vom 3. Juni setzt sich mit der Armenien-Resolution des Bundestags auseinander und verweist auch auf den Völkermord an den Herero und Nama. Die „6. Stunde Geschi“ der heute-show:

In ihrem Blog hat die heute-show auch kommentierte Links zum Thema zusammengestellt:

http://www.heute-show.de/zdf/artikel/135237/mehr-zur-sendung-vom-03-06-2016-volkermord.html

Satterfield_cartoon_about_Samuel_Maharero's_rebellionVoraussetzung ist die vorangehende Auseinandersetzung mit den historischen Ereignissen. Zwei Doppelseiten mit Darstellungstext, Quellenmaterial und binnendifferenzierenden Aufgabenangeboten bietet u.a. die neue Ausgabe von Buchners „Das waren Zeiten“ Band 2 für Rheinland-Pfalz auf den Seiten 38-41. Diese sind für die Mittelstufe gemacht, können aber auch gut in der Oberstufe als Basismaterial eingesetzt werden.

Anschließend kann dann anhand des Ausschnitts der heute-show und weiteren Zeitungsartikeln der letzten Tage und Woche die aktuelle Debatte mit den verschiedenen Positionen aufgegriffen und auf solider Basis diskutiert. Für einen Oberstufenkurs habe ich dazu zwei ergänzende Texte ausgewählt und leicht gekürzt in Kopie zur Verfügung gestellt. Der erste Text ist von Jürgen Zimmerer und am 24. Juni 2016 in der Frankfurter Rundschau unter dem Titel „Völkermord an Hereo. Erdogan hat einen Nerv getroffen“ erschienen. Der zweite Text ist ein Kommentar von Alexactus Kaure in The Namibian vom 28. Juni 2016 – laut Wikipedia der größten Tageszeitung des Landes. Der Beitrag bietet einen guten Überblick über die Debatte in Namibia, die Einschätzung der Armenien-Resolution aus namibischer Perspektive sowie die Erwartungen an Deutschland wie auch an die Weltgemeinschaft.

Die Schülerinnen und Schüler haben jeweils einen der beiden Texte gelesen und sich dann darüber ausgetauscht und die unterschiedlichen Positionen herausgearbeitet. Den Schülerinnen und Schüler war freigestellt, wer Interesse hatte und sich fit genug fühlte, freiwillig den englischen Text zu lesen.

Hier die beiden für den Unterricht leicht gekürzten und mit Zeilennummern aufbereiteten Texte als odt-Dateien zum Download:

P.S. Heute erschien auf Spiegel Online übrigens eine Artikel mit dem Titel: „Kolonialforschung: Gab es wirklich einen Völkermord an den Herero?“ In dem auf diese Überschrift folgenden Text wird ein 84jähriger „Hobby-Historiker“ vorgestellt, der hier die im Titel genannte „Kolonialforschung“ repräsentiert und versucht, „die These vom deutschen Völkermord zu widerlegen“. Für den Rest des Artikels muss man bezahlen, für solchen revisionistischen Artikel sind mir allerdings selbst 39 Cents zu viel. Für mich in mehrfacher Hinsicht unfassbar, dass der Spiegel so einen Beitrag im Jahr 2016 veröffentlicht…

 

Brettspiel: Das Römische Reich in der Krise

Bild Reichskrise„Reichskrise – Rettet das Römische Reich!“ so lautet der etwas möchtegern-reißerische Titel des Brettspiels, das ich als Unterrichtsmaterial hier zum Download anbieten möchte. Das Spiel ist eine Eigenentwicklung und mittlerweile in etlichen Spielrunden getestet. Thematisch wird die spätantike Krise des Römischen Reichs und die sogenannte „Völkerwanderung“ in den Blick genommen. Die bis zu 4 Spielerinnen und Spieler schlüpfen in die Rolle eines Kaisers, verwalten ein Teilreich und verteidigen gemeinsam das Römische Reich. Allerdings kann sich jeder Spieler auch heimlich das Spielziel setzen, selbst Alleinherrscher im Reich zu werden.

Der Spielplan besteht aus einer Karte des Römisches Reichs im 3. Jahrhundert nach Christus. Das Reich ist unterteilt in vier Teilreiche mit jeweils einem Kaiser. Insgesamt gibt es beim Start im ganzen Reich 28 Legionen, die allerdings ebenso wie die Einnahmen historisch ungleich verteilt sind.

Es geht nicht um ein exaktes Nachspielen von Ereignissen, sondern das Spiel verdichtet verschiedene Ereignisse und Entwicklungen der römischen Spätantike in zehn Spielrunden. Man in diesem Spiel sicher etwas lernen, aber keine Jahreszahlen oder Herrschernamen. Das Spiel kann aber einen Eindruck von den Problemen und Handlungsmöglichkeiten der spätantiken Kaiser vermitteln.

Die Spieldauer beträgt ca. 90 Minuten. Das Spiel eignet sich also für eine Doppelstunde. für einen sinnvollen Einsatz in der Schule sind allerdings mindestens 4 Unterrichtsstunden notwendig. Die Anleitung sollte vor Spielbeginn im Überblick bekannt sein. Im Unterricht kann es sowohl zur Auflockerung vor den Ferien wie auch innerhalb einer Reihe zur römischen Geschichte eingesetzt werden. Eine Nachbesprechung ist in jedem Fall sinnvoll, um zu klären, welche Probleme das römische Reich ausgesetzt war, welche Handlungsoptionen die Kaiser hatte und wie sich diese im Spiel auf den Verlauf ausgewirkt haben. Anschließend kann die angebotene Geschichtserzählung des Spiels z.B. mit der Darstellung im Schulbuch verglichen werden.

Spielplan ReichkriseAbgesehen von einigen zusätzlichen Spielmaterialien, die aber aus gängigen Brettspielen von zuhause selbst ergänzt werden können, stelle ich hier alle Materialien für das Spiel zum Runterladen und Ausdrucken zur Verfügung. Das hat den Vorteil, dass die Materialien auch mehrfach ausgedruckt werden können, so dass alle Schülerinnen und Schüler im Klassenraum in mehreren Kleingruppen spielen können.

Eventuell können die Lernenden in einer vorbereitenden Stunde bereits die Anleitung lesen und die Materialien auseinanderschneiden. Beim Ausdrucken des Spielplans sollte dieser auf Din A2 vergrößert werden. Dies geht im Acrobat Reader oder anderen PDF-Programmen: Unter „Drucken“ im Bereich „Seite anpassen und Optionen“ das Format „Poster“ wählen und den Ausdruck der Datei auf vier Seiten vergrößern. Die Blätter können festgeklebt oder auch nur aneinander gelegt werden. Es ist zudem hilfreich, die Ereignis- und Aktionskarten auf verschieden farbiges Papier zu drucken, damit sie beim Aufbau des Spiels einfach auseinandergehalten werden können.

Falls jemand das Spiel in der Schule einsetzen sollte, würde ich mich sehr über eine Rückmeldung freuen. In dem Spiel stecken mehrere Monate Arbeit, nichtsdestotrotz gibt es sicherlich noch einiges, was sich verbessern lässt.

Spielmaterialien:

Die Spielmaterialien sende ich auf Anfrage auch gerne als veränderbare Word-Dokumente zu.

Credits: Die Grundlage für die Karte des Spielplans findet sich in den Commons der Wikipedia und ist unter CC BY SA-Lizenz erstellt worden von: Roman_Empire_map.svg: Ssolbergj, en:User:Andrei nacu, die Überarbeitung dieser Grundkarte ist erfolgt durch: Cjcaesar.

Life stories – didaktische und methodische Ideen für den Unterricht

Harry Weinsaft of the American Jewish Joint Distribution Committee, gives food to three-year-old Renati Rulhater, a Jewish DP child in Vienna, Austria, 1945.

Harry Weinsaft of the American Jewish Joint Distribution Committee, gives food to three-year-old Renati Rulhater, a Jewish DP child in Vienna, Austria, 1945.

Eine Woche nach dem Aufruf sind bereits drei Kurzbiographien vollständig übersetzt, drei weitere sind in Arbeit. Bald stehen auf Deutsch also genug Übersetzungen zur Verfügung, um sie bereits im Rahmen von Gruppenarbeit im Unterricht zu nutzen.

Wer bislang das Lesen der englischen Version gescheut hat, kann sich nun schnell einen Eindruck von den Biographien als Lernmaterialien machen. Einen Überblick, wie diese entstanden sind und wer für die jeweilige Darstellung verantwortlich ist, findet sich übrigens auf den Seiten des Historiana-Portals als PDF.

Eine deutsche Übersetzung liegt bis jetzt für die Kurzbiographien folgender Personen vor:

Hier ein paar Ideen aus dem Historiana-Portal, wie mit den „Life stories“ im Unterricht gearbeitet werden kan:

Displaced Persons in December 1948 about to board KNM

Displaced Persons in December 1948 about to board KNM „Svalbard“ in Genoa, Italy, for resettlement in Australia.

  • Die Schülerinnen und Schüler bekommen einen Kurzüberblick (Beispiel als PDF) über die vorhandenen bzw. alle oder die für den Unterricht vorausgewählten Biographien und wählen selbst daraus die Lebensgeschichte, die sie am meisten interessiert.
  • Die Lebensgeschichten sind in alle in fünf Abschnitte unterteilt. Zu jedem Abschnitt gibt es eine Frage auf einem Arbeitsblatt (deutsche Übersetzung als Word-Docx). Damit kann die Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit strukturiert werden. Eventuell werden die fünf Abschnitte getrennt ausgedruckt bzw. die Kopien zerschnitten, da sich einige Fragen auf Vermutungen über den Fortgang der Lebensgeschichte beziehen. Diese Fragen funktionieren nicht mehr, wenn die Biographie bereits vollständig vorab gelesen wurde.
  • Anschließend können sich die Schülerinnen und Schüler in Expertengruppen die Biographie ihrer Person mit Hilfe des Arbeitsblatts gegenseitig vorstellen und gemeinsam überlegen und festhalten, was an Gemeinsamkeiten und Unterschieden im Leben vieler Menschen in Europa in der Nachkriegszeit gab. Dazu ebenso wie zur folgenden Aktität kann es zur inhaltlichen Fokussierung hilfreich sein, den jeweils letzten Abschnitt (moving on/ weiter geht’s) zunächst nicht auszuteilen, so dass die biographische Darstellung zunächst mit dem Jahr 1949 endet.
  • Daran kann eine Aktivität anknüpfen, in der eine Zukunftsvision ausgehend von den Bedürfnissen der Menschen (Nahrung, Wohnung, Familie, Freiheit, Arbeit, Leben in Frieden etc.) entwickelt und überlegt wird, welche politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dazu nötig und sinnvoll gewesen wären.
  • DIe Lernenden können im Anschluss an die Arbeit mit den Biographien aber auch den Darstellungstext zur Nachkriegszeit in ihrem Schulbuch lesen und nachweisen, welche Ereignisse im Leben der Menschen, mit den dort genannten abstrakten Entwicklungen und Begriffe gemeint sind. Etwas herausfordernder ist die (ggf. zusätzliche) Aufgabe zu prüfen, ob es Widersprüche oder Lücken in der Darstellung des Schulbuchs im Vergleich zu den bearbeiteten Lebensgeschichten gibt.
  • Anknüpfend an die Arbeit mit den Lebensgeschichten können die Schülerinnen und Schüler selbst Zeitzeugengespräche führen z.B. in der Familie  oder Nachbarschaft und diese in der Klasse oder Schule in Form von Vorträgen oder eine Ausstellung präsentieren.

Leben in Europa nach dem 2. Weltkrieg: life stories – Aufruf zur Mitarbeit

Toni_Frissell,_Abandoned_boy,_London,_1945 „Millionen Deutsche waren bei Kriegsende unterwegs. Familien waren zerrissen, Frauen suchten ihre Männer, Eltern ihre Kinder, Kinder ihre Angehörigen. Flüchtlinge, Vertriebene und Ausgebombte waren auf der Suche nach einem Dach über dem Kopf. Kleine und große Nazis bemühten sich unterzutauchen. Hinzu kamen zehn bis zwölf Millionen Displaced Persons. Das waren unter anderem die ausländischen
Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen, die während des Krieges ins Deutsche Reich verschleppt worden waren, um in der Rüstungsindustrie und in der Landwirtschaft zu arbeiten, und nun in ihre Heimat zurückkehren wollten.“ (Buchner „Das waren Zeiten“ Ausgabe Rheinland-Pfalz Band 2, S. 188).

So oder so ähnlich wird die Situation nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland in vielen Schulbüchern beschrieben. Aber bedeutete es denn damals, wenn eine „Famillie zerrissen“, man selbst ein „Flüchtling“ oder „ausgebombt“? Lehrpläne und Schulbücher beziehen sich in der Regel auch nur auf die Situation in Deutschland, eine – eigentlich notwendige – europäische Perspektive fehlt bzw. schimmert nur an wenigen Stellen durch.

euroclio hat im Rahmen des Projekts „Decisions and dilemmas“ mit viel Aufwand eine umfangreiche Unterrichtseinheit zum Leben in Europa in der Nachkriegszeit erstellt. Die Unterrichtseinheit ist im Historiana-Portal unter CC-Lizenz abrufbar.

Kern der Unterrichtseinheit sind 23 aufwändig recherchierte „Life stories“, denen weitere folgen werden. Dabei handelt es sich um für den Unterricht auf Quellengrundlage geschriebene Kurzbiographien, die die Lebenserfahrungen von Menschen aus ganz Europa in den Nachkriegsjahren widerspiegeln. Die Auswahl der Biographien versucht eine möglichst breite Spannweite verschiedene Lebenssituationen abzudecken (jung/alt, Mann/Frau etc.), ohne allerdings insgesamt repräsentativ zu sein. Neben der Anschaulichkeit liegt die Stärke des Materials in seiner europäischen Perspektive.

Die Ruinen von Guernica 5603/37

Die Ruinen von Guernica
5603/37

Es gibt verschiedene Anregungen und mehrere Arbeitsblätter, die die Lernprozesse mit den Biographien strukturieren. Es geht vor allem darum, dass auch jüngere Lernende die abstrakten Begriffe aus den Darstellungstexten mit konkreten Vorstellungen füllen können, um ein vertieftes Verständnis der Situation der Menschen nach dem Krieg sowie ein Verständnis für die folgende politische Entwicklung in Europa entwickeln zu können.

Die Biographien sind großartige Lernmaterialien, liegen aber nur auf Englisch vor. Damit sind sie zumindest in jüngeren Klassen in Deutschland, Österreich und der Schweiz in der Regel nicht einsetzbar. Da alle Materialien jedoch unter CC-Lizenz vorliegen, können sie übersetzt und neu für alle interessierten Lehrkräfte und Lernenden zur Verfügung gestellt werden.

Dazu habe ich ein Google Doc erstellt: Oben finden sich die Links zu den bisher veröffentlichten Life Stories sowohl als Word-Doc wie als PDF. Darunter steht eine Tabelle, die alle Life Stories auflistet und in der letzten Spalte auf leere Google Docs verweist, in denen alleine oder gemeinsam an einer Übersetzung gearbeitet werden kann. Es wäre super, wenn sich ein paar Leserinnen und Leser für die Mitarbeit an der Übersetzung fänden. Wenn jede/r ein oder zwei Kurzbiographien übersetzt, haben wir schnell einen großen Materialfundus auf Deutsch zusammen, der zugleich allen Interessierten zugänglich und jederzeit erweiterbar ist.

Link zum Google-Doc „Life Stories“: https://goo.gl/xWknal

Jüdisches Leben im Mittelalter – Rätsel

Ursprünglich mit einem Leistungskurs als Geocache entwickeltjuedischegeschichteblog und auch in Form von Schülervideos umgesetzt, habe ich die Texte und Fragen noch einmal bearbeitet und zu einem Rätsel zusammengestellt, dessen Aufgaben entweder durch eine Stadtbegehung oder alternativ auch vollständig durch eine Internetrecherche gelöst werden können. Somit ist das Material auch außerhalb von Koblenz und innerhalb eines Klassenraums nutzbar.

Die Texte beziehen sich zwar auf Koblenz. Nichtsdestotrotz denke ich, dass die Materialien exemplarisch auch in anderen Städten zur Erarbeitung des Themas genutzt werden können.Gegebenfalls ist es hilfreich, das Lösungswort dann zu ändern. Bei der Erprobung hat sich gezeigt, dass der gesuchte Ort des Lösungsworts auch für Koblenzer Schülerinnen und Schüler unbekannt ist und die Enträtselung des Lösungsworts damit zur schwierigsten Aufgabe wird. Im Klassenraum mit Internetrecherche ist ungefähr eine Bearbeitungszeit von 20-30 Minuten anzusetzen.

Wer jüdisches Leben in der mittelalterlichen Stadt in dieser Form im Unterricht aufgreifen, vertiefen oder das Rätsel zum Abschluss einer Unterrichtsreihe verwenden möchte, kann die Texte als PDF und als ODT Datei runterladen. Bei der Erarbeitung der Texte ging es auch darum, weiterhin tradierte falsche Vorstellungen von Juden im Mittelalter richtig zu stellen. Sollten sich dennoch noch fehlerhafte oder missverständliche Aussagen finden, wäre ich für einen kurzen Hinweis über die Kommentarfunktion oder per Mail dankbar.

2 Kartenspiele für den Geschichtsunterricht

ryanlerch-Alice-In-Wonderland-28-Card-Men-800pxMan muss das Rad nicht immer neu erfinden, bekannte Spiele lassen sich für den Geschichtsunterricht adaptieren. Ausgehend von den vorangehenden Überlegungen zu Spielen im Geschichtsunterricht habe ich zwei Kartenspiele etwas verändert und im Unterricht eingesetzt.

Bei beiden Kartenspielen kann die Lehrkraft vorab die Materialien erstellen. Es besteht aber auch die (bessere, allerdings zugleich auch deutlich zeitintensivere) Möglichkeit, dass die Schülerinnen und Schüler selbst Karten gestalten und mit Inhalten füllen.

Beide Spiele eignen sich besonders zur Wiederholung und Vernetzung von Inhalten am Ende einer Epoche oder Themeneinheit. Sie können aber auch – ggf. leicht abgewandelt – auch zur Orientierung und Aktivierung von Vorwissen zu Beginn sowie lernbegleitend als alternative Ergebnissicherung mit dem Spiel als Lernprodukt der Schülerinnen und Schüler eingesetzt werden. Beide Spielansätze fördern fachliche und kommunikative Kompetenzen der Lernenden und bieten mehr als verschleiertes Faktenpauken, wie man sie in den gängigen Vorschlägen zu Quiz und Kreuzworträtseln im Geschichtsunterricht findet.

Anno Domini ist ein Wissens- und Bluffspiel. Im Kern geht es darum, historische Ereignisse in eine relative chronologische Reihenfolge zu bringen. Auf der Oberseite der Karten steht ein historisches Ereignis, auf der Unterseite das dazu gehörige Datum oder Jahr. Ein Spieler legt eine erste Karte ab. Aufgabe ist es nun, im Uhrzeigersinn jeweils eine Karte auszuspielen und diese jeweils vor oder nach diesem Ereignis einzuordnen bzw. innerhalb der wachsenden Ereigniskette zu platzieren.

Die Schwierigkeit besteht vor allem darin, dass ein Großteil der Ereignisse wenig oder gar nicht bekannt sind. Es muss also abgeleitet, kombiniert, geschlussfolgert und, wenn das nicht hilft, auch geblufft werden, indem man möglichst überzeugend mit einer guten Begründung seine Karte auf dem Tisch platziert. Gewonnen hat, wer zuerst keine Karten mehr auf der Hand hat. Statt eine Karte zu spielen, kann der nachfolgende Spieler jedoch die korrekte zeitliche Reihenfolge bezweifeln: Dann werden alle Karten umgedreht und die Chronologie geprüft. Liegt irgendwo ein Fehler vor, erhält der Spieler, drei Karten vom Nachziehstapel – auch dann, wenn seine Karte richtig platziert war, da mit dem Ablegen der gesamten Reihe zustimmt. Sollte die Reihenfolge doch richtig sein, muss der Zweifler zwei Karten nachziehen. Es beginnt anno dominijeweils der Spieler der links von dem Nachziehenden sitzt mit der nächsten Runde.

Anno Domini gibt es bereits seit 1998. Die Reihe bietet Ausgaben zu unterschiedlichen Themenschwerpunkten mit jeweils 340 Ereigniskarten. Eine Packung reicht, um in einer Vertretungsstunde mit einer Klasse zu spielen: Die Klasse spielt in fünf Gruppen, so erhält jede Gruppe einen Stapel mit 68 Karten. Jeder Spieler nimmt 5 Karten auf die Hand. Sollte eine Gruppe mit ihrem Stapel frühzeitig fertig sein, können die Gruppen ihre Stapel auch untereinander tauschen.

Es liegt auf der Hand, das Spielprinzip für den Geschichtsunterricht zu nutzen, und zwar nicht nur mit den vorbereiteten Karten des Herstellers, sondern mit selbst erstellten passend zu den Themen und Inhalten des Unterrichts. Im einfachsten Fall reichen acht Mal geteilte DinA4-Blätter als Karten für den einmaligen Gebrauch. Die Schülerinnen und Schüler beschriften jeweils ca. 10 Karten – dazu können sie auch noch einmal das Kapitel im Buch und/oder die Seiten im Heft durchschauen. Sie entscheiden selbst, welche Ereignisse und Daten sie auswählen. Die Karten der Gruppen werden gesammelt, gemischt und verteilt. So kennt jeder Spieler bereits einen Teil der Karten. Die von den Gruppen erstellten Kartenstapel können aber auch direkt oder in einer weiteren Runde unter den Gruppen weitergegeben werden.

Die Frage der Relevanz der Ereignisauswahl kann sich durch die Spielanlage verschieben: So kann nun eine Rolle spielen, dass man selbst die Ereignisse und Daten bereits kennt und deshalb nicht nachschlagen muss oder dass man besonders schwere und unbekannte Fakten raussucht, da man ja seine eigenen Karten kennt, die anderen Mitspieler aber nicht.

Das Spiel kann auch allein gespielt werden. Insofern können interessierte Schüler die erstellten Karten mit nach Hause nehmen, sondern dass man mit einer Klasse gemeinsam ein solches Kartenspiel erstellt, in dem jeder Schüler nur 2-3 Ereigniskarten erstellt und diese dann für alle kopiert werden, um auf diese Weise die – irgendwie oft als lästig empfundenen – Jahreszahlen aus dem Geschichtsunterricht spielerisch zu lernen.Praxis Spiele

Das Spiel habe ich in einer 8. und 9. Klasse getestet. Der Spielspaß war in beiden Klassen sehr groß. Die Ereignisse und ihre zeitliche Abfolge wurden intensiv diskutiert. Das Spiel fördert nicht nur die Orientierung in der Zeit, sondern auch die (fachliche) Argumentationsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler.

In der Zeitschrift „Praxis Geschichte“ gab es übrigens bereits 2002 im Heft „Vertretungsstunden“ einen Unterrichtsvorschlag unter dem Titel „Konnte man 1848 schon telefonieren?“, der sich an diesem Kartenspielprinzip orientiert und dies in abgewandelter Form für das Längsschnittthema Erfindungen und Alltagstechnik aufbereitet hat. Der schöne kommunikative Aspekt des Spiels, die Notwendigkeit einer guten Begründung der Einordnung und die Möglichkeit zur Diskussion darüber, rücken in den Hintergrund. Die Karten können nebeneinander abgelegt und anschließend anhand eines Punktesystems ausgewertet werden. So lässt sich das Spiel sowohl schweigend wie auch allein spielen. Der Beitrag wurde in dem Sonderheft „Spiele und Vertretungsstunden“ aufgenommen und noch einmal nachgedruckt.

Das zweite Spiel ist orientiert an dem bekannten Kartenspiel „Es war einmal“, in dem es darum geht anhang von Begriffskarten (Frosch, Prinzessin etc.) ein Märchen zu erzählen. Die Regeln sind deutlich umfangreicher und können hier als PDF eingesehen und heruntergeladen werden.

reisekönigtum karteDa es im Geschichtsunterricht nicht darum geht, Märchen zu erzählen, ist es nötig das Spiel anzupassen. Ausgehend von der Grundidee habe ich die Regeln stark reduziert und das Spiel exemplarisch für die Grundbegriffe des Mittelalters überarbeitet.

Die „Grundbegriffe“ sind dem neuen Teillehrplan Geschichte für die Sekundarstufe I in Rheinland-Pfalz entnommen. Da diese aber überaus eklektisch sind, haben wir sie durch  zusätzliche Begriffe in der neuen Ausgabe von „Das waren Zeiten“ für Rheinland-Pfalz des Buchner-Verlags ergänzt. Auf dieser Grundlage umfasst das Spiel 25 Karten mit jeweils einem Begriff.

Die Regeln des Kartenspiels können als Word-Doc oder als PDF heruntergeladen werden. Den Kartensatz habe ich mit Hilfe der Seite spieleinderschule.org erstellt. Den Hinweis darauf verdanke ich dem großartigen Medienpädagogik-Praxisblog. Der Kartensatz „Grundbegriffe Mittelalter“ kann als PDF verwendet oder ausgedruckt werden. Ein großer Vorteil des Angebots liegt darin, dass bestehende Kartensätze durch jeden Nutzer weiterverwendet, ergänzt, korrigiert und verändert werden können. So lässt sich der Spielsatz Karten schnell an den Lehrplan eines anderen Bundeslandes anpassen. Es handelt sich also um eine freie und offene karten mittelalterBildungsresource (OER) im besten Sinn.

Die Erstellungszeit für den Kartensatz inklusive Bildauswahl in den Wikimedia Commons lag übrigens bei weniger als 45 Minuten. Das Erstellen ist also auch ohne Vorerfahrung innerhalb einer Freistunde in der Schule nebenher möglich.

Ziel ist es auch bei diesem Kartenspiel, als erster alle Karten abzulegen: Dazu muss man jedoch eine „Geschichte“ erzählen – und zwar mit den Karten, die man auf der Hand hat. Der Spieler muss also versuchen, die verschiedenen Begriffe in einer längere Erzählung einzubetten und sinnvoll miteinander zu verbinden.

Wenn sie nicht im Nachziehstapel liegen, sind weitere, zum Teil eng verwandte Begriffe auf der Hand der Mitspieler. Wer also die Karte „Karl der Große“ ausspielt und dabei z.B. „Mittelalter“ oder „Kaiser“ nennt, kann von einem Mitspieler abgelöst werden, der die Erzählung mit seinen Karten weiterführt.

Es verlangt eine gute Orientierung in der Zeit sowie ausreichend Fachwissen, um von den Merowingern über die Dreifelderwirtschaft zu den Kreuzzügen einen Erzählfaden zu spinnen. So werden nicht nur die zentrale Inhalte und Begriffe wiederholt, sondern es wird auf spielerische Art und Weise auch „Erklären“ und „Erzählen“ im Geschichtsunterricht gefördert und eingeübt.

„Das Leben ist ein Gänsespiel: Je mehr man vorwärts gehet…“

CC BY SA 3.0 Alsmu

CC BY SA 3.0 Alsmu

Das sehr alte „Gänsespiel“, das heute in Frankreich und Spanien weiter verbreitet ist als in Deutschland, kann auch im Geschichtsunterricht eingesetzt werden. Ich habe die Spielregeln etwas verändert, um das Spiel im Unterricht zu nutzen.

Ziel des Spiels ist es, als erste/r mit der eigenen Spielfigur/Gans in das letzte Feld, den Gänsegarten (Feld 63), zu gelangen. Das letzte Feld kann mit der exakten oder einer überzähligen Schrittzahl erreicht werden. Auf dem Weg gibt es einige Sonderfelder mit speziellen Regeln (siehe unten). Normalerweise erfolgt das Vorwärtsgehen mit einem Würfel.

Die Lernenden erstellen in Kleingruppen Aufgaben- und Fragekarten mit den entsprechenden Antworten zu einem historischen Thema für ihre Mitschülerinnen und Mitschüler. Diese Fragekarten ersetzen die Würfel. Sie werden in drei Schwierigkeitsgrade unterteilt. Der Spieler, der an der Reihe ist, wählt einen Schwierigkeitsgrad aus. Kann er die Frage richtig beantworten, geht er entsprechend der Schwierigkeit leicht =1, mittel=3, schwer = 6 Felder vor. Die Karte kommt auf den Ablagestapel. Wird die Frage falsch beantwortet, kommt sie wieder unter den Ausgangsstapel. Wenn ein Fragenstapel leer ist, müssen die Fragekarten von den anderen Stapeln gespielt werden.

Die Regeln für die Sonderfelder habe ich aus dem Artikel über das „Gänsespiel“ in der Wikipedia übernommen und auch für den Unterricht angepasst. Dabei könne je nach Spielfeld allerdings die einzelnen Symbole und Zahlen der Spielfelder variieren und müssen in den Regeln für die Lernenden verändert werden:

  • Die Gänsefelder (Felder 5, 9, 14, 18, 23, 27, 32, 36, 41, 45, 50, 54 und 59): Eine Gans, die auf eines dieser Felder kommt, darf noch einmal genauso viele Felder weiterziehen.

  • Die Brücke (Felder 6 und 12): Landet eine Spielfigur auf Feld 6, so kann sie direkt zu Feld 12 weiterziehen, landet sie umgekehrt auf Feld 12, muss sie sofort zu Feld 6 zurückkehren. In beiden Fällen darf anschließend noch eine Fragekarte gezogen und beantwortet werden.

  • Die Herberge (Feld 19): Eine Runde aussetzen.

  • Der Brunnen (Feld 31): Wer auf diesem Feld landet, muss so lange aussetzen, bis eine andere Gans genau auf diesem Feld zu stehen kommt und ihrerseits in den Brunnen fällt, während die gerettete Gans wieder normal weiter ziehen darf.

  • Die Würfel (Felder 26 und 53): Landet eine Gans auf Feld 26, so kann sie direkt zu Feld 53 weiterziehen, landet sie umgekehrt auf Feld 53, muss sie sofort zu Feld 26 zurückkehren. In beiden Fällen darf anschließend noch einmal eine Fragekarte gezogen und beantwortet werden.

  • Das Labyrinth (Feld 42): Zurückkehren zu Feld 30.

  • Das Gefängnis (Feld 52): Drei Runden aussetzen.

  • Der Tod oder Der Fuchs (Feld 58): Die Gans des Spielers wird getötet und muss in der nächsten Runde auf Feld 1 neu anfangen.

Die beiden hier abgebildeten Spielpläne können in den Wikimedia Commons (Link: alter Spielplan oben, Link: neuer Spielplan unten) in guter Qualität runtergeladen, ausgedruckt und laminiert werden. Eine einfache, schwarz-weiße Version auf Englisch wird hier als Kopiervorlage angeboten.

Das Zitat im Titel des Beitrag ist der Beginn eines Gedichts von Goethe, das vom „Gänsespiel“ inspiriert sein soll.

800px-Ganzenbord_pd.svg

fOERder-Idee: ein Quellenwiki

Beim fOERderAward 2016 habe ich gemeinsam Karl-Otto Kirst und der ZUM eine Idee eingereicht. Gefordert war auch ein kurzes Video, um die Projektidee vorzustellen. Dabei geht es langfristig um eine Überarbeitung und Erweiterung des bestehenden ZUM Geschichtsportals. oer geschichtsportal

In einem ersten Schritt möchten wir ein Quellenwiki erstellen, das eine kollaborativ erstellte Sammlung von speziell für den Geschichtsunterricht ausgewählten und aufbereiteten Quellen umfasst. Als Grundlage sollen die bisher in der PSM-Datenbank abrufbaren Quellen dienen. Verschlagwortung und Verlinkung im Wiki sollen die Quellen anders strukturieren und eine bessere Darstellung bieten. Zudem können so weitere Quellen dauernd und einfach ergänzt werden, so dass ein wachsender Fundus an freien Lern- und Lehrmaterialien entstehen kann. Wir suchen auch noch MitstreiterInnen, die zunächst das Quellenwiki und später dann so ein OER-Geschichtsportal mitaufbauen und gestalten wollen.

Ab dem 18. Januar kann öffentlich über die Projektideen abgestimmt werden. Weitere Informationen zum Wettbewerb findet sich auf den Seiten der Transferstelle für OER. Dort wird auch der Link zur Abstimmungsseite veröffentlicht. Wir hoffen auf zahlreiche Unterstützung! 🙂