Untertanen oder Bürger?

Laut Spiegel Online haben Mitarbeiter der Kongressbibliothek in Washington mit einer spektroskopischen Analyse im Konzeptpapier Jeffersons für die Unabhängigkeitserklärung entdeckt, dass dieser zunächst „subjects“ (Untertanen) geschrieben hatte und dies dann durch „citizens“ (Bürger) verbessert hatte. Der kurze Artikel kann zum Einstieg in das Thema aber auch zur Wiederholung dienen, indem die Schülerinnen und Schüler selbst erklären, wo der „große Unterschied“ in der Verwendung der beiden Begriffe liegt.

Der ausführliche Bericht auf den Seiten der Library of Congress findet sich hier.

Geschichtsschulbücher aus dem Kaiserreich

Das GEI hat in seinem Projekt der digitalen Schulbuchbibliothek 36 Bände von Schulgeschichtsbüchern des Kaiserreiches digitalisiert und online gestellt. Die Bücher sind dort einsehbar und auch als PDF-Dokument runterzuladen.

Die aktuell verfügbaren Bücher stammen aus den Jahren 1873-1914. Dies ist allerdings nur der Anfang für ein sehr umfassendes Gesamtprojekt.

Für den Unterricht, gerade der Oberstufe, entsteht hier ein leicht greifbarer Fundus, um z.B.  den Wandel der Deutung und Darstellung von Geschichte in ihrer Zeitbezogenheit zu thematisieren. Für die Regionalhistoriker: Einige Bücher stammen übrigens aus dem Coblenzer (damals noch mit „C“) Baedeker-Verlag.

Der Hinweis kam von Klaus Graf im Blog Archivalia, wo es im Beitrag und mehreren Kommentaren um die mittlerweile geänderten Nutzungsbedinungen (Stichwort: copyfraud) ging.

Arbeitsblatt zur Analyse von Kriegerdenkmälern

Vor einigen Tagen wurde hier im Blog eine Idee zum Unterrichtseinstieg mit Kriegerdenkmälern veröffentlicht. Da sich diese Denkmalsform in fast jeder deutschen Stadt findet, bieten sich hier gute Lerngelegenheiten, die Schule zu verlassen und vor Ort zu arbeiten. Dabei lässt sich regionale Geschichte exemplarisch mit der nationalen, europäischen oder gar globalen Geschichte verbinden.

Die Arbeit lässt sich über den Einstieg hinaus natürlich noch vertiefen. Zur Analyse von (Krieger-) Denkmälern habe ich mit dem hier zum Download bereitgestellten Arbeitsblatt (.doc) gute Erfahrungen gemacht. Die Schüler notieren auf dem Blatt ihre Beobachtungen möglichst präzise. Die Notizen werden anschließend im Unterricht verglichen und Symbole erklärt. Davon ausgehend können überregional bedeutsame Monumente  zum Vergleich und Transfer herangezogen werden, um auch das typische von eventuell vorhandenen regionalen Besonderheiten herauszuarbeiten.

2. Newsletter des Verbandes der Geschichtslehrer Deutschlands erschienen

Der Newsletter informiert

„in enger Verbindung mit der Rubrik „Szene“ in „geschichte für heute“ (Wochenschau-Verlag) über die Verbandsarbeit sowie kurz und präzise über aktuelle Entwicklungen und Themen aus der Geschichtswissenschaft und Geschichtsdidaktik, dem musealen Bereich und den Medien.“

Wer in den Newsletter des VGD aufgenommen werden möchte, kann sich per Mail an die Redaktion wenden: Christian Jung

Viele Beiträge erscheinen auch vorab im Blog Zeittaucher, der gleichfalls von Christian Jung betreut wird.

Afrika im Geschichtsunterricht

Andreas Körber weist in seinem Blog auf eine Veranstaltung am 25. Juni in Hamburg, die sich mit der Frage „Afrika – (kein) Thema im hiesigen Geschichtsunterricht?“ auseinandersetzt. Meiner Erfahrung nach spielt Afrika in deutschen Schulen vor allem dann eine Rolle, wenn Aktionstage oder Projetkwochen für „Afrika“ organisiert, Geld gesammelt und den bedürftigen Afrikanern geschickt wird. Selbst in Schulen, die eine Partnerschule in einem afrikanischen Land haben, kommt es selten zu einem Dialog.

Für den Geschichtsunterricht ist weiterhin dem Resümee von Dennis Röder zuzustimmen:

Afrika taucht in heutigen Lehrplänen und Schulbüchern kaum auf. Wir verbinden mit der ägyptischen Geschichte weniger Afrika als eher eine frühe Etappe zur „europäischen Erfolgsgeschichte“.

Erwähnung findet die Geschichte des Kontinents sonst nur in Kontakt mit Europa (Kolonialismus, Sklavenhandel, Imperalismus, Dekolonisation) und leider weitgehend auch weiterhin ohne afrikanische Perspektiven, sondern nur mit (kontroversen) europäischen Quellen. Wie Material aussehen könnte, das auch afrikanische Stimmen berücksichtigt und diese als handelnde Akteure gleichberechtigt neben die Europäer stellt habe ich versucht in einem Arbeitsblatt zum Beginn der deutschen Kolonialherrschaft in Ruanda aufzuzeigen.

Die WM bietet natürlich Gelegenheit, Afrika zu thematisieren. Das Interesse, das durch die „erste Fußball-Weltmeisterschaft in Afrika“ (worauf die Moderatoren der Fernsehsender in jedem zweiten Satz drauf hinzuweisen scheinen) geweckt wird, kann natürlich auch im Geschichtsunterricht aufgegriffen werden. Hier bietet sich die Chance neben Tierfilm und Fußball einen anderen Blick auf Afrika zu werfen. Gerade die notenfreie Zeit jetzt kurz vor den Sommerferien bietet sich an, extracurriculare Themen aufzugreifen und projektartig zu bearbeiten.

Wer Afrika im Unterricht thematisieren möchte, dem bietet eine Liste mit Links, die in der diigo-Gruppe Geschichtsunterricht unter „Afrika“ verschlagwortet sind, einen ersten Anlaufpunkt für Materialien.

Unterrichtseinstieg 1870/1871

Das Foto stammt vom Gertrudenfriedhof in Oldenburg (hier in alten Bildern) und zeigt einen Gedenkstein für die in Oldenburg verstorbenen Franzosen 1870/71. Ein kurzer Ausflug mit Schülern, die mit Wörterbüchern, grundlegendenen Französischkenntnissen und einer Bibel ausgerüstet sind, zu dem Monument, wie es dies auch in anderen deutschen Städten gibt, kann zunächst zu ersten Fragen führen: Was macht ein Gedenkstein auf Französisch hier? Von wann stammt das Denkmal? Warum wurde es hier errichtet? Davon ausgehend können sich die Schüler an der Entzifferung der Inschriften versuchen:

A la Mémoire / des Soldats français

décédés en 1870-71

Et nunc meliorem / patriam appelunt.

Hebr. 11,16

Érigé par leurs Compatriotes.

Auf den Seitentafeln stehen die Namen der Verstorbenen, die aber durch den Pflanzenwuchs nur schwer einsehbar sind.

Ausgehend von der Entschlüsselung des Textes ergeben sich weitere Fragen: Warum waren französische Soldaten in Oldenburg? Was ist 1870/71 passiert? Warum sind sie hier gestorben?

Geht man anschließend auf dem Friedhof ein Stück weiter, kommt man zu dem Gedenkstein für die oldenburgischen Gefallenen des deutsch-französischen Kriegs.  Ähnlichkeiten und Unterschiede in der Gestaltung der Gedenkstätte können thematisiert werden.  Mit Hilfe der deutschen Inschriften lässt sich auch schon ein Teil der Fragen und Hypothesen beantwortet werden.  Eventuell finden sich bekannte Familiennamen, die dann zu Nachfragen bei den Eltern oder Großeltern führen.  Der kurze Besuch vor Ort bildet einen motivierenden, problemorientierten Einstieg, der dann anschließend im Unterricht in der Schule entsprechend aufgegriffen und vertieft werden kann und den Schüler ihnen ein sonst schon sehr fernes Thema nahe bringen kann und zeigt damit das Potential von Lokal- und Regionalgeschichte für historisches Lernen.

Workshops zur historischen Projektarbeit

Ab 14. Juni starten bundesweit Workshops für Schüler und Lehrer zur historischen Projektarbeit im Hinblick auf den 22. Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten, der am 1.9.2011 startet.  Weitere Informationen finden sich auf den Seiten der Körber-Stiftung.

Fortschrittsdenken und Geschichtsunterricht

Dass Schülerinnen und Schüler mehrheitlich mit dem Konzept von Fortschritt an die Gegenstände historischen Lernens herangehen ist mittlerweile vielfach empirisch belegt. Geschichte präsentiert sich Schülern als Erfolgsgeschichte des immer Schnelleren, Weiteren, Besseren. Viel zu wenig Beachtung hat m.E. in diesem Zusammenhang bisher die Rolle der Geschichtscurricula und -bücher bei der Konstruktion oder zumindest Unterstützung dieses Konzeptes gefunden.

Um kurz zu rekapitulieren: Was bedeutet das unterschwellig vorhandene Fortschrittskonzept für historisches Lernen? Für Schüler heißt es oft: Abstand zur Vergangenheit, i.S. von „die“ konnten das „damals“ noch nicht wissen, „wir“ sind da heute viel „weiter“. Daraus kann sich dann ein Überlegenheitsgefühl der Gegenwart gegenüber der Vergangenheit ableitenn. Gerade dieses verhindert aber historisches Lernen.

Ein Blick auf typische (so schwierig und pauschal das jetzt auch sein mag) Themen und deren Abfolge im Geschichtsunterricht zeigt aber eben eine Auswahl erfolgreicher Entwicklungen: vom Absolutismus zur Demokratie (englische, us-amerikanische und französische Revolution), vom Ackerpflug zum Computer (bäuerliches Leben und Handwerk in Mittelalter und Früher Neuzeit über Manufakturen zu Liberalismus und Industrialisierung ) ebenso wie bei Philosophie und Religion (Mittelalter – Renaissance / Humanismus – Aufklärung). Nuancen, Brüche und Gegenentwicklungen verschwinden dabei weitgehend: Die meisten Schüler verstehen das Besondere des Absolutismus nicht, weil sie keine Ahnung von Herrschaft und Mitbestimmungsrechten seit dem Mittelalter haben (siehe auch das aktuelle Heft von Geschichte lernen).

Es gibt wenige Stelle, wo „Scheitern“ im Geschichtsunterricht ausdrücklich thematisiert wird: die Revolution von 1848/49, die aber als Bezugpspunkt für die Demokratieentwicklung noch positiv umgedeutet wird, im schlimmsten Fall behalten die Schüler, dass die Zeit noch nicht „reif“ war (ähnliches gilt für die Französische Revolution); und  ohne Einschränkung das Scheitern der Weimarer Republik, das wiederum von Schülern und Lehrkräften meiner Erfahrung nach als eines der spannendsten Themen angesehen wird. Und das eben nicht nur, weil hier eine „Urfrage“ der Beschäftigung mit Geschichte heute thematisiert wird („Wie war Hitler möglich?“).

Gerade in der Thematisierung von gescheiterten Entwicklungs- und Reformversuchen liegt m.E. eine enormes, bisher kaum berücksichtigtes didaktisches Potential, weil hier aufgezeigt werden kann, dass der Gang der Geschichte eben nicht nur, wie die Auswahl von Geschichte für den Geschichtsunterricht oft suggeriert, Fort- sondern auch Rückschritte und Rückschläge beinhaltet. Außerdem lassen sich an solchen Gegenständen auch sehr gut  Fragen nach Relevanz und Auswahl historischer Themen für den Unterricht stellen. Gerade wenn man exemplarisch das Scheitern an einem Gegenstand herausgreift, der nicht im Geschichtsbuch steht, lassen sich solche Fragen  mit Schülern gewinnbringend diskutieren. Die oft beklagte Stofffülle und die geringe Stundenzahl stehen dem nicht im Wege, wenn man das Prinzip der Exemplarität wirklich ernst nimmt.

Drei mögliche Themen, um das „Scheitern“ im Geschichtsunterricht beispielhaft zu thematisieren, sind z.B.

1) Die Friedensbewegung vor dem 1. Weltkrieg. Jeder Lehrer kennt das vermutlich aus dem Unterricht, dass Schüler meinen heute wäre der Kriegsausbruch wäre so nicht mehr möglich. Warum steht denn viel über die „Kriegsbegeisterung“ in den Geschichtsbüchern, aber nichts über die Friedensdemonstrationen, die 1913/1914 Hunderttausende in ganz Europa auf die Straßen brachten? Nur, weil sie nicht erfolgreich waren? Die Thematisierung dieser Bewegung kann uns ein Stück unserer gegenwärtigen Überheblichkeit nehmen.

2) Die korsische Revolution von 1755: Unter Pasquale Paoli gibt sich Korsika die erste geschriebene demokratische Verfassung der Neuzeit, lange vor den USA, Polen oder Frankreich und erklärt sich zugleich von Genua unabhängig. Die Genusesen überlassen die Insel Frankreich, das mit seinen überlegenen Truppen 1769 die korsische Demokratie und Unabhängigkeit blutig beendet. Die französischen Revolutionäre schließlich bestätigen 1789/90 die Annexion Korsikas, die bekanntlich bis heute Bestand hat

3) Dasselbe gilt für die polnische Verfassung und Reform von 1791. Gerade im Vergleich mit Frankreich und den USA können hier tiefere Einsichten gewonnen werden, weswegen „Scheitern“ als Gegenkonzept zu „Fortschritt“ einen Platz in Geschichtsdidaktik  und -unterricht erhalten sollte.

eTwinning im Geschichtsunterricht

Die Präsentation gibt einen Überblick zu den Einsatzmöglichkeiten der europäischen Lernplattform eTwinning im Geschichtsunterricht. M.E. können durch den Einsatz von eTwinning besonders die fachdidaktischen Prinzipien der Multiperspektivität und eine authentische Kontroversität im Unterricht gefördert und unterstützt werden.