Einladung: Linksammeln für Geschichtslehrer

Wer hat nicht schon die Erfahrung, dass die von einem Einzelkämpfer gepflegte und oft aufgerufene Linksammlung von einem auf den anderen Tag aus dem Netz verschwunden ist? Wer hat nicht schon versucht, im Kreis der Fachkollegen eine gemeinsame Linksammlung für den Unterricht auf einer Lernplattfom einzurichten, aber es hat sich niemand beteiligt? Die Massen an angebotenen Materialien und Quellensammlungen im Internet ist von einem alleine schon lange nicht mehr zu bewältigen. Aus genau diesen Erfahrungen heraus habe ich bei diigo eine Gruppe für Geschichtslehrer eingerichtet, die im Sinne des social bookmarking den Austausch, die Bewertung, Kommentierung und Verschlagwortung von relevanten Links durch Fachkollegen für den Geschichtsunterricht erlaubt. Über die Schlagworte ist im gegensatz zu linearen Linklisten im Netz auch die Bewältigung einer großen Anzahl von Material- und Quellenverweisen handhabbar. Es würde mich freuen, wenn möglichst viele Kollegen sich beteiligten, so dass wir zu einem regen Austausch und einer nachhaltigen Linksammlung für die Unterrichtsvorbereitung kommen. Nur kurz  ein eigenes Konto auf diigo einrichten, dann auf den „Apply-to-join“-Button der Gruppe klicken, der Zugang wird dann so schnell wie möglich von mir freigeschaltet.

Zu den Funktionen und Vorteilen von diigo siehe auch:

http://nachdruck.wordpress.com/ (2009)

http://www.neunetz.com/ (2007)

Nachtrag (23.09.09): Gerad entdeckt über Twitter (@david_gerlach) www.lehrerwink.de: Die Seite ist gegliedert nach Primar- und Sekundarstufe und unterscheidet entsprechend die Fächer. Sind auch schon einige Links für den Geschichtsunterricht dabei. Riesenproblem: Die Schlagwörter sind nur allgemein aufgeführt und werden nicht spezialisiert, wenn man sich z.B. auf die Unterseiten zum Geschichsunterricht begibt. Man kann zwar per Schlagwort suchen, aber einfacher wäre es natürlich über eine jeweils fachspezifische Auflistung von Schlagwörten auf die Linkempfehlungen zugreifen zu können.

 

Geschi bili 3: Social bookmarking von Geschichtslehrern

Eine Gruppe bei diigo bietet eine Riesenauswahl an englischsprachigen, kommentierten und verschlagworteten Links für den Geschichtsunterricht:

http://groups.diigo.com/groups/history-teachers

Wäre es nicht sinnvoll, eine vergleichbare Gruppe auch für den deutschsprachigen Raum einzurichten? Falls es sowas schon gibt, wäre ich für den Hinweis dankbar. Ansonsten könnten so die verstreuten Linktipps  der  verschiedenen Internetseiten und Blogs zu Geschichte und Geschichtsunterricht stärker vernetzt und nachhaltig für die Unterrichtspraxis nutzbar gemacht werden. An anderer Stelle ist die mangelnde Vernetzung ja noch vor kurzem beklagt worden…

Auf jeden Fall finden sich in der oben verlinkten diigo-Gruppe erstmal jede Menge Surftipps für das (voraussichtlich verregnete) Wochenende. Ab heute ist hier nämlich vorübergehend Pause wegen der Tagung geschichtsdidaktik empirisch 09 in Basel. Bin schon mächtig gespannt 😉

Archivale des Monats: September 1939

Hinter der schlichten Fassade verstecken sich wahre Juwelen: Das Geschichtsportal des Landes Rheinland-Pfalzes bietet in Zusammenarbeit mit dem Landeshauptarchiv Koblenz und dem Landesarchiv Speyer jeden Monat ein in exzellenter Auflösung digitalisiertes und kommentiertes Fundstück aus den Archiven an. Die Dokumente werden zum Download im pdf-Format zur Verfügung gestellt. Bei älteren handschriftlichen Quellen sind auch Transkripte beigefügt.

Die Quellen sind für den Unterricht aufbereitet und können sowohl in einer Vertretungsstunde als auch im regulären Unterricht eingesetzt werden und den regionalen Bezug stärken. Die älteren Fundstücke bleiben alle online, so dass bereits ein kleine Sammlung zu verschiedenen Themen wie den Hexenprozessen, dem Pfälzischen Aufstand von 1849 oder einer Schulspeisung in Koblenz 1949 bereit stehen. Langfristig soll hier eine Datenbank mit für den Unterricht aufbereiteten Quellen zur regionalen Geschichte des heutigen Rheinland-Pfalz entstehen.

Für diesen Monat ist nun ein Werbe-Plakat für die SS vom September 1939 online gestellt worden. Die Unterlagen aus dem Landesarchiv Speyer zeigen das Bemühen, bei Kriegsbeginn Freiwillige für die SS-Verfügungstruppen, – Totenkopfverbände und die Polizei anzuwerben. Interessant sind die ersten Rückmeldungen der Bürgermeister aus dem Bezirk Kusel zu dieser Werbeaktion, die nicht einen einzigen Freiwilligen melden konnten.

Denkmäler Kindertransport

Bekanntlich sieht man nur, was man weiß… und zufällig war ich diesen Sommer sowohl kurz in London als auch in Danzig. Aufmerksam geworden durch einen Artikel aus geschichte lernen vom Mai 2009 über die  „Mahnmale zur Erinnerung an die Kindertransporte“ entdeckte ich mit großer Überraschung, dass vor dem Hauptbahnhof in Danzig eine Kopie des Londoner Denkmales von 2006 steht, das von Frank Meisler, einem gebürtig aus Danzig stammenden Künstler, geschaffen wurde. Erst bei genauem Hinsehen merkte ich, dass es sich gar nicht um eine Kopie handelt. Die Denkmäler sind ähnlich, aber verschieden. Bei dem Danziger Denkmal dreht sich der eine Junge noch einmal winkend um; in London schauen einige Kinder noch unsicher aber zugleich neugierig umher.  Es ist sicher nicht verkehrt  bei dieser ungewöhnlichen Denkmalkombination an die Darstellung von Abschied und Ankunft zu denken.

Das Denkmal in Danzig wurde zum 70. Jahrestag der Kindertransporte, die auch von Danzig nach London führten, im Mai dieses Jahres eingeweiht. Die unten stehenden Fotos können in besserer Auflösung runtergeladen werden und im Unterricht z.B. als Einstieg in das Thema eingesetzt werden. Die Kuriosität eines ähnlichen Denkmals an zwei so unterschiedlichen und weit entfernten Orten kann Interesse wecken. Wie bei zwei „Fehlerbildern“ lädt es ein, die beiden Darstellungen genau zu betrachten und miteinander zu vergleichen.

Die Mimik und Gestik der Kinder lassen sich deuten; Hoffnungen, Befürchtungen antizipieren. Offenkundig sind keine Erwachsenen dabei, warum gehen Kinder alleine auf die Reise? Was bedeutet das für sie? Welche Gegenstände haben sie dabei, was könnte noch in den Koffer sein? Mit diesen Fragen lassen sich die Fotos auch im Unterricht mit jüngeren Kindern, z.B. in der Grundschule, einsetzen (siehe dazu auch Vorschläge zu einer altersgerechten Konzeption im pädagogischen Konzept von Yad Vashem, S. 32ff.). Je nach Klassenstufe kann das Thema anschließend durch geeignete Materialien oder  eigene Recherchen weiter bearbeitet werden.

Bewertung Präsentationen

Basierend auf dem Vorschlag von Wolfgang Mattes (in: Methoden für den Unterricht, Paderborn 2002, S. 51) habe ich im vergangenen Schuljahr mit einem überarbeiteten Beurteilungsbogen für Präsentationen gearbeitet, der stärker Aspekte (multi)medialer Präsentationen berücksichtigt. Der Bogen ist als Diskussionsvorschlag gedacht und muss dem eigenen Unterricht jeweils angepasst werden, bzw. es ist zu klären, was z.B. unter „korrekter“ Quellenangabe zu verstehen ist. Sicher bietet der Entwurf noch nicht die perfekte Lösung, aber die ersten Erfahrungen waren gut. Daher möchte ich ihn hier zur Diskussion stellen; für Anregungen und Verbesserungsvorschläge bin ich jederzeit dankbar.

Noch einige Hinweise zum Einsatz des Bogens: Es ist auf jeden Fall hilfreich, den Schülern den Bogen vor der Erarbeitung der Vorträge zu geben, damit die Bewertungskriterien von Anfang an klar sind. Wenn ausreichend Zeit ist, bietet es sich an, statt den Bogen vorzugeben, mit der Schülergruppe gemeinsam Kriterien zur Bewertung zu erarbeiten und dementsprechend einen die erarbeiteten Ergebnisse berücksichtigenden Bogen zu erstellen. Gut sind auch meine Erfahrungen, die Schüler mit Hilfe des Bogens um eine Bewertung des Vortrags ihrer Mitschüler zu bitten. Auf diese Weise  entsteht in den Gruppen zunehmend ein Gefühl für Stärken und Schwächen von Präsentationen und in der Regel steigert sich durch dieses Verfahren die Qualität der Vorträge im Laufe der Reihe.

Letztendlich kann ein solcher Bogen immer nur eine Orientierungshilfe sein. Die Entscheidung über die Note bleibt natürlich bei der Lehrkraft, wobei sich gezeigt hat, dass sehr große Diskrepanzen selten vorkommen und die Bewertungen recht nah beieinander liegen. Dasselbe gilt auch für das Ganze: In dem Bewertungsbogen haben die Inhalte zugunsten der Präsentation nur noch relativ wenig Anteil an der Gesamtnote. Da es einfacher geworden ist, Informationen, wenn nicht gleich ganze Ausarbeitungen zu allen gängigen Themen des Geschichtsunterrichts zu finden, finde ich dies gerechtfertigt. Sollte dennoch einmal die inhaltliche Aufbereitung insgesamt mangelhaft sein, sollte das auch deutlich zum Ausdruck gebracht werden.

Außerschulische Lernorte: Auschwitz und Krakau

Da ich aber mit Start dieses Blogs meine bisher betriebene Webseite einstelle und es schade fände, wenn diese meines Erachtens hilfreiche Handreichung dadurch nicht mehr zugänglich wären, nutze ich den Blog, um sie erneut online zu stellen.

Es handelt sich dabei um einen Reader, der im Anschluss an eine einwöchige Fortbildung im Frühjahr 2007 in Krakau und Auschwitz entstanden ist. Das Angebot wurde von DPJW und Robert-Bosch-Stiftung gefördert und richtete sich an ehemalige Stipendiaten vor allem aus dem Programm Völkerständigung macht Schule.

Unter dem Thema „Mit Schülern auf den Spuren des Holocausts und jüdisches ebens in Polen“ sollten Referendare und junge Lehrkräften vor Ort die Möglichkeiten für Gedenkstättenfahrten kennen lernen, die neben dem Ort der Vernichtung auch (ehemalige) Orte jüdischen Lebens, wie z.B. Kazimierz, einbeziehen sollten. Dies war uns wichtig, da wir denken, dass Schülern heute nicht bewusst ist, was „jüdisches Leben“ in Europa vor dem 2. Weltkrieg bedeutet hat. Dafür ein Bewusstsein zu schaffen, gehört meines Erachtens zu einem gelungenen Unterricht über den Holocaust dazu.

Resultat der Fortbildung war ein Reader, der hier zum Download angeboten wird und neben allgemeinen Informationen wie Adressen auch Vorschläge zur Vorbereitung und Durchführung einer Fahrt mit Schülern nach Auschwitz urd Krakau enthält. Die Textsammlung darüber hinaus u.a. eine kurze Reflektion zum Filmeinsatz zur Vorbereitung und während des Aufenthalts, Ideen für Stadtrallyes und Auflockerungsspiele.

An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an alle Teilnehmer, ohne die weder die Fortbildung noch der Reader möglich gewesen wären.

Reader Gedenkstättenfahrten.pdf