Zeitzeugenportale

Zeitzeugenportale bieten großartige Möglichkeiten für den Unterricht. Nicht immer kann man als Lehrer ein Zeitzeugengespräch an der Schule organisieren oder eine Exkursion mit Schülern durchführen. Gerade weil Zeitzeugeninterviews eine so schwierige Quellengattung sind und häufig im Bereich der Geschichtskultur (TV, Radio, Ausstellungen usw.) eingesetzt werden, sollte eine exemplarische Auseinandersetzung mit ihnen Gegenstand des Unterrichts sein. Nur wer die Chancen aber auch die Probleme von Zeitzeugenaussagen angemessen einschätzen kann, ist zu einer reflektierten Teilhabe an der Geschichtskultur als eines der Ziele des Geschichtsunterrichts in der Lage.

Deshalb möchte ich hier auf einige Zeitzeugenportale zu verschiedenen Themen der Geschichte des 20. Jahrhunderts hinweisen, die die Interviews in digitalisierter Form (Video und Audio) bereitstellen und teilweise auch über Schlagworte zielgenau zugänglich machen. Einige bieten darüber hinaus weitere Materialien sowie Didaktisierungsangebote für den Unterricht.

Für die Zeit des Nationalsozialismus das 2008 mit dem Grimme online award ausgezeichnete:

http://zeitzeugengeschichte.de/

Zeitzeugenprojekt zu Holocaust und Stalinismus für Schulen in den deutsch-tschechischen Euroregionen der Brücke/Most-Stiftung:

http://www.zeitzeugen-dialog.de

Zum Herbst 1989, der friedlichen Revolution, dem Mauerfall und die Wiedervereinigung laufen zur Zeit mehrere Projekte:

http://www.mein-herbst-89.de/

http://www.zeitzeugenportal8990.de/

http://www.dubistgeschichte.de/blog/

Die Bundeszentrale für politische Bildung stellt Zeitzeugenaussagen zum 17. Juni 1953 als Texte und Audiodateien zur Verfügung:

http://www.17juni53.de/material/otoene.html

Für das ganze 20. Jahrhundert jedoch nur als Texte im pdf-Format:

Archiv der Zeitzeugen

Abschließend sei noch auf die Koordinierungsstelle für Zeitzeugengespräche im Unterricht in Rheinland-Pfalz hingewiesen, die leider bisher (vielleicht kommt das noch?) keine Aufzeichnungen zur Verfügung stellen, aber für Schulen in RLP Zeitzeugen vermitteln helfen:

http://zeitzeugen.bildung-rp.de/

Die Chance über eine aktive Medienarbeit von Schülern ein audio-visuelles ,regionales Gedächtnis aufzubauen sollte eigentlich nicht ungenutzt bleiben. Als Vorbild kann das als erstes genannte, offene Webportal von zeitzeugengeschichte.de dienen. Zum Einstieg in die Arbeit  mit Jugendlichen an „lebensgeschichtlichen Videointerviews“ sei der entsprechende einführende Beitrag im Methoden-Dossier von „Lernen aus der Geschichte“ auf dem Portal der Bundeszentrale für politische Bildung empfohlen.

Einladung: Linksammeln für Geschichtslehrer

Wer hat nicht schon die Erfahrung, dass die von einem Einzelkämpfer gepflegte und oft aufgerufene Linksammlung von einem auf den anderen Tag aus dem Netz verschwunden ist? Wer hat nicht schon versucht, im Kreis der Fachkollegen eine gemeinsame Linksammlung für den Unterricht auf einer Lernplattfom einzurichten, aber es hat sich niemand beteiligt? Die Massen an angebotenen Materialien und Quellensammlungen im Internet ist von einem alleine schon lange nicht mehr zu bewältigen. Aus genau diesen Erfahrungen heraus habe ich bei diigo eine Gruppe für Geschichtslehrer eingerichtet, die im Sinne des social bookmarking den Austausch, die Bewertung, Kommentierung und Verschlagwortung von relevanten Links durch Fachkollegen für den Geschichtsunterricht erlaubt. Über die Schlagworte ist im gegensatz zu linearen Linklisten im Netz auch die Bewältigung einer großen Anzahl von Material- und Quellenverweisen handhabbar. Es würde mich freuen, wenn möglichst viele Kollegen sich beteiligten, so dass wir zu einem regen Austausch und einer nachhaltigen Linksammlung für die Unterrichtsvorbereitung kommen. Nur kurz  ein eigenes Konto auf diigo einrichten, dann auf den „Apply-to-join“-Button der Gruppe klicken, der Zugang wird dann so schnell wie möglich von mir freigeschaltet.

Zu den Funktionen und Vorteilen von diigo siehe auch:

http://nachdruck.wordpress.com/ (2009)

http://www.neunetz.com/ (2007)

Nachtrag (23.09.09): Gerad entdeckt über Twitter (@david_gerlach) www.lehrerwink.de: Die Seite ist gegliedert nach Primar- und Sekundarstufe und unterscheidet entsprechend die Fächer. Sind auch schon einige Links für den Geschichtsunterricht dabei. Riesenproblem: Die Schlagwörter sind nur allgemein aufgeführt und werden nicht spezialisiert, wenn man sich z.B. auf die Unterseiten zum Geschichsunterricht begibt. Man kann zwar per Schlagwort suchen, aber einfacher wäre es natürlich über eine jeweils fachspezifische Auflistung von Schlagwörten auf die Linkempfehlungen zugreifen zu können.

 

geschichtsdidaktik empirisch 09

Die Kollegen vom weblog.histnet.ch haben ja schon eine kurze Zusammenfassung der Tagung gegeben. Ergänzend möchte ich dazu den abendlichen Kurvortrag von Peter Seixas hier noch einmal herausstellen, ein kurzes aber helles Glanzlicht der Veranstaltung:

Wer sich je auch nur ansatzweise mit der deutschsprachigen Forschungsliteratur zum Thema Geschichtsbewusstsein auseinander gesetzt hat, wird begeistert von dem erfrischend pragmatischen Herangehen von Seixas sein. (So ging es mir zumindest!) In Deutschland viel zu wenig bekannt sind seine für die Praxis erarbeiteten Benchmarks of Historical Thinking.

Dabei haben er und sein Team sechs Punkte herausgearbeitet, die sie für besonders (nicht ausschließlich) relevant halten:

1) Herstellen von historischer Bedeutsamkeit

2) Beweisführung anhand von Quellen (Englisch: primary sources!)

3) Aufzeigen von Kontinuität und Wandel

4) Analyse von Ursache und Wirkung

5) Einnehmen historischer Perspektiven

6) Verstehen der moralischen Dimension von Geschichte

Unter der Fragestellung „Was sollen Schüler nach 12 Jahren Geschichtsunterricht wissen?“ stellt die dazugehörige Webseite eine hierzulande noch weitgehend vermisste Verbindung von geschichtsdidaktischer Forschung und praktischem Geschichts- unterricht her.

Kurz gehalten, ebenso anregend wie leicht verständlich… bezeichnend fand ich die Antwort auf eine Nachfrage von Bodo von Borries: Wie es ihm denn gelungen sei, Konsens bei Experten und Institutionen für dieses Konzept herzustellen? Seixas schien die Frage zunächst nicht zu verstehen… und antwortete dann ganz nordamerikanisch pragmatisch: Man habe einfach mal gemacht, das Konzept erstellt und veröffentlicht… well.

Geschi bili 3: Social bookmarking von Geschichtslehrern

Eine Gruppe bei diigo bietet eine Riesenauswahl an englischsprachigen, kommentierten und verschlagworteten Links für den Geschichtsunterricht:

http://groups.diigo.com/groups/history-teachers

Wäre es nicht sinnvoll, eine vergleichbare Gruppe auch für den deutschsprachigen Raum einzurichten? Falls es sowas schon gibt, wäre ich für den Hinweis dankbar. Ansonsten könnten so die verstreuten Linktipps  der  verschiedenen Internetseiten und Blogs zu Geschichte und Geschichtsunterricht stärker vernetzt und nachhaltig für die Unterrichtspraxis nutzbar gemacht werden. An anderer Stelle ist die mangelnde Vernetzung ja noch vor kurzem beklagt worden…

Auf jeden Fall finden sich in der oben verlinkten diigo-Gruppe erstmal jede Menge Surftipps für das (voraussichtlich verregnete) Wochenende. Ab heute ist hier nämlich vorübergehend Pause wegen der Tagung geschichtsdidaktik empirisch 09 in Basel. Bin schon mächtig gespannt 😉

Römer in Germanien

Hinweis von Geschichtsweb: ZDF Flashanimation zum Thema Römer in Germanien. Kurze Infotexte, interaktive Karten und mehrere Videos u.a. zum Leben der Germanen, den Feldzügen und natürlich der Varus-Schlacht. Zum Jubiläum der Varus-Schlacht bietet das ZDF noch eine weitere Seite mit zusätzlichen Materialien.

Noch besser für den Unterricht ist das Angebot von planet-schule.de zum Thema. Das multimediale Schulfernsehenportal von SWR und WDR bieten vier Filme von ca. 30 Minuten: 1. Barbaren gegen Rom, 2. Die Varusschlacht, 3. Entscheidung am Limes, 4. Im Zeichen des Kreuzes. Die Filme sind in 2-3minütige Kapitel unterteilt und online abrufbar. Zusätzlich werden Lehrplanbezug, Hintergrundinformationen,  Didaktiktisierung und Arbeitsblättern für den Unterricht mitgeliefert. Eine sehr übersichtlich interaktive Karte zu den Wanderbewegungen der germanischen Völker sowie eine Linkliste zum Them runden das Angebot ab.

Archivale des Monats: September 1939

Hinter der schlichten Fassade verstecken sich wahre Juwelen: Das Geschichtsportal des Landes Rheinland-Pfalzes bietet in Zusammenarbeit mit dem Landeshauptarchiv Koblenz und dem Landesarchiv Speyer jeden Monat ein in exzellenter Auflösung digitalisiertes und kommentiertes Fundstück aus den Archiven an. Die Dokumente werden zum Download im pdf-Format zur Verfügung gestellt. Bei älteren handschriftlichen Quellen sind auch Transkripte beigefügt.

Die Quellen sind für den Unterricht aufbereitet und können sowohl in einer Vertretungsstunde als auch im regulären Unterricht eingesetzt werden und den regionalen Bezug stärken. Die älteren Fundstücke bleiben alle online, so dass bereits ein kleine Sammlung zu verschiedenen Themen wie den Hexenprozessen, dem Pfälzischen Aufstand von 1849 oder einer Schulspeisung in Koblenz 1949 bereit stehen. Langfristig soll hier eine Datenbank mit für den Unterricht aufbereiteten Quellen zur regionalen Geschichte des heutigen Rheinland-Pfalz entstehen.

Für diesen Monat ist nun ein Werbe-Plakat für die SS vom September 1939 online gestellt worden. Die Unterlagen aus dem Landesarchiv Speyer zeigen das Bemühen, bei Kriegsbeginn Freiwillige für die SS-Verfügungstruppen, – Totenkopfverbände und die Polizei anzuwerben. Interessant sind die ersten Rückmeldungen der Bürgermeister aus dem Bezirk Kusel zu dieser Werbeaktion, die nicht einen einzigen Freiwilligen melden konnten.

Twitter für den Geschichtsunterricht

Interessante Links und Hinweise auf Materialien, Internetwerkzeuge u.a. für den Geschichtsunterricht vor allem aus dem anglo-amerikanischen Raum finden sich auf Twitter unter dem Hashtag #historyteacher

Außerdem gibt es hier eine Liste mit „100“ englischsprachigen Twitter Feeds zum Thema Geschichte und Geschichtsunterricht.

Etwas allgemeiner eine Liste mit Twitterern rund um das Thema Bildung, in twitter auch zu finden als Hashtag #Bildungstwitterer.

Geschi bili1: Entwicklung der USA

10 Minuten Film über die territoriale Entwicklung der USA ausgehend von den 13 Gründungststaaten von 1789 bis 1959. Die Präsentation besteht aus einer animierten Karte mit gesprochenem Text und ist einsetzbar im bilingualen Geschichtsuntericht oder für Landeskunde im Englischunterricht.  Sie lässt sich komplett abspielen oder in drei Teilen: 1) 1789-1853, 2) bis 1865 und 3) bis 1959: animatedatlas: Growth of a nation

Riesenfundus an primary sources zur US-amerikanischen Geschichte:

http://www.footnote.com/

Denkmäler Kindertransport

Bekanntlich sieht man nur, was man weiß… und zufällig war ich diesen Sommer sowohl kurz in London als auch in Danzig. Aufmerksam geworden durch einen Artikel aus geschichte lernen vom Mai 2009 über die  „Mahnmale zur Erinnerung an die Kindertransporte“ entdeckte ich mit großer Überraschung, dass vor dem Hauptbahnhof in Danzig eine Kopie des Londoner Denkmales von 2006 steht, das von Frank Meisler, einem gebürtig aus Danzig stammenden Künstler, geschaffen wurde. Erst bei genauem Hinsehen merkte ich, dass es sich gar nicht um eine Kopie handelt. Die Denkmäler sind ähnlich, aber verschieden. Bei dem Danziger Denkmal dreht sich der eine Junge noch einmal winkend um; in London schauen einige Kinder noch unsicher aber zugleich neugierig umher.  Es ist sicher nicht verkehrt  bei dieser ungewöhnlichen Denkmalkombination an die Darstellung von Abschied und Ankunft zu denken.

Das Denkmal in Danzig wurde zum 70. Jahrestag der Kindertransporte, die auch von Danzig nach London führten, im Mai dieses Jahres eingeweiht. Die unten stehenden Fotos können in besserer Auflösung runtergeladen werden und im Unterricht z.B. als Einstieg in das Thema eingesetzt werden. Die Kuriosität eines ähnlichen Denkmals an zwei so unterschiedlichen und weit entfernten Orten kann Interesse wecken. Wie bei zwei „Fehlerbildern“ lädt es ein, die beiden Darstellungen genau zu betrachten und miteinander zu vergleichen.

Die Mimik und Gestik der Kinder lassen sich deuten; Hoffnungen, Befürchtungen antizipieren. Offenkundig sind keine Erwachsenen dabei, warum gehen Kinder alleine auf die Reise? Was bedeutet das für sie? Welche Gegenstände haben sie dabei, was könnte noch in den Koffer sein? Mit diesen Fragen lassen sich die Fotos auch im Unterricht mit jüngeren Kindern, z.B. in der Grundschule, einsetzen (siehe dazu auch Vorschläge zu einer altersgerechten Konzeption im pädagogischen Konzept von Yad Vashem, S. 32ff.). Je nach Klassenstufe kann das Thema anschließend durch geeignete Materialien oder  eigene Recherchen weiter bearbeitet werden.