Ein wiki als interaktives Geschichtsbuch

Wiederum der Verweis auf ein Projekt von Alexander König, das er kurz in seinem Blog vorstellt: absolut lesenswert und spannender Ansatz. Ich bin gespannt auf die Fortführung. Vielleicht ließe sich das wiki auch durch Beiträge von Oberstufenkursen erweitern und ergänzen.

Einen ganz ähnlichen Ansatz verfolgt übrigens das in den kommenden Wochen (der Start wurde leider mehrfach verschoben) startende Projekt classroom4.eu [Seite existiert nicht mehr], das hier im Blog auch schon ausführlicher vorgestellt wurde. Aus einem kultur- bzw. zivilisationsgeschichtlichen Ansatz werden dort Schüler der Sekundarstufe II europaweit ihre regionale Geschichte erforschen und ihre Ergebnisse online publizieren. Sollte das Projekt erfolgreich sein, könnte auch hier in Form eines wikis ein Ansatz für ein interaktives Geschichtsbuch zur europäischen Kulturgeschichte entstehen, das in den kommenden Jahren gepflegt und ausgebaut werden könnte.

Monthy Python’s Flying Circus wird 40!

Am 5. Oktober 1969 um 23 Uhr flimmerte die erste Folge der britischen Kultserie über die Bildschirme im Vereinigten Königreich. Wer die erste und weitere Folgen noch einmal sehen möchte, finden sie auf youtube.

Die BBC hat eine mikrige Geburtstagsseite mit einigen Links und alten Fotos eingerichtet. Mehr zum Jubiläum und zur Geschichte der Truppe findet sich auf der offiziellen Homepage. Dort ist u.a auch ein Artikel von Eric Idle zum ruby jubilee.

Schon ein Stück Zeitgeschichte: Michael Palin arbeitet heute als Reiseschriftsteller, u.a. auch für das britische Fernsehen, und ist gerade Präsident der altehrwürdigen Royal Geographical Society geworden. Mit seiner letzten Äußerung hat er die unter Tony Blair begonnene Debatte über die Darstellung des Britischen Empire im Geschichtsunterricht noch einmal neu belebt.

John Cleese, der Ende des Monats 70 wird,  hat ein Profil auf Facebook und auf Twitter fast 250.000  eingeschriebene Followers. Wer seine tweets lesen möchte: @JohnCleese „indeed still alive, contrary to rumour“ – sehr lebendig – happy birthday!

… and now for something completely different. 😉

PS. Allen, die Britcoms allgemein gern mögen, sei der gleichnamige Blog von Oliver Nagel empfohlen, der hier auch zum Monty-Python-Jubiläum schreibt.

Zum Start von Andrzej Wajdas Katyn

Der Film aus dem Jahr 2007 war letztes Jahr für den Auslands-Oscar nomminiert. Ich habe mir die DVD im vergangenen Winter in Polen gekauft und mich gewundert, warum er nicht in die deutschen Kinos kommt. Jetzt läuft der Film endlich, auch wenn man sich fragen kann, ob das sehr symbolische gewählte Datum zum Filmstart gut gewählt ist. Vor zwei Jahren lief der Film in Polen übrigens am selben Tag an. Ein bedrückender und absolut sehenswerter Film. Ich wünsche dem Film möglichst viele Zuschauer in Deutschland, da er dazu beitragen kann, dieses für die Polen so zentrale Ereignis in Deutschland bekannter zu machen und somit zu einem besseren Verständnis beizutragen.

Plakat Katyn

Wer sich weiter mit dem in Deutschland bislang wenig bekannten Thema auseinandersetzen möchte, dem seien zwei Bücher empfohlen:

1) Victor Zaslavsky, Klassensäuberung. Das Massaker von Katyn, Berlin 2008.

Erschienen letztes Jahr auch in einer Ausgabe der Bundeszentrale für politische Bildung. Die Stärke des Buches liegt in der Darstellung der  versuchten Verschleierung der Verbrechen durch die Sowjetunion und das Bemühen die Erinnerung auf polnischer Seite aufrechzuerhalten.

2) Norman Davies, Rising ’44. The battle of Warsaw, London 2003.

Entgegen des Titels erzählt das Buch nicht nur die Geschichte des Warschauer Aufstandes, sondern spannt einen weiten Bogen zur Geschichte Polens im 2. Weltkrieg und stellt auch treffend die schwierigen Beziehungen Polens zu den anderen europäischen Staaten dar. Vom Kriegsbeginn über Katyn, den Warschauer Aufstand bis zum Überlassen Polens im sowjetischen Einflussbereich lässt sich hier eine lange, Europa grundlegend prägende Entwicklungslinie ziehen. Insofern geht es hier nicht nur um polnische, sondern europäische Geschichte, die dringend in den deutschen Geschichtsunterricht gehört.

Zur weiteren Information: der polnische Filmtrailer mit englischen Untertiteln

sowie einige aktuelle Besprechungen des Films zum heutigen Start in Deutschland:

faz.nettagesspiegelDer WestenWDR5

Von Marcin Wilkowski kam über twitter der Hinweis auf zwei interessante Artikel (auf Englisch) zur aktuellen Debatte über Katyn im polnisch-russischen Verhältnis und die Diskussion um den Begriff Genozids in diesem Zusammenhang.

eTwinning-Seminar Riga

Für Geschichts- und Sozialkundelehrer weiterführender Schulen findet ein eTwinning-Kontaktseminar in Riga/Lettland statt. Das Seminar findet vom 27.11.-29.11. statt und richtet sich an Fachlehrer aus Estland, Lettland, Litauen, und Deutschland. Das Kontaktseminar bietet die Möglichkeit, Partner für eigene Projekte zu finden. Neben Ideenaustausch und Praxisbeispielen steht auch eine Besichtigung der Altstadt von Riga auf dem Programm, das übrigens gestern als europäische Kulturhauptstadt für das Jahr 2014 von der Europäischen Kommission nominiert wurde.

Es stehen 8 Plätze für Sekundarstufenlehrer aus Deutschland zur Verfügung. Anmeldeschluss ist der 26. Oktober.

Weitere Infos und Anmeldung hier.

Update 30.09.: Das Seminar ist ausgebucht.

Globalgeschichtliche Perspektiven im Geschichtsunterricht

Nach Lesen der Beiträge in der neuen Ausgabe von geschichte für heute bin ich etwas ratlos. Einerseits finde ich die Idee einer stärkeren weltgeschichtlichen Verordnung der eigenen Geschichte überzeugend, andererseits sind m.W. die Vorgaben in Lehrplänen und Rahmenrichtlinien von wenigen Schlaglichtern abgesehen immer noch stark auf die nationale Geschichte ausgerichtet. Ich dachte bislang, eine Erweiterung des Unterrichts um eine  systematische Berücksichtigung verschiedener europäischer Perspektiven wäre bereits ein Gewinn. Gleichzeitig finde ich, dass die Geschichte vor Ort, der Stadt und Region, in der die Schüler leben, gleichfalls zu wenig Berücksichtigung findet. Dies scheinen zunächst gegenläufige Wünsche, die mehr Lerninhalte mit sich bringen, was bei gleichzeitig tendenziell sinkender Stundenzahl für das Fach nicht umsetzbar scheint.

Das von Jürgen Osterhammel vorgeschlagene exemplarische Lernen ist schon jetz wesentliche Grundlage des Geschichtsunterrichts. Durch Vergleichs- und Querschnittsverfahren in globalgeschichtlicher Perspektive kommen zwangsläufig neue Inhalte hinzu, zu deren Gunsten anderes wiederum gestrichen werden müsste. Eine einfache Lösung sehe ich nicht.

Trotz der genannten Bedenken glaube ich, dass es wichtig ist, die unterschiedlichen Perspektiven nicht additiv, sondern als sich gegenseitig ergänzend und unabdingbar zum Verständnis und zur Positionierung der eigenen Geschichte zu sehen. Und deshalb gehört dies in den Geschichtsunterricht, um weder in regional-, noch national- oder eurozentrischen Sichtweisen zu verharren, die auf  das bekannte Problem einer inhärenten Überschätzung des Eigenen und damit einhergehend einer Abwertung des Fremden hinauslaufen.

Entscheidend für die Durchsetzung des Konzepts wird sein, ob in absehbarer Zeit entsprechende Handreichungen, Unterrichtsvorschläge und überarbeitete Schulbücher als weiterhin die entscheidenden Leitmedien für die Gestaltung des Geschichtsunterrichts vorlegt werden, denen es gelingt, die unterschiedlichen Ebenen sinnvoll miteinander zu verbinden und das wissenschaftliche Konzept für den Unterricht umzusetzen.  Einige Unterrichtsvorschläge zum Bereich der Wirtschaft finden sich im aktuellen Heft von Geschichte lernen.

Deutsch-polnische Geschichte

Auf den Diskussionbeitrag von Markus Nesselrodt, der gestern pünktlich zum Jahrestag der Schlacht bei Grunwald/Tannenberg (15.7.1410) auf lernen-aus-der-geschichte.de erschienen ist, möchte ich an dieser Stelle kurz hinweisen. Seine Anmerkungen kann ich aus eigener Erfahrung in der deutsch-polnischen Projektarbeit nur unterstützen.

Hinzufügen möchte ich noch den Hinweis auf das Deutsch-Polnische Schulbuchprojekt, das vom GEI koordiniert und von beiden Regierungen zur Zeit unterstützt wird. Geplant ist 2011 ein deutsch-polnisches Schulbuch für den Geschichtsunterricht in der Sekundarstufe I beider Länder herauszugeben.

Dies wird ähnlich wie bei den bereits erschienen Bänden des deutsch-französischen Lehrwerks für die Oberstufe die fachdidaktische  Diskussion über die Bedeutung der Geschichte des Nachbarlandes und einer europäischen Sichtweise im Geschichtsunterricht beleben. Zusätzlich wäre es wünschenswert, wenn die Zusammearbeit und der Vergleich mit unseren Nachbarländern auch zu einem Nachdenken über methodische Ansätze führen würde.

Außerschulische Lernorte: Auschwitz und Krakau

Da ich aber mit Start dieses Blogs meine bisher betriebene Webseite einstelle und es schade fände, wenn diese meines Erachtens hilfreiche Handreichung dadurch nicht mehr zugänglich wären, nutze ich den Blog, um sie erneut online zu stellen.

Es handelt sich dabei um einen Reader, der im Anschluss an eine einwöchige Fortbildung im Frühjahr 2007 in Krakau und Auschwitz entstanden ist. Das Angebot wurde von DPJW und Robert-Bosch-Stiftung gefördert und richtete sich an ehemalige Stipendiaten vor allem aus dem Programm Völkerständigung macht Schule.

Unter dem Thema „Mit Schülern auf den Spuren des Holocausts und jüdisches ebens in Polen“ sollten Referendare und junge Lehrkräften vor Ort die Möglichkeiten für Gedenkstättenfahrten kennen lernen, die neben dem Ort der Vernichtung auch (ehemalige) Orte jüdischen Lebens, wie z.B. Kazimierz, einbeziehen sollten. Dies war uns wichtig, da wir denken, dass Schülern heute nicht bewusst ist, was „jüdisches Leben“ in Europa vor dem 2. Weltkrieg bedeutet hat. Dafür ein Bewusstsein zu schaffen, gehört meines Erachtens zu einem gelungenen Unterricht über den Holocaust dazu.

Resultat der Fortbildung war ein Reader, der hier zum Download angeboten wird und neben allgemeinen Informationen wie Adressen auch Vorschläge zur Vorbereitung und Durchführung einer Fahrt mit Schülern nach Auschwitz urd Krakau enthält. Die Textsammlung darüber hinaus u.a. eine kurze Reflektion zum Filmeinsatz zur Vorbereitung und während des Aufenthalts, Ideen für Stadtrallyes und Auflockerungsspiele.

An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an alle Teilnehmer, ohne die weder die Fortbildung noch der Reader möglich gewesen wären.

Reader Gedenkstättenfahrten.pdf

Teachers wanted

EarthDay

Update (01/10/2009): Relaunch of the website classroom4.eu [does not exist anymore] on October, 10. Democracy & portraiture started.

Nevertheless, we are still looking for teachers and classes to participate in this school year’s classroom4.eu-project:

What is this classroom4.eu-project about?

It’s an internet based project wanting to create a complentary website with (hi)stories from different regions in Europe giving regional perspectives on the big themes treated in the book (see below) and showing the supranational and interregional links in the development of a common European culture.

What is the reason for the project?

A textbook for upper secondary schools about European civilization by the European Academy of Yuste under direction of Abram de Swaan, published in june 2010. For the members of the Academy see also  the  homepage of the Fundación Academia Europea de Yuste in Spain.

What’s innovative about the book?

A very different approach to history, a complete crossover to the national histories we teach until now, restructuring and focussing European history in some artistic and scientific developments, like e.g. democracy, portrait painting, the lens.

How are we going to work?

Interested teachers will work in small groups to pilot the project on different themes. They will use eTwinning for communication and look with their students for relations in their regions to the big themes and investigating, writing and publishing stories on the classroom4.eu-website, maybe in addition also working materials as sources and photos. The language of communication will be English, but students can publish their work in one of six languages of the European Union, e.g. also French, German or Polish. As tool for work and communication we will use a virtual classroom on eTwinning.

How long are we going to work?

The first phase is going to take place from the beginning of the new school year in september 2009 to the publishing of the book in june 2010. Then, we will decide on if and how to continue, hopefully, the project being a success we can turn the website in a long lasting professional tool for history and language teachers from all over Europe. For more information see the homepage of the project.