Arminius vs. Varus

Dossier zur Varusschlacht auf dem Internetportal Westfälische Geschichte (Hinweis via Archivalia). Die relevanten Quellenauszüge sind dort auch online in Original und Übersetzung veröffentlicht. Darüberhinaus bietet das Dossier eine Zeitleiste, einen Überblick über die Literatur zum Thema sowie Einblick in den geschichtskulturellen Niederschlag der Schlacht, u.a. mit interessanten Kapiteln über den Film „Hermannschlacht“ von 1924 und zum „Varus-Jahr“ 2009.

Für weitere Online-Materialien zum Thema siehe auch hier.

Geschichtswettbewerb: Projektideen für Koblenz

Rezension: Hörbuch Spectaculum Mundi Medievalis

Das vorliegende Hörbuch stammt aus dem Verlag Berliner Hörspiele. Das Buch ist geschrieben und gelesen von Stephan Warnatsch, der als Lehrer in Berlin an einer Gesamtschule sowie als Lehrbeauftragter am Institut für Geschichte an der TU Berlin tätig ist.

Warnatsch trägt seinen Text mit viel Engagement vor und man gewinnt den Eindruck, dass ihm die mittelalterliche Geschichte ein Herzensanliegen ist. In insgesamt 217 Minuten schlägt Warnatsch auf drei CDs einen großen Bogen von dem Quellenzugang zur mittelalterlichen Geschichte, über den Lebenslauf der Menschen, ihre Lebenswelt in Städten und auf dem Land bis hin zu Reisen, Festen und Fragen der Moral und Religion.

Das Buch ist hörenswert inszeniert und besticht vor allem durch die reiche Auswahl an interessanten Quellen, die von unterschiedlichen Sprechern vorgetragen werden. Gerade die vorgetragenen Quellen lassen sich hervorragend in den Unterricht integrieren. Zum einen weil sie ein weites Panorama der mittelalterlichen Welt eröffnen, zum anderen weil das Zuhören auf diese Weise nur selten vorkommt. Die Schüler in der Regel Quellentexte selbst laut vortragen oder leise erarbeiten. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass bei der Erfassung von Geschichtsstunden festgestellt wurde, dass sehr viel Zeit mit dem lauten Vorlesen von Texten im Unterricht zugebracht würde. Für ein Fach, dass sich als erarbeitend und problemorientiert versteht in der Tat ein erstaunlicher Befund. Auf jeden Fall scheint mir die Kombination von schriftlicher vorliegendem (oder anschließend reingereichtem) Quellentext und dessen professionellem Vortrag von CD eine kleine nette methodische Abwechslung für den Unterrichtsalltag.

Zum Teil scheint der Vortragsduktus beim Verfassertext von Warnatsch etwas schnell und überhastet und die an einigen Stellen etwas akademisch ironische Ausdrucksweise macht das Hörbuch in längeren Passagen selbst für den Unterricht in der Oberstufe schwierig. Text und Vortrag leben von der Lebendigkeit und den Kommentaren des Autors. Undifferenzierte Seitenhiebe wie die Andeutung, der Islam sei im Mittelalter verharrt, sind vollkommen unnötig und wären besser unterblieben. Ansonsten aber ingesamt ein Hörbuch, das Freude und Lust aufs ein sehr vielfältiges Mittelalter macht, das uns hier in seiner zeitgleichen Nähe und Fremdheit präsentiert wird.

Das Hörbuch kann auf den Seiten des Verlags in Auszügen angehört und als CD für 12,99€ bestellt werden.



Dommedag Als

Das war Dänisch. Keine Ahnung, was das heißt, und auch der Übersetzer von Google hilft nicht wirklich weiter.  Es ist auf jeden Fall der Titel des neuen Buches des Historikers Tom Buk-Swienty, das es auf die Titelseiten der dänischen Zeitungen geschafft hat. Die „Enthüllungen“ werden heiß diskutiert und als wissenschaftliche Sensation gehandelt. Das sind sie sicher nicht. Interessant ist es trotzdem. Buk-Swienty hatte als erster Zugang zum Privatarchiv des dänischen Königs Christian IX. (1863-1909), wo er Dokumente gefunden, die belegen, dass der König auf eigene Initiative nach dem verlorenen Deutsch-Dänischen Krieg mehrfach versucht hat, in direktem Kontakt mit Bismarck und dem preußischen König Dänemark in den Deutschen Bund aufnehmen zu lassen. Dafür hat er auch die Vermittlung des belgischen Königs gesucht. Allerdings war dies nicht im Interesse Preußens und wurde deshalb nicht weiter verfolgt. Presseberichte finden sich heute u.a. in der Süddeutschen Zeitung, im Hamburger Abendblatt. Aus geschichtskultureller Perspektive besonders interessant ist die Darstellung in der deutschsprachigen Tageszeitung in Dänemark, dem „Nordschleswiger“, der dem Thema neben einem ausführlichen Bericht noch einen Leitartikel widmet.

Für die Wikipedia-Forscher interessant: Seit 11:06 Uhr heute morgen sind die Informationen schon in den Artikel über Christian IX. eingearbeitet.

Lenin, Churchill, De Gaulle, Gandhi, Roosevelt und Mao

Was haben Lenin, Churchill, De Gaulle, Gandhi, Roosevelt und Mao gemeinsam, außer dass sie Staatsmänner waren und tot sind?

Unglaublich aber wahr auf Initiative des Präsidenten der Region Languedoc-Rousillon werden gerade von den „großen Staatsmännern“ der Geschichte über 3m hohe Bronzestatuen in Montpellier aufgestellt. Siehe die entsprechenden deutschen Presseberichte dazu hier oder naturgemäß etwas umfangreicher das Echo der französischen Presse.

Urheberrecht vs. Wissensexplosion

Zur Entwicklung des Urheberrechts in Deutschland im 19. Jahrhundert bietet spiegel online einen sehr interessanten Artikel. Im Vergleich von England und Deutschland ergibt sich, dass gerade das lange Fehlen urheberrechtlicher Beschränkungen zu einer Wissensexplosion und viel höheren Bücherproduktion geführt hat. Schöner Text für einen Oberstufenkurs, auch gut kombinierbar mit dem Unterrichtsvorschlag von Goethes Brief an die Bundesversammlung zum Urheberrecht.

Untertanen oder Bürger?

Laut Spiegel Online haben Mitarbeiter der Kongressbibliothek in Washington mit einer spektroskopischen Analyse im Konzeptpapier Jeffersons für die Unabhängigkeitserklärung entdeckt, dass dieser zunächst „subjects“ (Untertanen) geschrieben hatte und dies dann durch „citizens“ (Bürger) verbessert hatte. Der kurze Artikel kann zum Einstieg in das Thema aber auch zur Wiederholung dienen, indem die Schülerinnen und Schüler selbst erklären, wo der „große Unterschied“ in der Verwendung der beiden Begriffe liegt.

Der ausführliche Bericht auf den Seiten der Library of Congress findet sich hier.

Hörbuch-Rezension: Kleine Geschichte der Freien Universität Berlin

Im vorliegenden Hörbuch erzählt Wolfgang Wippermann, apl. Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Freien Universität Berlin, die Geschichte „seiner“ Universität. Dabei gelingt es ihm, die Entstehungsgeschichte der Uni mit der Gründung 1948 in einen breiten welthistorischen Kontext einzubetten. Durch die Konkretisierung am Beispiel der Freien Universität wird der Weg in den sogenannten Kalten Krieg und die Rolle Berlins überaus anschaulich und ist damit als Hörausschnitt auch sehr gut im Unterricht als Einstieg oder Vertiefung des Themas sehr gut einsetzbar. Ähnliches gilt für die Schilderung der Vorgeschichte und Entwicklung der Studentenbewegung rund um das Symboljahr 1968, vor allem den mir bis dahin unbekannten „Fällen“ Kuby und Krippendorff, wobei letzteres,  heute gleichfalls Professor, als Zeitzeuge seine Geschichte selbst erzählt.

Weniger überzeugend sind die letzten beiden Kapitel gelungen, die die Zeit seit 1968 und vor allem die letzten 20 Jahre schildern, die Wippermann selbst als Dozent an der FU miterlebt hat und als Niedergang beschreibt und die abschließend zu einem hochschulpolitischen Kommentar des Bologna-Prozesses wird. Stark ist Wippermann dort, wo er mit Begeisterung von der Gründungsidee und der Erfolgsgeschichte der ersten Jahrzehnte der FU berichtet.

Das Hörbuch wird neben Wippermann noch von einem weiteren Sprecher, der die Übergänge zwischen den Erzählungen Wippermanns herstellt sowie Auszügen aus einem Zeitzeugengespräch mit Professor Krippendorff gestaltet. Zu Beginn findet sich ein O-Ton aus der Ansprache von der Übergabe des Henry-Ford-Baus  1954 durch den damaligen Innenminister Schröder. Davon hätte man sich mehr gewünscht, allerdings ist es eben nur ein Hörbuch und kein Hörspiel oder Feature , wobei die erzählte(n) Geschichte(n), angereichert durch O-Töne und Musik aus der Zeit noch spannender verpackt wäre(n).

Das Hörbuch ist eine Produktion der Berliner Hörspiele und dort für 14,90€ zu beziehen.