Aufruf zur Mitarbeit: Wikipedia-Guide für den Geschichtsunterricht

Peter Haber hat schnell und sehr konstruktiv auf die hier formulierte Kritik hinsichtlich der Praxistauglichkeit der von ihm formulierten Regeln für den Schulunterricht reagiert und eine Seite im Histnet-Wiki eingerichtet:

„Wir haben dann beschlossen, in unserem Wiki einen «Wikipedia-Guide für den Unterricht» zu erstellen. Jede/r ist herzlich eingeladen, mitzuwirken, sei es mit Textarbeit, Links oder Kommentaren. Hier geht es zur entsprechenden Seite.“

Dem kann ich mir nur anschließen. Erste Ideen sind bereits eingestellt. Manuel Altenkirch weist in seinem Blog zu Recht darauf hin, dass es bereits einige Ansätze zum Thema „Wikipedia im Unterricht“ gibt, von den er viele auch auf einer Scoop.it-Seite zusammengestellt hat. Vielleicht gelingt es ja, in gemeinsamer Arbeit fachspezifische Hilfestellungen für historisches Lernen und Arbeiten mit der Wikipedia zu erstellen.

Neue Beiträge zur Wikipedia

In der ersten Ausgabe der Zeitschrift für digitale Geschichtswissenschaften findet sich auch ein Beitrag zur Wikipedia. Ziko van Dijk, Vorsitzender des Fördervereins Wikimedia Nederland, schreibt unter dem Titel „Die Vermählung von Klio und Isidor“ über das Verhältnis von „Geschichte“ und zur „Freie[n] Enzyklopädie Wikipedia“. Der Beitrag enthält eigentlich nichts Neues. Van Dijk bietet einen Überblick zur Entstehung und den Prinzipien der „Online-Enzyklopädie“, den Forschungsstand mit den verschiedenen Positionen zur Wikipedia sowie als Wikipedianer auch einen kleinen Einblick ins Innenleben des Projekts.

Einige Tage vorher hatte bereits Peter Haber „die unkorrigierte und fussnotenlose Fassung“ seines Artikels in das Histnet-Blog gestellt, der in Geschichte in Wissenschaft und Unterricht („Wikipedia“ 5/6 2012, S. 261-270) erschienen ist. Von Seiten der wissenschaftlichen Betrachtung der Wikipedia fasst der Titel bereits den Tenor des Beitrags zusammen: „Wikipedia. Ein Web 2.0-Projekt, das eine Enzyklopädie sein möchte„.

Aus der Sicht eines Schulpraktikers scheinen besonders die „vier simplen Regeln für die Nutzung der Wikipedia“ am Ende des Beitrags interessant. Haber nennt im Text „Schule und Universität“ immer in einem Atemzug. Er schreibt, dass unter Beachtung der von ihm postulierten Regeln, „sich Wikipedia auch im Unterricht sinnvoll nutzen“ lässt. Damit bezieht er sich vermutlich auf den schulischen „Unterricht“, denkt diesen aber auf jeden Fall mit. Es ist keinesfalls ausschließlich die Universität gemeint.

Wie sehen nun seine Regelvorschläge zur Nutzung aus?

1) Zum einen sollte es Pflicht sein, bei jeder Verwendung eines Wikipedia-Eintrages die entsprechende Diskussionsseite zu konsultieren. Bereits beim ersten Querlesen lässt sich die Struktur und die Intensität der Debatten einschätzen.

2) Die zweite Regel besagt, dass mit der gleichen Aufmerksamkeit die Versionsgeschichte durchgeschaut werden sollte: Was wurde in welcher Häufigkeit geändert? Mit welchen Themen beschäftigen sich die Hauptautoren sonst noch in der Wikipedia (die werden jeweils automatisch verlinkt), was geben die Autoren von sich preis?

Die Informationen aus den Diskussionsseiten und Versionsgeschichten ergeben unter Umständen ein recht präzises Bild darüber, wo die Problemzonen des Textes sind und wie breit abgestützt die verwendeten Informationen sind.

3) Hier knüpft auch die dritte Regel an: Was lässt sich aus den Zusatzinformationen unter „Siehe auch“, „Literatur“, „Weblinks“ und „Anmerkungen“ herauslesen? Unter dem Stichwort „Siehe auch“ werden weitere Wikipedia-Einträge verlinkt, die zum vorliegenden Text einen Bezug haben. Damit lassen sich sehr schnell Themenaspekte identifizieren, die anderswo abgehandelt werden. Die Literaturliste zeigt, ob Fachliteratur oder nur allgemeine Sachbücher verwendet wurden, das gleiche gilt für die Weblinks. […]

4) Als vierten Punkt kann man – nicht zuletzt aufgrund der Ergebnisse der Wiener Untersuchung – empfehlen, den entsprechenden Eintrag in möglichst viele Sprachversionen nachzulesen.

Die Sinnhaftigkeit der Vorschläge erschließt sich jedem, der sich ein wenig mit der Wikipedia beschäftigt. Die Praktikabiltät im Hinblick auf das Zielfeld Schule scheint mir jedoch äußerst zweifelhaft. Ich unterricht an einem Gymnasium und nehme diese Erfahrungsfeld als Hintergrund meiner Einschätzung.

zu 1) Das kann ich mir durchaus vorstellen. Einfacher und schneller leistet hier jedoch eine Hilfsseite wie Wikibu eine erste Orientierung, die zugleich mehr (vor allem quantitative) Kriterien erfasst. Für Schüler, vor allem der unteren Stufen, scheint  mir das der bessere Einstieg. der zudem auch die Konstruktionsprinzipien der Artikel graphisch gut übersichtlich offenlegt.

zu 2) Das mag für einen Wissenschaftler zu leisten sein. Exemplarisch kann das Autorenpinzip der Wikipedia so einmal deutlich machen. Für den Arbeitsalltag ist die Regel nicht praktikabel. Bei einem Artikel mit mehr als 3 Autoren kostet das viel zu viel Zeit für die Nutzung eines Nachschlagwerks. Diese Regel macht die Nutzung nicht mehr sinnvoll, sondern beim Versuch der Einhaltung unmöglich.

zu 3) Beim besten Willen selbst die meisten Schüler der Oberstufe im Leistungskursbereich können das nicht erfassen. Wie soll ein Schüler beurteilen, ob hier Fachliteratur oder Sachbücher referiert werden? Schulisches Arbeiten in der Oberstufe soll wissenschaftspropädeutisch sein. Wenn hier herangeführt wird an das Prinzip, dass Aussagen belegt werden müssen, dass Literaturangaben und Fußnoten grundlegend sind für wissenschaftliches Arbeiten sind und Hinweise auf die Qualität einer Arbeit erlauben, ist viel erreicht. Und das bezieht sich auf die gymnasiale Oberstufe. Wie sieht es bei jüngeren Schülern, wie in anderen Schulformen aus? Für wen sollten diese „simplen“ Regeln eine Hilfe sein?

zu 4) Hier gilt das bereits Gesagte. Dafür fehlen den meisten Schülern schlicht die Sprachkenntnisse. Ist in der Oberstufe vermutlich eine relativ problemfreie Rezeption des englischsprachigen Artikels möglich, gibt es vielleicht noch andere solide Sprachkenntnisse von Zuhause, so ist das keine Regeln die allgemein für alle Alterstufen und Schulformen hilfreich wäre. Womit sich hingegen sehr gut arbeiten lässt, auch schon in der Mittelstufe, ist mit dem Titeln der Artikel bzw. den sprachlich unterschiedlichen Bezeichnungen für ein Ereignis (z.B. Hitler Putsch vs. Beer hall putsch), aber das ist an sich nichts Neues, sondern ein Verfahren, das im bilingualen Geschichtsunterricht schon lange fest verankert ist.

Abschließend schreibt Haber zu Recht:

„Alle diese Regeln beanspruchen Zeit, verhindern aber dadurch einen achtlosen Umgang mit Informationen, die sich durch eine sehr prekäre Qualität und durch wenig Stabilität auszeichnen. Wikipedia ist Teil unserer modernen Wissensgesellschaft geworden und hat dazu beigetragen, die Unterschiede zwischen Information und Wissen zu vernebeln. Schule und Universität sind weder berufen noch in der Lage, dies zu ändern. Ihre Aufgabe ist es vielmehr, den auszubildenden Schülern und Studierenden Hilfsmittel auf den Weg zu geben, um mit diesen Herausforderungen besser umgehen zu können. Wikipedia ist ein wertvolles Instrument, das aber eine reflektierte Nutzung voraussetzt.“

Ja, der Umgang mit der Wikipedia muss gelernt werden. Ich sehe das auch als Aufgabe von Schule. Das braucht auch Zeit. Aber in den von Haber formulierten „Regeln“ finde ich für die Praxis keine Hilfe. Aus der eigenen Unterrichtspraxis her scheinen sie mir vielmehr – zumindest für den Bereich Schule – einigermaßen weltfremd.

Hinzu kommt, dass Haber die Artikel immer als Ganzes in den Blick nimmt. Das ist aber nur die Produzentenseite. Die Nutzung und Rezeption der Artikel ist vermutlich (?) bisher weniger erforscht (Gibt es in dem Bereich noch etwas außer den grundlegenden Beiträgen von Jan Hodel?). Diese kann aber sehr unterschiedlich sein.

So nutzen auch viele Schüler die Wikipedia nicht „achtlos“, sondern sehr gezielt z.B. zum Nachschlagen einzelner Namen, Daten oder auch für die fremdsprachliche Übersetzung von Fachbegriffen. Für diese Art der Nutzung ist der beschriebene Aufwand völlig unangebracht, weil unökonomisch. Dass sich dabei Fehler einschleichen können, ist möglich. Das ist aber auch bei gedruckten Lexika so.

Als Lehrkraft Schüler apodiktisch feste Regeln für die Nutzung zu diktieren, scheint mir kontraproduktiv. Man riskiert damit, in diesem Punkt nicht ernst genommen zu werden, da Schüler sehr wohl unterschiedliche Formen der Nutzung unterscheiden, Arbeitsaufwand und Resultat in der Regel sehr genau gegeneinander abwägen.

Vielmehr ist für eine (notwendige) Sensibilisierung und reflektierte Nutzung das gemeinsame Erarbeiten von Regeln wesentlich zielführender. Der hierbei investierte zeitliche Aufwand lohnt sich dann in der Tat.

Zum Medienbegriff der Geschichtsdidaktik

Der Ausgangspunkt war der Versuch eine Arbeitsdefinition von „digitaler Geschichtsdidaktik“ zu wagen. Herausgekommen ist allerdings mehr: Im Lauf der Arbeit haben wir uns intensiv und auch grundlegend mit dem Medienbegriff der Geschichtsdidaktik auseinandergesetzt.

In der gemeinsamen Arbeit mit Alexander König und Thomas Spahn ist dabei ein Beitrag entstanden, der nun endlich auch online zugänglich ist. Zentraler Punkt des Artikels ist die Verhältnisbestimmung von Medien zum Lernenden im Prozess des historischen Lernens.

Der Beitrag erscheitnt in der ersten Ausgabe der neuen Zeitschrift für digitale Geschichtswissenschaften. Die Zeitschrift ist ein Projekt des Netzwerks digitale Geschichtswissenschaften. Die Beiträge werden sowohl online als auch in einer Printfassung verfügbar sein.

Offizieller Start der Zeitschrift ist kommenden Dienstag, der 18. September. Damit soll dann auch das Open Peer Review Verfahren starten. Die Beiträge der ersten Ausgabe sind bereits jetzt als PDFs einsehbar und beschäftigen sich u.a. mit der Wikipedia, Internetdaten als historischer Quelle, computergestützter qualitativer Inhaltsanalyse und Barrierefreiheit virtueller Museen.

Die Entstehungszeit unseres Beitrag reicht nun fast ein ganzes Jahr zurück. Daher kann ich sagen, dass mir der entwickelte Ansatz in den letzten Monaten bereits hilfreich bei der Unterrichtsplanung war. (Glücklicherweise bin ich nicht zu einem umgekehrten Schluss gekommen ;)) Es würde mich freuen, dass auch andere davon profitieren werden.

Wir freuen uns auf eine angeregende Diskussion der Thesen und hoffen der sich belebenden fachdidaktischen Debatte über die Arbeit mit digitalen Medien im Geschichtsunterricht (siehe auch den CfP zur Tagung im Mai in Salzburg) mit dem vorliegenden Beitrag einen Impuls geben zu können.

Historisches Lernen als Detektivspiel

Die Arbeit des Historikers ist schon oft mit der des Detektivs verglichen worden. Für den Unterricht nutzbar gemacht wurde das bislang kaum. Zu sehr orientiert sich seit der Hinwendung zur Quellenorientierung der Geschichtsunterricht an der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit vor allem schriftlichen Texten.

Zur Zeit stark vor allem im Bereich der Mediendidaktik sehr en vogue ist die Idee des Game Based Learning (GBL), vereinfacht gesagt, geht es darum, durch Spaß am und im Spiel gezielte Lernprozesse anzuregen und zu unterstützen. Darin steckt meines Erachtens noch eine Menge bisher wenig beachtetes Potential für die Motivation im Geschichtsunterricht.

Hier möchte ich einen kleinen Vorschlag machen, wie man so die Idee spielerischer Detektivarbeit in jüngeren Klassen für historisches Lernen im Geschichtsunterricht nutzen kann. Inhaltlich steht im Mittelpunkt die Ermordnung des Tiberius Gracchus, ein Mordfall bei dem die Schüler im Gegensatz zu anderen berühmten, wie z.B. dem Caesars, in der Regel die Hintergründe nicht kennen. Das ist eine wichtige Voraussetzung für die Umsetzung. Im Gegensatz zu Christoph Kühberger sehe ich übrigens durchaus einen relevanten Gegenwartsbezug für die Behandlung der Reformen der Gracchen im Unterricht.

Die Schüler erhalten Rollenkarten mit der Aufgabe als Detektiv. Sie können auch kleine Teams bilden. Dazu gibt es sechs Rollen mit Vertretern verschiedener sozialer Schichten und Interessensgruppen aus dem alten Rom. Diese Personen müssen die Detektive befragen und aus ihren Erzählungen müssen sie versuchen, den Mordfall zu lösen. Wichtig ist, dass nicht nur nach dem oder den Mördern, sondern immer auch nach den Motiven gesucht wird. Das ist für das historische Lernen in diesem Zusammenhang entscheidend.

Die Hypothesen der Detektivgruppen können im Plenum vorgestellt und diskutiert werden. Je nach Zeitansatz und Lerngruppe lässt sich das Thema vertiefen, in dem die eigene Detektivarbeit reflektiert und eventuell mit einem Darstellungstext, z.B. aus dem Schulbuch, verglichen wird.

Die Texte finden sich hier als DOC-Datei zum Download. Sie können also modifiziert und dem eigenen Unterricht und der Lerngruppe angepasst werden.

Bei der Durchführung der Unterrichtsstunde hatte ich mit vier Schülern im Vorfeld die Übernahme der „Zeugen“-Rollen abgesprochen. Das war allerdings nicht ideal. Eine Alternative könnten virtuelle Avatare darstellen, die den Text sprechen. Vorteil ist, dass hier keine Rollenwechsel stattfinden (die Avatare werden ja nicht als Mitschüler angesprochen) und dass die Detektive individuell einzelne Texte so oft anhören können, wie nötigt und auch gezielt einzelne Passagen noch einmal abrufen können (an Computerstationen oder ihren eigenen mobilen Geräten mit Kopfhörern).

Wie so ein sprechender Avatar aussehen kann, lässt sich hier sehen. Die Figuren können per Link oder Einbettung in eine Lernplattform, ein Blog oder als QR-Code für die Schüler zur Verfügung gestellt werden. Allerdings gibt es noch ein Problem: Die Sprachwahl und -ausgabe bei Voki ist ziemlich gut. Das Progamm lässt sich auch ohne Anmeldung benutzen und stellt dauerhafte Links zu den erstellten Avataren bereit.

Doch die nicht sehr umfangreichen Texte der sechs Charaktere sind für Voki bereits zu lang und können nicht komplett eingegeben werden. Zudem ist die Auswahl an Avataren ist sehr begrenzt und für historische Themen kaum geeignet. Andere Programme wiederum ermöglichen das Hochladen von eigenen Bildern, die in beweglichen und sprechende Avatare konvertiert werden können, hier ist dann aber meines Wissens bislang keine Umsetzung in eine deutsche Sprachausgabe möglich.

Wenn jemand eine entsprechende Online-Anwendung oder App kennt, bitte ich um Hinweis: Dann ließen sich z.B. römische Büsten oder andere historische Abbildungen von Personen mit verschiedenen Stimmen zum Sprechen bringen und das wäre eine sehr spannende und motivierende Abwechslung für das Geschichtsunterricht!

Statt mit dem Kühlschrank durch Irland…

… mit einem Riesenfußball durch Deutschland – und das im Jahr 1932! Eine absolut unglaubliche Geschichte. Eine gute Zusammenfassung mit einigen Bildern der Reise findet sich auf einestages.de.

Das Tagebuch der Reise ist in Auszügen bereits auf der Internetseite „Ballonauten“ aufbereitet zusammen mit Fotos und weiteren Informationen, die einen etwas ungewöhnlichen Zugang zum Alltag in Deutschland in den Jahren 1932/33 bieten.

Ideen für den Geschichtswettbewerb 2012/13

Anbei ein paar Ideen mit ersten Links zur regionalen Geschichte des heutigen Rheinland-Pfalz (im unten verlinkten Spiegelartikel: „Rüben- und Rebenland“). Die  Themenvorschläge resultieren im Wesentlichen auf den Präsentationen und dem Austausch auf der Auftaktveranstaltung zum Geschichtswettbewerb heute im Landeshauptarchiv in Koblenz:

Auswanderung in andere Regionen (z.B. Ruhrgebiet) oder in andere Länder (z.B. USA): Nachbarn, die auswandern und Briefe schreiben aus neuer Heimat:
http://www.auswanderung-rlp.de/

Zusammenleben von Juden und Christen:

http://www.landeshauptarchiv.de/index.php?id=379

http://www.landeshauptarchiv.de/index.php?id=505

Informationen zum jüdischen Friedhof in Koblenz: http://www.alemannia-judaica.de/koblenz_friedhof.htm

Zusammenleben von Katholiken und Protestanten:

Simultankirchen, hier Kaub:

http://www.regionalgeschichte.net/mittelrhein/kaub/kulturdenkmaeler/st-trinitatisst-nikolaus.html

Freiheit und Toleranz – Das Neuwieder Stadtrechtsprivileg:

http://www.politische-bildung-rlp.de/fileadmin/download_neu/blaetterzumland/Blatt_Neuwied.pdf

Streitfall: Planung (unerwünschter?) Einrichtungen in der Nachbarschaft:
Streit um das AKW in Mülheim-Kärlich

http://www.klimaretter.info/energie/hintergrund/8202-muelheim-kaerlich-kohls-akw-auf-dem-vulkan

NS-Zeit: Bespitzelung und Denunziation in der Nachbarschaft, Kontakte mit Zwangsarbeitern
http://mahnmal-koblenz.de/index.php/informationen/113-informationen/468-rede-hennig-trier

Besatzungszeiten im 18./19. Jhd., nach 1. und 2. Weltkrieg: Zusammenleben mit Besatzungssoldaten

Der 24. Oktober 1794. Einzug französischer Truppen in Koblenz: http://www.landeshauptarchiv.de/index.php?id=367

LVR Rheinland: Aufbruch in die Moderne – Die Franzosenzeit (1789-1814):

http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/epochen/epochen/Seiten/1794bis1815.aspx

Koblenzer „Schängel“

„Der Begriff Schängel stammt aus der 20-jährigen Zugehörigkeit (1794–1814) der Stadt Koblenz zu Frankreich. Gemeint waren damit ursprünglich die von den Franzosen abstammenden Kinder deutscher Mütter. […] Anfangs galt dies als Schimpfwort, etwa vergleichbar dem deutschen Bankert (Synonym für ein uneheliches Kind). Heute jedoch wird Schängel als Ehrenname verstanden, und jeder in Koblenz Geborene darf für sich in Anspruch nehmen, ein Schängel zu sein.“

aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%A4ngel

Nachbar Amerika: Amerikaner in Rheinland-Pfalz:

http://www.politische-bildung-rlp.de/fileadmin/download_neu/blaetterzumland/Blatt_US_in_RLP.pdf

Der 5. Februar 1952. Das „Veronikaproblem“ in Rheinland-Pfalz:

http://www.landeshauptarchiv.de/index.php?id=323

Kommunalreformen in RLP in 1970er Jahren – massive Proteste in der Bevölkerung
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-44906662.html

Eingemeindungen heutiger Stadtteile, z.B. in Koblenz (1937: Ehrenbreitstein, Horchheim, Metternich, Pfaffendorf; 1970: Arenberg, Arzheim, Güls, Immendorf, Lay), z.B. „Einem freiwilligen Zusammenschluss mit der Stadt Koblenz stimmte die Gemeinde Arzheim nicht zu.“
http://www.arzheim-koblenz.de/geschichte-von-arzheim/

Nachbarschaft auf dem Dorf: Dörfliche Allmende, Organisation der Dreifelderwirtschaft, Streit um Nutzung von Wald, Weide und Wasser

Was ist eine Allmende? http://de.wikipedia.org/wiki/Allmende

Welche Rolle spielte Nachbarschaft bei der Dreifelderwirtschaft? Text des Geschichtsvereins Melsungen/Hessen:

http://www.geschichtsverein-melsungen.de/index.php?option=com_content&task=view&id=28&Itemid=44

Dörfliche Rituale und Rivalitäten, z.B. Maibaumsetzen
http://www.volksfreund.de/nachrichten/region/trier/Heute-in-der-Trierer-Zeitung-Mai-Auftakt-Angriff-mit-Kettensaege-und-Attacke-auf-Polizisten;art754,3142757

http://www.didactics.eu/fileadmin/pdf/Druckversion_hpb3.pdf

Hexenverfolgungen als Nachbarschaftskonflikte
http://www.historicum.net/themen/hexenforschung/lexikon/alphabethisch/h-o/art/Hintere_Grafsch/html/artikel/1629/ca/a5b4d107a9/

http://www.hexenprozesse-kurmainz.de/geographie/nachbarterritorien/maas-mosel.html#c74370

Aufnahme von Flüchtlingen und Vertriebenen nach dem 2. Weltkrieg
http://www.landeshauptarchiv.de/index.php?id=485

Vertraute Fremde. Nachbarn in der Geschichte – Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten

Der Geschichtswettbewerb startet heute. Das Thema ist mit „Nachbarn“ weit gewählt und zumindest mir fallen da nicht direkt Ansatzpunkte für Schülerrecherchen ein. Wem das auch so geht, dem stellt die Körber-Stiftung umfangreiche Materialien zur Information und für den Unterricht bereit.

Für das Heft zur Wettbewerbsausschreibung hat Saskia Handro den Basis-Artikel verfasst, der sich hier auch als PDF runterladen lässt. In ihrem Überblick wird bereits deutlich was für vielfältige und spannende Umsetzungsmöglichkeit die Themenwahl des diesjährigen Wettbewerbs bietet.

Neben der Beschreibung des Themas und der Aufgabenstellung finden sich auf den Seiten der Körber-Stiftung auch eine Reihe von Vorschlägen für Einführungsstunden in das Wettbewerbsthema, die sich im Unterricht einsetzen lassen und zugleich einige Ideen für eine Konkretisierung des Thema und die eigene Recherche bieten.

Darüber hinaus haben einige Archive und Museen auch Projektideen gesammelt und online gestellt. Die Körber-Stiftung hat diese gesammelt und auf ihrer Seite verlinkt. Sehr hilfreich und anregend. Danke!

“Historisches Lernen goes mobile” – Überlegungen zu einer Didaktik mobilen Geschichtslernen – Teil 1

Gemeinsamer Beitrag von Alexander König und Daniel Bernsen

Am letzten Freitag kam in Hübingen der erste Think Tank zum Mobilen Lernen in der historischen Bildung auf Anregung der Bundeszentrale für politische Bildung und medien+bildung.com zusammen. 16 Leute mit unterschiedlichen Backgrounds (Programmierer, Schüler, Lehrer, Medienpädagogen etc.) diskutierten drei Tage in konstruktiver und produktiver Atmosphäre Einsatzszenarien historischen Lernens vor Ort unter Einbeziehung mobiler Endgeräten wie Tablets oder Smartphones. Einige dieser Gedanken und Thesen zu Mobilem Geschichtslernen wollen wir mit diesem Beitrag kurz vorstellen und in die Diskussion um eine digitale Geschichtsdidaktik einbringen.

Mobiles Geschichtslernen: Versuch einer Begriffsbestimmung

Die UNESCO hat die weltweite Entwicklung von Mobilem Lernen zu einem ihrer prioritären Ziele im Bildungsbereich erklärt. Sie definiert Mobiles Lernen dabei wie folgt:

“Mobile learning involves the use of mobile technology, either alone or in combination with other information and communication technology (ICT), to enable learning anytime and anywhere. Learning can unfold in a variety of ways: people can use mobile devices to access educational resources, connect with others, and create content, both inside and outside classrooms.” (PDF)

Mobiles Lernen meint also gemeinhin das ortsungebundene Lernen mit tragbaren digitalen Endgeräten. Für historisches Lernen mit digitalen Endgeräten sehen wir dabei drei unterschiedliche Einsatzszenarien:

  • Digitale Endgeräte ermöglichen zeit- und ortsungebundenes historisches Lernen durch das Anschauen von Video, Hören von Podcasts, Lesen von Texten etc. überall und an jedem Ort.
  • Lernprozesse an Lernorten wie Museum oder im Klassenraum werden durch die Nutzung digitale Endgeräte unterstützt bzw. angereichert
  • Digitale Endgeräte dienen als multifunktionale Werkzeuge und mobile Bibliothek beim entdeckenden Lernen an historischen Orten. Letzteres wird hier in der Folge als Mobiles Geschichtslernen bezeichnet.

In der mehrteiligen Beitragsserie, parallel in den Blogs “Brennpunkt Geschichte” und “Medien im Geschichtsunterricht” veröffentlicht wird, fokussieren wir dieses Mobile Geschichtslernen im Sinne einer Überwindung der “Grenzen des Klassenraums”, also historisches Lernen in Bewegung.

Mobiles Lernen entkoppelt historisches Lernen von der Raumgebundenheit von Lernumgebungen wie Klassenzimmer, Bibliotheken, Museen oder Gedenkstätten und macht prinzipiell jeden (historischen) Ort zu einem potentiellen Ort für historisches Lernen. Mobiles Geschichtslernen ist zugleich ortsunabhängig (durch die Nutzung tragbarer Geräte) und ortsgebunden (wenn das Lernen an historischen Orten in der Welt stattfindet). Es ist insofern orts(un-)gebunden.

Lernende bewegen sich durch Kulturlandschaften mit der Absicht an konkreten Orten (location based) eventuell auch spielerisch (game based) dem Gewordensein von Straßen, Plätzen, Bauwerken, Denkmälern usw. nachzuspüren. Lernende suchen, entdecken und dokumentieren mit Hilfe digitaler Medien in der sie umgebenden Lebenswelt Spuren der Vergangenheit.

Historische Lerngelegenheiten entstehen dabei erst durch den Einsatz tragbarer digitaler und multifunktionaler Endgeräte, da sie Möglichkeiten der Orientierung, Fokussierung, Sensibilisierung, Enthüllung, Recherche, Informationsverarbeitung und Archivierung bieten. So können Wandel und Kontinuität entdeckt, Fragen generiert, historische Identitäten über den Zeitverlauf hinweg untersucht und Narrationen erstellt werden.

Differenzieren im Unterricht mit digitalen Medien

Binnendifferenzierung war eines der Zauberworte in meinem Referendariat, das schon ein paar Jahre zurückliegt. Unsere Ausbilder sagten, wir sollten das machen. Gezeigt, wie das funktionieren könnte, hat uns keiner. Es hatte wohl etwas mit viel Material selbst herstellen, anschaffen und viele Kopien machen zu tun. So etwas konnte ich im Ausnahmefall auch bei einzelnen Kollegen an meiner Schule beobachten, wenn sie z.B. mal ein Stationenlernen angeboten haben. Ein gangbarer Weg für abwechslungsreichen Unterricht, im Sinne von nicht jedes Jahr auf dieselben einmal vorbereiteten Materialien zurückgreifen zu wollen, schien mir das bei einer vollen Stelle an der Schule nicht.

Die Arbeit mit digitalen Medien vereinfacht die Differenzierung auf mehreren Ebenen und damit die Berücksichtigung von Heterogenität. Im Rückblick auf die letzten Jahre würde ich sagen, dass durch die zunehmende Nutzung digitaler Medien verschiedene Formen der Binnendifferenzierung nach und nach in meinen Unterricht Einzug gehalten haben. Bezogen auf den Geschichtsunterricht möchte ich das kurz an drei, miteinander verknüpften Punkten aufzeigen:

1) Differenzierung der Lerninhalte

Waren die Inhalte bis vor wenigen Jahren wesentlich darauf begrenzt, was im Schulbuch stand und was der Lehrer vielleicht noch an zusätzlichen Materialien mit in den Unterricht brachte, sind diese nun in Überfülle über digitale Endgeräte immer und überall verfügbar. Es bedarf nicht unbedingt einer Bibliothek, um Themen inhaltlich zu differenzieren, so dass die Schülerinnen und Schüler selbst ausgehend von ihren Interessen Schwerpunkte setzen können und dazu selbst Materialien suchen. Hier liegt ein wesentliches Potential im Vergleich zu früher. Die eigenständige Recherche von Material ist nun innerhalb des Unterrichts, in der Schule möglich. Bisher mussten Bibliotheken in der Regel für Spezialliteratur außerhalb der Unterrichtszeit aufgesucht werden. Das ist bei schulischen Arbeiten heute nur noch in Ausnahmefällen möglich. Dafür müssen Lernende aber natürlich entsprechende Kompetenzen der Online-Recherche, der Bewertung von Internetseiten usw. erlernt und eingeübt werden.

2) Differenzierung der Lernprodukte

Im Geschichtsunterricht steht in der Regel ein Arbeitsauftrag für alle Lernenden, der ein konkreten Produkt vorschreibt: das Verfassen eines (fiktiven) Tagebucheintrags, die ausführliche schriftliche Antwort auf eine Frage, eine gezeichnete Zeitleiste usw.

Die digitalen Medien erweitern die Ausdrucksmöglichkeiten in erheblichem Maße. Rückt die Narrativität ins Zentrum historischen Lernens und mit ihr die Kategorien von Re-Konstruktion und De-Konstruktion wird das konkrete Produkt variabler: Aus vorliegenden Quellen und Darstellungen können Fotogeschichten, Comics oder Kurzfilme erstellt werden. Voraussetzung ist, dass die Lernenden mit den Besonderheiten der jeweiligen Erzählform vertraut sind. Ist das der Fall, kann die Wahl des Lernprodukts in die Verantwortung der Lernenden gestellt werden. Die Vergleichbarkeit wird durch die Prüfung/Bewertung der Triftigkeit (fachlich, narrativ, sprachlich, normativ) geleistet und sind damit benotbar.

3) Differenzierung der Lernwege

Folgt man den ersten beiden Punkten, dann ergibt sich der dritte zwangsläufig. Wählen die Lernenden im Rahmen der jeweiligen normativen Vorgaben für den Unterricht ihre inhaltlichen Schwerpunkte und Lernprodukte selbst, dann werden sie dafür auch unterschiedliche Wege wählen. Dazu müssen sie in die Lage versetzt werden, Werkzeuge und Methoden zu beherrschen und diese selbstständig und zielgerichtet zu verwenden. Auch hier ist das Repertoire an Hilfsmitteln durch die digitalen Medien um ein Vielfaches gesteigert, die zudem die Möglichkeit bieten, multimediale Materialien einzubinden und zu bearbeiten. Aufgabe der Lehrkraft ist es den Lernenden mögliche Wege aufzuzeigen, sie vor Gefahren und Problemen zu warnen, und dort zu helfen, wo sie nicht weiterkommen, das Ziel aus den Augen verlieren, indem man ihnen neue Routenvorschläge macht, aber nicht indem man sie quasi als gestrandete Anhalte selbst zum Ziel bringt. Im Bild des Lernens als Weg übernimmt die Lehrkraft die Aufgabe eines GPS-Geräts. Die Lernenden können den Vorschlägen folgen, aber auch Umwege nehmen und eigene Routen entwickeln. (Aaron Sams)

P.S. Um ungenauen Lesern und den Kollegen aus dem Geschichtslehrerverband den Wind der Empörung aus den Segeln zu nehmen:  Die vorgetragenen Überlegungen führen keineswegs in Richtung Beliebigkeit. Innerhalb der bestehenden Lehrpläne hat jeder Lehrer Spielräume. In der Regel trifft die Lehrkraft die Entscheidung innerhalb dieser Spielräume über die Konkretisierung eines Themenbereichs im Unterricht. Dazu gilt es die Klasse zu kennen. Dann entscheidet man sich mal für die exemplarische Behandlung z.B. von Fußballgeschichte, weil man hofft, damit das Interesse der sportbegeisterten Jugendlichen wecken zu können. Und danach „machen wir“ ein bisschen Mode (als Ausgleich für „die“ Mädchen) und dann wieder Politikgeschichte. Egal, welchen Ansatz man wählt, alle Lerner werden nie erreicht.

Die skizzierte inhaltliche Differenzierung erlaubt es, den Lernern Autonomie zurückzugeben und ihnen Verantwortung zuzutrauen, die Wahl des Lehrers für die Lerngruppe zu individuellen Wahlmöglichkeit zu machen und damit einen persönlichen Zugang zum Lerngegenstand zu finden und historisches Lernen für sich selbst als bedeutsam zu erleben.