Unterrichtsentwurf: Wikipedia im Geschichtsunterricht

Die Arbeit im 12er-Leistungkurs ist nun in einen Unterrichtsentwurf für eine 8./9. Klasse zum Themenschwerpunkt Industrialisierung gemündet. Eine Kollegin wird die Mini-Einheit in den nächsten Wochen im Unterricht an unserer Schule umsetzen und testen. Ich stelle den Entwurf hier bereits zum Download und zur Diskussion zur Verfügung, auch wenn er sicher nach der Durchführung noch überarbeitet und nachgebessert werden wird.

Der Unterrichtsentwurf funktioniert so lange, wie der ausgewählte Schwerpunktartikel in dieser Form vorhanden ist und noch nicht grundlegend überarbeitet. Einen entsprechenden, thematisch passenden Artikel zu finden, war mit das schwierigste in der Vorbereitung. Ein Schüler ist jedoch auf den Artikel zur „Krupp AG“ aufmerksam geworden, der (zur Zeit noch) einige typische Schwachstellen der Wikipedia aufweist.

An dem Artikel lässt sich sehr gut die begrenzte Aussagekraft von formalen Kriterien aufzeigen. So erhält der Beitrag 8 von 10 Punkten bei Wikibu, inhaltlich handelt es sich jedoch um einen schwachen Artikel. Beispielhaft seien genannt: Zahlreiche Informationen fehlen (es fehlt u.a. die Zeit des Nationalsozialismus – trotz Hinweis auf  der Diskussionsseite), die Firmengeschichte wird vor allem personalisiert als Familiengeschichte beschrieben, die Redewendung „Hart wie Kruppstahl“ wird unkritisch ausschließlich als Verweis auf die Produktqualität thematisiert.

Krupp kommt als Unternehmen für die deutsche Geschichte darüber hinaus eine herausragende Stellung zu, deren exemplarische Behandlung den Unterrichtsansatz auch aus geschichtsdidaktischer Sicht rechtfertigt.

Der Unterrichtsentwurf steht hier als .doc und .odt zur Verfügung.

Qualitätscheck von Wikipedia-Artikeln

Es ist kein Zufall, dass ich hiermit schon der zweite Artikel diese Woche zur Wikipedia in diesem Blog findet. Der 12er-Leistungskurs Geschichte entwickelt gerade ein „Wikipedia-Unterrichtsmodul“ am Beispiel des Themenbereichs Industralisierung und Soziale Frage für die 9. Klasse. Wie erfolgreich Idee und Umsetzung sein werden, wird sich zeigen. Die Arbeit ist auf jeden Fall bislang interessant und anregend.

Aus den gemeinsamen Diskussionen habe ich versucht ein kleines Schema zu entwickeln, das sicher noch verbesserungsdürftig ist, aber wesentliche Aspekte bereits veranschaulicht. Die Idee von Blogs ist ja durchaus auch Zwischenergebnisse bereits öffentlich zu machen und zur Diskussion zu stellen. Kritik und Anregungen sind also sehr willkommen. Die Darstellung kann dadurch nur besser werden.

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Verwendete Literatur/Links:

Christia Staas, Je umstrittener, desto besser. Was taugen die Geschichtsartikel der Online-Enzyklopädie Wikipedia? Ein Gespräch mit dem Historiker Peter Haber, in: DIE ZEIT, 08.07.2010 Nr. 28, online: http://www.zeit.de/2010/28/Wikipedia-Daten/komplettansicht

Wikibu, http://wikibu.ch/about.php

Thomas Emden-Weinert, Wikipedia und Wahrheit. Quellen für eine Quellenkritik, http://wikipedia-quellenkritik.de/2-Quellenangaben_zur_Quellenkritik/index.html

Bedeutung der Wikipedia für Schüler

Anbei nur eine kleine Beobachtung aus dem laufenden Unterricht: Die Schülerinnen und Schüler der 7. Klasse hatten letzte Woche den Auftrag, zur römischen Geschichte allgemein und zur Rheinland-Pfalz und Koblenz speziell Internetseiten zu suchen und auf der gemeinsamen Lernplattform abzuspeichern. Weitere Vorgaben habe ich absichtlich nicht gemacht. Wir hatten im Vorfeld auch nicht über Suchstrategien oder Qualitätsmerkmale von Internetseiten gesprochen. Ich wollte mal sehen, welche Seiten von den Lernenden gefunden und für so gut befunden werden, dass sie für alle gespeichert und bereitgestellt werden.

Das Ergebnis ist – für die meisten Leser – vermutlich wenig überraschend: (Fast) Alle Links führten zur Wikipedia. Es gab nur zwei Ausnahmen: Eine Diskussion auf gutefrage.net sowie ein Link zur Seite roemische-kaiser.

Das heißt auch (vielleicht gerade?) jüngere Schüler greifen zunächst, vor allem und oft  offensichtlich auch ausschließlich auf die Wikipedia als Nachschlage- und Recherchewerk zurück. Dass viele Artikel dabei viel zu detailliert und komplex und dadurch für viele Schüler weitgehend unverständlich sind, ist nur eines der Probleme.

Für jüngere Schüler besonders geeignete Seiten, wie z.B. Planet Wissen oder Was ist was? werden gar nicht „gefunden“ bzw. aufgerufen und benutzt.

Die Konsequenzen sind nicht neu, die Beobachtung bestätigt eher bereits Bekanntes: (Geschichts-) Lehrer dürfen nicht von einem naiven Begriff von „digital natives“ ausgehen, sondern müssen altersgerechte Alternativen zur Information im Netz aufzeigen. Die Schülerinnen und Schüler müssen das Recherchieren im Internet lernen ebenso wie den Umgang  mit der Wikipedia (Reichweite, Grenzen, Hilfen). Fachspezifische Zugänge müssen dabei berücksichtigt. Nicht zuletzt deshalb muss dies Teil des Fachunterrichts sein.

Das schrittweise Erlernen von  „Informationskompetenz“  muss möglichst früh ansetzen und darf nicht nur an einen Kurs zur informationstechnischen Grundbildung, der vielleicht auch erst in der Klasse 8 oder 9 erfolgt, abgegeben werden, sondern gehört integrativ, in einem spiralförmigen Aufbau mit Wiederholungen und Vertiefungen als Querschnittsaufgabe in alle Fächer.

Projekt: Schulbuch „Wikipedia im Unterricht“

Auf Wikibooks soll ein Buch entstehen, wie im Unterricht mit der Wikipedia gearbeitet werden kann. Das Erstellen des Buches funktioniert genauso wie Wikipedia in einem offenen, kollaborativen Arbeitsprozess. Gesucht werden noch Lehrkräfte, die daran mitarbeiten und ihre Praxiserfahrung mit in die Erstellung von Unterrichtsmodulen, aber auch in grundlegende didaktische und methodische Überlegungen einfließen lassen. Das Projekt ist fächerübergreifend, hat aber unter dem Punkt „Befreiung des Wissens“ auch einen gesellschaftswissenschaftlichen Schwerpunkt angedacht.

Die Wikipedia spielt in allen Fächern eine zentrale Rolle als Nachschlagewerk für Lernende und Lehrkräfte. Es gibt sicher lich fächerübergreifende zu vermittelende Grundlagen und Praxistipps und zugleich aber auch fachspezifische Fragestellungen und Zugänge (z.B. Kontroversität, Multiperspektivität). Ich denke, es lohnt sich, an dem Projekt mitzuarbeiten. Erfahrungen mit der Wikipedia im Unterricht hat jeder (Geschichts-) Lehrer gesammelt.

Nun gilt es diese als good-practice Beispiele in Form von Unterrichtsmodulen zu diskutieren und auszutauschen. Das, was bisher zum Geschichtsunterricht an Ideen dort steht, ist äußerst dürftig und könnte gemeinsam schnell ausgebaut werden. Damit kann weniger erfahrenen Kollegen der Zugang zur Nutzung im Unterricht erleichtert und weithin vorhandene Unsicherheiten abgebaut werden.

Einen aktuellen Artikel übrigens zu freien Schulbüchern und der Debatte um den „Schultrojaner“ findet sich übrigens auf dem Hyperland-Blog des ZDF mit einer Zusammenstellung weiterführender Links.

Unterrichtseinstieg Lexikonvergleich

Eine methodische Alternative zum Einstieg in ein neues Thema: Die Schülerinnen und Schüler erhalten einen Eintrag zum neuen Thema aus 3-5 verschiedenen Lexika, z.B. zur „Reformation“ aus dem Schülerduden Geschichte, dem Brockhaus, einem Atlas Weltgeschichte sowie Auszüge des Wikipedia-Artikels – in Kopie oder als Link. In Kleingruppen bekommen sie den Auftrag die Artikel zu lesen, zu vergleichen und sich in der Gruppe darüber zu verständigen, welches Lexikon zur ersten Information über ein Thema gut geeignet ist und warum. Dabei können sowohl verschiedene Situationen definiert werden (schnelles Nachschlagen oder Vorbereitung für eine Facharbeit) oder in Bezug auf die unterrichtsbegleitende Nutzung ein begründetes Ranking der ausgewählten Nachschlagewerke erstellt werden.

Die Schülergruppen werden in den meisten Fällen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen kommen. In der Diskussion entwickeln sie eigene Kriterien zur Bewertung von Nachschlagewerken und lernen Alternativen zum ersten Nachschlagen in Wikipedia kennen, so dass sie bei selbstständiger Arbeit gezielter, ihrer Fragestellung entsprechend nachschlagen können. Der eine bevorzugt die chronologische Auflistung plus Karte im Weltatlas, der andere die Begriffsdefinition im Schülerduden zur ersten Orientierung.

Bei der Durchführung im Unterricht wurden von den Schüler die Präzision des Brockhaus lobend, die Dichte der Fachbegriffe und die vielen Abkürzungen den Zugang als schwer durchdringbar hervorgehoben. Daher landete der Brockhaus in allen Gruppen auf dem letzten Platz. Die Wikipedia in keiner auf dem ersten, sondern im Mittelfeld, wobei einige Lernende sich bei der Präsentation vom Gruppenergebnis distanzierten und anmerkten, dass für sie weiterhin die Wikipedia grundsätzlich den ersten Zugang bieten, dort allerdings nicht der ganze Artikel, sondern der zusammenfassende Vorspann.

Zusätzlich leistet das Vorgehen natürlich noch einen informierenden Einstieg in das Thema.

Jahreszahlen, Textarbeit und Relevanz – Lasst die Schüler selbst denken!

Das Auswendiglernen von Jahreszahlen ist vermutlich das erste, was den meisten Menschen zum Stichwort Geschichtsunterricht einfällt. Das entspricht in der Regel nicht mehr der Wirklichkeit des Geschichtsunterrichts. Das Problem der Jahreszahlen bleibt.

Einerseits entwickelt sich der Geschichtsunterricht zu einem Denkfach, Auswendiglernen ist daher etwas verpönt, andererseits ganz ohne Jahreszahlen geht es auch nicht, außerdem lassen sie sich rein pragmatisch auch hervorragend prüfen und benoten.

Jeder Lehrer hat da so sein eigenes „Rezept“: Einige lassen Listen zu Beginn, andere am Ende einer Unterrichtseinheit lernen. Wiederum andere schreiben die „wichtigen“ Daten aus dem Unterricht an einen der beiden Tafelflügel. Ich muss zugeben, ich habe vieles ausprobiert, aber kein Rezept.

In der fachdidaktischen Literatur liest man zunehmend die Metapher von der Grammatik des Geschichtsunterrichts. Ich denke, dieses Bild kann sehr hilfreich sein, was dem Geschichtsunterricht fehlt ist im Vergleich mit den Fremdsprachen die regelmäßig Wiederholung und Festigung. Jahreszahlen wären dann innerhalb dieses Konzepts so etwas wie ein Teilbereiches des Wortschatz, mentale Konzepte wie Revolution, Fortschritt, Zeit oder Wandel.

Ebenso sehr wie das Lernen von „Jahreszahlen“ ähnlich wie das von Vokabeln wenig beliebt ist, ist auch die mittelfristige Behaltensquote in der Regel nicht besonders, es reicht gerade bis zum nächsten Test. In den Fremdsprachen setzt man dagegen auf stärkere Vernetzung: Wortfeldarbeit, ganze Sätze etc. Was machen wir in Geschichte?

Warum die Zahlen oder die mit ihnen verbundenen Ereignisse irgendwie wichtig sind, erschließt sich den Schülern nicht immer. Es ist also auch ein Frage mangelnder (persönlicher) Relevanz. Ganz in dem Sinne: Wir müssen das lernen, aber was hat das mit mir zu tun?

Von Schülern wird Geschichtsunterricht oft als ausgesprochen langweilig empfunden. Besonders dann, wenn er vor allem darin besteht, längere Texte (seien es nun Quellen oder Darstellungen) zu lesen und dazu Fragen zu beantworten, die wenig Motivationspotential besitzen und oft auf reine Infomationsentnahme abzielen.

Daraus resultiert übrigens auch ein Problem, dass die Schüler, soweit ich das beobachtet habe, bei der Nutzung von z.B. der Wikipedia habe. Gerade die Wikipedia ist in vielen historischen und biographischen Artikel in höchstem Maße detailverliebt. Als Historiker ist mir klar, was davon relevant ist für meine Frage und was nicht. Schüler stehen vor einem Berg von Informationen, die alle gleich wichtig scheinen. Deshalb eignen sich die Artikel der Wikipedia auch kaum zum Einstieg in ein unbekanntes Themenfeld, weil für die Bewältigung der Informationen Vorkenntnisse nötig sind. Das Vortragen von endlosen Details durch die Schüler, mehr oder weniger wortwörtlich aus der Wikipedia, ist dann quasi ihre Art der Kapitulation. Aber im Ernst: Wie sollten sie das besser machen? Wo lernen Schüler im Geschichtsunterricht, Relevanz zu beurteilen? Relevant ist das, was im Buch steht, was der Lehrer sagt und was im Test abgefragt wird. Erziehung zu mündigen Bürgern (klingt ganz schön altbacken, ist mir dennoch wichtig) sieht anders aus.

Eine methodische Abwechslung für den Unterricht könnte in einer Verbindung von Text- und Jahreszahlenarbeit liegen, in dem die Schüler selbst die Relevanz der Daten und Ereignisse diskutieren und damit für sich verständlich bedeutsam machen.

Voraussetzung ist, dass das Schulbuch nicht schon am Anfang oder Ende eines Kapitels eine Jahreszahlenübersicht bietet. Sonst heißt die logische Schülerbegründung: Weil das da in der Liste steht. Völlig verständlich, aber nicht sehr hilfreich.

Relevanz von Jahreszahlen und Ereigenissen lassen sich auch in der Auseinandersetzung der Schüler mit einem Darstellungstext ermitteln. Das ist eine alternative Methode der Textarbeit statt banale Fragen zu stellen. Aufgabe der Schüler ist es den Text einzeln zu lesen und anschließend in Kleingruppen je nach Länge und Inhalt des Textes 3/5/7 Daten bzw. Ereignisse zu benennen, die ihnen im Zusammenhang des Themas essentiell erscheinen und ihre Auswahl zu begründen. In der Diskussion der Ergebnisse der einzelnen Gruppen ergibt sich dann eine gemeinsame begründete Liste von Jahreszahlen, die von den Schülern als relevant erkannten Ereignissen. Und keine Angst: Es wird dort nichts Exotisches oder aus Augen des Historikes Irrelevantes stehen. Der Unterschied zu vorgegebenen Zahlenstrahlen oder Zeitleisten ist, dass die Schüler verstanden haben, warum diese Daten wichtig sind und das auch selbst begründen können, sie also für sie Sinn machen.

Durch die Auswahl und Diskussion erfahren die Ereignisse zudem eine Verknüpfung und zugleich wird das Textverständnis gesichert. Vor allem entwickeln die Schüler Kriterien für die Relevanz von Informationen und werden insgesamt souveräner im Umgang mit Texten. Es ist eine wichtige Erkenntnis, dass nicht alles in einem Text wichtig ist, dass Vorwissen nötig ist, um diese Entscheidung zu treffen und jeweils abhängig von der eigenen Fragestellung.

Es bleibt dann jedem selbst überlassen, inwieweit die so bestimmten Jahreszahlen direkt oder in einem längeren Zeitraum gelernt werden müssen und abgeprüft werden. Und natürlich gilt: Würde ich jede Stunde so aufbauen, würden die Methode schnell ihren Reiz verlieren… im Wechsel zwischen Routinen und ausreichend Abwechslung liegt die Würze des Unterrichts.

Sollten Lehrer an der Wikipedia mitarbeiten?

Ich denke, eindeutig ja. Mitarbeiten, mitgestalten statt meckern und schlecht reden.

Vieles von dem, was ich eigentlich schreiben wollte, habe ich gestern in einem Blogbeitrag eines kanadischen Kollegen gelesen. Abgesehen von dem Job- und Karriere-Aspekt, der für verbeamtete Lehrkräfte so keine Rolle spielt, stimme ich dem zu, was Jim Clifford auf ActiveHistory zu Do you edit Wikipedia? schreibt und brauche das deshalb hier nicht zu wiederholen, empfehle den Artikel aber zur Lektüre.

Hauptproblem bei Lehrern ist angesichts der durchschnittlich sehr hohen Arbeitsbelastung schlicht die Zeit. Es muss ja nicht gleich ein ganzer neuer Artikel sein, neue Seiten hinzuzufügen wird mit wachsendem Umfang der Wikipedia auch schwieriger. Ein Benutzerkonto hat man in zwei Minuten eingerichtet. Wem dann bei der Unterrichtsvorbereitung (und mal ganz ehrlich: Welcher Lehrer nutzt Wikipedia nicht, um mal eben schnell etwas nachzuschauen?) Fehler oder Leerstellen auffallen, der kann diese korrigieren. Das ist jeweils eine Sache von nicht einmal fünf Minuten und allemal besser als über die Qualität der Wikipedia zu schimpfen, den Schülern den Gebrauch madig zu machen oder verbieten zu wollen. Ich hoffe, letzteres hat sich mittlerweile erledigt, obwohl ich mir da nicht sicher bin. Eigentlich liegt es auf der Hand, aber wieviele Lehrer arbeiten tatsächlich mit?

Tragen wir dazu bei, dass das zur Zeit wichtigste Nachschlagewerk gute Inhalte aufweist und den selbst gesetzten und von uns eingeforderten hohen Qualitätsstandards genügt. Wo hat man sonst schon die Gelegenheit dazu? Bei allen gedruckten Werken muss man sich mit dem zufriedengeben, was die Autoren und Herausgeber anbieten. Jede Lehrkraft hat eine hohe Fachkompetenz, gerade auch was das Überblickwissen in der eigenen Domäne angeht, oft verbunden mit der jahrelang geübten Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge verständlich darzustellen. Was für bessere Autoren kann es für ein Lexikon geben, das sich weniger an ein Fachpublikum als an die Allgemeinheit richtet?

Ein Benutzerkonto auf Wikipedia habe ich selbst schon seit fünf Jahren, habe aber erst jetzt angefangen, mitzuschreiben. Da, wo ich meine, mich ein bisschen auszukennen, z.B. mit einem neuen Artikel zum Thema Herrschertreffen oder dem Eintrag meiner Schule.

—–

Nachtrag 1: Wieviele Schulleiter haben eigentlich schon einmal darüber nachgedacht, dass der Wikipedia-Eintrag zu ihrer Schule in demselben Maße Außenstehenden zur Information über die Einrichtung dient wie die schulische Webseite und deshalb auch gepflegt werden sollte?

Nachtrag 2: Und wer hat schon mal geschaut, ob die eigene Schule vielleicht sogar eine Facebookseite hat? Wenn von der Schule selbst nicht angelegt, ist es nicht selten eine Kopie des Wikipedia-Artikels, der dann mehr oder weniger vielen Schülern, Lehrern und Eltern dort gefällt…

Haben Schulen für ihre Außendarstellung ein Social Media-Konzept? Einen „Beauftragten“, der sich darum kümmert? Und falls nicht, brauchen sie so etwas?

Kann das der Pressebeauftragte der Schule leisten? Der Kollege, der den Internetauftritt betreut? Oder ist das so wichtig, dass die Schulleitung sich selbst darum kümmern sollte?

Antike in der Wikipedia

Siehe dazu den Beitrag von Uwe Walter in seinem Blog Antike und Abendland im FAZ.net mit allgemeinen Überlegungen zum Umgang mit der Wikipedia im Studium. Schön, dass die differenzierte Sichtweise, die sich einschreibt in den Trend weg vom lange Zeit weit verbreiteten Wikipedia-„Verbot“ durch Hochschul- und Schullehrer, andererseits bleiben die Überlegungen doch noch deutlich hinter dem zurück, was anderer Stelle schon durchdacht und praktiziert wird. Manchmal ist der Blick über den Tellerrand hilfreich, nicht jeder muss das Rad, hier: den Einsatz und Umgang mit digitalen Medien in Schule und Universität, neu erfinden.

Wikipedia: Wie schreibe ich einen guten Geschichtsartikel

Die letzte Bearbeitung ist schon anderthalb Jahre alt, aber ich habe den Artikel  jetzt erst entdeckt und er passt gerade so gut. Nicht nur zur Karnevalszeit sehr schön zu lesen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Wie_schreibe_ich_einen_guten_Geschichtsartikel

… und vielleicht auch mal eine augenzwinkernde Alternative zu trockener Methodeneinführung und erhobenem Zeigefinger in der Oberstufe! 😉

Wikipedia, Geschichtswissenschaft und Schule 2

Eigentlich überrascht es wenig, dass eine intensive wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Wikipedia gerade in der Geschichtswissenschaft stattfindet. Die für die Bewertung von Informationen im Internet nötigen Kernkompetenzen sind nichts anderes als das Handwerkszeug eines Historikers. Eigentlich müsste der Geschichtsunterricht, die Lehrer und Verbände, hiermit hausieren gehen, es laut rausschreien. Selbstbewusstsein statt defensiver Verteidigungshaltung,  die u.a. zu übereilten Entwürfen von verschiedenen, empirisch nicht fundierten „Kompetenz“modellen geführt hat. Man wollte damit die Position des Fachs sichern im Abwehrkampf gegen die immer wieder erfolgte Abwertung der gemeinschaftskundlichen Fächer durch Kürzung der Stundenzahlen oder deren Zusammenlegung. Sicher ein hehres Ziel. Die Umsetzung hat aber aufgrund ihrer unausgereiften  und falsch verstandenen Umsetzung mit dazu beigetragen, „Kompetenzorientierung“ in weiten Teilen der Geschichtslehrerschaft zu diskreditieren.

Auch wenn ich gegen eine reine Funktionalisierung bin, denke ich, könnten wir viel stärker darauf pochen, dass in unserem Fach die grundlegenden Kompetenzen für die Internet-Informationsgesellschaft erlernt werden (u.a. neben vielen anderen Dingen). Die Kriterien, die an die Bewertung von Informationen aus dem Internet angelegt werden, sind im Grunde nichts anderes als das, was Historiker als Quellenkritik bezeichnen. Alltägliches Handwerkszeug in Wissenschaft und teilweise auch im Unterricht. (Letzteres nur teilweise, da die Quellen in den Schulgeschichtsbüchern leider oft nur Illustration des Verfassertextes sind.)

Es geht dabei um nichts Zusätzliches, sondern um den Kern des Geschichtsunterrichts, grundlegende Fähigkeiten, deren Erlernen durch eine richtig verstandene Kompetenzorientierung (siehe dazu auch den neuen Blogbeitrag von Andreas Körber) noch verstärkt werden kann. Was mich wundert, ist, dass dies nicht deutlicher gesagt und betont wird. Dies würde die Rolle des Fachs innerhalb der Schulen und gegen über den Kultusbehörden stärken.

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