Helden?

Das Foto zeigt einen Gedenkstein am Ortseingang des Koblenzer Stadtteils Arzheim und eignet sich z. B. für einen Unterrichtseinstieg mit regionalgeschichtlichem Bezug, der zu allgemeinen Fragen und Erkenntnissen über den Umgang mit Nationalsozialismus, 2. Weltkrieg und der Rolle der Wehrmacht führen kann… auch in Anlehnung an das Thema des letzten Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten.

Hinweis: Der nächste Wettbewerb startet übrigens mit neuem Thema am 01.09.2010! Wer auch immer dann als Bundespräsident oder -präsidentin die Patenschaft übernehmen wird…

Aktuelle Spielfilme über den Nationalsozialismus

Unter dem Titel „Populärkultur und Geschichtsvermittlung“ hat das Institut für angewandte Medienbildung und Filmvermittlung in Wien, filmABC, ein Filmheft als didaktische und methodische Handreichung für den Unterricht herausgegeben. Das Heft lässt sich hier als pdf herunterladen. Besprochen werden u.a. Inglorious Basterds, Defiance und Operation Walküre. Hervorzuheben ist die hilfreiche Link- und Literaturliste am Ende.

Europäische Skulpturenroute Kindertransporte

Am Beginn stand für mich eine zufällige Beobachtung bei Reisen nach London und Danzig. Frau Schäfer, Pressesprecherin der Initiative „Berliner Kinderskulptur“ war so freundlich mir auf den Blogeintrag hin, auf die europäische Dimension der Aktion hinzuweisen, die auch auf der folgenden Karte deutlich wird. Weitere Skulpturen sind an Standorten in Rotterdam und Hamburg geplant:

© Frank Meisler, mit freundlicher Genehmigung von und Dank an Lisa Schäfer (http://www.kindertransporte.de/)

Virtuelle Mahnmale in sozialen Netzwerken?

Brenna Ehrlich zeigt sich in ihrem Beitrag auf mashable recht begeistert von der Idee. Sie sieht darin ein Wiederbeleben der Opfer und „a fascinating use of social media as an educational tool“. Sehr viel kritischer beurteilt J. A. Heyer in ihrem Beitrag in der Süddeutschen Zeitung die Einrichtung einer Facebookseite für den 1942 in Madjanek ermordeten Henio Zytormski, der 1933 im polnischen Lublin geboren wurde. Weitere Berichte finden sich u.a. in der Zeit, auf 3Sat-online sowie bei Café Babel.

Ein ähnliches Projekt lief übrigens letztes Jahr gleichfalls in Polen zur Erinnerung an den Warschauer Aufstand 1944. Unter dem Titel „Kumpel z powstania“ (Ein Freund aus dem Aufstand) berichteten Sosna und Kostek Dwadziesciatrzy 63 Tage lang vom Beginn bis zum Ende des Aufstands auf ihren Facebookseiten. Eine kurze Zusammenfassung des Projekts auf Deutsch findet sich auf scholar-online. So sieht die Seite von Sosna heute nach Ende des Projekts aus, inklusive personalisierter Werbeanzeigen auf der rechten Seite:

Eigentlich eine schöne Idee, trotzdem bin ich eher skeptisch, was den Unterrichtseinsatz oder noch weitergehend die Idee, wie in der SZ zu lesen, Schüler Tausende von Facebookprofilen für die gefallenen alliierten Soldaten „kreieren zu lassen“, angeht. Ein Projekt, das von den Schülern gewünscht und getragen wird, vielleicht, aber mit Sicherheit keine Vorgabe als abzuarbeitende Aufgabe von Seiten des Lehrers. Virtuelle Mahnmale bedürfen ebenso wie die  materiellen der dauerhaften Pflege und auch des Schutzes gegen eventuellen Missbrauch.

Wer über ein entsprechendes Projekt nachdenkt, sollte zumindest überlegen, ob werbefreie Blogs eine angemessenere Umgebung sein könnten (siehe  die Werbung auf dem Facebook-Screenshot oben). Allerdings fehlt Blogs der „Community“-Charakter eines sozialen Netzwerks, und da sich die Generation der sogenannten „Digital Natives“ bekanntlich vor allem in diesen Netzwerken aufhält, aber wenig bis gar nicht in Blogs, wird man auch weniger Jugendliche erreichen als auf facebook, wkw oder studiVZ. Die oben genannten Artikel und mehr noch direkt die entsprechenden Facebookseiten können aber sehr wohl dazu dienen, um mit Schülern ins Gespräch über Formen des Gedenkens und der Erinnerungskultur einzusteigen.

Geschichtsblogs und Kommentarkultur

Nachdem Klaus Graf auf archivalia einen Überblick über die bestehenden Geschichtsblogs gegeben hat auf Grundlage der „Weblogs des Monats“ bei histnet.ch, wo Jan Hodel diese Übersicht kommentiert und die m.E. reizvolle Idee eines realen Treffens von Geschichtsbloggern weitergetragen hat, folgt hier der Hinweis auf den bei Twitter unter dem Hashtag #Schulmeister diskutierten Artikel zur Kommentarkultur in Weblogs, der auch einen kurzen Abschnitt zu Geschichtsblogs im Speziellen beinhaltet. Der ganze Artikel ist als Vorabveröffentlichung zur Festschrift für Stefan Aufenanger hier als pdf runterladbar.

Interessant ist die Studie allemale zu lesen, z.B.  im Hinblick auf Wandel und Konstanz der Geschichtsblogosphäre anhand der dort aufgelisteten Blogs oder in bezug auf die Vernetzung und Diskussion von Themen. Es sind nicht nur Kommentare, die die Kommunikationskultur der Blogosphäre ausmachen, sondern in hohem Maße auch die Artikel selbst mit ihrer gegenseitigen Bezugnahme. Darüber hinaus kann ich dem Kommentar von Michael Kerres zustimmen, der darauf hinweist, dass Bezugnahmen innerhalb von Blogs mit „Zitierungen in wiss. Arbeiten […] zu vergleichen“ und Blogs mit „bestehenden Kommunikationswegen vernetzt“ sind.

Klaus Graf hatte an anderer Stelle schon einmal die mangelnde Vernetzung der deutschen Geschichtsblogs beklagt. Vielleicht ließe sich dem in der Tat durch ein Treffen abhelfen. Die Verbindung der Blogs mit anderen „Kommunikationswegen“, wie sie von Michael Kerres und Rolf Schulmeister für die Edu-Blogosphäre beschrieben werden, auffällig fand ich bei beiden die Betonung gerade der persönlichen, realen Kontakte zwischen den Bloggern, scheint mir da eine ausrichtsreiche Möglichkeit, auch die Geschichtsblogs stärker zu vernetzen.

Steinbach verzichtet

Die deutsch-polnische Geschichte bildet ja neben Medien und Geschichtsunterricht einen kleinen, weiteren Schwerpunkt innerhalb dieses Blogs. Die Besprechung des Buches „Zwangsumsiedlung, Flucht und Vertreibung“ hier im Blog hatte in den letzten Wochen sehr hohe Trefferzahlen zu verzeichnen. Deshalb zum Thema hier kurz der Hinweis auf einen aktuellen Artikel aus Frankfurter Rundschau, die einen „Kompromiss zum Vertriebenen-Rat“ meldet und SZ: Steinbach verzichtet auf einen Sitz im Stiftungsrat. Der Bundestag soll die Besetzungen vornehmen, dafür wirdaber die Zahl der Sitze für den Bund der Vertriebenen von drei auf sechs in dem bisher 13- bald 21köpfigen Rat erhöht. Außerdem wurde einer Vergrößerung der Grundfläche der Ausstellung vereinbart. Der BdV sieht in dem Kompromiss einen „Riesenerfolg“.

„Bist du Jude?“

Andreas Körber weist in seinem Blog auf einen lesenswerten Artikel der Zeit zum Umgang mit der Erinnerung an den Holocaust von Migranten in Deutschland, hier speziell mit türkischem Migrationshintergrund, hin. Körber schreibt: „Bitte auch die beiden verlinkten weiteren Artikel beachten — und die Kommentare der Leser, die zum Teil tiefe Einblicke in die (vorhandenen oder fehlenden) Fähigkeiten von Lesern geben, mit den Konzepten von historischer Identitäten umzugehen.“ Mittlerweile sind es 16 Seiten Kommentare unter dem Artikel.