Aufruf zur Mitarbeit: Studie zum Einsatz historischer Spielfilme im Geschichtsunterricht

Historische Spielfilme erfreuten sich schon vor Jahrzehnten großer Beliebtheit und auch in den letzten Jahren strömten Millionen Zuschauer in die Kinos, um „Der Untergang“, „Das Leben der Anderen“, „Inglourious Basterds“ oder „Die Päpstin“ zu sehen.

Angesichts der großen alltagsgeschichtlichen Bedeutung dieses Mediums möchte ich im Rahmen meiner Masterarbeit mithilfe einer Online-Befragung den Einsatz historischer Spielfilme im Geschichtsunterricht untersuchen.

Hierzu suche ich möglichst viele Teilnehmer – meine Befragung richtet sich an alle Geschichtslehrkräfte der allgemeinbildenden Schulen ab Klasse 5. Ihre Meinung und Ihre Erfahrungen sind gefragt! Was denken Sie generell über historische Spielfilme? Wie bewerten Sie das geschichtsdidaktische Potenzial und inwiefern haben Sie historische Spielfilme bislang in Ihrem Unterricht eingesetzt?

Beantworten Sie diese und einige weitere Fragen und unterstützen Sie damit meine Studie! Das Ausfüllen des Online-Fragebogens ist anonym und nimmt ca. 10 Minuten in Anspruch.

Unter folgendem Link können Sie bis zum 11.07.2010 an meiner Forschung teilnehmen: 

https://www.soscisurvey.de/SpielfilmeGU

Vielen Dank im Voraus für Ihre Unterstützung!

Britta Wehen

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Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg
Institut für Geschichte
Abteilung für Didaktik der Geschichte
Wissenschaftliche Betreuung durch Prof. Dietmar von Reeken und Dr. Berit Pleitner
E-Mail:       Historische-Spielfilme@gmx.de

Helden?

Das Foto zeigt einen Gedenkstein am Ortseingang des Koblenzer Stadtteils Arzheim und eignet sich z. B. für einen Unterrichtseinstieg mit regionalgeschichtlichem Bezug, der zu allgemeinen Fragen und Erkenntnissen über den Umgang mit Nationalsozialismus, 2. Weltkrieg und der Rolle der Wehrmacht führen kann… auch in Anlehnung an das Thema des letzten Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten.

Hinweis: Der nächste Wettbewerb startet übrigens mit neuem Thema am 01.09.2010! Wer auch immer dann als Bundespräsident oder -präsidentin die Patenschaft übernehmen wird…

Koblenz unterirdisch

Impressionen von zwei Führungen in Koblenz „unter Tage“: aus dem Deinhards Kellermuseum und dem Höhlenbunker in Ehrenbreitstein.

Fortschrittsdenken und Geschichtsunterricht

Dass Schülerinnen und Schüler mehrheitlich mit dem Konzept von Fortschritt an die Gegenstände historischen Lernens herangehen ist mittlerweile vielfach empirisch belegt. Geschichte präsentiert sich Schülern als Erfolgsgeschichte des immer Schnelleren, Weiteren, Besseren. Viel zu wenig Beachtung hat m.E. in diesem Zusammenhang bisher die Rolle der Geschichtscurricula und -bücher bei der Konstruktion oder zumindest Unterstützung dieses Konzeptes gefunden.

Um kurz zu rekapitulieren: Was bedeutet das unterschwellig vorhandene Fortschrittskonzept für historisches Lernen? Für Schüler heißt es oft: Abstand zur Vergangenheit, i.S. von „die“ konnten das „damals“ noch nicht wissen, „wir“ sind da heute viel „weiter“. Daraus kann sich dann ein Überlegenheitsgefühl der Gegenwart gegenüber der Vergangenheit ableitenn. Gerade dieses verhindert aber historisches Lernen.

Ein Blick auf typische (so schwierig und pauschal das jetzt auch sein mag) Themen und deren Abfolge im Geschichtsunterricht zeigt aber eben eine Auswahl erfolgreicher Entwicklungen: vom Absolutismus zur Demokratie (englische, us-amerikanische und französische Revolution), vom Ackerpflug zum Computer (bäuerliches Leben und Handwerk in Mittelalter und Früher Neuzeit über Manufakturen zu Liberalismus und Industrialisierung ) ebenso wie bei Philosophie und Religion (Mittelalter – Renaissance / Humanismus – Aufklärung). Nuancen, Brüche und Gegenentwicklungen verschwinden dabei weitgehend: Die meisten Schüler verstehen das Besondere des Absolutismus nicht, weil sie keine Ahnung von Herrschaft und Mitbestimmungsrechten seit dem Mittelalter haben (siehe auch das aktuelle Heft von Geschichte lernen).

Es gibt wenige Stelle, wo „Scheitern“ im Geschichtsunterricht ausdrücklich thematisiert wird: die Revolution von 1848/49, die aber als Bezugpspunkt für die Demokratieentwicklung noch positiv umgedeutet wird, im schlimmsten Fall behalten die Schüler, dass die Zeit noch nicht „reif“ war (ähnliches gilt für die Französische Revolution); und  ohne Einschränkung das Scheitern der Weimarer Republik, das wiederum von Schülern und Lehrkräften meiner Erfahrung nach als eines der spannendsten Themen angesehen wird. Und das eben nicht nur, weil hier eine „Urfrage“ der Beschäftigung mit Geschichte heute thematisiert wird („Wie war Hitler möglich?“).

Gerade in der Thematisierung von gescheiterten Entwicklungs- und Reformversuchen liegt m.E. eine enormes, bisher kaum berücksichtigtes didaktisches Potential, weil hier aufgezeigt werden kann, dass der Gang der Geschichte eben nicht nur, wie die Auswahl von Geschichte für den Geschichtsunterricht oft suggeriert, Fort- sondern auch Rückschritte und Rückschläge beinhaltet. Außerdem lassen sich an solchen Gegenständen auch sehr gut  Fragen nach Relevanz und Auswahl historischer Themen für den Unterricht stellen. Gerade wenn man exemplarisch das Scheitern an einem Gegenstand herausgreift, der nicht im Geschichtsbuch steht, lassen sich solche Fragen  mit Schülern gewinnbringend diskutieren. Die oft beklagte Stofffülle und die geringe Stundenzahl stehen dem nicht im Wege, wenn man das Prinzip der Exemplarität wirklich ernst nimmt.

Drei mögliche Themen, um das „Scheitern“ im Geschichtsunterricht beispielhaft zu thematisieren, sind z.B.

1) Die Friedensbewegung vor dem 1. Weltkrieg. Jeder Lehrer kennt das vermutlich aus dem Unterricht, dass Schüler meinen heute wäre der Kriegsausbruch wäre so nicht mehr möglich. Warum steht denn viel über die „Kriegsbegeisterung“ in den Geschichtsbüchern, aber nichts über die Friedensdemonstrationen, die 1913/1914 Hunderttausende in ganz Europa auf die Straßen brachten? Nur, weil sie nicht erfolgreich waren? Die Thematisierung dieser Bewegung kann uns ein Stück unserer gegenwärtigen Überheblichkeit nehmen.

2) Die korsische Revolution von 1755: Unter Pasquale Paoli gibt sich Korsika die erste geschriebene demokratische Verfassung der Neuzeit, lange vor den USA, Polen oder Frankreich und erklärt sich zugleich von Genua unabhängig. Die Genusesen überlassen die Insel Frankreich, das mit seinen überlegenen Truppen 1769 die korsische Demokratie und Unabhängigkeit blutig beendet. Die französischen Revolutionäre schließlich bestätigen 1789/90 die Annexion Korsikas, die bekanntlich bis heute Bestand hat

3) Dasselbe gilt für die polnische Verfassung und Reform von 1791. Gerade im Vergleich mit Frankreich und den USA können hier tiefere Einsichten gewonnen werden, weswegen „Scheitern“ als Gegenkonzept zu „Fortschritt“ einen Platz in Geschichtsdidaktik  und -unterricht erhalten sollte.

eTwinning im Geschichtsunterricht

Die Präsentation gibt einen Überblick zu den Einsatzmöglichkeiten der europäischen Lernplattform eTwinning im Geschichtsunterricht. M.E. können durch den Einsatz von eTwinning besonders die fachdidaktischen Prinzipien der Multiperspektivität und eine authentische Kontroversität im Unterricht gefördert und unterstützt werden.

Virtuelles Reenactement mit Twitter im Geschichtsunterricht

Hier die Präsentation vom gestrigen Vortrag auf der iMedia in Mainz. Die Präsentation stellt  ein mögliches Unterrichtsmodell vor, wie sich Twitter methodisch sinnvoll in den Geschichtsunterricht einbinden lässt. Anregungen und Kritik sind herzlich willkommen.

Die verwendeten Quellen zu dem in der Präsentation genannten „Stehgreif-Spiel“ zum 2-plus-4-Vertrag finden sich hier zum Download. Im Unterricht würde ich dies allerdings eher als Podiumsdiskussion ohne Twitter organisieren, da sich der technisch vergleichsweise aufwändige Einsatz von Twitter für eine Unterrichtsstunde alleine m.E. nicht lohnt.

Aktuelle Spielfilme über den Nationalsozialismus

Unter dem Titel „Populärkultur und Geschichtsvermittlung“ hat das Institut für angewandte Medienbildung und Filmvermittlung in Wien, filmABC, ein Filmheft als didaktische und methodische Handreichung für den Unterricht herausgegeben. Das Heft lässt sich hier als pdf herunterladen. Besprochen werden u.a. Inglorious Basterds, Defiance und Operation Walküre. Hervorzuheben ist die hilfreiche Link- und Literaturliste am Ende.

Europa & EU in Schule & Unterricht

Die am Blog-Wettbewerb teilnehmenden Schülerinnen und Schüler haben zum Europa-Tag Anfang des Monats das Thema aufgegriffen. Wie und wo erleben sie Europa? Die Einschätzungen der Schüler in ihren Blogeinträgen sind ernüchternd für die Behandlung des Themas „Europa“ in Schule und Unterricht. Hier exemplarisch Auszüge aus einem Beitrag:

„In der Schule, im Sozikurs wird Europa laufend extrem gehypt (warum auch immer…). Und natürlich der Euro. Ansonsten? Nö. […] Die einzige Sache die mir auffällt ist das die EU in der Schule immer bis zum Himmel gelobt wird (in der 9. und 10. Klasse und jetzt auch im Sozi-LK), was komplett kontrovers zur öffentlichen Meinung über die EU in Deutschland ist.“

Rollenspiel 2-plus-4-Vertrag

Nach Markus Bernhardt (Das Spiel im Geschichtsunterricht, ²2010, S. 95ff.) handelt es sich eigentlich i.e.S. nicht um ein Rollenspiel. Ich verwende den Begriff hier der Einfachheit halber trotzdem. Die zum Download bereit gestellten Quellenausschnitte bieten einen Überblick über die grundsätzlichen Positionen der sechs Hauptakteure (Kohl, Modrow, Bush sen., Thatcher, Mitterand, Gorbatschow) für die Verhandlungen zum 2-plus-4-Vertrag als internationale Grundlage für die deutsche Wiedervereinigung.

Mögliches methodisches Vorgehen: Die Schüler erarbeiten in Kleingruppen die Position ihres jeweiligen Landes und schicken dann einen Vertreter zu einer Podiumsdiskussion. So werden die grundlegenden Standpunkte der 2-plus-4-Länder (BRD, DDR, USA, Großbritannien, Frankreich,  UdSSR) kennengelernt. Die in der Podiumsdiskussion vertretenene Standpunkt sowie eventuelle Ergebnisse der Diskussion können im Anschluss mit Auszügen aus dem Vertragstext, der sich in den meisten Geschichtsschulbüchern findet, verglichen werden.