Zeitzeugenprojekt: Koblenz 1950-1970

Mit der letzten Stunde vor den Ferien ist das Projekt fertig geworden. Im Blog war ja bereits zwei Mal die Rede von dem aktuellen Zeitzeugenprojekt im Leistungskurs. Nun liegen die Ergebnisse in Form eines kleinen Readers vor. Wer mag, kann mal reinschauen. Die Bearbeitungen sind sehr unterschiedlich, können teilweise sicherlich aber auch für Klassen in Koblenz als Unterrichtsmaterial für die Zeit dienen.

Histocaching: Koblenz – (k)eine Hauptstadt?

Koblenz histocaching 1

Es hat lang gedauert, aber nun stehen die ersten Ergebnisse endlich online: Der 11er Leistungskurs Geschichte hatte sich zum Einstieg in die Oberstufe intensiv mit der Entstehungsgeschichte des Landes Rheinland-Pfalz beschäftigt und in Koblenz mehrere Caches zur Landesgeschichte angelegt. Die ersten drei der insgesamt fünf Caches sind nun online auf dem Portal Opencaching. Die Projektidee war im Sommer von medien+bildung.com im Konzeptwettbewerb ausgezeichnet worden. Wir freuen uns nach den Vorschusslorbeeren für das Konzept nun auch öffentlich Ergebnisse vorweisen zu können.

Wer in Koblenz oder Umgebung ist, kann sich ja trotz Weihnachtsmarkt und Kälte aufmachen, die Caches zu suchen, für alle anderen ist es vielleicht interessant mal zu schauen, wie die von Schülerinnen und Schülern gestalteten Caches aussehen.

Inhaltlich setzen sich alle Caches mit der Gründung von Rheinland-Pfalz auseinander, wo aufgrund der großen Zerstörungen in Mainz, Regierung, Parlament und Ministerien zunächst in Koblenz untergebracht wurden, obwohl im Gründungsdokument der französischen Besatzungsmacht klar Mainz als Hauptstadt benannt war. In der Folge kam es dann in den Jahren 1949/50 zu einem Hauptstadtstreit, in dem um ein Haar doch Koblenz Hauptstadt des Landes geworden wäre. Die Caches führen zu historischen Orten der Landesgeschichte in Koblenz:

Koblenz – (k)eine Hauptstadt? #1 – Die ersten Töne von Rheinland-Pfalz

Koblenz – (k)eine Hauptstadt? #2 – Invincible cache

Koblenz – (k)eine Hauptstadt? #3 – Das Lieblingsgericht

Als Lehrer habe ich bei dieser erstmaligen Durchführung eines Geschichts-Geocaching-Projekts eine Menge gelernt. Es ist auf jeden Fall motivierend, allerdings auch relativ aufwendig und es gibt zahlreiche Fallstricke. Im Frühjahr nach dem schriftlichen Abitur in Rheinland-Pfalz folgt ein zweites Projekt mit einem Leistungskurs 13 zu den „lost places“ der jüdischen Geschichte in Koblenz.

Die gesammelten Erfahrungen münden dann auf praktischer Ebene in die im Blog bereits angekündigte Fortbildung am Pädagogischen Landesinstituts sowie mit stärker theoretisch geschichtsdidaktischen Fokus in einen Beitrag zur Tagung „Nutzung digitaler Medien im Geschichtsunterricht“ in Salzburg.

Regionalgeschichte, Archivarbeit und digitale Medien

Gerade gelesen in einem Beitrag von Tony Fox in seinem Blog unter dem Titel „Teaching and learning with digital resources“ von Ende September:

„I have found that people in general, and students in particular, are interested in anything that has a local angle, we like to see the familiar linked to extraordinary people and events, This chapter will present a journey, where the ordinary becomes the extraordinary, allowing teachers to inspire and sustain students interest.
A further incentive for looking at local History is the access to resources. Not only are the resources close geographically, but it is highly unlikely that the resources you will look at will have been studied previously. […] Local History provides the opportunity to study unique and, mostly, fresh resources, something that has in the past motivated my students, it will inspire your students knowing that they are trailblazers, knowing that they are the experts, that they know more about the topic than anyone else. Combined, these factors have a huge impact on the motivation of students. […]

What I really wanted was an actual view of the student’s home town, Stockton, or Middlesbrough, in 1750, 1830 & 1890, this would allow me to expand the assessment to build a scheme examining, in detail, how an actual town had developed. The use of ICT made this more possible, as it enabled me to produce resources specific to the aim of the series of lessons. Using ICT for this activity had two advantages over taking the activity from a Textbook, firstly the activity can use resources specific to our local area, rather than generic resources, and secondly the cost, Textbooks are costly, especially if one uses only one activity from the book, I would not need a class set of Textbooks for one assessment. […] students e-mailed the archives and received digital images in reply, giving us higher quality images to work with […]“

Das ist genau der Punkt und ein gutes Beispiel, wie das aussehen kann, was ich im vorangegangen Artikel meinte. Hier steckt ein großes Potential für den Geschichtsunterricht in der Verbindung von lokaler oder regionaler Geschichte, entdeckendem oder forschendem Lernen mit archivischer Unterstützung bzw. der Nutzung der archivischen Online-Angebote. In Ergänzung zu analogem Material wird Digital recherchiert, gearbeitet, werden die Ergebnisse aufbereitet und präsentiert. Dabei braucht an dieser Stelle wohl nicht mehr erklärt werden, dass sich so ganz andere Möglichkeiten als nur mit Tafel, Heft, Buch und Plakat ergeben.

Ausflugstipp: Archäologiepark Martberg

Haupttempel: Rekonstruktion eines der Gottheit Lenus-Mars gewidmeten, gallo-römischen Umgangstempels aus dem 3. Jh. n. Chr.

Der Beitrag liegt nicht völlig, aber doch schon am Rand der in diesem Blog behandelten Themen. Ich muss aber zugeben, dass mich der Ort sehr beeindruckt hat und ich das gerne weitergeben möchte. Wer also irgendwo zwischen Köln, Aachen, Trier und Mainz wohnt, findet hier vielleicht einen Ausflugstipp für eines der kommenden langen Wochenenden. Also passt der Beitrag so kurz vor Pfingsten eigentlich ganz gut.

Innenansicht des rekonstruierten Tempels mit anderen Fundorten „nachempfundenen“ Wandmalereien

Der „Archäologie-Park“ liegt oberhalb der Moselorte Pommern und Treis-Karden, wo sich im letzteren auch ein Museum mit Fundstücken von den Ausgrabungen auf der Anlage befindet. Oben auf dem Berg sind kaum Objekte ausgestellt, dafür gibt es seit 2006 dort die (Teil-) Rekonstruktion einer keltisch-römischen Tempelanlage sowie eines keltischen Wohnhauses zu sehen. Das Heiligtum fußt auf einer keltischen Anlage, die in der Mitte eines oppidums der Treverer lag, das sich dort seit ca. 100 v. Chr. befand. Während sich die Siedlung im 1. Jahrhundert n.C. an den Fuß des Berges unten an die Mosel verlagerte (Cardena, das heutige Karden), wurde das Heiligtum weiter genutzt. Aufgegeben wurde der Tempel in der Mitte des 5. Jahrhunderts. Bis letztes Jahr fanden vor Ort auch noch Grabungen statt.

Mehr noch als die rekonstruierten Gebäude haben mich Lage und Umgebung begeistert. Wir haben bei einem Ausflug vor ein paar Wochen gute 1,5 Stunden  oben im Gelände verbracht. In der Zeit waren an diesem wirklich schönen Sonntag neben uns nur 4-5 weitere Besucher vor Ort. Es war also nicht besonders schwer diese menschenleeren Fotos zu machen.

Rekonstruktion eines keltischen Wohnhauses in Fachwerkbauweise

Der Jahresbericht des Fördervereins führt für 2011 „hohe Gästezahlen 8über 2000)“ auf. Ich denke, der Ort verdient mehr Besucher (nicht zuletzt auch wegen des leckeren, selbst gemachten Kuchens in dem kleinen Café! ;)) und er kann auch noch deutlich mehr Besucher vertragen, ohne den Charme seiner Abgeschiedenheit zu verlieren.

Grundrisse eines weiteren gallo-römischen Umgangstempels und Teilrekonstruktion der Außenmauer der Anlage

Blick ins Moseltal vom Aussichtspunkt Fahrlei

Oben auf dem Plateau stören nur die Strommasten die Idylle. Diese sollen in den nächsten Jahren zurückgebaut und durch Bodenleitungen ersetzt werden. Zu erreichen ist die Anlage nur zu Fuß. Allerdings ist von der Mosel an den Wochenenden neuerdigns auch ein kleines Shuttle eingerichtet.

Für Schulen ist der Martberg sicher auch im Hinblick auf Exkursionen, Wander- oder Projekttage interessant. Für Klassen gibt es ein ganztägiges Programm, das u.a. auch ein römisches Mittagessen umfasst und pro Schüler allerdings auch 16€ kostet.

Weitere Infos zur Anlage, Öffnungszeiten etc. finden sich auf der Homepage.

Wer gerne Geocachen geht, kann sich dem Archäologiepark auch mit einem schön gemachten Multi-Cache nähern und so zugleich noch ein bisschen über die Umgebung erkunden.

Keramikbrennofen und Rekonstruktion eines keltischen Speichergebäudes aus dem 1. Jh. v. Chr.

Geocaching als Teil der Geschichtskultur

Was Geocaching ist, brauche ich hier nicht zu erklären. Wer das nicht weiß, kann das auch an anderer Stelle nachlesen (z.B. hier oder hier). Der Blogbeitrag fasst eigentlich nur eine kleine Beobachtung der Geocaching-Touren der letzten Wochen zusammen.

Geocaching ist in den letzten Jahren zu einer Art Massen- bzw. Volkssport geworden. Hat man erstmal ein paar Caches an seinem Wohnort gehoben, fällt einem erst auf, nicht nur viele Caches überall im Land versteckt sind, sondern viele Leute sie Tag für Tag und natürlich vor allem am Wochenende heben.

Dabei gelangt man nicht nur zu den ungewöhnlichen, schönen oder sonstwie interessanten Plätzen, eine Großzahl der versteckten „Traditional“-Caches führt zu historischen Orten, die mehr oder minder vergessen, ein wenig ab vom Strom und der Aufmerksamkeit liegen…

In der Beschreibung vieler Caches begründen dies die Besitzer der Caches oft ausdrücklich damit, dass der Ort kaum beachtet wird, sie diesen aber interessant finden. So hat uns die Schatzsuche an reichlich zufälligen Städten und Orten in den letzten Wochen zu einer ehemaligen Synagoge geführt, die heute als Kulturcafé und Bibliothek genutzt wird, zu den abseitig gelegenen Fundament eines Limesturms, einer denkmalgeschützten, mehrere hundert Jahre alten Eichen, deren Name auf alte Handelswege verweist, und einem weitgehend unbeachteten frühneuzeitlichen Meilenstein.

Es ist eine wunderbare Art, sich ohne Reiseführer in unbekannten Städten von den Caches zu den besonderen Orten der Gemeinde führen zu lassen und diese so zu entdecken. Tausende von Menschen verstecken in Deutschland kleine Boxen und Dosen an historischen Orten, auf die sie damit aufmerksam machen und erinnern wollen. Und noch mehr Menschen machen sich auf diese Schätze zu entdecken und entdecken dabei auch immer unbekannte Orte und ihre Geschichte oder lernen bekannte Ort neu zu sehen.

Auch hier dienen digitale Medien nicht dem Abtauchen in „virtuelle Welten“, sondern dem Erkunden der eigenen Welt, lokaler und regionaler Geschichte(n) des Ortes, an dem man sich gerade befindet. In einer ausführlichen Beschreibung findet sich in der Regel eine Kopie des Wikipedia-Artikels oder sonstiger Kurzinfos zu dem jeweiligen Ort. Das wirkt oft ein bisschen lieblos, aber woher sollte man denn auch mehr oder andere Informationen bekommen. Und wer mal ein paar Jahre zurückdenkt, selbst wer einen Brockhaus zuhause stehen hatte, konnte darin kaum etwas über die Geschichte der kleinen Kapelle am Bach nachlesen.

Was für ein Teil im besten Sinne populärer und lebendiger Geschichtskultur!

Wenig überraschend ist, dass die Geschichtsdidaktik das Thema noch nicht entdeckt hat (zumindest ist mir nichts bekannt, für Hinweise bin ich dankbar). Die außerschulische und die politische Bildung ist hier (wiederum) weiter und wegweisend. Wer sich dafür interessiert, kann sich im Blog von Jöran Muuß-Merholz kundig machen und z.B. die beiden Projekte in Düsseldorf (Landtagsgeschichten) und Berlin (Martin Luther King) anschauen.

Das didaktische und methodische Potential von „Educaching“ für historisches Lernen auch gerade im schulischen Kontext liegt auf der Hand, ob nun Lehrkräfte einer Schule an einem Studientag gemeinsam eine Tour für ihre Klassen erstellen oder Schüler dies selbst tun im Rahmen eines Projekts im Unterricht oder in einer AG.

Gemeinsam mit dem Leiter der Stadtbildstelle Koblenz, die seit einiger Zeit auch GPS-Geräte für Schule zur Ausleihe anbietet, habe ich Projektanträge eingereicht, in denen wir zusammen mit Schülern  unterschiedliche Touren zur Geschichte von Koblenz erarbeiten wollen. Hoffentlich klappt das mit den Förderung, das würde uns durch die Unterstützung eine etwas professionellere Gestaltung erlauben.

Überarbeitete Fassung der Handreichung Koblenz 1933-1945

Eine Überarbeitung der Handreichung zur Arbeit mit Google Maps und eigenen Stadtrundgängen am Beispiel von Koblenz in der NS-Zeit war nötig, da sie nicht dem Corporate Design des Pädagogischen Landesinstituts entsprach. Bei der Überarbeitung haben wir dann gleich auch die Namen und Mailadressen aktualisiert. Wie toll das doch ist mit digitalem und nicht mit gedrucktem Material zu arbeiten 🙂

Download der Handreichung als PDF

Vorbereitungen Wettbewerb classroom4.eu

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Der erste europäische Wettbewerb soll Mitte April starten. Im classroom4.eu-Wiki finden sich seit dieser Woche einige neue und lesenswerte Schüler-Beiträge zur Geschichte des Wahlrechts.

classroom4.eu ist ein europäisches Projekt der Akademie Yuste, das in Form eines Wikis ein interaktives Schulbuch zur europäischen Kulturgeschichte von Schülern für Schülern aufbauen will.

Handreichung: Koblenz 1933-1945

Die Handreichung (Download als PDF) bündelt die Forschungsergebnisse über die Geschichte der Stadt Koblenz im Nationalsozialismus und verbindet diese mit Bildern der Orte sowie einer genauen Lokalisierung auf einer Karte. Lehrkräften kann die Handreichung zur Vorbereitung des Unterrichts mit lokalem Bezug oder eines Unterrichtsgangs dienen. Denkbar ist auch, dass Schülerinnen und Schüler die Karte zur Informationsrecherche für den Unterricht, für ein Referat oder zur Vorbereitung eines eigenen Stadtrundgangs nutzen.

Geschichtswettbewerb: Projektideen für Koblenz

Arbeitsblatt zur Analyse von Kriegerdenkmälern

Vor einigen Tagen wurde hier im Blog eine Idee zum Unterrichtseinstieg mit Kriegerdenkmälern veröffentlicht. Da sich diese Denkmalsform in fast jeder deutschen Stadt findet, bieten sich hier gute Lerngelegenheiten, die Schule zu verlassen und vor Ort zu arbeiten. Dabei lässt sich regionale Geschichte exemplarisch mit der nationalen, europäischen oder gar globalen Geschichte verbinden.

Die Arbeit lässt sich über den Einstieg hinaus natürlich noch vertiefen. Zur Analyse von (Krieger-) Denkmälern habe ich mit dem hier zum Download bereitgestellten Arbeitsblatt (.doc) gute Erfahrungen gemacht. Die Schüler notieren auf dem Blatt ihre Beobachtungen möglichst präzise. Die Notizen werden anschließend im Unterricht verglichen und Symbole erklärt. Davon ausgehend können überregional bedeutsame Monumente  zum Vergleich und Transfer herangezogen werden, um auch das typische von eventuell vorhandenen regionalen Besonderheiten herauszuarbeiten.