Arbeiten mit Google Maps

Alexander König weist in einem neuen Blogbeitrag auf Erfahrungsberichte aus England zur Arbeit mit Google Maps im Geschichtsunterricht hin. Es gibt zwar kleinere Ähnlichkeiten mit hier im Blog bereits vorgestellten Unterrichtsideen, aber der Ansatz ist doch ein anderer und lohnt den Blick über den Ärmelkanel für alle, die bereits mit Google Maps im Unterricht gearbeitet haben oder das einmal ausprobieren möchten.

„Was-ist-passiert?“-Geschichten

Wer diese Art von Rätselgeschichten (auch Laterale) nicht kennt, findet auf spielewiki.de eine verständliche Erklärung und ein paar Beispiele. Methodisch bietet dieses Spiel eine schöne Alternative für den Unterrichtseinstieg, wobei die Geschichten dazu noch selbst verfasst werden müssen. Vorteile sind: Hohe Aktivierung der Lernenden, die mitdenken, selbst Fragen an den Gegenstand formulieren und dadurch interessiert und motiviert werden (falls der Einstieg denn klappt! ;))

Im Kern geht es darum, dass in Form eines Rätsels eine kurze Geschichte erzählt wird und die Teilnehmer dann mit geschlossenen Fragen erkunden müssen, was passiert ist. Einsetzen lässt sich die Methode als Einstieg in allen Schulformen und jedem Alter. Die Schwierigkeit der Geschichten, die immer schon Hinweise für die Lösung beinhalten, kann entsprechend variiert werden.

Ich habe das Verfahren bisher einmal im Unterricht ausprobiert. Basierend auf der Erzählung des Luthervereins zu Luthers „Entführung“ auf dem Rückweg vom Wormser Reichstag habe ich daraus eine verkürzte Rätselgeschichte (PDF) vefasst. Im Unterricht hat das Verfahren bei den Lernenden Interesse geweckt, allerdings war zwei Schülern die Geschichte bereits bekannt, so dass sie mit gezielten Fragen das Spiel schnell zu einem Ende geführt haben…

Der erste Einsatzersuch ist also ein wenig „gefloppt“, was immer wieder vorkommen kann, für den Verlauf des Unterrichts aber nicht weiter schlimm ist, da die Inhalte vermittelt werden, wenn auch mit etwas weniger Spiel- und Rätselspaß. Zu empfehlen ist es auf jeden Fall gleichfalls spannende Ereignisse mit kriminalistischem Charakterr (Entführungen, Mordfälle etc.) zu nehmen, die aber weniger bekannt sein sollten als die Ermordung Caesars oder eben die Entführung Luthers.

Denkbar ist es natürlich genauso, wenn ungleich anspruchsvoller, dass Schülerinnen und Schüler selbst historische Ereignisse recherchieren und dann selbst Rätselgeschichten verfassen.

Hinweis auf zwei Seiten zum Holocaust

Beide Seiten habe ich letzte Woche „entdeckt“ und die in der letzten Woche als Links schon die Runde in den sozialen Netzwerken gemacht haben. Die Links finden sich auch in der Diigo-Gruppe und daher zur Zeit auch noch aktuell hier oben rechts in der Spalte neben dem Text.

Versteckt wie Anne Frank  ist eine Seite, die auf dem Buch Andere achterhuizen beruht und auf einer Karte Verstecke anderer Juden und ihre Fluchtwege in den Niederlanden zeigt. Mit Klick auf die einzelnen Punkten erhält man dann Erzählungen und weitere Informationen zu den 23 dort dokumentierten Geschichten. Über eine Liste der versteckten Personen ist auch ein alphabetischer Zugang über deren Namen möglich.

Die Chronik des Gettos Lodz/Litzmannstadt präsentiert Dokumente aus dem letzten Jahr des Bestehens des Ghettos. Kern der Seite bildet die Chronik, die in transkribierten Tagesberichten der jüdischen Ghetto-Verwaltung von August 1943 bis Juli 1944 einen Einblick in den Alltag des Ghettos bietet. Ergänzt werden die Tagesberichte durch gut verständliche Informationen zur Entstehung der Chronik, den Chronisten und dem Ghetto. Außerdem bietet die Seite noch eine Fotosammlung sowie einige der Tagesberichte als Audiopodcast.

Beide Seiten eignen sich hervorragend zum Einsatz im Unterricht, vor allem zur eigenständigen Arbeit der Lernenden.

Gedanken zum Konzept des „flipped classroom“

Engl. to flip sth. – etw. umdrehen. Es geht also um eine Art „umgedrehten Unterricht“. Klingt interessant. Aber was ist das?

Aufmerksam geworden auf das Konzept bin ich durch Beiträge von Christian Spannagel auf  Twitter und dann in einem längeren Beitrag auch in seinem Blog (mit weiterführenden Literaturangaben). Mittlerweile gibt es auch einen einführenden Beitrag im ZUM-Wiki mit weiterführenden Links. Auch auf Google+ gab es eine kurze Diskussion dazu (mein erster Eindruck bestätigt da übrigens andere Urteile, dass im Vergleich mit anderen sozialen Netzwerken und auch den Kommentaren in Blogs auf Google+ mehr und intensiver diskutiert wird).

Von der Einleitung im ZUM-Wiki, die auf Mathematik und Naturwissenschaften abhebt, fühle ich mich als Geschichtslehrer leider gleich etwas ausgegrenzt und diskriminiert, dabei geht es eigentlich um ein Konzept, das alle Fächer betrifft und sicher auch bereits Anwendung findet, ohne entsprechend benannt zu werden.

Im Kern geht es darum, Informationsrezeption aus dem Unterricht in die Vorbereitung zu lagern, um dann im Unterricht Zeit für Aktitiväten zu gewinnen, die die Vorteile der gemeinsamen Anwesenheit  oder der Ausstattung nutzen, wie z.B. Diskussionen, Rollenspiele, Experimente.

Vor- und Nachteile des Ansatzes sind im ZUM-Wiki schön auf gelistet. „Revolutionär“ scheint mir das Konzept vor allem für Schulen/Länder mit fortgeführter Tradition frontaler Belehrung im Unterricht. So dann auch für die Vorlesungen an deutschen Universitäten. Der Informationsinput wird  im „flipped“ oder „inverted classroom“ nach Hause verlagert und die Arbeitsaufträge, die bisher vor allem als Hausaufgaben  vergeben wurden, im Unterricht bearbeitet werden.

Nach Lesen der Beiträge ist mir aufgefallen, dass ich dieses „Konzept“ vor allem in der Oberstufe oft einsetze, um die Unterrichtszeit besser zu nutzen, da das Lesen von Texten zuhause erledigt werden kann, der Meinungsaustausch darüber aber am besten in Präsenz geschieht. Mit Hilfe der digitalen Medien bietet sich weitere Möglichkeiten an: So können vorhandene oder von der Lehrkraft selbst erstellte Audio-Podcasts  oder Filme individuell gehört bzw. angeschaut werden. Besonders die selbst erstellten Materialien werden in dem Ansatz fokussiert, die (Lehrer-) Vorträge im Unterricht ersetzen. Hier können dann auch webbasierte Lernplattformen sehr gut eingesetzt werden.  Dementsprechend gibt es eine gewisse Schnittmenge mit den Konzepten des Blended Learning.

Für den Geschichtsunterricht meine ich mich zu erinnern, einmal gelesen zu haben, dass Untersuchungen (von von Borries?) gezeigt hätten, dass in den Unterrichtsstunden sehr viel Zeit für das gemeinsame (oft laute, fachdidaktisch unreflektierte) Lesen von Texten verwendet wird. (Eigene Beobachtungen bestätigen das.)

Wenn es nicht gezielt, um das Lernen und Einüben von Methoden der Texterschließung und -bearbeitung oder speziell beim lauten Lesen um spezielle Textsorten wie z.B. Reden, von denen keine Tonaufnahmen vorliegen, geht, sollte meines Erachtens öfters der Input in die individuelle Arbeit außerhalb der Unterrichtstunden verlagert werden. Vorausetzung ist sicher die gute methodische Schulung der Lernenden in der eigenständigen Erschließung von Texten und audiovisuellen Medien. Im Unterricht kann dann nach Klärung möglicher Verständnisschwierigkeiten zu Beginn der Stunde (idealerweise durch die Mitschüler) mit den Informationen aus den Texten/Filmen gearbeitet und so die gemeinsame Unterrichtszeit effektiver genutzt werden.

Was erwarten Siebtklässler vom Geschichtsunterricht?

In Rheinland-Pfalz beginnt der Geschichtsunterricht erst mit der Klasse 7. Die Schülerinnen und Schüler sind also ca. 13 Jahre alt. Was erwarten sie von dem für sie neuen Fach?

Das habe ich mal meine neue 7. Klasse gefragt. In einer Think-Pair-Share Aktivität haben sie in mehreren Gruppen Top Ten-Listen ihrer Wünsche und Erwartungen an den Geschichtsunterricht formuliert. Die Ergebnisse finde ich durchaus spannend:

10. Musik während der Stillarbeit – Spannender Unterricht – Filme und Ausflüge – Keine Hausausaufgaben

9. Wenige, nicht streng bewertete Tests – antike Kriege – DDR – Steinzeit

8. Spiele zum Thema – Ägypten – Mittelalter – Versunkene Städte

7. Wenig Hausaufgaben – Neandertaler – Steinzeit – Abwechslungsreicher Unterricht

6. Projekte – Die alten Griechen – Erfindungen – Griechische Götter

5. Ausflüge zum Thema – Gruppenarbeit – Rom – Ägypten

4. Themen verständlich & ausführlich durchnehmen – Ausflug ins Museum – Hitler – Alte Völker

3. Filme zum Thema – 1. und 2. Weltkrieg – Ägypten – Museumsbesuch

2. Viel Gruppen- & Partnerarbeit – Leben der Römer – Götter – Gruppenarbeit

1. Spannender & abwechslungsreicher Unterricht – Götter – Krieg – Weltkriege

Spontan sind mir mehrere Sachen aufgefallen:

– den hohen Stellenwert, den die Schülergruppen der gemeinsamen Arbeit und der methodischen Abwechslung zusprechen;

– die häufige Nennung außerschulischer Lernorte;

– das breite Interesse an Themen des Anfangsunterrichts (Steinzeit, Hochkulturen, Antike);

– überraschend finde ich das Interesse am Thema Krieg (Es waren keine reinen Jungengruppen. Die Jungs waren in mindestens einer der beiden Gruppe n sogar in der Minderheit).

Enttäuscht werden muss, und das bedauere ich sehr, das, wie ich finde, nachvollziehbare und berechtigte  (Wo, wenn nicht im Geschichtsunterricht?) Interesse der Kinder an Themen der Zeitgeschichte (Nationalsozialismus, Weltkriege, DDR), die bei einem Lehrplan, der sich nur an einem chronologischen Durchgang orientiert, erst in vier Jahren in der 10. Klasse im Schulbuch und Unterricht vorkommen.

Evaluationsbogen zum Geschichts- und Sozialkundeunterricht

In Berlin werden zu diesem Schuljahr verpflichtende Rückmeldungen zu Lehrer und Unterricht durch die Lernenden eingeführt (siehe auch den Bericht in der Berliner Zeitung). Die Schülerinnen und Schüler sollen die Fragebögen am Computer im Unterricht ausfüllen. Die Rückmeldungen sind anonym verschlüsselt, werden elektronisch ausgewertet und nur der Lehrkraft zur Verfügung gestellt. Die Bögen sowie das Portal zur schulischen Selbstevaluation sind vom Institut für Schulqualität der Länder Berlin und Brandenburg entwickelt worden.

An anderer Stelle hatte ich ja schon mal darauf hingewiesen, wie hilfreich und sinnvoll Schülerrückmeldungen in meiner eigenen Unterrichtspraxis sind, insofern finde ich das Projekt und die damit verbundene Unterstützungsleistung für die einzelne Lehrkraft sehr begrüßenswert, zumal die Daten der Rückmeldungen beim Lehrenden zur Verbesserung seines Unterrichts bleiben.

Neben allgemein Kriterien/Fragebögen zum Unterricht sind auch fachspezifische Raster entwickelt worden. Wer sich den Bogen für Geschichte/Politik/Sozialkunde mal anschauen möchte, kann diesen hier als PDF-Dokument herunterladen.

Es ist überaus interessant ist, was hier unter „gutem“ Geschichtsunterricht verstanden und welche Kriterien dafür zugrunde gelegt werden. Für den Geschichtsunterricht unterteilt sich der Bogen in die Bereiche: Förderung der 1) „Deutungs- und Analysekompetenz“, 2) „historischer Methodenkompetenz“ sowie 3) der „Urteils- und Orientierungskompetenz“. Vieles ist sicher einleuchtend und unstrittig, z.B. da wo einzelne Items auf etablierte Kategorien der Geschichtsdidaktik wie Multiperspektivität oder Kontroverstität rekurrieren. Anders ist das sowohl in der diffusen Anlehnung an strittige Kompetenzmodelle sowie in den einzelnen Punkten einigermaßen diskutier- und streitbar…

Ist z.B. das (häufige) Durchführen von Zeitzeugen- und Expertengesprächen ein Qualitätsmerkmal von Geschichtsunterricht? Wie realistisch ist das angesichts der wenigen Unterrichtsstunden des Fachs? Methodisch lässt sich vieles auch an schriftlichen oder videografierten Zeitzeugenberichten einüben, das wird aber nicht abgefragt… Bei einzelnen Items fällt auch mir schwer zu verstehen, was hier wohl gemeint sein könnte, so z.B. unter 2.10 „Wir können das Thema der Stunde oft gemeinsam mit unserer Lehrerin, unserem Lehrer oder selbst finden“ oder unter 3.3 „Im Unterricht diskutieren wir die historische Veränderung von Moral und Wertvorstellungen.“ Das Bemühen um einfache Formulierungen ist zu erkennen, ich könnte mir aber vorstellen, dass da doch der ein oder andere jüngere Schüler der Sekundarstufe schlicht mit überfordert sein dürfte…

Es ist natürlich immer vergleichsweise einfach zu kritisieren. Es selbst besser zu machen, wäre die wirkliche Herausforderung. Deshalb sei es noch einmal deutlich gesagt:  Ich finde es gut, solche Bögen zu erarbeiten und vor allem diese so einfach für alle zur Verfügung zu stellen, auch wenn im Detail das ein oder andere vielleicht überdacht werden sollte. Als Orientierung und Vorlage für eigene Rückmeldebögen ist das Angebot unzweifelhaft eine Hilfe für Geschichts- und Sozialkundelehrkräfte auch außerhalb von Berlin und Brandenburg.

Mich würde ja noch interessieren, weil das aus dem Evaluationsportal des ISQ nicht hervorgeht, wer auf welcher Grundlage den Bogen ausgearbeitet hat? Und ob sich Geschichtsdidaktiker oder der Geschichtslehrerverband an der Erstellung beteiligt haben bzw. was diese dazu sagen? Immerhin werden hier auf Landesebene relativ mutig Qualitätskriterien für den Fachunterricht formuliert, deren theoretische und/oder empirische Fundierung und Genese zumindest im Umfeld der Veröffentlichung auf den Seiten des Instituts nicht expliziert werden.

Back to school

Rheinland-Pfalz ist seit gestern zurück in der Schule. Die Ferien über habe ich im Blog nichts geschrieben, aber mangels Sommer trotzdem viel vor dem Computer gesessen. Für alle die, nicht auf Twitter oder neuerdings auf Google Plus sind, folgt hier eine kleine Zusammenfassung der Fundstücke der letzten Wochen. Vielleicht ist für den ein oder die andere etwas Interessantes oder Hilfreiches dabei.

Viele werden es kennen, ich kannte es noch nicht. Ein Disney-Propagandavideo von 1942 „The Fuehrer’s Face“, ursprünglich geplanter Titel „Donald Duck in Nutzi Land“. Der Film wurde 1942 mit dem Oscar für den besten Animationsfilm ausgezeichnet:

Das Video ist auch für den Einsatz im Unterricht interessant als alternativer Einstieg ins Thema Nationalsozialismus, Fremdwahrnehmung Deutschlands und (alliierte) Propaganda. Recht umfangreiche einführende Informationen bietet der Wikipedia-Artikel, wobei es interessant ist, sowohl den deutschen als auch den englischen zu lesen und miteinander zu vergleichen.

Am 13. August 2011 jährt sich der Berliner Mauerbau zum 50. Mal. Der Jahrestag wird zu einem regelrechten Medienereignis hochgepuscht, so dass man weder im Printbereich, noch im Radio oder Fernsehen den Sonderbeiträgen entgehen kann. Auch viele Schulen werden den Jahrestag zum Anlass nehmen für die Organisation von kleinen Sonderausstellungen oder Zeitzeugengesprächen.

Wer das Thema im Unterricht aufgreifen möchte, der findet eine kleine Linksammlung zu Materialien auf meiner Fachberaterseite zusammengestellt. Auf drei Projekte möchte ich hier auch noch getrennt hinweisen: auf die kostenlose App für das iPhone zur Berliner Mauer, die im Auftrag von BpB in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Zeithistorische Forschung sowie dem Deutschlandradio erstellt wurde; auf den Twitter- und Facebookauftritt des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen. Auf Twitter werden noch bis zum 13.09. täglich kurze Nachrichten „eine Zeitreise vom 13.07. bis 13.09.’61 basierend auf Berichten der Staatssicherheit aus dem Archiv des BStU ergänzt durch andere Quellen“ bieten. Auf Facebook sammelt und verlinkt die Stasi-Unterlagen-Behörde aktuelle Presseberichte rund um das Thema Mauerbau und Stasi. Beide Angebote können auch ohne eigene Anmeldung auf Twitter oder Facebook genutzt werden.

Zum Thema Fotomanipulation in der Geschichte habe ich in den Ferien eine hervorragende englischsprachige Seite entdeckt. Die Seite Fourandsix. Photo Tampering Throughout History präsentiert veränderte Fotos von 1860 bis heute in mit kurzen Erklärungen. Ein tolle Fundgrube für das Thema im Unterricht und eine wichtige Linkergänzung zur auf lehrer-online veröffentlichten Unterrichtseinheit.

Weitere Fundstücke aus den Ferien folgen….

2 Jahre Blog Medien im Geschichtsunterricht

Das ist im Vergleich zu vielen der anderen (Geschichts-) Blogs ein zartes Alter, soll aber für mich trotzdem Anlass sein, zum einen allen Lesern an dieser Stelle Danke zu sagen und zum anderen um ein wenig Bilanz zu ziehen. Seit dem ersten Post am 12. Juli 2009 sind hier im Blog

  • 299 Artikel und zu diesen
  • 266 Kommentare und Pingbacks erschienen.

Das heißt dies hier ist zugleich der 300. Beitrag in diesem Blog! 😉

Die am meisten aufgerufenen Beiträge sind:

  1. Unterrichtseinheit Karl der Große – Teil 1 (erschienen am 22.03.2010)
  2. Unterrichtseinheit Karl der Große – Teil 2 (12.04.2010)
  3. Ist die Erde rund? Über den Wandel des Weltbildes  (07.01.2010)
  4. Bismarcks Bündnissystem (28.04.2010)
  5. Denkmäler Kindertransport (17.08.2009)

Angesichts der Auswahl liege ich vermutlich nicht ganz verkehrt, wenn ich vermute, dass die meisten Leser, die hier auf den Blog stoßen, Geschichtslehrkräfte auf der Suche nach Unterrichtsmaterialien sind.

Auf Platz 6 der am meisten angeklickten Beiträge folgt die Seite „Publikationen“. Daraus lässt sich schließen, dass viele weiterhin das erste Mal auf den Blog kommen. Die Seite „Publikationen“ dient dabei interessanterweise noch mehr als das „Impressum“, das erst auf Platz 9 folgt, offensichtlich als Indikator für die Seriösität des Blogs.

Damit verabschiede ich mich auch erstmal in die Sommerferien. Auf dem Blog wird die nächsten Wochen nix passieren. Neue Beiträge folgen dann wieder ab Mitte/Ende August. Ich wünsche allen Lesern einen schönen Sommer und allen Kollegen erholsame Ferien!

 

Jahreszahlen, Textarbeit und Relevanz – Lasst die Schüler selbst denken!

Das Auswendiglernen von Jahreszahlen ist vermutlich das erste, was den meisten Menschen zum Stichwort Geschichtsunterricht einfällt. Das entspricht in der Regel nicht mehr der Wirklichkeit des Geschichtsunterrichts. Das Problem der Jahreszahlen bleibt.

Einerseits entwickelt sich der Geschichtsunterricht zu einem Denkfach, Auswendiglernen ist daher etwas verpönt, andererseits ganz ohne Jahreszahlen geht es auch nicht, außerdem lassen sie sich rein pragmatisch auch hervorragend prüfen und benoten.

Jeder Lehrer hat da so sein eigenes „Rezept“: Einige lassen Listen zu Beginn, andere am Ende einer Unterrichtseinheit lernen. Wiederum andere schreiben die „wichtigen“ Daten aus dem Unterricht an einen der beiden Tafelflügel. Ich muss zugeben, ich habe vieles ausprobiert, aber kein Rezept.

In der fachdidaktischen Literatur liest man zunehmend die Metapher von der Grammatik des Geschichtsunterrichts. Ich denke, dieses Bild kann sehr hilfreich sein, was dem Geschichtsunterricht fehlt ist im Vergleich mit den Fremdsprachen die regelmäßig Wiederholung und Festigung. Jahreszahlen wären dann innerhalb dieses Konzepts so etwas wie ein Teilbereiches des Wortschatz, mentale Konzepte wie Revolution, Fortschritt, Zeit oder Wandel.

Ebenso sehr wie das Lernen von „Jahreszahlen“ ähnlich wie das von Vokabeln wenig beliebt ist, ist auch die mittelfristige Behaltensquote in der Regel nicht besonders, es reicht gerade bis zum nächsten Test. In den Fremdsprachen setzt man dagegen auf stärkere Vernetzung: Wortfeldarbeit, ganze Sätze etc. Was machen wir in Geschichte?

Warum die Zahlen oder die mit ihnen verbundenen Ereignisse irgendwie wichtig sind, erschließt sich den Schülern nicht immer. Es ist also auch ein Frage mangelnder (persönlicher) Relevanz. Ganz in dem Sinne: Wir müssen das lernen, aber was hat das mit mir zu tun?

Von Schülern wird Geschichtsunterricht oft als ausgesprochen langweilig empfunden. Besonders dann, wenn er vor allem darin besteht, längere Texte (seien es nun Quellen oder Darstellungen) zu lesen und dazu Fragen zu beantworten, die wenig Motivationspotential besitzen und oft auf reine Infomationsentnahme abzielen.

Daraus resultiert übrigens auch ein Problem, dass die Schüler, soweit ich das beobachtet habe, bei der Nutzung von z.B. der Wikipedia habe. Gerade die Wikipedia ist in vielen historischen und biographischen Artikel in höchstem Maße detailverliebt. Als Historiker ist mir klar, was davon relevant ist für meine Frage und was nicht. Schüler stehen vor einem Berg von Informationen, die alle gleich wichtig scheinen. Deshalb eignen sich die Artikel der Wikipedia auch kaum zum Einstieg in ein unbekanntes Themenfeld, weil für die Bewältigung der Informationen Vorkenntnisse nötig sind. Das Vortragen von endlosen Details durch die Schüler, mehr oder weniger wortwörtlich aus der Wikipedia, ist dann quasi ihre Art der Kapitulation. Aber im Ernst: Wie sollten sie das besser machen? Wo lernen Schüler im Geschichtsunterricht, Relevanz zu beurteilen? Relevant ist das, was im Buch steht, was der Lehrer sagt und was im Test abgefragt wird. Erziehung zu mündigen Bürgern (klingt ganz schön altbacken, ist mir dennoch wichtig) sieht anders aus.

Eine methodische Abwechslung für den Unterricht könnte in einer Verbindung von Text- und Jahreszahlenarbeit liegen, in dem die Schüler selbst die Relevanz der Daten und Ereignisse diskutieren und damit für sich verständlich bedeutsam machen.

Voraussetzung ist, dass das Schulbuch nicht schon am Anfang oder Ende eines Kapitels eine Jahreszahlenübersicht bietet. Sonst heißt die logische Schülerbegründung: Weil das da in der Liste steht. Völlig verständlich, aber nicht sehr hilfreich.

Relevanz von Jahreszahlen und Ereigenissen lassen sich auch in der Auseinandersetzung der Schüler mit einem Darstellungstext ermitteln. Das ist eine alternative Methode der Textarbeit statt banale Fragen zu stellen. Aufgabe der Schüler ist es den Text einzeln zu lesen und anschließend in Kleingruppen je nach Länge und Inhalt des Textes 3/5/7 Daten bzw. Ereignisse zu benennen, die ihnen im Zusammenhang des Themas essentiell erscheinen und ihre Auswahl zu begründen. In der Diskussion der Ergebnisse der einzelnen Gruppen ergibt sich dann eine gemeinsame begründete Liste von Jahreszahlen, die von den Schülern als relevant erkannten Ereignissen. Und keine Angst: Es wird dort nichts Exotisches oder aus Augen des Historikes Irrelevantes stehen. Der Unterschied zu vorgegebenen Zahlenstrahlen oder Zeitleisten ist, dass die Schüler verstanden haben, warum diese Daten wichtig sind und das auch selbst begründen können, sie also für sie Sinn machen.

Durch die Auswahl und Diskussion erfahren die Ereignisse zudem eine Verknüpfung und zugleich wird das Textverständnis gesichert. Vor allem entwickeln die Schüler Kriterien für die Relevanz von Informationen und werden insgesamt souveräner im Umgang mit Texten. Es ist eine wichtige Erkenntnis, dass nicht alles in einem Text wichtig ist, dass Vorwissen nötig ist, um diese Entscheidung zu treffen und jeweils abhängig von der eigenen Fragestellung.

Es bleibt dann jedem selbst überlassen, inwieweit die so bestimmten Jahreszahlen direkt oder in einem längeren Zeitraum gelernt werden müssen und abgeprüft werden. Und natürlich gilt: Würde ich jede Stunde so aufbauen, würden die Methode schnell ihren Reiz verlieren… im Wechsel zwischen Routinen und ausreichend Abwechslung liegt die Würze des Unterrichts.

Zeitzeugenbüro

Zur SED-Diktatur und deutschen Teilungsgeschichte von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Die Initiative ist heute zwei Jahre alt. Ich kannte sie noch nicht. Für Rheinland-Pfalz gibt es zwei Zeitzeugen, die man in die Schule einladen kann. (Hier sei auch noch einmal auf die rheinland-pfälzische Koordinierungsstelle für Zeitzeugengespräche im Unterricht hingewiesen.) Darüber hinaus finden sich auf den Seiten des Zeitzeugenbüros auch Unterrichtsmaterialien zum Thema.