Wikipedia visualisiert

Von Wikipedia war an dieser Stelle ja schon die Rede. Heute möchte ich hier auf eine webbasierte Anwendung hinweisen, die zur Zeit noch vor allem auf wikipedia als Informationsquelle zurückgreift.

eyePlorer bietet die Möglichkeit Suchbegriffe einzugeben. Angezeigt werden zunächst verwandte Begriffe, die nach Kategorien (Wissenschaft, Orte,  Personen usw.) farblich unterteilt angezeigt werden. Durch diese Visualisierung lassen sich gerade große Themengebiete und Recherchen zu Beginn einer Arbeit (Schulreferat etc.) übersichtlich strukturieren. Die Visualisierung kann auch dabei helfen, das richtige Stichwort zu finden, wenn Mehrdeutigkeiten vorliegen.

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Fährt man mit der Maus über die als zusammenhängend aufgezeigten Begriffe wird in einem kurzen Textzitat mit Quellenbeleg erklärt, worin der Zusammenhang besteht. Ist der richtige Begriffszusammenhang gefunden, sind auf die entsprechenden vollständigen Informationsquellen direkt zugegriffen werden. Textauszüge lassen sich auf einen Notizblock ziehen und dort speichern. Zusätzlich besteht die Möglichkeit den gefundenen Begriff oder Bilder dazu im Internet zu suchen. Für ganz aktuelle Themen kann der Begriff auch zusätzlich in Twitter gesucht werden.

Fazit: ein interessantes Tool sowohl zur Begriffsarbeit im Unterricht als auch zur Recherche-Hilfe.

Für weitere Anregungen für den Einsatz im Unterricht verlinkt die eyePlorer-Seite auf verschiedene (englisch-sprachige) Lehrerblogs. Etwas einfallslos und daher eher negativ („lustigen Spielereien“) die Einschätzung auf weblog.hist.net vom 15.9.

Geschi bili 3: Social bookmarking von Geschichtslehrern

Eine Gruppe bei diigo bietet eine Riesenauswahl an englischsprachigen, kommentierten und verschlagworteten Links für den Geschichtsunterricht:

http://groups.diigo.com/groups/history-teachers

Wäre es nicht sinnvoll, eine vergleichbare Gruppe auch für den deutschsprachigen Raum einzurichten? Falls es sowas schon gibt, wäre ich für den Hinweis dankbar. Ansonsten könnten so die verstreuten Linktipps  der  verschiedenen Internetseiten und Blogs zu Geschichte und Geschichtsunterricht stärker vernetzt und nachhaltig für die Unterrichtspraxis nutzbar gemacht werden. An anderer Stelle ist die mangelnde Vernetzung ja noch vor kurzem beklagt worden…

Auf jeden Fall finden sich in der oben verlinkten diigo-Gruppe erstmal jede Menge Surftipps für das (voraussichtlich verregnete) Wochenende. Ab heute ist hier nämlich vorübergehend Pause wegen der Tagung geschichtsdidaktik empirisch 09 in Basel. Bin schon mächtig gespannt 😉

Zeitleisten im Unterricht: Beispiel Genozid Ruanda

Als gelungenes Beispiel sei hier auf eine französischsprachige Zeitleiste zum Genozid in Ruanda verwiesen. Die Zeitleiste deckt den Zeitraum zwischen 1990 und 2005 ab und führt die wichtigsten Etappen und Gruppen des Konflikts inklusive der unmittelbaren Vorgeschichte und den bisher erfolgten Gerichtsprozessen auf. Die Zeitleiste ist übersichtlich gegliedert und lässt sich gut im Unterricht zur Orientierung einsetzen. Eine deutschsprachige Chronologie des Völkermords findet sich auf den auch ansonsten sehr informativen Seiten von Arte zum Thema, die im April zum 15. Jahrestag einen Themenschwerpunkt angeboten haben.

Mit der Anwendung ligne du temps lassen sich zur Zeit auf Französisch, demnächst auch in einer englischen Version eigene Zeitleisten erstellen. Auf Englisch bietet sich zur Zeit xtimeline als Alternative an. Die Arbeit mit dieser Anwendung hat Alexander König auf lehrer-online kurz dargestellt. Einige didaktische Überlegungen allgemein zum Einsatz von Zeitleisten im Unterricht bieten die auch ansonsten sehr lesenswerten Seiten der Arbeitsgruppe Geschichte des Luxemburgischen Unterrichtsministeriums (histoprim).

Eine deutschsprachige Anwendung zur Erstellung von Zeitleisten habe ich noch nicht entdeckt. Wäre aber für den Unterricht in den meisten Klassen hilfreich. Für entsprechende Hinweise wäre ich dankbar.

Twitter für den Geschichtsunterricht

Interessante Links und Hinweise auf Materialien, Internetwerkzeuge u.a. für den Geschichtsunterricht vor allem aus dem anglo-amerikanischen Raum finden sich auf Twitter unter dem Hashtag #historyteacher

Außerdem gibt es hier eine Liste mit „100“ englischsprachigen Twitter Feeds zum Thema Geschichte und Geschichtsunterricht.

Etwas allgemeiner eine Liste mit Twitterern rund um das Thema Bildung, in twitter auch zu finden als Hashtag #Bildungstwitterer.

Chat im Unterricht

Hier die Kurzfassung eines Kurzvortrags zur Organisation von Chats im Unterricht. Die Überlegungen gelten in der gleichen Form eigentlich auch für die Durchführung von Videokonferenzen, nur dass dabei noch stärker auf technische Aspekte wie die Bandbreite der Übertragung geachtet werden muss. Je nach Anschluss der Schule, die oft ja noch sehr dünn sind, kann es sinnvoll sein, dass nur ein oder zwei Schüler stellvertretend für die Gruppe die Videokonferenz machen und dabei sollte die Kamera nicht die Gruppe im Hintergrund zeigen, sondern möglichst wenig Bewegung im Bild haben, um Bild-und Tonübertragung zu stabilisieren.Ein gutes, kostenloses Werkzeug für Videokonferenzen ist übrigens dimdim, das als Konferenztool wesentlich mehr Möglichkeiten als z.B. skype bietet und zudem einfach einzurichten und zu bedienen ist.

Für eine ausführlichere Darstellung siehe hier.

Update 06.10.: skype hat eine Initiative für den Experten-Chat gestartet. Online können sich Experten in eine Liste eintragen, die bereit sind interessierten Kollegen oder auch Schulklassen für ein Gespräch via Skype ihre Expertise zur Verfügung zu stellen. Noch haben sich wenige eingetragen, aber sollte das Projekt durchstarten, könnte sich hier eine gute Möglichkeit ergeben, potentielle Partner für Expertengespräche zu bekommen, ohne das Klassenzimmer zu verlassen.

Twitter oder nicht twitter…

das scheint seit einigen Wochen die Frage. Überall im Netz wird darüber diskutiert, viele legen sich schnell ein Konto zu, um dabei zu sein und nichts zu verpassen. Dauerhaft scheinen hingegen nur wenige Twitter zu nutzen. Unterrichtsvorschläge werden präsentiert und der Nutzen für den Unterricht angepriesen. Ich sehe einen Hype aber bislang wenig Nutzen. Nachdem Durchsehen verschiedener Anregungen für den Unterricht hat mich wenig wirklich überzeugt. Als ein Beispiel für den Geschichtsunterricht sei auf dieses Video verwiesen: The twitter experiment – UT Dallas

Warum soll ich Twitter als Diskussionsmedium einsetzen, wenn alle Diskutierenden im Raum anwesend sind? Bei einer großen Teilnehmerzahl lassen sich Kleingruppen zur Diskussion bilden, deren Sprecher/in anschließend die Ergebnisse zusammenfassen und/oder mit den anderen Gruppensprechern diskutieren kann. Eine breite Beteiligung erreiche ich auch so und schule zudem noch die Vortragskompetenz vor einer (großen) Gruppe. Soziale Kompetenzen sollten nicht hinter dem Medieneinsatz verschwinden. Für die soziale Komponente von twitter, der Kommunikation zwischen Lehrkraft und Schüler oder Studenten, halte ich virtuelle Klassenräume mit entsprechenden tools wie bei moodle oder lo-net2 möglich für wesentlich zweckmäßiger.

Hervorgehoben wird häufig, dass man seinen Aussage in 140 Zeichen auf den Punkt bringen müsste: Um Zusammenhänge aufzuzeigen, Begründungen zu geben, über historische Inhalte zu diskutieren, dabei aufeinander Bezug nehmen, eine eigene Meinung entwickeln und diese vertreten lernen, für allsdas braucht es mehr als 140 Zeichen. Diese grundlegenden Fähigkeiten müssen immer wieder trainiert und eingeübt werden,  twitter hingegen fördert genau das Gegenteil: nämlich kurze, unverbundene Statements. Keine Frage hat twitter seinen Zweck für die Verbreitung von Werbebotschaften für sich selbst oder ein Produkt, um mit Bekannten in Kontakt zu bleiben, für die schnelle Verbreitung von Informationen.

Der Einsatz dieses Tools im Iran finde ich schlicht beeindruckend und sollte unabhängig vom Ausgang des Machtkampfes vergleichend im Politik und Sozialkundeunterricht, aber auch in einem thematischen Längsschnitt zu (Medien in) Revolutionen im Fach Geschichte thematisiert und analysiert werden. Ein besserer Gegenwartsbezug lässt sich wohl kaum herstellen und im Vergleich werden dann auch alte Flugblätter und Zeitungsmeldungen von 1789 und 1848 wieder interessant.

Zur Zeit sehe ich einen Bereich, wo sich twitter sinnvoll im Unterricht einsetzen lässt, nämlich im kreativen Schreiben. Dabei liefert twitter nichts grundsätzliches Neues, aber eine attraktive, weil neue Form. Für den Geschichtsunterricht finde ich ein Projekt sehr interessant und würde das gerne im nächsten Schuljahr mit einem anderen Thema selbst mal ausprobieren. Das Projekt heißt TwHistory und beruht im Wesentlichen auf der Idee, Hauptpersonen eines historischen Ereignisses in Verbindung zu setzen und miteinander kommunzieren zu lassen. Beispielhaft wurde dies mit der Schlacht von Gettyburg durchgeführt, aber jedes andere historische Ereignis, das gut belegt ist, in dem viel passiert und  wo Entscheidungen diskutiert werden müssen, lässt sich hierfür nehmen.

Um die 140Zeichen-Mitteilungen sinnvoll zu füllen, sind dann in der Tat sehr präzise Recherchen über den historischen Hintergrund, Motive, Einstellungen und Handlungen der Personen zu leisten. Dazu braucht es im Unterricht biographische Quellen: Tagebücher, Briefe usw. Gelingt dies, lassen sich komplexe Entscheidungsprozesse anschaulich erarbeiten und auf kreative Art und Weise darstellen. Das ist zwar nichts, was im Geschichtsunterricht grundlegend neu wäre, aber twitter bietet hier m.E. tatsächlich eine attraktive Alternative zu bisherigen Formen des Schreibgesprächs oder Rollenspiels.

Fundstück1: Einstieg e-learning

Für alle Kollegen, die bisher wenig oder gar nicht mit Computer und Internet im Unterricht gearbeitet haben, die sich aber vielleicht auch nicht getraut haben zu fragen… was eigentlich e-learning, ein wiki,  podcasting ist und was sich damit im Unterricht anfangen lässt… hier ein Link zu einem gut verständlichen Einführungsartikel aus der Zeitschrift Computer und Unterricht 62 (2006) von Stefan Aufenanger von der Uni Mainz. Er beschreibt Einsatzmöglichkeiten von e-learning, gibt einen knappen Überblick über lerntheoretische Hintergründe und erklärt einige zentrale Begriffe des e-learning.

Bewertung wikipedia-Artikel

Wikipedia ist wahrscheinlich mittlerweile die in der Schule, also von Schülern und Lehrern, am häufigsten genutzte Informationsquelle, oft auch leider die einzige… was sich immer wieder in schlechten Referaten und Ausarbeitungen niederschlägt. Über den Blog von Gabi Reinmann bin ich vor einiger Zeit auf wikibu.ch aufmerksam geworden.

FireShot capture #1 - 'Wikibu

wikibu bietet eine vor allem quantitative Kriterien zur Bewertung der Qualität von wikipedia-Artikeln. Zusätzlich werden Informationen zur wikipedia-eigenen Bewertung sowie zu Hauptautor und Veränderungsfrequenz mitgeliefert. Natürlich ist das keine umfassende Qualitätsbewertung (siehe dazu auch die Diskussion im denkarium), aber dennoch für Schüler und Lehrer eine wichtige Hilfe, vor allem weil so deutlich wird, wie die Artikel entstehen und  diese nicht nur als gegeben hingenommen werden.  Zur Schulung der sogenannten „Informationskompetenz“  mit wikipedia bietet wikibu eine gut aufgebaute 3stündige Unterrichtseinheit an.

Diese Informationskompetenz aufzubauen gehört sicher zum allgemeinbildenden Auftrag der Schule, doch denke ich, dass dem Geschichtsunterricht mit seiner Methodik der Quellenkritik eine besondere Rolle zukommen kann. Darauf ist schon mehrfach hingewiesen worden, beispielhaft sei hier nur auf den Vortrag von Vadim Oswalt zu Quellenkritik im Zeitalter des Internet aus dem letzten Jahr hingewiesen.

wikipedia hat Lexika als Nachschlagwerke bei Schülern vollkommen verdrängt. Durch die permanente Verfügbarkeit hat das auch den positiven, viel zu selten genannten Effekt, dass viel mehr Schüler als früher einfach mal etwas nachschauen, was sie nicht wissen oder verstehen. Ein anderes Problem als das der Quellenkritik, aber ein ebenso gravierendes, stellt die Handhabung der verfügbaren Informationsmengen dar, die Schüler oft überfordern und denen es auf in der Oberstufe nicht immer gelingt, wichtige von weniger wichtigen Informationen zu trennen.  Ein Blick in einen knappen Lexikonartikel oder für die neueste Geschichte in das LeMO ermöglicht da oft einen besseren Einstieg in ein neues Thema als sich in Details verlierende wikipedia-Artikel. Aber das müssen Schüler eben erst lernen bzw. wir als Lehrer vermitteln.

Anmerkung zu Praxis Geschichte (4/2009)

Die aktuelle Ausgabe von Praxis Geschichte ist dem Thema „Historisches Lernen mit elektronischen Medien“ gewidmet. Das Heft enthält gelungene Beiträge wie z.B. der im positiven Sinne übersichtliche Artikel von Marc-Albrecht Hermanns zum Einsatz von moodle im Geschichtsunterricht.

Enttäuschend fällt hingegen der Basis-Artikel von Oliver Näpel aus. Seine pessimistische Einschätzung der schulischen IKT-Ausstattung ist so m.E. nicht (mehr) zutreffend. Alle Schulen, die ich kenne, verfügen über einen bis zwei funktionierende Computerräume. Diese werden allerdings oft nicht optimal und nur von wenigen Kollegen genutzt, da vielen Lehrkräften noch das entsprechende technische, didaktische und/oder methodische Wissen fehlt.

Aber statt der von Näpel beklagten „anhaltenden Sparzwänge“ wird zur Zeit in die schulischen IKT-Strukturen investiert wie vermutlich nie zuvor. Finanziert werden die Programme vor allem aus dem Konjunkturpaket II. Beispielhaft seien hier die Initiative in Niedersachsen, der eEducation Masterplan in Berlin sowie das Programm Medienkompetenz macht Schule in Rheinland-Pfalz genannt. Letzteres wird im kommenden Schuljahr 280 weiterführende Schulen mit einer zusätzlichen IKT-Infrastruktur ausstatten, u.a. drei interaktiven Tafeln sowie einem Laptopwagen. Pro Schule beträgt der Investitionsrahmen 40.000€. Gekoppelt werden diese Investionen in die Ausstattung mit Aus- und Weiterbildungsprogammen. Es scheint, als wären aktuell sowohl der politische Wille als auch die Mittel zu einer Verbesserung der Situation vorhanden.