Neues Geschichtsportal von N24

Das Portal bietet ein umfangreiches Videoarchiv mit kurzen Filmen vor allem zur deutschen Geschichte, aber auch mit längeren Geschichtsdokumentationen. Aufgrund der Kürze vieler Filme eignen sich diese als Einstieg oder Impuls im Unterricht, wobei die Folgen, die ich bisher angeschaut habe, eher populäre und wissenschaftlich überholte Darstellungen widerspiegeln (z.B. unreflektierte Übernahme des Begriffs der „Befreiungskriege“) und zum Teil weit hergeholte Bilder bemühen, um die gesprochenen Texte zu illustrieren (z.B. Bebilderung der frühen Turnerbewegung mit schwarz-weißen Filmausschnitten von Turnern aus dem Kaiserreich). Und natürlich hat N24-History auch eine eigene Seite auf Facebook – ohne scheint es im Moment nicht zu gehen.

Offener Unterricht und Planarbeit mittels Internet?

Ein Gastbeitrag von Christoph Pallaske, Universität Köln.

Möglichkeiten für selbstständige Lernformen im Nebenfach der Sekundarstufen: das Projekt segu – selbstgesteuert-entwickelnder Geschichtsunterricht 

Als vor 15 Jahren das Internet und multimediale Lernprogramme und CD-Roms schlagartig Verbreitung fanden, herrschte auch im Bildungsbereich große Euphorie. Der PC werde den Lehrer ersetzen und Schüler würden in Zukunft Wissen und Kompetenzen viel besser mittels multimedialer, hypertextgestützter Internetplattformen oder CD-Roms ausbilden. Von dieser Euphorie ist nicht mehr viel zu spüren. Der Computer spielt heute (abhängig von der Ausstattung an den Schulen) mehrheitlich keine große Rolle in der Unterrichtspraxis. Viele Lehrer machen negative Erfahrungen Schüler mit Rechercheaufträgen ins Internet zu schicken, die dort von der unübersichtlichen Fülle an Lernmaterialien erschlagen werden. Auch die web 2.0-Begeisterung in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrzehnts hat zwar eine breite Vernetzung der Schüler in sozialen Netzwerken, für die Unterrichtspraxis aber kaum Zuwächse gebracht. Sicher sind solche Befunde zugespitzt – es gibt inzwischen einige gute Beispiele für den sinnvollen Computereinsatz in der Schule. Die Bilanz nach anderthalb Jahrzehnten Internet als Massenmedium bezogen auf die Schulen fällt gemessen an früheren Erwartungen insgesamt dennoch deutlich ernüchternd aus.

Das Hauptproblem der meisten multimedialen oder Internet-Projekten ist weniger die Bereitstellung geeigneter Informationen, sondern deren mangelnde und nicht selten völlig fehlende Didaktisierung: Was sollen die Schüler eigentlich bearbeiten? Über das Problem unzureichender Aufgaben hinaus bieten fast keine Lernangebote im Internet tragfähige Lehr- und Lernkonzepte an. Erst wenn sich Unterricht mittels solcher internetbasierter Konzepte planen und strukturieren lässt, wird eine sinnvolle Gestaltung von Unterricht mit Hilfe des PC möglich. Hier sind die Möglichkeiten, die das Internet bietet, noch bei weitem nicht ausgeschöpft.

Das Projekt segu selbstgesteuert-entwickelnder Geschichtsunterricht am Historischen Institut der Universität Köln versucht, ein solches tragfähiges Konzept für den Geschichtsunterricht der Sekundarstufen zu entwickeln. Die Bereitstellung der Materialien erfolgt gemäß des open access-Gedankens, Lernmaterialien und Bildungsangebote für alle öffentlich ins Netz zu stellen. Die auf den Seiten von segu-geschichte.de für Schüler und Lehrer angebotenen Lernmodule sollen im Offenen Unterricht bearbeitet werden. Die Schüler wählen nach Kompetenzen differenzierte Module aus und bearbeiten sie in ihrem eigenen Lerntempo. Das Konzept versucht damit, die Ansprüche von Differenzierung und individueller Förderung sinnvoll umzusetzen.

Das Projekt basiert auf dem Konzept des Offenen Unterrichts mittels Planarbeit, das sich besonders im Primarbereich seit Jahrzehnten bewährt hat. Dass selbstständige Lernformen an den Schulen der Sekundarstufen bislang keine besonders große Rolle spielen, liegt vor allem am schwer zu bewältigendem Organisationsaufwand, der für ein zweistündiges Nebenfach schwer zu leisten ist. Hier setzt segu an: Lehrer sollen mit ihren Lerngruppen in den Computerraum gehen (mit der Möglichkeit zum Ausdrucken) und können direkt im Offenen Unterricht arbeiten. Dabei sollen die einzelnen Lernmodule in der Regel mit Hilfe des Schulbuchs und handschriftlich in der Geschichtsmappe bearbeitet werden.

Eine ausführliche Beschreibung des Projekts findet sich übrigens auch auf lehrer-online.

Historische Schulwandbilder

Diese Website bietet Ihnen Zugang zu historischen Schulwandbildern aus den Sammlungen der Pädagogischen Nationalbibliothek Dänemark, der Forschungsstelle Historische Bildmedien des Lehrstuhls für Allgemeine Erziehungswissenschaften, Universität Würzburg und des Nationalmuseums für Unterricht in Rotterdam.

In einer Datenbank finden Sie zu jedem erfassten Schulwandbild Informationen über das Motiv und den Ort der dargestellten Szenen, historische Daten und Informationen zum Verlag des Wandbildes, seine Nutzung im schulischen Unterricht sowie Angaben zum Illustrator/ Zeichner etc.

Eine tolle Materialsammlung für den Geschichtsunterricht. Reinschauen lohnt sich auf jeden Fall!

Conflict history on Google Maps

Conflict history

Die Google Maps-Weltkarte ist mit einer Zeitleiste verbunden. Auf der Leiste lassen sich verschiedene Zeiträume einstellen. Entsprechend des gewählten Zeitfensters werden in einem Fenster Kriege mit den einzelnen Schlachten als Unterpunkten jeweils mit Name und Jahreszahl(en) angezeigt und auf einer Weltkarte lokalisiert. Die  Namen der Kriege und Schlachten sind nur auf Englisch verfügbar. Über den Button mit dem Ausrufezeichen sind zudem die entsprechenden Artikel in der englischsprachigen Wikipedia verlinkt. Die Karte  kann ein hilfreiches Werkzeug für  globalgeschichtliche Perspektiven im Geschichtsunterricht sein, nicht nur für den bilingualen Unterricht. So könnte man z.B. die ggf. unterschiedliche Namensgebung des Konfliktes im Deutschen und Englischen (z.B. Siebenjähriger Krieg – French-Indian War) thematisieren und hat auf der Karte zugleich die globale Dimension einzelner Konflikte visualisiert.

Online-Spiele zum Selberbasteln

Auf classtools.net gibt es auf Englisch einige Online-Spiele, die man mit eigenen Inhalten füllen kann. Zum Ausprobieren habe ich mich bei der Zeitleiste von historicum.net bedient und die Daten in das Formular eingetragen. Das Ergebnis kann man hier sehen (und natürlich auch spielen). Die Seiten und Informationen sind auf Englisch. Das Beispiel ist so eingestellt, dass man zwischen den fünf möglichen Spielen wählen kann und auch die eingegebenen Daten lassen sich editieren. Beides kann beim Erstellen gesperrt werden, so dass ein Spiel vorgegeben ist und die eingegebenen Informationen nicht verändert werden können.

Die Spiele sind alle in einem Retro-Stil gehalten, der zumindest für mich einen gewissen Charme besitzt, für Schüler vermutlich weniger…  Die Spiele sind extrem schnell und einfach zu erstellen, können dauerhaft gespeichert und über eine URL den Lernern zur Verfügung gestellt werden. Alle Spielmodelle basieren auf reinen Wissensfragen: Abfragen und Zuordnen von Namen, Ereignissen oder Jahreszahlen. Damit sind die Einsatzmöglichkeiten für den Geschichtsunterricht sehr begrenzt. Aber warum nicht etwas Abwechslung in den Unterricht bringen?  Zur methodischen Auflockerung und inhaltlichen Wiederholung können diese Art Spiele auf jeden Fall mal eingesetzt werden.

Materialien zur jüdischen Geschichte

Ein paar Links zu hilfreichen Materialien, lesens- und in einem Fall hörenswerten Beiträgen finden sich hier zusammengestellt. Hinweise auf weitere gute Seiten im Netz sind herzlich willkommen!

Das Sammeln des Materials hat übrigens einen aktuellen und konkreten Anlass. Im Unterricht in einem  wirklich guten Oberstufenkurs haben wir das Thema „Juden im Mittelalter“ angesprochen. Dabei stellte sich heraus, dass die Schülerinnen und Schüler in der Tat einiges zum Holocaust wussten, auch Lektüren aus dem Deutschunterricht nennen konnten, ihnen aber ansonsten vor allem einfiel, dass die Juden ja immer Opfer und Verfolgte gewesen seien. Das habe an ihrem Reichtum und ihrer Arbeit als Geldverleiher gelegen. Das bei mir an der Schule eingeführte Buch für die Oberstufe ist hier leider auch nicht hilfreich, da zur jüdischen Geschichte fast nichts (zum Islam wirklich gar nichts! und ich frage mich, warum solche Bücher weiterhin zugelassen sind….?) enthalten ist und das wenige zum Teil die oben genannten Klischees transportiert. Wir werden das Thema jetzt eben mit anderen Materialien, von denen es ja im Internet gute und viele gibt, etwas intensiver bearbeiten.

 

ZDF-Serie „Die Deutschen“ im Geschichtsunterricht?

Das Fragezeichen im Titel mag überraschen. Wenn nicht da, wo dann, mag der ein oder andere denken. Mir erscheint der Einsatz der Serie im Unterricht nicht so selbstverständlich. Nachdem auf Twitter bereits angeregt diskutiert wurde, würde ich das Thema hier gerne noch einmal aufgreifen und zur Diskussion stellen.

Über die beiden Staffeln der ZDF-Serie kann man neben zum Teil sehr beißendem Spott im Feuilleton an verschiedenen Stellen auch viel Lob  und vor allem explizite Empfehlungen für den Unterrichtseinsatz lesen. Ein Vorteil ist sicherlich, dass die Filme auch längerfristig auf den Seiten des ZDF als Stream zur Verfügung stehen und somit im Unterricht eingesetzt werden können. Der Verband der Geschichtslehrer ist zudem Kooperationspartner, hat Materialien für den Unterricht erstellt und wirbt für den Einsatz der Serie und der Materialien im Unterricht. Es ist also eine Serie, die sich nicht mehr nur an ein allgemeines Fernsehpublikum wendet, sondern gezielt auch an den Geschichtsunterricht.

Wie sieht es aber in der Praxis des angesprochenen Geschichtsunterrichts aus? Mich würde interessieren, wie sind die Erfahrungen der Leser dieses Blogs? Hat jemand schon einzelne oder mehrere Folgen überhaupt schon einmal im Unterricht eingesetzt? Und wenn ja, wie? Wurde eventuell auch mit dem vom Geschichtslehrerverband erarbeiteten Material oder anderen (Lern-) Angeboten auf der Internetseite der Serie gearbeitet?

[Update 22.03.:] Um die Diskussion anzustoßen, berichte ich mal von meinen Unterrichtserfahrungen, die zugleich Ausgangspunkt für die oben notierten Fragen waren:

Im Unterricht stand der Investiturstreit auf dem Plan und ich dachte, da gab es in der Reihe „Die Deutschen“ doch eine Folge zu: Taugt diese und das angebotene Material für den Unterricht?

Schnell kam ich zu der Erkenntnis, dass ich den Film so nicht einfach einsetzen kann. Das  vom Geschichtslehrerverband bereitgestellte Material (PDF) zielt zudem – sofern es sich auf die Arbeit mit dem Film bezieht – auf reine Informationsentnahme.

Zum Einstieg die Unterrichtseinheit haben die SchülerInnen zunächst gesammelt, mit welchen filmischen Mitteln Informationen und Wertungen transportiert werden können (Texte, Auswahl der Schauspieler, Licht, Musik etc.). Die SchülerInnen der 11. Klasse haben dann den Auftrag erhalten, zunächst nur für den Beginn der Folge zu beobachten, wie die beiden Protagonisten Heinrich IV. und Gregor VII. dargestellt werden.

In der Auswertung kamen wir zu einem sehr eindeutigen und deutlichen Ergebnis: Während der Text von den Schüler als relativ neutral darstellend angesehen wurde,  erschien ihnen die mediale Vermittlung stark und eindeutig wertend: Der König wird positiv dargestellt (warmes Licht, junger, sympathisch aussehender Schauspieler, Kamera auf Augenhöhe etc.), der Papst eindeutig negativ (Kameraeinstellungen, Licht, Gesicht und Körperhaltung des Schauspielers, Inszenierung der Person usw.). Das zeigt sich eigentlich bereits beim Titel: „Heinrich IV. und der Papst“ und geht sogar soweit, dass in den Bildern z.B. die reitenden Boten des Papstes an die Nazgul aus der Verfilmung des Herrn der Ringe erinnern! So wird durch die Bilder ein (moralisches) Gut-Böse-Schema vermittelt. Wird der Film unreflektiert eingesetzt, halte ich dies für höchst problematisch und historisch für völlig verfehlt.

Während die historische Forschung heute dazu neigt, den Gang nach Canossa als „geschickten Schachzug“ Heinrichs IV. zu intepretieren, im Sinne Althoffs sogar als das Ausnutzen ritueller Spielregeln, wird dies in den Bildern des Films ganz anders dargestellt: Heinrich IV. erniedrigt sich hier vor den Türen der Burg, hinter denen ein überheblicher Papst höchst unappetitlich ein fettiges Hähnchen (?) verspeist. Das knüpft an die völlig überholte Sichtweise an, die den Gang nach Canossa als (nationale) Demütigung interpretiert hat.

Das Prinzip ist wiederum dasselbe: Der Text aus dem Off stellt das Geschehen durchaus angemessen dar, die Bilder nicht. Man könnte zudem bedauern, dass unterschiedliche wissenschaftliche Deutungen auch im Text nicht dargestellt werden, was sich bei den beiden befragten Mediävisten (Weinfurter und Althoff) durchaus angeboten hätte, deren Aussageschnipsel aber in bekannter Manier monoperspektiv in das Narrativ des Film eingebaut werden. Aber selbst, wenn man davon ausgeht, dass eine kontroverse, multiperspektivische Betrachtung dem ZDF-Publikum nicht zuzumuten sei, gilt es zu fragen, eignet sich diese Darstellung für den Schulunterricht und was bleibt denn beim Zuschauer hängen: die kurze Erklärung Weinfurters oder die wirkmächtigen Bilder? Ich denke, die Antwort fällt eindeutig aus. Wer das nicht glaubt, möge den Film mit Schülern schauen und anschließend die Fragen aus dem Material beantworten lassen (z.B. von Arbeitsblatt 3: „Warum ging Heinrich nach Canossa? Was machte den Gang nach Canossa so beschwerlich?“).

Um es kurz zu machen: Zumindest für diese Folge eignet sich die Serie hervorragend zur exemplarischen Dekonstruktion einer geschichtskulturellen Erzählung. Das ist allerdings weder von den Machern beim ZDF noch vom Geschichtslehrerverband so intendiert. Die Geeignetheit für den Einsatz im Unterricht „zur Information“ möchte ich ausdrücklich in Frage stellen. Grundlegende didaktische und wissenschaftliche Prinzipien finden keine Berücksichtigung und durch die Bilderflut wird eine in höchstem Maße problematische Geschichtsdeutung suggeriert.

Dies bewusst zu machen und ein kritisches Sehen zu schulen, sollte Aufgabe des Geschichtsunterricht sein. Warum der Verband der Geschichtslehrer die Serie so unkritisch lobt, für deren Einsatz im Geschichtsunterricht wirbt und dafür zumindest in diesem Fall wenig geeignete Materialien zur Verfügung stellt, erschließt sich mir nicht.

Abschließend noch eine Anmerkung: Nach der Analyse der Filmausschnitte haben die SchülerInnen die Ergebnisse mit der Darstellung (Verfassertext und Quelllen) in ihrem Buch verglichen. Einige SchülerInnen fragten daraufhin, warum die Serie so schlecht gemacht sei. Nur um das klarzustellen: Das ist sie nicht. Sie ist sogar sehr gut gemacht und bietet eine extrem professionelle und actionreiche Inszenierung historischer Stoffe, die schön anzuschauen ist und sicherlich „naiv“ für Geschichte begeistern kann. Für den Unterricht eignet sie sich aber vor allem  für die schwierige Förderung von Kompetenzen im Bereich der Dekonstruktion historischer Narrationen.

Buch & Tagung: Kulturkonflikte – Kulturbegegnungen

„Neue Impulse für die interkulturelle Geschichtsdidaktik“: Tagung 20./21. Mai 2011 in Berlin (Den Flyer zur Veranstaltung inklusive Programm gibt es hier als PDF.)

Ein im Hauptitel gleichnamiges Buch herausgegeben von Gisbert Gemein ist bei der Bundeszentrale für politische Bildung erschienen. Das Buch heißt im Gegensatz zur Tagung im Untertitel „Juden, Christen und Muslime in Geschichte und Gegenwart“.

Das Buch habe ich noch nicht gesehen, aber ob hier wirklich „neue“ Impulse für die Fachdidaktik gegeben werden, scheint mir angesichts des Tagungsprogramms zumindest fraglich. Allerdings können die Veröffentlichung und in kleinerem Umfang auch die Tagung dazu beitragen, die bestehende Kluft zwischen Theorie und Praxis des interkulturellen Geschichtslernens in der Schule zu verkleinern.

PS. Interessant übrigens, dass, obwohl die Diskussionspodien sehr heterogen besetzt sind, die universitäre Geschichtsdidaktik vollkommen fehlt.

Authentisches Geschichtslernen?

In Bezug auf die Fremdsprachen bedeutet „authentisches Lernen“ das Lernen in direktem Kontakt mit Muttersprachlern (im Land selbst oder über Kommunikationswerkzeuge) oder das Lernen an Originalmaterialien. Etwas weiter gefasst meint authentisches Lernen, u.a. das Arbeiten an echten, d.h. auch offenen, Problemstellungen.

Natürlich würde niemand einem Anfänger im Englisch- bzw. Französischunterricht Shakespeare oder Molière in die Hand drücken. Statt aber nur mit den Fremdsprachenschulbüchern zu arbeiten, werden zunehmend angemessen authentische, hier i.S. von nicht explizit für schulisches Lernen erstellte, Materialien der Zielsprache eingesetzt. Das können einfache Werbeanzeigen, Zugfahrkarten, Fernsehnachrichten, die Wettervorhersage oder ähnliches sein. Also Original-Material, das natürlich für das entsprechende sprachliche Niveau ausgewählt und eventuell mit Hilfestellungen wie z.B. Vokabelangaben versehen im Unterricht eingesetzt wird. Es soll die Lernenden dazu befähigen, sich die Inhalte dieser Produkte zu erschließen und bei einem möglichen Besuch im Zielsprachenland kompetent damit umzugehen.

Lässt sich diese Idee auch für den Geschichtsunterricht übertragen? Schulgeschichtsbücher präsentieren im wesentlichen für den Unterricht verfasste Darstellungstexte, die weiterhin die Möglichkeit einer faktenorientierten Meistererzählung vorgaukeln, weil sie in ihrem Konstruktcharakter nicht offen gelegt werden. Dazu kommen schriftliche Quellenschnipsel und Bilder, die beide oft nur illustrativen Charakter haben, sowie Grafiken und Statistiken. Natürlich kann man keine mittelalterlichen Urkunden im Faksimile ausgeben und besprechen.

Eine passende Analogie für den Geschichtsunterricht wäre die Arbeit mit geschichtskulturellen Produkten, also z.B. Geschichte in Werbeanzeigen und -spots, in Filmen und Dokumentationen, Computerspielen, Ausstellungen, Festen und Denkmälern vor Ort.

„So viel Geschichte wie heute war nie“. Klaus Bergmann schrieb bereits 1993 von der „Allgegenwart von Geschichte“. Im Hier und Jetzt mit diesen historischen Verweisen kompetent umgehen, sie entschlüsseln und verstehen zu können, sollte eines der Hauptziele des  Geschichtsunterrichts in allen Schulformen (!) sein. Das lässt sich an den Produkten der Geschichtskultur selbst viel besser lernen als an der Häppchen-Geschichte der Schulgeschichtsbücher.

Und um möglicher Kritik zuvorzukommen: Nein, damit ist kein „Entweder-Oder“ gemeint, sondern ein Plädoyer für eine stärkere Berücksichtigung geschichtskultureller Zeugnisse in Lehrplänen und Unterricht, bei deren Einsatz sich dann meines Erachtens tatsächlich von „authentischem Geschichtslernen“ sprechen ließe.

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P.S. Einige empirische Untersuchungen zeigen übrigens auf, dass nicht nur Schülerinnen und Schülern, sondern auch Studierende der Geschichte an die Möglichkeit einer gültigen faktenorientierten Geschichtserzählung glauben und gerade deshalb ein entsprechendes Studium aufnehmen, weil sie (ganz positivistisch eingestellt) lernen wollen, wie das damals gewesen ist.

Beim Berufseinsteig als Lehrer/innen greifen sie dann auch weniger auf die Inhalte ihres Studiums, sondern in hohem Maße auf die in der eigenen Schulzeit erworbenen impliziten Theorien über Geschichte zurück. Diese werden so wieder an die Schüler/innen vermittelt und es entsteht eine hartnäckige Tradition von Schulgeschichtsunterricht, der Gefähr läuft, sich von der Enwicklung der Didaktik und Wissenschaft abzukoppeln und zu einem Teufelskreis sich selbst reproduzierender Vorannahmen und Unterrichtsformen zu werden (vgl. Fenn, S. 79ff. , in: Geschichte und Sprache).

Unterrichtsmaterialien online

Nicht speziell für den Geschichtsunterricht, aber auch mit viel Material für diesen, hier der Hinweis auf zwei Plattformen:

1) Die neue „Bildungssuchmaschine“ des NRW-Bildungsportals learn.line: Über die erweiterte Suche lässt sich auch der Bereicht Geschichte durchstöbern. Verlinkt wird mit der man „Arbeitsblätter – Videos – Unterrichtsvorbereitungen [und …] Bildungsmaterialien unterschiedlichster Anbieter“.

2) Portal des Verlags 20: Material von Lehrkräften für Lehrkräfte. Der Download ist kostenlos, die Seite werbefinanziert und u.a. kooperierend mit Cornelsen und cotec. Wer selbst Material einstellt, erhält eine Autorenvergütung pro Download“. Das Material für Geschichte, was ich gesehen habe, war nicht besonders toll. Eine Qualitätsichtung durch deine Redaktion erfolgt nicht, sondern das Portal verlässt sich ganz auf die Idee des Web 2.0: Die Community entscheidet selbst, was relevant ist und was nicht. Durch eine Übersicht der Anzahl der Ansichten, der Downloads, Kommentare, Favoriten und ein skaliertes Bewertungssystem können die Nutzer selbst die Qualität der eingestellten Materialien bestimmen, die sich auch nach diesen Kriterien geordnet anzeigen lassen.