Virtuelles Reenactement mit Twitter im Geschichtsunterricht

Hier die Präsentation vom gestrigen Vortrag auf der iMedia in Mainz. Die Präsentation stellt  ein mögliches Unterrichtsmodell vor, wie sich Twitter methodisch sinnvoll in den Geschichtsunterricht einbinden lässt. Anregungen und Kritik sind herzlich willkommen.

Die verwendeten Quellen zu dem in der Präsentation genannten „Stehgreif-Spiel“ zum 2-plus-4-Vertrag finden sich hier zum Download. Im Unterricht würde ich dies allerdings eher als Podiumsdiskussion ohne Twitter organisieren, da sich der technisch vergleichsweise aufwändige Einsatz von Twitter für eine Unterrichtsstunde alleine m.E. nicht lohnt.

Aktuelle Spielfilme über den Nationalsozialismus

Unter dem Titel „Populärkultur und Geschichtsvermittlung“ hat das Institut für angewandte Medienbildung und Filmvermittlung in Wien, filmABC, ein Filmheft als didaktische und methodische Handreichung für den Unterricht herausgegeben. Das Heft lässt sich hier als pdf herunterladen. Besprochen werden u.a. Inglorious Basterds, Defiance und Operation Walküre. Hervorzuheben ist die hilfreiche Link- und Literaturliste am Ende.

Einsatz von Computer und Internet im Geschichtsunterricht

Hilke Günther-Arndt schreibt: „Solange ein erheblicher Teil der kognitiven Kapazität durch die Bedienung der Programme absorbiert wird, bleibt der didaktische Nutzen der Computer ambivalent: Zwar wird das Lernziel ‚Mit den neuen Medien umgehen‘ erreicht, aber bei den Fachzielen müssen teilweise noch Abstriche hingenommen werden. Erst wenn sich die Alternative ‚Bedienkompetenz‘ versus ‚historische Kompetenz‘ nicht mehr stellt, wird der Computer ein selbstverständlicher Bestandteil für guten Geschichtsunterricht werden.“ (aus: Geschichtsdidaktik. Praxishandbuch für die Sekundarstufe I und II, 2003, S. 219.)

Gilt diese Aussage auch noch 2010? Bieten Programme und digitale Werkzeuge vielleicht nicht doch auch trotz eventueller Einarbeitung einen ‚Mehrwert“ für historisches Lernen?

Links zur Kartenarbeit

Die aktuelle Ausgabe der GWU 4/2010 widmet sich dem Spatial Turn der Geschichswissenschaft und Relevanz für Geschichtsdidaktik, dabei ist natürlich auch die Frage nach Arbeit mit Karten im Unterricht wichtig. Einige Links zur Kartenarbeit, u.a. die im Heft genannten, habe ich zusammengestellt und würde mich über weitere Hinweise auf brauchbare Seiten mit gutem Kartenmaterialien für den Geschichtsunterricht freuen. Zumal ja bekanntlich Digitalisierungen aus Schulbüchern nicht mehr zulässig sind (siehe hier) und man dadurch auf anderes Material angewiesen ist. Vieles ändert sich, doch Lehrer bleiben Jäger & Sammler 😉

Geschichte abwählbar

Das Saarland unternimmt offensichtlich einen entsprechenden, fragwürdigen Vorstoß:  Geschichtsunterricht soll für die Schüler nach der Klasse 10 nicht mehr verpflichtend, sondern abwählbar sein.

http://archiv.twoday.net/stories/6315970/

http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/themen/144026/index.html

Entsprechende deutliche Proteste wären hier angebracht. Ein Statement des Geschichtslehrerverbandes Saarland findet sich auf dessen Internetseiten (etwas versteckt unter: „Statements“).

Europäische Skulpturenroute Kindertransporte

Am Beginn stand für mich eine zufällige Beobachtung bei Reisen nach London und Danzig. Frau Schäfer, Pressesprecherin der Initiative „Berliner Kinderskulptur“ war so freundlich mir auf den Blogeintrag hin, auf die europäische Dimension der Aktion hinzuweisen, die auch auf der folgenden Karte deutlich wird. Weitere Skulpturen sind an Standorten in Rotterdam und Hamburg geplant:

© Frank Meisler, mit freundlicher Genehmigung von und Dank an Lisa Schäfer (http://www.kindertransporte.de/)

Zeitleisten mit dem interaktiven Whiteboard

Das hier vorgestellte Beispiel ist mit der Promethean-Software ActivInspire erstellt. Es umfasst einen Zeitstrahl von 1848-1890 (pdf) zur deutschen Geschichte. Unter der Zeitleiste befinden sich teilweise den Schüler bekannte, teilweise unbekannte Abbildungen, die die Schüler richtig auf der Zeitleiste einordnen und beschriften sollen. Dies ist kurz mündlich zu begründen. Die Flipchart (Format der ActivInspire-Dateien, das sich leider hier nicht hochladen lässt – die Datei findet sich zum Download hier) wurde zur Wiederholung nach den Ferien für einen Oberstufenkurs konzipiert. Die Bedeutung von Zeitleisten im zunehmend von exemplarischen, gar fragmentarischen Inhalten geprägten Geschichtsunterricht ist in letzter Zeit wiederholt hervorgehoben worden. Neben den Möglichkeiten mit webbasierten Anwendungen oder Office-Produkten Zeitleisten zu erstellen, bieten auch interaktive Whiteboards (IWB) gute Möglichkeiten.

Vorteil der Arbeit der IWB-Software ist die Integration von Medien: Neben Text können auch Bilder, Videos oder Tondokumente in hoher Qualität eingebunden werden. Da die Software mit den Boards in der Regel als Campus-Lizenz zur Verfügung gestellt wird, d.h. auf alle Schul- sowie Privatrechner der Schüler und Lehrer aufgespielt werden darf, kann hier auch individualisiert oder in Kleingruppen gearbeitet werden. Die Ergebnisse werden dann abschließend für alle vorne am Whiteboard gezeigt und gesichert, z.B. per Mail verschickt oder im virtuellen Klassenraum einer Lernplattform hinterlegt.

Mit Hilfe eines Rasters lässt sich ein exakter Maßstab erstellen. Überschrift, Legende und die Leiste selbst können entweder in den Hintergrund gelegt oder in anderer Form unveränderlich gemacht werden, so dass nur die gewünschten Objekte von den Schülern verschoben werden können sowie eine zusätzliche Beschriftung ermöglicht wird.

Das hier vorlegte Beispiel verlangt eine vergleichsweise komplexe Zuordnungs- und Erklärungsleistung. Selbstverständlich können im Unterricht auch vorgefertigte „leere“ Zeitleisten angelegt und mit zunehmendem Unterricht von den Schülern mit Material „gefüllt“ werden. Welche Daten, Personen, Ereignisse, Bilder etc. sind so zentral, dass sie in die Zeitleiste aufgenommen werden sollen? Hier lassen sich gewinnbringende Diskussionen über Fragen der historischen Relevanz (siehe auch Link) anknüpfen. Soll die Zuordnung vereinfacht werden, können z.B. vorab die Medien beschriftet oder die zuzuordnenen Jahreszahlen schon auf der Zeitleiste eingetragen werden.

Polen in der Schule

Das Deutsche Polen-Institut bietet mit Unterstützung der Robert Bosch Stiftung 2010 wieder Projekttage für Schulen in Hessen und Rheinland-Pfalz an.

Das Angebot richtet sich an weiterführende Schulen. Die Mindestteilnehmerzahl liegt bei 15 Schülerinnen und Schülern. Laut Aussage des DPI sollen die „Projekttage […] den Schülern Einblicke in die Landeskunde und Alltagskultur Polens sowie Grundkenntnisse zur deutsch-polnischen Geschichte und deutsch-polnischen Literaturbeziehungen vermitteln.“ Einen Programmentwurf für einen solchen Projekttages des DPI finden Sie hier. Das Programm kann aber auch den Interessen und Bedürfnissen der jeweiligen Teilnehmer angepasst werden. Die Projekttage eignen sich zudem als Vorbereitung für einen deutsch-polnischen Schüleraustausch und können z.B. auch einen Minisprachkurs umfassen.  Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldung und weitere Infos gibt es über ein entsprechendes Formular oder direkt bei Herrn Mack

TwHistory: Paulskirchenprojekt

Tom Caswell von TwHistory hat in einer Twitterliste noch einmal alle Tweets des Paulskirchenprojekts zusammengefasst:

http://twitter.com/tom4cam/paulskirchenprojekt

Weitere Projekte zur Arbeit mit twitter im Geschichtsunterricht sind in der Planung. Das Rekonstruieren von Geschichte in 140 Zeichen scheint noch Potential für den Unterricht als digitale Form des Rollenspiels zu bergen.

Indian Ocean in World History

IndianOceanHistory ist ein großartiges, englischsprachiges Portal zur Geschichte des Indischen Ozeans in globaler Perspektive. Das Portal bietet interaktive Karten von der Antike bis heute, über die zunächst der geographische Raum des indischen Ozeans definiert sind und die in jeder Großepoche mit Mouseover-Buttons Informationen zu verschiedenen Schwerpunkten wie Karten, Reisende, Handelsgüter usw. bieten.

Es gibt zudem für Schüler und Lehrer einleitende Texte (im pdf-Format) sowie weitere Leseempfehlungen. Für den Einsatz im Unterricht werden darüber hinaus Unterrichtsanregungen und Aufgaben angeboten.

Für interessierte Schülergruppen mit entsprechenden Englischkenntnissen (d.h. wohl wenn für bilinguale Schulzweige und Leistungskurse) bietet die Seite eine hevorragende Möglichkeit, die eurozentrische Perspektive zu verlassen und eine andere Weltregion vergleichend in den Unterricht hinzuzunehmen. Da davon auszugehen ist, dass auch die wenigsten Geschichtslehrer  sich in der Geographie und der Geschichte des Raums gut auskennen, eignen sich die optisch schön gestalteten Seiten gut, um sich selbst erstmals mit dem Thema und der Region auseinanderzusetzen und damit seinen eigenen Horizont zu erweiteren.