eTwinning im Geschichtsunterricht

Die Präsentation gibt einen Überblick zu den Einsatzmöglichkeiten der europäischen Lernplattform eTwinning im Geschichtsunterricht. M.E. können durch den Einsatz von eTwinning besonders die fachdidaktischen Prinzipien der Multiperspektivität und eine authentische Kontroversität im Unterricht gefördert und unterstützt werden.

Virtuelles Reenactement mit Twitter im Geschichtsunterricht

Hier die Präsentation vom gestrigen Vortrag auf der iMedia in Mainz. Die Präsentation stellt  ein mögliches Unterrichtsmodell vor, wie sich Twitter methodisch sinnvoll in den Geschichtsunterricht einbinden lässt. Anregungen und Kritik sind herzlich willkommen.

Die verwendeten Quellen zu dem in der Präsentation genannten „Stehgreif-Spiel“ zum 2-plus-4-Vertrag finden sich hier zum Download. Im Unterricht würde ich dies allerdings eher als Podiumsdiskussion ohne Twitter organisieren, da sich der technisch vergleichsweise aufwändige Einsatz von Twitter für eine Unterrichtsstunde alleine m.E. nicht lohnt.

Aktuelle Spielfilme über den Nationalsozialismus

Unter dem Titel „Populärkultur und Geschichtsvermittlung“ hat das Institut für angewandte Medienbildung und Filmvermittlung in Wien, filmABC, ein Filmheft als didaktische und methodische Handreichung für den Unterricht herausgegeben. Das Heft lässt sich hier als pdf herunterladen. Besprochen werden u.a. Inglorious Basterds, Defiance und Operation Walküre. Hervorzuheben ist die hilfreiche Link- und Literaturliste am Ende.

Europa & EU in Schule & Unterricht

Die am Blog-Wettbewerb teilnehmenden Schülerinnen und Schüler haben zum Europa-Tag Anfang des Monats das Thema aufgegriffen. Wie und wo erleben sie Europa? Die Einschätzungen der Schüler in ihren Blogeinträgen sind ernüchternd für die Behandlung des Themas „Europa“ in Schule und Unterricht. Hier exemplarisch Auszüge aus einem Beitrag:

„In der Schule, im Sozikurs wird Europa laufend extrem gehypt (warum auch immer…). Und natürlich der Euro. Ansonsten? Nö. […] Die einzige Sache die mir auffällt ist das die EU in der Schule immer bis zum Himmel gelobt wird (in der 9. und 10. Klasse und jetzt auch im Sozi-LK), was komplett kontrovers zur öffentlichen Meinung über die EU in Deutschland ist.“

Rollenspiel 2-plus-4-Vertrag

Nach Markus Bernhardt (Das Spiel im Geschichtsunterricht, ²2010, S. 95ff.) handelt es sich eigentlich i.e.S. nicht um ein Rollenspiel. Ich verwende den Begriff hier der Einfachheit halber trotzdem. Die zum Download bereit gestellten Quellenausschnitte bieten einen Überblick über die grundsätzlichen Positionen der sechs Hauptakteure (Kohl, Modrow, Bush sen., Thatcher, Mitterand, Gorbatschow) für die Verhandlungen zum 2-plus-4-Vertrag als internationale Grundlage für die deutsche Wiedervereinigung.

Mögliches methodisches Vorgehen: Die Schüler erarbeiten in Kleingruppen die Position ihres jeweiligen Landes und schicken dann einen Vertreter zu einer Podiumsdiskussion. So werden die grundlegenden Standpunkte der 2-plus-4-Länder (BRD, DDR, USA, Großbritannien, Frankreich,  UdSSR) kennengelernt. Die in der Podiumsdiskussion vertretenene Standpunkt sowie eventuelle Ergebnisse der Diskussion können im Anschluss mit Auszügen aus dem Vertragstext, der sich in den meisten Geschichtsschulbüchern findet, verglichen werden.

Einsatz von Computer und Internet im Geschichtsunterricht

Hilke Günther-Arndt schreibt: „Solange ein erheblicher Teil der kognitiven Kapazität durch die Bedienung der Programme absorbiert wird, bleibt der didaktische Nutzen der Computer ambivalent: Zwar wird das Lernziel ‚Mit den neuen Medien umgehen‘ erreicht, aber bei den Fachzielen müssen teilweise noch Abstriche hingenommen werden. Erst wenn sich die Alternative ‚Bedienkompetenz‘ versus ‚historische Kompetenz‘ nicht mehr stellt, wird der Computer ein selbstverständlicher Bestandteil für guten Geschichtsunterricht werden.“ (aus: Geschichtsdidaktik. Praxishandbuch für die Sekundarstufe I und II, 2003, S. 219.)

Gilt diese Aussage auch noch 2010? Bieten Programme und digitale Werkzeuge vielleicht nicht doch auch trotz eventueller Einarbeitung einen ‚Mehrwert“ für historisches Lernen?

Buchtipp: Jonathan Hearn, Rethinking nationalism

Jonathan Hearn, Senior Lecturer an der Universtität Edinburgh, bietet mit seinem Buch eine Einführung in das Thema “Nationalismus” und zugleich – wie der Titel ankündigt – eine kritische Reflexion der disziplinär vielfältigen Theorieansätze. Das Buch ist zusammen mit Einführung und Schluss in zehn Kapitel unterteilt. In vier Hauptkapiteln bietet Hearn zunächst eine zusammenfassende Darstellung der wesentlichen Theorieansätze aus primordialistischer (Kap. 2, auch z.B. bei Langewiesche nicht ganz zutreffend als Ethnonationalismus bezeichnet) und modernisierungstheoretischer Sicht (Kap. 4). Die Kapitel 6 und 8 sind dem Zusammenhang von Kultur und Macht gewidmet. In den Kapitel mit den ungeraden Zahlen folgt daraufhin jeweils eine kritische Betrachtung des Vorangegangenen. Diese Aufteilung bringt es mit sich, dass das Buch sowohl zum Einstieg als auch zur weiteren Reflexion gut geeignet ist. Kenner der Thematik können sich auf das Lesen der kritischen Kapitel beschränken.

Für Hearn gehen Nation und Nationalismus aus der Interaktion von „ethnicity-making“ und „state-making“ Prozessen hervor. Deshalb spricht er sich gegen eine strikte Trennung der oft konträr gesehenen Theorien aus. Den Begriff des Nationalismus betrachtet er in seiner Arbeitsdefinition als das Kreieren von miteinander verknüpften Forderungen nach Identität, Rechtsprechung und Territorium im Namen der Bevölkerung. Moderner Nationalismus unterscheidet sich seiner Meinung nach vom älteren in Legitimation und Kommunikation eben dieser Forderungen. Ausgehend von der Hypothese, dass das Streben nach Macht zu den Grundverhaltensweisen der Menschen gehört, definiert er Nationalismus darüber hinaus als eine besondere, im weitesten Sinne moderne Art von Machtstreben.

An den primordialistischen Ansätzen kritisiert Hearn vor allem die mangelnde Berücksichtung der gesellschaftlichen Aspekte. Auch in der Analyse nationalistischer Symbole und Diskurse sieht er keine hinreichende Erklärung, da ihre Effizienz immer abhängig ist von den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Machtstrukturen. Die Idee der Nation entwickelt sich im Kontext von komplexen Formen gesellschaftlicher Organisation und diese müssen dann folglich auch bei der Analyse berücksichtigt werden.

Hier sieht man seine Nähe zum modernisierungstheoretischen Ansatz. Allerdings lässt dieser für ihn die Fragen nach den Wurzeln und Ursprüngen der Nationsvorstellungen unbeantwortet. Aus diesen Problemen mit den eher als komplementär zu sehenden Theorieansätzen leitet Hearn die Forderung ab, sich intensiver mit den Konzepten von „Power“ und „Culture“ zu beschäftigen, die er als grundlegend für alle Arten von sozialen Beziehungen ansieht. Damit bietet er selbst keinen neuen Theorieansatz, sondern Anregung zum Weiterdenken durch einen Fokuswechsel.

Um das zu verdeutlichen bringt Hearn das Beispiel von Sprache und Religion, die in Diskursen über Nationalismus eine große wenn nicht gar zentrale Rolle spielen. Ausgehend von seinem Ansatz sieht er Sprache als fundamentales Medium für jegliche Art von Machtanspruch und dessen Durchsetzung. Die Religion hingegen, bzw. die mit ihr verbundene Kirche, bietet organisatorische Strukturen und Ressourcen, die wiederum ein Umlenken religiöser Gefühle auf die Nation ermöglichen.

Schließlich stellt er postmodernen Ansätzen seine Sicht gegenüber, dass Nationalismus eine sich im Laufe der Zeit verändernde Realität ist, weswegen er das Phänomen des Nationalismus als eine historische, sich langsam entwickelnde Form gesellschaftlicher Organisation begreift, die eben Macht und Kultur miteinander verknüpft.

Die kritischen Anmerkungen Hearns zu den gängigen Nationalismus-Theorien bieten viele Anknüpfungspunkte um weiterzudenken. Gerade weil dieses Buch keine fertigen Antworten liefert und auch nicht liefern will, ist es eine sehr anregende Lektüre zu einem komplexen Themenfeld.

Jonathan Hearn, Rethinking nationalism. A critical introduction (2006), 272 S., kt., 33,50 €, Palgrave Macmillan, Basingstoke/New York.

Links zur Kartenarbeit

Die aktuelle Ausgabe der GWU 4/2010 widmet sich dem Spatial Turn der Geschichswissenschaft und Relevanz für Geschichtsdidaktik, dabei ist natürlich auch die Frage nach Arbeit mit Karten im Unterricht wichtig. Einige Links zur Kartenarbeit, u.a. die im Heft genannten, habe ich zusammengestellt und würde mich über weitere Hinweise auf brauchbare Seiten mit gutem Kartenmaterialien für den Geschichtsunterricht freuen. Zumal ja bekanntlich Digitalisierungen aus Schulbüchern nicht mehr zulässig sind (siehe hier) und man dadurch auf anderes Material angewiesen ist. Vieles ändert sich, doch Lehrer bleiben Jäger & Sammler 😉