Anmerkung zu Praxis Geschichte (4/2009)

Die aktuelle Ausgabe von Praxis Geschichte ist dem Thema „Historisches Lernen mit elektronischen Medien“ gewidmet. Das Heft enthält gelungene Beiträge wie z.B. der im positiven Sinne übersichtliche Artikel von Marc-Albrecht Hermanns zum Einsatz von moodle im Geschichtsunterricht.

Enttäuschend fällt hingegen der Basis-Artikel von Oliver Näpel aus. Seine pessimistische Einschätzung der schulischen IKT-Ausstattung ist so m.E. nicht (mehr) zutreffend. Alle Schulen, die ich kenne, verfügen über einen bis zwei funktionierende Computerräume. Diese werden allerdings oft nicht optimal und nur von wenigen Kollegen genutzt, da vielen Lehrkräften noch das entsprechende technische, didaktische und/oder methodische Wissen fehlt.

Aber statt der von Näpel beklagten „anhaltenden Sparzwänge“ wird zur Zeit in die schulischen IKT-Strukturen investiert wie vermutlich nie zuvor. Finanziert werden die Programme vor allem aus dem Konjunkturpaket II. Beispielhaft seien hier die Initiative in Niedersachsen, der eEducation Masterplan in Berlin sowie das Programm Medienkompetenz macht Schule in Rheinland-Pfalz genannt. Letzteres wird im kommenden Schuljahr 280 weiterführende Schulen mit einer zusätzlichen IKT-Infrastruktur ausstatten, u.a. drei interaktiven Tafeln sowie einem Laptopwagen. Pro Schule beträgt der Investitionsrahmen 40.000€. Gekoppelt werden diese Investionen in die Ausstattung mit Aus- und Weiterbildungsprogammen. Es scheint, als wären aktuell sowohl der politische Wille als auch die Mittel zu einer Verbesserung der Situation vorhanden.


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2 Gedanken zu „Anmerkung zu Praxis Geschichte (4/2009)

  1. Lieber Herr Eisenberger,

    ich teile Ihren nicht so positiven Eindruck des ‚Basisbeitrages‘, auch wenn Sie hier nicht wirklich detailliert auf die einzelnen ‚Schwachpunkte‘ eingehen; der von Ihnen monierte Punkt meiner zu ‚pessimistischen‘ Einschätzung bzgl. der technischen Ausstattung von Schulen ist jedenfalls nicht Grund meiner Unzufriedenheit, sondern beruht auf den tatsächlichen Zuständen in vielen Schulen im Münsterland, in denen die Ausstattungssituation eher unbefriedigend ist, so jedenfalls meine Erfahrungen vor Ort, aber ich gebe zu, dass dies nicht repräsentativ sein muss;

    als Basisbeitrag waren mir allerdings zu sehr seitens des Verlages die ‚Hände gebunden‘, v.a. was den Umfang angeht; so war eine wirkliche Einführung nicht möglich, sondern der Beitrag war eher als ‚Anmoderation‘ gedacht.

    Wie dem auch sei, ich habe mich an anderer Stelle ausführlicher geäußert:
    Historisches Lernen im Internet? Legitimation, Anspruch und Wirklichkeit geschichtsdidaktischer Normative für Geschichtsangebote im Cyberspace. In: Danker, Uwe/Schwabe, Astrid (Hrsg.): Historisches Lernen im Internet. Geschichtsdidaktik und Neue Medien. Schwalbach/Ts. 2008, S. 90-107.

    Vielleicht kann dieser Beitrag Sie (und andere) mehr zufriedenstellen. Der Sammelband ist ohnehin empfehlenswert.

    Mit freundlichen Grüßen

    O. Näpel

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  2. Vielen Dank für Ihren Kommentar und den Hinweis auf den in der Tat sehr guten Sammelband.
    Nach meiner Erfahrung haben die meisten Schulen mittlerweile zwei halbwegs funktionierende, internetfähige Computerräume, auf die nun mit den Programmen aus den Konjunkturpaketen aufgestockt wird. Solche Programme sind in vielen Bundesländern aufgelegt worden, in NRW vielleicht auch?
    Was ich hingegen beobachtet habe, ist, dass die Kollegen diese vorhandenen Räume kaum nutzen, zumindest nicht zur Arbeit mit Computern und Internet, wohl aber weil oft größer für Klausren. Sie waren ein, zwei Mal im Computerraum und „das Internet funktionierte nicht“, also kann man das nicht nutzen. Natürlich brauchen Lehrer eine Ausstattung, die „einfach funktioniert“ und wo sich der Deutsch- oder Mathelehrer nicht noch um die Technik kümmern muss. Davon sind die meisten Schulen sicher weit entfernt, weil es auch – im Gegensatz z.B. zu England – an entsprechendem Fachpersonal für die Wartung der Computerräume fehlt. Es ist ja keineswegs nur die Ausstattung. Ich sehe da aber auch eine große Unsicherheit, die dazu führt, dass eine durchaus vorhandene, brauchbare Infrastruktur nicht genutzt wird. Und das ist äußert schade! Andere Dinge wie CD-Player oder Overhead-Projektoren sind auch nicht immer in ausreichender Zahl vorhanden und auch mal defekt, aber fest in die didaktischen und methodischen Überlegungen (und die Lehrerausbildung) integriert. Zur Not weicht man auf Alternativen aus (im Referendariat wurde gelehrt, immer einen kompletten Satz Kopien dabei zu haben, falls der OHP mal ausfällt), beschwert sich zwar ggf. zu Recht über die schlechten Arbeitsbedingungen, aber geht flexibel mit der vorhandenen Infrastruktur um. Warum nicht auch mit den Computerräumen?

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