8 Thesen zum Arbeiten mit Interaktiven Whiteboards im Geschichtsunterricht

Morgen findet in Mainz die Fortbildung „Der Einsatz des interaktiven (?!) Whiteboards im Geschichtsunterricht“ statt. Dort halte ich einen kurzen, halbstündigen Impulsvortrag, der interaktive Whiteboards aus einer allgemein- und dann speziell auch fachdidaktischen Perspektive in den Fokus nehmen soll. Meine Gedanken dazu habe ich in 8 Thesen gepackt, die ich hier gerne zur Diskussion stellen möchte. Nicht alles ist neu, vor allem nicht für jene, die sich auch im Bereich der Mediendidaktik umschauen. Für Geschichtslehrkräfte, die sich bisher vielleicht weniger mit den Boards auseinandergesetzt haben, halte ich diese grundlegenden Punkte trotzdem für wichtig. In der Summe können die Thesen vielleicht auch erste Orientierungen bieten, um zu beschreiben, was „guten“ Unterricht mit interaktiven Whiteboards ausmacht.

  1. Es kommt nicht auf die Technik, sondern auf den didaktisch und methodisch geplanten Einsatz des Boards und seiner Software an.
  2. Medienintegration ist der hauptsächliche Mehrwert bei der Arbeit mit interaktiven Whiteboards im Unterricht.
  3. Interaktive Whiteboards sind eine notwendige Ergänzung für die Arbeit mit digitalen Medien im Unterricht.
  4. Es gilt das „Primat der Didaktik“: Nicht die Medien bestimmen die Inhalte, sondern die Inhalte (inkl. Lernziele und Kompetenzen) bestimmen die Mediennutzung.
  5. Das IWB ist genauso wie die Kreidetafel in allen Phasen des Unterrichts und für alle Aktivitäten historischen Lernens einsetzbar.
  6. Die analytische Trennung von medialer Form und Inhalt verändert die Gestaltung von Geschichtsunterricht auf methodischer Ebene.
  7. Die Nutzung von interaktiven Whiteboards erweitert die im Unterricht sinnvoll nutzbaren medialen Formen und ermöglicht die Einbindung von aktuellen Zeugnissen der Geschichtskultur.
  8. Quellen und Darstellungen in digitaler Form vereinfachen die Durchführung von schüler- und produktorientierten Lernformen.

Classroom4.eu jetzt auch auf Facebook

Nachdem die Finanzierung für die Webseiten zumindest für die nächsten zwei Jahre gesichert erscheint, haben wir uns nun neben dem Twitter-Account auch einen Facebook-Auftritt zugelegt. Wer also über das Projekt auf dem Laufenden bleiben will, hat nun eine Möglichkeit mehr sich zu informieren.

Vielleicht hat ja noch jemand Lust und Zeit am Ende des Schuljahres mit einem Oberstufenkurs an einem der Themen zu arbeiten und kurze Artikel schreiben zu lassen. Die Beiträge der Schüler können dann auch auf classroom4.eu veröffentlicht werden.

Es gibt bereits Essays auf Deutsch, Englisch, Spanisch und Französisch. Alle Beiträge stehen unter CC-Lizenz und können auch als Material für den Unterricht genutzt werden. Es können auch selbst erstellte Bilder und Videos ergänzend zum Text eingereicht werden

Ideen und Anregungen, wie mit dem Projekt im Unterricht gearbeitet werden kann, finden sich hier in einem Google Doc zusammengefasst. Ansonsten  stehe ich für Fragen auch gerne zur Verfügung.

Geocaching-Tour zur Demokratiegeschichte von Rheinland-Pfalz

Die Projektidee Geocaching für den Geschichtsunterricht zu nutzen am Beispiel der Demokratiegeschichte des Landes Rheinland-Pfalz in Koblenz hatten wir beim Konzeptwettbewerb von medien+bildung.com eingereicht. Gestern abend war die Preisverleihung und das eingereichte Konzept wurde in der Kategorie Schule mit dem Hauptpreis ausgezeichnet. Die Auszeichnung ehrt und verpflichtet uns zugleich: Nun ist es an uns, für eine gelungene Umsetzung zu sorgen.

Während es zahlreiche Angebote aus den Bereichen Tourismus, aus der politischen und außerschulischen Bildung gibt, sind mir bisher kaum Versuche bekannt, Geocaches als eine Form mobilen Lernens fachdidaktisch durchdacht für den Unterricht nutzbar zu machen gemeinsam mit Schülern lehrplanbezogene Projekte zu entwickeln. Dabei rückt das mediengestützte historisches Lernen vor Ort in den Fokus. Die sich hier bietenden Möglichkeiten wollen wir in der Praxis testen und evaluieren.

Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit mit den Kollegen von medien+bildung.com und hoffen die Ergebnisse in Form differenzierter, historischer Caching-Angebote in Koblenz für Schulklassen, aber auch alle darüber hinaus Interessierten im Lauf des nächsten Schuljahrs vorlegen zu können.

Die Preisträger 2012 © medien+bildung.com

Eine Übersicht über alle Kategorien und ausgezeichneten Projekte findet sich auf der Seite des Wettbewerbs.

Workshop: Zeitzeugen und historisches Lernen

Vorab stelle ich hier die Präsentation und Linkliste für den Workshop nächste Woche zur Verfügung und Diskussion. Anregungen und Kritik sind willkommen. Der Workshop kann dadurch nur besser werden.

 

Zum Workshop habe ich als Handout eine Auswahl von Adressen, Links und Literaturtipps als Dokument auf einem Titanpad eingerichtet, das auch bearbeitet und ergänzt werden kann.

Geocaching: historisches Lernen vor Ort und unterwegs

Auf den Geschichtsseiten des Bildungsservers Rheinland-Pfalz findet sich neu ein Artikel zum Geocaching:

http://geschichte.bildung-rp.de/entwicklung/geocaching.html

Der Beitrag ist eine erweiterte und überarbeitete Version des Texts, der vor kurzem hier im Blog erschienen ist.

Zeitzeugen im Geschichtsunterricht

In Vorbereitung für einen Workshop zum Thema habe ich ein wenig in der Literatur gestöbert und bin überrascht. Zeitzeugen als Teil der Geschichtskultur und des Geschichtsunterrichts sind heute einigermaßen selbstverständlich. Auch wenn selbst organisierte Zeitzeugeninterviews im Unterricht aufgrund des organisatorischen und zeitlichen Aufwands bei geringer Stundenzahl des Fachs wohl eher ein Nischendasein führen, sind sie auf Ebene der Schulen etabliert und es gibt mittlerweile zahlreiche Anlaufstellen, die die Vermittlung von Zeitzeugen unterstützen.

Was mich nun zunächst überrascht hat, wie relativ jung das Phänomen doch noch ist.

So findet sich im Handbuch Geschichtsdidaktik in der 5. Auflage von 1997 weder ein eigener Eintrag noch ein Schlagwort zu Zeitzeugen/-gespräch/-interview. Im Bereich „Geschichte als Wissenschaft“ findet sich allerdings ein Beitrag zu „Oral history“, die hier noch ganz grundlegend als umstrittene geschichtswissenschaftliche Methode erklärt und gerechtfertigt wird. Die Hinweise für den Unterrichtseinsatz beschränken sich auf wenige Sätze, die allerdings sicherlich auch weiterhin ihre Gültigkeit besitzen, wenn sie vor der Gefahr der unkritischen Identifikation warnen.

In verschiedenen Beiträgen wird auf die „Schrittmacherfunktion“ (Kaminsky) des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten für die Verbreitung der Methode Zeitzeugenbefragung im schulischen Bereich hingewiesen. So kann Henke-Bockschatz im Handbuch Methoden im Geschichtsunterricht bereits darauf verweisen, dass „für den Bereich des Geschichtsunterrichts […] immer mehr Lehrpläne, Schulbücher und didaktische Handreichungen dazu [ermuntern], gemeinsam mit Schülern das Gespräch mit Zeitzeugen zu suchen.“ Das gilt weiterhin und wird durch die mediale Inszenierung von Zeitzeugen, vor allem durch das Fernsehen, weiter unterstützt und verstärkt.

Bemerkenswert finde ich, und das war der zweite Überraschungsmoment, die durchgängig doppelte Zuordnung von Zeitzeugengesprächen als Medium und Methode. Hier wäre meines Erachtens eine Präzisierung notwendig und auch hilfreich. Sauer ordnet in seiner Einführung Geschichte unterrichten Zeitzeugenaussagen“ den Medien zu. Hinzuzufügen wäre, dass sie in unterschiedlicher medialer Form vorliegen: mündlich (evtl., aber nicht zwingend mit Präsenz des Zeitzeugen, denkbar ist ja z.B. auch ein Gespräch über skype), verschriftlicht, als Audio- oder Videoaufzeichnung. Jede diese Form bringt eigene Spezifika mit sich, die für ihren Einsatz im Unterricht sowie für die Auseinandersetzung der Schüler mit ihnen zu berücksichtigen sind. Darüber hinaus ist zu unterscheiden, ob das Interview vollständig oder nur in Auszügen vorliegt.

Die eigene Zeitzeugenbefragung mit entsprechender Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung ist dann hingegen eindeutig als Methode historischen Lernens und Forschens zu identifizieren.

Thematisierung der Geschichte der ehemaligen Ostgebiete im Unterricht

Im Rahmen der Bewertung einer Facharbeit hatte ich kürzlich eine interessante Diskussion mit einem Kollegen, deren Inhalt ich hier gerne noch einmal aufnehmen möchte.

In der Facharbeit hatte ein Schüler über die Geschichte Schlesiens geschrieben und bemängelt, dass die Geschichte der ehemaligen Ostgebiete kaum in den Schulgeschichtsbüchern noch in den Lehrplänen vorkomme. In der Arbeit hat er dann versucht aufzuzeigen, dass z.B. das oberschlesische Industriegebiet ebenso gut exemplarisch beim Thema Industrialisierung behandelt werden könne wie das Ruhrgebiet und sich darüber hinaus insgesamt an der Geschichte Schlesiens einige Phänomene der europäischen Geschichte bündelten, so dass eine exemplarische Behandlung Schlesiens als europäische Region wünschenswert wäre.

Das Argument des Kollegen war nun, dass er es für problematisch hält, die Geschichte der ehemaligen Ostgebiete auch außerhalb der Vertreibungen nach dem 2. Weltkrieg ausführlicher zu thematisieren, weil man dadurch (die Debatte etwas verkürzend wiedergebend) eventuell bei der Schülergeneration überhaupt erst revisionistische Gedanken wecken könne (im Sinne, wenn das alles mal „deutsch“ war, dann…).

Ich würde dagegenhalten, dass, wenn wir diese Geschichte nicht in hinreichendem Maße im Unterricht thematisieren und diese dabei in einen europäischen oder globalen Rahmen einbetten, dann kann vielmehr der Eindruck einer Tabuisierung entstehen, den wiederum revisionistische Gruppen instrumentalisieren. Dadurch können sie eine meines Erachtens gefährliche Deutungshoheit gewinnen. Die  Zielrichtung und Argumentation dieser Deutungen dekonstruieren zu können, sollte hingegen eigentlich eine zentrale Aufgabe des Geschichtsunterichts sein.

Mich würde sehr interessieren, wie Sie/ihr das als Kollegen sehen/seht und ggf. im Unterricht handhaben/handhabt.

Über die Fußball-EM im Unterricht zum Thema Nation und ihrer Konstruktion

Große Sportereignisse bieten auch immer die Möglichkeit, Themen, die sonst weniger Aufmerksamkeit erhalten, stärker in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. So ist dies auch mit der EM in Polen und der Ukraine. Sport ist nicht nur gegenwärtig, sondern war immer auch Politik. Während die Ukraine als Austragungsort gerade hoch politisiert wird, gerät Polen in der Debatte etwas ins Abseits. Dabei kann die EM Anlass sein, unsere Nachbarn besser kennenzulernen und z.B. die deutsch-polnischen Beziehungen auch im Unterricht aufzugreifen.

Dies lässt sich anhand der großen Politik tun, oder aber an Fußballgeschichte, an konkreten Biographien einzelner Spieler, wie z.B. Ernst Willimowski bzw. Ernest Wilimowski:

Seine Fußballlaufbahn begann er 1927 mit elf Jahren im deutsch-oberschlesischen 1. FC Kattowitz, wo er bis zum Jahr 1934 erfolgreich spielte. Nach dem Wechsel zu Ruch Wielkie Hajdukiwurde er bereits 1934 als 18-Jähriger polnischer Fußball-Meister. Diesen Titel errang er mit seinem Team auch 1935, 1936 und 1938. In 86 Spielen für Ruch Chorzow schoss Willimowski 112 Tore und wurde 1934 und 1936 polnischer Torschützenkönig.

Am 21. Mai 1934 debütierte er in der polnischen Nationalmannschaft in Kopenhagen gegen Dänemark. Polen verlor das Spiel mit 2:4. Vor dem Zweiten Weltkrieg spielte er 22 Mal für die Polnische Nationalmannschaft. […] Nach dem Einmarsch der Deutschen in Polen unterschrieb Willimowski die deutsche Volksliste. […] 1941/42 absolvierte er acht Länderspiele für die Deutsche Nationalmannschaft.

Aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Willimowski

Dass das Thema nicht völlig an den Haaren herbeigezogen ist, zeigen die neuen Veröffentlichungen und Veranstaltungen (Auswahl siehe unten).

Buch

Thomas Urban, Schwarze Adler, weiße Adler. Deutsche und polnische Fußballer im Räderwerk der Politik, Göttingen 2011. Lizenzausgabe der BpB 2012

Artikel

Marcin Wiatr, „Der oberschlesische Fußballplatz – ein europäischer Erinnerungsort?“, in: Inter Finitimos 9 (2011) – Themenschwerpunkt: Fußball, S. 22-47.

Konferenz

Konflikt und Konkurrenz: Deutsch-polnische Beziehungsgeschichte im Fußball. Ein historisches Symposium aus Anlass der Euro 2012 in Polen und in der Ukraine, FES Berlin, 29.-31.5.2012, Link

Ausstellung

Ausstellungseröffnung „Willimowski, Klose, Podolski & Co. • Oberschlesier in der deutschen und polnischen Nationalmannschaft – gestern und heute“  am 8. Juni 2012 im Amerika-Haus, Berlin, PDF 

Für den Geschichtsunterricht aufbereitet, wurde das Thema meines Wissens noch nicht. Lehrplanthemen an Fußballgeschichte aufzuhängen ist nichts Neues, für 1954 und 1974 kenne ich da einige Beispiele auch aus den bekannten Fachzeitschriften (zuletzt in Geschichte lernen Nr. 47).

Bücher und Aufsätze können das Material liefern, um hier exemplarisch eine Unterrichtseinheit vorzubereiten und passend zur EM das spannende und komplexe Thema der deutsch-polnischen Beziehungen und der Konstruktion von regionalen bzw. nationalen Identitäten an konkreten Spieler- und/oder Vereinsbiographien anschaulich im Unterricht aufzugreifen.

Kurzum die Frage: Hat jemand Interesse kollaborativ in einem Google Doc zum Themenkomplex: Deutsch-polnische Beziehungsgeschichte, Konstruktion von Nation und Nationalismus am Beispiel der oberschlesischen Fußballer und Vereine eine Unterrichtseinheit für eine 10./11. Klasse zu entwickeln?

http://goo.gl/HXCWE

Das wäre auch methodisch ein spannendes Experiment. Zwar habe ich über solche Dokumente bereits kollaborativ an Texten gearbeitet, gemeinsam eine kurze Unterrichtseinheit auf diesem Wege habe ich bisher noch nicht erstellt. Ich würde mich freuen, das mal mit ein paar Kollegen auszuprobieren!

Etherpads nutzen im Geschichtsunterricht

Für alle, die mit dem Begriff nichts anfangen können, hier kurz die Definition der Wikipedia:

EtherPad ist ein webbasierter Editor zur kollaborativen Bearbeitung von Texten. Etherpad erlaubt es mehreren Personen, in Echtzeit einen Text zu bearbeiten, wobei alle Änderungen sofort bei allen Teilnehmern sichtbar werden. Dabei können die Änderungen der verschiedenen Bearbeiter farblich unterschieden werden. Eine weitere komfortable Funktion ist die Möglichkeit neben der Textbearbeitung im Bearbeitungsfenster zu chatten.

Eine schöne Anwendungsmöglichkeit liegt in der Arbeit mit Jahreszahlen (siehe auch hier). Zum Einstieg eher aber noch zum Abschluss der Unterrichtsreihe zu einem Thema sammeln die Schülerinnen und Schüler in einem Etherpad relevante Jahreszahlen zu diesem Thema. Durch eine Vorgabe z.B 10, 15 oder 20 Daten zu sammeln, entsteht die Notwendigkeit eine Auswahl zu treffen. Dafür muss man sich über die Relevanz der jeweiligen Vorschläge verständigen.

Zur Diskussion und Auswahl über die Relevanz der Daten, Personen und Ereignisse nutzen die Schülerinnen und Schüler die Chatfunktion. Die Etherpads sind mittlerweile stabil und sind dauerhaft unter dem einmal erstellten Link erreichbar. Natürlich können die fertigen Zusammenstellungen auch als Word- oder PDF-Dokument gespeichert und weitergegeben werden.

„Heute gucken wir einen Film“ (Buchtipp)

Das vorliegende Buch ist eine veröffentlichte Masterarbeit von Britta Wehen, die an der Universität Oldenburg entstanden ist. Der ein oder andere Leser hat vielleicht auch zur Entstehung der Arbeit mit der Teilnahme an der Umfrage beigetragen, die auch hier im Blog verlinkt war.

Es ist eine Arbeit, die die Veröffentlichung gelohnt hat und in die jeder Geschichtslehrer, der bei Zeiten einen Film im Unterricht einsetzt, zumindest mal einen Blick werfen sollte.

Die Kernbotschaft der Arbeit ist klar formuliert:

Die große Möglichkeit für den Geschichtsunterricht liegt […] im grundlegenden Konstrukt- und Erzählcharakter des Films: Ein historischer Spielfilm verstanden als historische Narration, kann als Ergebnis eines Re-Konstruktionsprozesses der Vergangenheit de-konstruiert werden. (S. 34)

Die Ergebnisse ihrer Umfrage legen nahe, dass ein solcher Umgang im Unterricht wie aber auch ein entsprechendes Verständnis von historischen Filmen und Geschichte selbst als Konstrukt bei Lehrkräften wenig verbreitet ist.

Wehen stellt überzeugend dar, dass „die Frage nach der Korrektheit der Darstellung […] für sich allein genommen zu keiner historischen Erkenntnis“ (s. 36) führt, da es sich hier nur um einen Abgleich handelt. Daher müsse die „Leitfrage für die De-Konstruktion eines Geschichtsspielfilms […] immer die Frage, auf welche Weise im Spielfilm erzählt und gehandelt wird“ sein. (S. 36)

Obwohl Geschichtsspielfilme enorm populär sind und einen wichtigen Teil der Geschichtskultur, auch insbesondere der Lebenswelt der Schülerwelt, ausmachen, gibt es aus geschichtsdidaktischer Sicht bislang weder umfangreiche Studien zur Wirkungsweise dieser Filme noch dazu ob sie, wie von einer großen Mehrheit der befragten Lehrkrafte angenommen, die Entwicklung historischer Sachkompetenz fördern können.

Insgesamt gibt die Arbeit von Britta Wehen einen Einblick in ein spannendes, noch weitgehend unbearbeitetes Forschungsfeld, das nah am Unterrichtsgeschehen ist. Sie zeigt interessante Perspektiven auf, die dazu anregen, über den Filmeinsatz im eigenen Unterricht zu nachzudenken und diesen in Richtung einer stärkeren Kompetenzorientierung zu verändern.

Britta Wehen, „Heute gucken wir einen Film“. Eine Studie zum Einsatz von historischen Spielfilmen im Geschichtsunterricht (Oldenburger Schriften zur Geschichtswissenschaft 12), Oldenburg 2012.