Twitter-Geschichtsprojekte

Der Account @RealTimeWWII eines Briten, der sechs Jahre lang den Zweiten Weltkrieg in Tweets nacherzählen will, erhält gerade relativ viel Aufmerksamkeit (siehe z.B. den Artikel in der NZZ) und hat auch viele, aktuell über 138.000  „Follower“ weltweit auf Twitter.

Jan Hodel hat sich gestern kritisch zu dem Projekt im Histnet-Blog geäußert, worauf eine kleine Diskussion sowohl dort im Blog als auch auf Twitter entstand.

Zunächst einmal sei angemerkt, dass solche Geschichtsprojekte nichts Neues sind. Verwiesen sei nur auf die Seite TwHistory.org, die nicht alle, aber vieler solcher Projekt dokumentiert, einige davon auch selbst organisiert hat.

Thomas Wolf hat dann die Frage konkretisiert, welche Kriterien man für die Qualität und das Gelingen solcher Twitter-Projekte benennen könnte. Jan Hodel hat dazu einen Beitrag angekündigt, dem ich nicht vorgreifen, anschließend an seinen Kommentar im Histnet-Blog aus der Praxis aber ein paar Überlegungen beisteuern möchte.

Mit zwei Oberstufenkursen habe ich letztes und vorletztes Jahr solche Twhistory-Projekte ausprobiert, das eine zur Geschichte der Paulskirche, das andere zur Eroberung des Atzekenreichs durch die Spanier.

Resümierend würde ich sagen, Twhistory-Projekte sind kein Königsweg, sondern nur eine methodische und mediale Alternative unter vielen. Twitter ist auch nicht per se besser oder bietet mehr als die Arbeit mit anderen Medien, besitzt  aber durchaus ein Potential für historisches Lernen in der Schule sowie in außerschulischen Projekten z.B. von Archiven. Ähnliches ließe sich sicher auch in Blogs oder stark reduziert als eine Art Schreibgespräch auch in Papierform umsetzen. Zentral für den Einsatz von Twitter scheint zunächst vor allem das Ausprobieren von Neuem, die Motivation durch die Integration dieses bekannten, aber für den Geschichtsunterricht eher ungewöhnlichen Tools  sowie der Chance en passant auch die Funktionsweise von Twitter kennenzulernen, was bekanntermaßen nicht nur einigen Journalisten auf Bundespressekonferenzen helfen könnte, sondern mittlerweile auch jedem einzelnen beim Nachrichtenschauen oder Zeitunglesen.

Trotz dieser Vorrede sehe ich im Gebrauch eines Microbloggingdienstes auch einige fachspezifische Vorteile in Abhängigkeit von den Inhalten. Twitter (oder andere Dienste wie z.B. Edmodo) eignen sich mit Namenswahl und Profilbild besonders für die Personalisierung und das Nachspielen von Geschichte, daher ist der Begriff „virtuelles Reenactment“ durchaus zutreffend. Das  kann bei Jugendlichen das Verständnis komplexer Zusammenhänge erleichtern.  Es darf aber nicht auf der konkreten Ebene einzelner Personen stehen bleiben, sondern muss spätestens zum Abschluss auch noch einmal zu einer Reflexion des Ganzen führen.

Mehrere Accounts können verschiedene historische Personen repräsentieren und damit unterschiedliche Perspektiven auf ein Thema eröffnen. Alle Tweets eines Projekts lassen sich dann in einer Liste sammeln. Die Interaktion von Akteuren lässt sich auf Twitter besser darstellen als in anderen Medien. Sie bietet zudem die Möglichkeit der  teilweisen Individualisierung durch die interessensgeleitete Auswahl der historischen Figur. Hinzu kommt im Sinne eines „Reenactments“ die Rekonstruktion der Chronologie über die Möglichkeit des vorprogrammierten zeitgenauen Versendens einer Nachricht.

So kann über Medieneinsatz Interesse für historische Inhalte zu geweckt und Ergebnisse in offenkundig ansprechender Form öffentlich präsentiert werden.

Aufgrund meiner Erfahrung würde ich sagen, dass sich solche Projekte, sofern sie materialgebunden sind, sehr gut zur Einführung in die Oberstufenarbeit eignen, da sie verknüpft werden können mit Einführungen bzw. Vertiefungen der Informationsrecherche, des Erstellens von Bibliogprahien, der Bibliotheks- bzw. Archivnutzung, sowie damit verbunden der Unterscheidung von Quellen und Darstellungen und  des Prinzips der Multiperspektivität (ggf. auch der Kontroversität) .

Abschließend stichwortartig ein paar sicher noch zu vervollständigende Ideen aus der Praxis:

Was macht die Qualität solcher Projekt in fachdidaktischer Perspektive aus?

– eindeutige Zuordnung der Perspektive zu Personen, idealerweise stellvertretend für eine gesellschaftliche oder politische Gruppe ausgewählt

– idealerweise führt die Arbeit an die Quellen heran und erfolgt die Erarbeitung der Tweets basierend auf Quellenmaterial. Die Nachrichten stellen dann nur Zusammenfassungen von Reden, Briefen oder anderen Äußerungen der verkörperten Person dar. Eine Parlamentsrede auf die Kernbotschaft(en) in einem oder mehreren Tweets von 140 Zeichen zusammenzufassen, stellt eine echte Herausforderung dar, durch das Medium ist der Arbeitsauftrag aber interessanter als das überlicherweise verwendete: „Fasse die Kernaussagen des Textes thesenartig zusammen!“

[Ebenso kann die Rekonstruktion auch über Darstellungen erfolgen und es wäre zu diskutieren, in Abängigkeit von der Teilnehmergruppe und der Lernintention, inwieweit sich die Teilnehmer mit ihren Personen von der Quellenvorlage lösen dürfen, sich in diese hineinzuversetzen und aus ihrer Perspektive mit den anderen historischen Personen direkt zu diskutieren. Dabei gilt es im Nachhinein zu diskutieren, inwieweit die Rollenübernahme gelungen ist. Einschränkend ließe sich die Vorgabe machen, dass nur Personen miteinander kommunzieren können, die sich auch zu dem Zeitpunkt in Ortsnähe befunden oder über entsprechende Kommunikationsmittel verfügt haben. Dies ist z.B. für die Abgeordneten in der Paulskirche kein Problem, wohl aber für Karl V. und Cortés – so ergab sich in letzterem Projekt  bei den Lernenden u.a. die Frage nach Art und Dauer von Nachrichtenübermittlung im 16. Jahrhundert.]

– Dokumentation der verwendeten Quellen und Darstellungen sowie der Vorgehensweise z.B. in einem begleitenden Blog

– Abschließende Aufgabenstellung zur Reflexion des Gesamten und damit Lösen von der Einzelrolle

Was benötigt es zum Gelingen solcher Projekte?

– Motivation durch die gemeinsame Auswahl eines Themas, wobei zu klären ist, ob dafür genügend, auch detaillierte  Informationen verfügbar sind, um dieses mit verschiedenen Rollen „nachzuspielen“

– abhängig von Alter und Erfahrung der Teilnehmer: Vorrecherche, Bereitstellen der Materialien, ggf. auch deren Auswahl und Reduktion

– ausreichend Zeit zur Einführung in die Nutzung von Twitter, ggf. von Blogs, Archiv- und/oder Bibliotheksrecherche

– einen transparenten Zeit- und Arbeitsplan

– Zwischengespräche mit allen Teilnehmern zum Fortgang des Projekts, für Fragen, Hinweise etc.

Hier ist sicher noch einiges hinzuzufügen, zu präzisieren und ggf. auch zu korrigieren.

Wie das 2. Weltkriegsprojekt zeigt, besteht offenkundig ein Interesse an dieser Darstellungsform von Geschichte. Eine Frage, die sich mir noch stellt, wer liest denn solche „historischen“ Tweets und warum?

Inhalte versus Kompetenzen

Es ist jetzt in kurzer Zeit das x-te Mal, dass ich in einer Diskussionsrunde erlebe, wie versucht wird, die Idee eines Geschichtskanons gegen Kompetenzen auszuspielen. Die Argumentation läuft immer gleich ab: Es wird über das mangelnde Geschichtswissen der heutigen Schüler geklagt und behauptet, dass Kompetenzorientierung auf Kosten von „Inhalten“ gehen würde und weiter zu einer Auflösung einer vermeintlich bisher kohärenten historischen Faktenvermittlung führe.

Ehrlich gesagt, ich kann es nicht mehr hören. Ich weiß nicht, was daran so schwer ist. Aber schwer scheint es zu sein, wenn man sich anschaut, wie sogar in einzelnen „Kompetenz“modellen versucht wird, Daten und Namen unter dem dann falschen Titel als „Kompetenzen“ zu verkaufen. Das ist dann in der Tat nur alter Wein in neuen Schläuchen.

Mir ist es nicht verständlich, was so schwer daran ist, Kompetenzen und Inhalte als zwei unterschiedliche, aber aufeinander bezogene Bereiche zu verstehen. Was ich hier schreibe, ist ja nichts Neues. Ich kann nur beispielhaft auf den Beitrag von Andreas Körber verweisen, der hier im Blog bereits kurz vorgestellt wurde.

Ich habe einmal versucht das Verhältnis, so wie ich es verstehe, in einem  Schema abzubilden. Das ist sicher nicht ausgereift, stellt aber die Grundidee dar.

Gegenstände und Themen bleiben natürlich bestehen. Dafür benötigt es entsprechende Kerncurricula. Deren Inhalte werden durch gesellschaftliche Fragestellungen und politische Setzungen bestimmt und festgesetzt. Sie werden von Zeit zu Zeit überprüft, erneuert und ggf. angepasst, weil sich die Fragestellungen in Gesellschaft und Wissenschaft auch immer wieder verändern.

Es ist also keine Frage und führt auch nicht weiter, Kompetenzen und Inhalte als sich gegenseitig verdrängende Entitäten zu betrachten, sondern sie bilden vielmehr zwei aufeinander bezogene Bereiche von Lernen, bei denen das eine ohne das andere gar nicht möglich.

Ein solches Verständnis nähme viel Schärfe aus zum Teil unnötig heftig und emotional geführten Debatten um die Kompetenzorientierung.

Fortbildung: Lernen und Arbeiten mit digitalen Medien – Web 2.0 im Geschichtsunterricht

Das Pädagogische Landesinstitut Rheinland-Pfalz bietet im ersten Halbjahr 2012 zwei aufeinander aufbauende Fortbildungsveranstaltungen zu digitalen Medien für Geschichtslehrkäfte an. Beide Veranstaltungen finden am PL Standort Koblenz statt. Ich freue mich, als Referent erstmal so eine Veranstaltung anbieten zu können.

Die Fortbildung beginnt am 22.03.2012 mit einem ersten Teil, der als Einführung in das Thema gedacht ist. Ausgehend von der Einführung sollen die Teilnehmer selbst Unterrichtsideen entwickeln und umsetzen. Der zweite Teil der Fortbildung folgt am 14.06.2012 und soll dazu dienen, die durchgeführten Unterrichtseinheiten kurz vorzustellen, zu diskutieren und gemeinsam über Kriterien für guten Geschichtsunterricht mit digitalen Medien nachzudenken sowie, falls nötig, entstandene Fragen und Probleme zu klären.

Die Anmeldung für beide Veranstaltungen läuft über Tis-Online.

Fach Geschichte gestrichen

Gerade auf edumeres gelesen. Die Nachricht ist schon ein paar Tage alt und betrifft den Volksschulunterricht der (Deutsch-) Schweiz. Die Änderungen gelten mit der Einführung des so genannten Lehrplans 21 ab 2014. Das neue Fach soll „Mensch und Umwelt“ in den Klassen 4-6 und „Räume, Zeiten, Gesellschaften“ in den Klassenstufen 7-10 heißen und erinnert von der Namensgebung eher an ein verstaubtes Schulbuch.

Ich hatte eigentlich auch gedacht, dass der Trend dem Geschichtsunterricht Stunden zu kürzen oder ihn mit anderen Fächern zusammenzulegen mittlerweile gestoppt wäre. In der Zeit vom 3.11. findet sich zum Thema ein lesenswertes Interview mit Peter Gautschi, das von der Basler Zeitung noch einmal zu einem Artikel ohne weitere Informationen zusammengefasst wurde – auch eine Art Journalismus…

Das Alte Ägypten im Geschichtsunterricht – Entwicklung von Unterrichtseinheiten

Das Thema steht demnächst in meiner 7. Klasse an. Hat jemand Lust, hier in den nächsten Wochen gemeinsam eine Unterrichtsreihe zu entwickeln und die Einheiten in einem eigenen Blog online unter CC-Lizenz zur Verfügung zu stellen?

Grundsätze für die Erarbeitung der Einheiten könnten u.a. die Berücksichtigung

– einer globalgeschichtlichen Perspektive,

– interkulturellen Lernens,

– der Möglichkeiten digitaler Medien,

– kooperativer und kollaborativer Lernformen

sowie

– der inhaltlichen Kritik an der Aufbereitung des Thema in aktuellen Schulbüchern sein.

Ich finde, es wäre ein interessantes Experiment, gemeinsam über einen Blog Unterrichtseinheiten zu entwerfen, zu diskutieren, im Unterricht auszuprobieren und nach Überarbeitung online zu stellen.

Materialien zur Sozialgeschichte

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat eine Ausstellung und umfangreiche Materialien zur deutschen Sozialgeschichte aufbereitet. Auf der Internetseite In die Zukunft gedacht gibt es eine Darstellung, die bereits im späten Mittelalter einsetzt und bis ins Jahr 2010 reicht. Begleitet werden die Texte von vielen Bildern sowie Unterrichtsmaterialien, die – soweit ich das gesehen habe – aus Fragebögen zu den Darstellungstexten bestehen.

Zugänglich sind die Texte und Bilder über eine Zeitleiste,  ein chronologisches Inhaltsverzeichnis oder eine Themenauswahl. Zusätzlich enthält die Seite auch noch ein Glossar zum Nachschlagen zentraler Begriffe. Die Inhalte der Website gibt es zugleich auch als DVD, die beim Ministerium kostenlos bestellt werden kann.

In Berlin zeigt das BMAS auch eine (permanente?) Ausstellung, die vielleicht auch als Station für Klassenfahrten interessant sein könnte. Der Besuch kann mit den bereit gestellten Materialien dann im Geschichts- und /oder Sozialkundeunterricht eingebettet werden. Der Eintritt ist frei und umschließt auch die Benutzung von Audioguides. Konzept und Inhalte der Ausstellung werden in einem Beitrag auf lehrer-online ausführlicher beschrieben. Dort finden sich auch weitere Links rund um das Thema.

Damit noch nicht genug: Begleitend zur Ausstellung hat das BMAS Lehrerbegleitheft zur Ausstellung herausgegeben, das gleichfalls kostenlos über das Ministerium bezogen werden kann.

Es ist offensichtlich viel Geld für ein recht umfangreiches und medial breit gestreutes Projekt bereit gestellt worden. Die Internetseite macht auf den ersten Blick einen sehr guten Eindruck. Die Seiten sind klar gegliedert und übersichtlich gestaltet, die Texte verständlich geschrieben. Die Unterrichtsmaterialien scheinen mir hingegen weniger geeignet und wirken ein wenig unmotiviert dabei gegeben. Zum Sichern des Textverständnis lassen sich die Fragen aber auf jeden Fall nutzen. Spannend könnte es sein, ausgehend von den Internetseiten z.B. ein WebQuest zum Thema zu entwickeln.

Das Lehrerbegleitheft ist bestellt, aber noch nicht eingetroffen. Ich bin gespannt, was hier als „Arbeitsheft für die Schule“ noch angeboten wird.

„Ihre Geschichte im Mitmachkanal auf YouTube!“ ?

Das medial gerade sehr präsente „Gedächtnis der Nation“ –  Projekt lädt ein, dass jeder seine Geschichte(n) auf Youtube einstellt:

„Es sieht einfach aus, ist es auch – wenn Sie unsere Hinweise beachten. Hier erfahren Sie, wie Sie Ihr eigenes Zeitzeugen-Video erstellen können. Dieses Video wird dann anschließend auf unserem Mitmachkanal auf YouTube präsentiert.“

Ein paar Gedanken und eine kleine Diskussion dazu auf Google+.

Hier geht’s zum „Mitmachkanal auf Youtube„, der zum Start des Portals nicht ein einziges Zeitzeugenvideo aufweist…

Mit selbst erstellten Apps üben und wiederholen

Wer die Seite noch nicht kennt, sollte einen Blick darauf werfen: LearningApps.org bietet die Möglichkeit kleine Anwendungen selbst mit Inhalten zu füllen und so an den eigenen Unterricht anzupassen.

Ich habe gestern und vorgestern ein bisschen experimentiert. Die Ergebnisse sind nichts, wofür ich mich rühmen könnte (siehe hier). Vor einem Einsatz im Unterricht müssten alle Entwürfe noch überarbeitet und ergänzt werden. Das gilt für die meisten der auf der Seite bisher freigeschalteten Apps. Mir ging es zunächst einmal darum, selbst auszuprobieren, wie das funktioniert und ich muss sagen, ich bin begeistert.

LearningApps ist ein gemeinsames Projekt in der Beta-Phase der Hochschulen Bern, Mainz und Zittau/Görlitz. Wer die Apps ansehen und ausprobieren möchte, kann dies auch ohne Anmeldung tun. Empfehlenswert ist die Nutzung der Apps im Vollbildmodus. Wer selbst eigene Apps gestalten möchte, muss sich dafür auf dem Portal registrieren. Entdeckt man unter den bereits veröffentlichten eine interesssante App, die aber entweder inhaltliche Fehler enthält oder an die Inhalte des eigenen Unterrichts angepasst werden müsste, so kann diese nach Anmeldung auch verändert (über den Button „Ähnliche App erstellen“) und unter den eigenen Apps gespeichert werden. Selbst erstellte Apps kann, aber muss man nicht veröffentlichen.

Es sind vor allem einfache Zuordnungsaufgaben und -spiele, die angeboten werden. Alle Apps enthalten eine Rückmeldungsfunktion, ob und die Ergebnisse richtig sind oder nicht. Von den bisher 10 Appmodellvorlagen lassen sich alle im Geschichtsunterricht einsetzen, um nur einige Beispiele zu nennen:

  • Zahlenstrahl-Zuordnung: Es können Begriffe, Ereignisse, Personen auf einer selbst definierten Zeitleiste eingetragen werden und die einzelnen Elemente auch mit einer Hilfe zur Zurordnung versehen werden.
  • Zuordnung mit Landkarte: Texte, Bilder, Audio- und/oder Videodateien müssen auf einer Landkarte verortet werden.
  • Videos mit Einblendungen: Videos können mit Text versehen werden, der z.B. an bestimmten Stellen Verständnishilfen oder Arbeitsaufträge bereitstellt.
  • Gruppenzuordnung: Es können 2-4 Gruppen/Kategorien vorgegeben werden, denen dann Texte (Begriffe), Bilder, Audio- und/oder Videodateien zugeordnet werden müssen.

Wo und wie lassen sich diese Apps im Geschichtsunterricht einsetzen? Ein paar erste Gedanken:

Die Apps lassen sich vielfältig einsetzen. Mit der Erstellung werden automatisch eine Linkadresse, ein Einbettcode und ein QR-Code erstellt. So können die Apps auf interaktiven Whiteboards und festinstallierten Rechnern in der Schule, mobilen Endgeräten wie Laptops oder iPads, aber auch auf Smartphones genutzt werden. Auf den IWBs und Tablets macht das Verschieben und Zuordnen am meisten Spaß.

Der Einsatz scheint vor allem sinnvoll zum Üben und Wiederholen: zentrale Jahreszahlen, Begriffe, Epochen können so auf spielerische Weise noch einmal aufgegriffen werden, z.B. für einen aktivierenden Einstieg auf dem interaktiven Whiteboard am Beginn oder, falls noch Zeit ist, am Ende der Stunde. In älteren Klassen können auch die Schülerinnen und Schüler z.B. am Ende einer Unterrichtseinheit selbst Apps zu einzelnen Unterthemen erstellen, die dann von den anderen anschließend gespielt werden. Dies wäre ebenso unterrichtsbegleitend denkbar, so dass vor einem größeren Test oder einer Klausur die Apps zum Lernen herangezogen werden können.

Denkbar ist aber auch der Einsatz in einer Erarbeitungsphase, z.B. könnte man zentrale Begriffe der Aufklärungsphilosophie vorgeben, die dann einzelnen Philosophen zugeordnet werden. Die Schülerinnen und Schüler lesen einen Text oder schauen einen Film, dem sie die notwendigen Informationen entnehmen. Die Lösung dient dann zugleich der Ergebnissicherung, kann von jedem Lerner individuell erarbeitet und dann gemeinsam im Plenum besprochen werden.

Die Apps sind schnell erstellt. Nach einer ersten grundlegenden Orientierung habe ich für das Erstellen der vier Beispielapps jeweils 15-20 Minuten gebraucht. Für inhaltlich etwas aufwendigere benötigt man vielleicht 30 Minuten. Das ist überschaubar. Programmierkenntnisse benötigt man keine, die Bedienung ist weitgehend intuitiv. Damit nähern wir uns weiter der von Hilke Günther-Arndt beschriebenen Voraussetzung für die breite Nutzung digitaler Medien im Unterricht: „wenn sich die Alternative ‘Bedienkompetenz’ versus ‘historische Kompetenz’ nicht mehr stellt„.

Natürlich sind 30 Minuten Vorbereitung für 5-10 Minuten im Unterricht verhältnismäßig viel, dennoch resultieren aus der Erstellung der digitalen Materalien einige Vorteile für Lehrkräfte:

  • Die Apps liegen dauerhaft vor und können einmal erstellt immer wieder eingesetzt werden.
  • Sie sind schneller eingerichtet als vergleichbare Aufgaben mit der Software der interaktiven Whiteboards.
  • Auch andere Lehrkräfte erstellen Apps, die schnell an den eigenen Unterricht angepasst werden können. Der Pool der Materialien wächst sehr schnell.
  • Wo ein Internetzugang vorliegt, können die Apps auch in Vertretungsstunden eingesetzt werden.
  • Die Apps sind multimedial angelegt. Es können Texte, Bilder, Audio- und Videodateien eingebunden werden.
  • Die erstellten Apps sind unabhängig von der an der Schule verwendeten Lernplattform und der Marke der interaktiven Whiteboards. Sie funktionieren übergreifend webbasiert.

Ebenso vielfältig sind Vorteile für das Lernen:

  • Die Apps stehen den Lernenden auch außerhalb der Schule zur Verfügung. Wer mag oder Übung benötigt, kann die Apps zum individuellen Üben und Wiederholen zuhause oder mobil auf dem Handy nutzen.
  • Alle Apps haben sowohl bei der Erstellung als auch beim Einsatz etwas Spielerisches, das motivierend wirken kann. Gerade das ungeliebte Üben und Wiederholen, oft als „stumpf“ qualifiziert, wird leichter: Man lernt, wiederholt, ohne dass es sich wie Arbeit anfühlt.
  • Gleichfalls unterstützend wirken die Möglichkeiten zur Differenzierung (durch Hilfeangaben) und die Ausrichtung am individuellen Lerntempo (sofern individuelle Endgeräte vorhanden).

PS. Einen Wermutstropfen gibt es dennoch zu vermelden, das Einbetten hat mit dem Code trotz längerem Rumprobieren hier im Blog nicht geklappt. Das ist schade, aber verschmerzbar.

Praxistipps zur Quellenkritik im Unterricht

Den gestrigen Historychat auf Twitter zum Thema „Kompetenzen im Umgang mit Quellen“ konnte ich leider nur zum Teil verfolgen, es waren aber einige schöne Anregungen für die Unterrichtspraxis dabei,  von denen ich  zwei hier kurz weitergeben möchte.

1) Eine gute Idee fand ich für die Arbeitsschritte der Quellenanalyse (analog ließe sich das auch für andere Methoden denken) kurze Siglen zu finden, die den Schülerinnen und Schülern das Behalten der einzelnen Schritte und ihrer Abfolge erleichtert. So simple wie gelungene Lernhilfen sind mir aus dem deutschsprachigen bisher nicht bekannt.

Ein Beispiel für die Quellenanalyse wären die drei C’s:

Context (what is happening?), Content (message of the source) und Comment (your idea)

Eine analoge deutsche Bildung für die Arbeitsschritte zur Quellenanalyse könnte z.B. „Kik“ sein (Kontext, Inhalt, Kommentar).

Weitere Beispiele aus dem englischen Chat: PACT (purpose, author, context, time)

Zur Strukturierung der Frage nach der zentralen Aussage einer Quelle: CiD (context, interpretation, detail)

Ich denke, es würde sich lohnen, entsprechende Lernhilfen für den Geschichtsunterricht auf Deutsch zu entwickeln. Das wäre eine ideale Ergänzung für die üblichen Methoden- und „Gewusst wie“-Seiten in den Mittelstufenbüchern, die sind in der Regel so textlastig, dass man die Arbeitsschritte immer wieder nachschlagen, aber kaum behalten kann. Ich wundere mich, dass ich von solchen Siglen und andere Aten von Gedächtnisstützen noch nie gehört habe und sie auch nicht in den Geschichtsbüchern zu finden sind. Oder kennt jemand Beispiele?

2) Für die Praxis sehr anregend ist der kurze Artikel von Heidi Le Cocq zur Heranführung jüngerer Schülerinnen und Schüler an die Quellenarbeit. Der Beitrag aus der Zeitschrift Teaching History kann hier als PDF heruntergeladen werden. Großartig finde ich folgende ebenso einfache wie effektvolle Idee:

„When we moved on to study the Church, and to study a medieval doom painting, I asked the pupils if this was an accurate representation of Hell. The looks of disbelief on the pupils’ faces were lovely to see. I let them patiently explain to me that no one knows what Hell looks like, as no one who has been there has come back! My reaction to this was to switch off the OHP and apologise for showing them sources that were not accurate and therefore of no use to us.  This time the looks  turned to disgust, and several  girls, rather militantly, pointed out that ‘of course the picture is useful because it shows us what medieval beliefs about Hell  were!’  There  are  all sorts of opportunities to reinforce this ability to identify the value of a source.“ (S. 54)