Kriegsgefangenenlager als Erinnerungsorte 2 – Lamsdorf/Łambinowice als Lernort

Łambinowice ist heute ein unscheinbarer Ort, der in der Woiewodschaft Opole liegt. Der deutsche Ortsname ist vielen bekannt und im Gedächtnis geblieben: Lamsdorf. Dort gab es seit dem deutsch-französischen Krieg wiederholt Kriegsgefangenen-, Arbeits- und Durchgangslager.

Mir sagte das nichts bis zur Studienfahrt vor zwei Wochen, auf der wir einen ganzen Tag in Łambinowice selbst sowie einen halben Tag im Kriegsgefangenen-Museum und -Archiv in Oppeln verbracht haben. Der Ort hat mich tief beeindruckt. Ich vermute, dass sowohl der historische Ort als auch sein didaktisches Potential bei deutschen Lehrkräften wenig bis gar nicht bekannt ist, deshalb möchte ich beides in diesem Blogbeitrag darstellen, in der Hoffnung den ein oder anderen vielleicht zur einer Fahrt dorthin motivieren zu können.

Die Geschichte eines Militärstandorts in Lamsdorf reicht bis in die preußische Zeit zurück: 1860 begannen die Planungen zur Einrichtung eines Truppenübungsplatzes wurde in der Nähe des Orts. Den Namen Lamsdorf erhielt der Truppenübungsplatz ab 1900. Im deutsch-französischen Krieg 1870/71 wurde der Ort zum ersten Mal als Lager für französische Kriegsgefangene genutzt. Gräber der französischen Gefangenen finden sich noch auf dem alten Friedhof heute und sind die ältesten erhaltenen Überreste. Nach 1871 war der Ort wiederum Exerzier- und Übungsplatz. Zahlreiche Fotos und Postkarten dokumentieren diese Zeit und lassen sich gut im Unterricht einsetzen.

Im Ersten Weltkrieg erfolgte ein größerer Ausbau und wiederum eine Nutzung als Kriegsgefangenenlager. In Lamsdorf waren u.a. russische,

Gräber rumänischer Soldaten. Datierung des Krieges auf den Gedenkplaketten: 1916-1919

französische, britische, rumänische  und serbische Soldaten interniert. Über 7000 von ihnen starben durch Auszehrung und Unterernährung.

Nach dem Ersten Weltkrieg und der Abtretung von Teilen Oberschlesiens an das wieder errichtete Polen richtete man im ehemaligen Kriegsgefangenlager ein Sammelzentrum für Aussiedler aus den nun polnischen Gebieten Oberschlesiens ein. Danach wurden während der Weimarer Republik hier Sportstätten und ein Stadion errichtet, die dann von den Nationalsozialisten in der Folge auch für die Neuorientierung der Sporterziehung zur Wehrertüchtigung von Schülern genutzt wurden. Spätestens ab dem 26. August 1939 wurden auf dem daneben weiter existierenden Militärgelände mit der Neueinrichtung eines Kriegsgefangenenlagers konkrete Kriegsvorbereitungen unternommen.

Zunächst war Lamsdorf ein Durchgangslager (DuLag) und wurde dann ab Mai 1940 mit dem Eintreffen britischer Gefangener zu den größten Stammlagern (StaLag) der Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs. Im Lauf des Kriegs wurden hier fast alle Gegner Deutschlands interniert: u.a. Franzosen, US-Amerikaner, Griechen, Jugoslawen, Polen (besonders aus dem Warschauer Aufstand als über 6000 Aufständische nach Lamsdorf gebracht wurden) und vor allem Soldaten der Sowjetarmee.

Entsprechend der NS-Ideologie erfuhren die Gefangenen eine sehr unterschiedliche Behandlung. Die Soldaten der Sowjetunion waren in eigenem Lagerkomplex untergebracht und bildeten mit insgesamt rund 200.000 Gefangenen, von denen über 40.000 gestorben sind, die bei weitem größte Gruppe. Für sie wurden auch keine Einzel-, sondern nur noch Massengräber angelegt.

Im Januar erfolgte die Evakuation des Lagers mit Märschen ins Zentrum Deutschlands. Kranke und Schwache wurden im Lager zurück und sich  selbst überlassen. Mitte März befreite die Rote Armee die Gegend und damit auch das Lager.

Ab Juli 1945 bis zum Herbst 1946 wurde in der Nähe ein Arbeits- und „Umsiedlungs“-Lager für Schlesier aus den umliegenden Dörfern errichtet. In der Erinnerungsliteratur ist dieses auch als „Hölle von Lamsdorf“ (so der Titel des Buchs von Heinz Esser) bezeichnet. Man schätzt, dass ca. 1000-1500 Menschen in diesem Lager gestorben sind.

Heute befinden sich auf dem riesigen Gelände der verschiedenen Lager noch Überreste einzelner Baracken, zahlreiche Denk- und Mahnmäler aus unterschiedlichen Zeiten, ein Friedhof sowie ein Museum. In seiner Kontinuität dürfte der Ort einmalig sein. An der kurzen Zusammenfassung seiner Geschichte lässt sich erkennen, dass hier nicht nur deutsch-polnische, sondern wie in einem Brennglas 150 Jahre europäischer Geschichte anschaulich und erfahrbar werden.

Als Einstieg vor Ort oder im Klassenzimmer kann der im Januar 2012 sehr professionell und aufwändig erstellte Film zur Geschichte des Ortes dienen, der auf der DVD auch in einer deutschsprachigen Version verfügbar ist. Auf Youtube findet sich eine kurze Zusammenfassung auf Polnisch, die aber einen guten Eindruck des insgesamt etwa 20 Minuten langen Films vermittelt:

Die Wikipedia-Artikel sind noch etwas dürftig und in der deutschen Version fokussiert auf das Nachkriegslager. Als Einführungslektüre kann ich den Sammelband von Edmund Nowak empfehlen, der auch auf Deutsch vorliegt und der auch einige Statistiken und Fotos beinhaltet, mit denen im Unterricht gearbeitet werden kann:

Edmund Nowak (Hg.), Lager in Lamsdorf/Łambinowice (1870-1946), Opole 2009 (Polnische Originalversion 2006).

Das Museum in Łambinowice bietet ein pädagogisches Programm auch auf Deutsch an. Auch deutschsprachige Arbeitsmaterialien für Schülergruppen sind vor Ort verfügbar. In der Regel kommen Schülergruppen ab 15 Jahren sowie Studierende.

Die Ausstellung im Museum besteht aus drei Räumen, von denen der erste Anfang dieses Jahres komplett neu gestaltet wurde und das Thema Kriegsgefangenenschaft allgemein in den Blick nimmt.

Ein Eindruck der musealen Inszenierung des neu gestalteten ersten Raumes der Dauerausstellung.

Die Inszenierung ist auf den ersten Blick fesselnd. Die Kollegen der Studienfahrt fanden allerdings, dass die Texte zu den Objekten deutlich zu tief angebracht sind und durch die verschiedenen Multimediastationen und Videoinstallationen mit offener Lautsprecherbeschallung eine zu hohe Lautstärke ensteht.

Die beiden weiteren Räume sind der Geschichte der Lager in Lamsdorf sowie der Geschichte von Katyn gewidmet. Dieser Ausstellungsteil ist bereits einige Jahre alt und soll demnächst überarbeitet und ergänzt werden. So ist z.B. die Geschichte des Nachkriegslager zwar im Film aufgegriffen, in der Ausstellung aber noch ausgespart. Ein Denkmal wurde 1995, der Friedhof für die deutschen Nachkriegsopfer 2002 eingeweiht.

Interessant in diesem Zusammenhang, eventuell auch als Material für den Unterricht, sind ein Artikel im Spiegel zum zweiten Prozess gegen den polnischen Lagerkommandanten 2001 sowie eine Besprechung der FAZ zur 2004 erschienen deutschen Übersetzung des Buches zum System der Nachkriegslager im Oppelner Schlesien von Edmund Nowak.

Die Auseinandersetzung mit dem Ort Lamsdorf sollte auch die Geschichte und Gegenwart des (unterschiedlichen) Gedenkens mit umfassen. Die Ausstellung ist dazu noch nicht geeignet, die zahlreichen Denkmäler und Infotafeln auf dem Gelände sehr wohl. Auch die Eintragungen in den Gästebüchern können durchgesehen und thematisiert werden. So kommen z.B. viele Besucher auch aus Übersee, aus Australien oder den USA: Es sind die Enkel und Urenkel, der in den beiden Weltkriegen inhaftierten Soldaten und Offiziere, die über Familienerzählungen und Tagebücher ihrer Vorfahren den Wunsch entwickeln, diesen Ort zu besichtigen.

Zum offiziellen Gedenken fehlen noch Lernmaterialien. Am großen Ehrenmal finden mehrfach im Jahr Gedenkfeiern und Kranzniederlegungen statt. Allerdings noch nie von einer offiziellen sowjetischen oder russischen Delegation, auch hier sind es die Nachfahren der Kriegsgefangenen, die den Ort aufsuchen. Gefangenenahme im Krieg wurde in der Sowjetunion als Verrat betrachtet. Die verstorbenen Kriegsgefangenen waren folglich keine Helden, die überlebenden Heimkehrer waren starken Repressionen ausgesetzt, viele von ihnen kamen nach ihrer Kriegsgefangenenschaft in ein sowjetisches GuLag.

Ergänzend zu Łambinowice lohnt sich der Besuch im zentralen Kriegsgefangenenmuseum und -archiv in Oppeln. Um genau zu sein, ist das Museum weniger lohnenswert, wenn man bereits vor Ort in Łambinowice war. Die kleine Ausstellung richtet sich vor allem an jene, die nicht zum Lager selbst fahren. Was sich hingegen sehr lohnt, ist das Archiv. Auch hier gibt es ein eigenes archivpädagogisches Angebot. Das Archiv hat umfangreiche Bestände von Kriegsgefangenenakten mit einem Schwerpunkt im Zweiten Weltktrieg. Die Aktenbestände stammen nicht nur aus Lamsdorf. Ergänzt werden die überwiegend auf Deutsch verfassten Akten durch eine große Fotosammlung. Nach Anmeldung und Absprache mit den Pädagogen kann hier an Archivalien in Form von Geschichtswerkstätten sowohl mit deutschen wie auch mit deutsch-polnischen Gruppen hervorragend projektorientiert geforscht und gelernt werden.

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Statt mit dem Kühlschrank durch Irland…

… mit einem Riesenfußball durch Deutschland – und das im Jahr 1932! Eine absolut unglaubliche Geschichte. Eine gute Zusammenfassung mit einigen Bildern der Reise findet sich auf einestages.de.

Das Tagebuch der Reise ist in Auszügen bereits auf der Internetseite „Ballonauten“ aufbereitet zusammen mit Fotos und weiteren Informationen, die einen etwas ungewöhnlichen Zugang zum Alltag in Deutschland in den Jahren 1932/33 bieten.

Workshop: Zeitzeugen und historisches Lernen

Vorab stelle ich hier die Präsentation und Linkliste für den Workshop nächste Woche zur Verfügung und Diskussion. Anregungen und Kritik sind willkommen. Der Workshop kann dadurch nur besser werden.

 

Zum Workshop habe ich als Handout eine Auswahl von Adressen, Links und Literaturtipps als Dokument auf einem Titanpad eingerichtet, das auch bearbeitet und ergänzt werden kann.

Aus den Fehlern der Weimarer Verfassung gelernt?

„Die Mütter und Väter des Grundgesetzes haben schließlich aus den Fehlern von Weimar gelernt.“ (Planet Wissen, Geschichte der Verfassung in Deutschland) Damit ist ein mittlerweile klassisches Lernziel des deutschen Geschichtsunterrichts formuliert. Im Vergleich der Verfassungen sollen die Schülerinnen und Schüler erarbeiten, wie weise die Verfasser das Grundgesetz angelegt haben. Das deutsche Grundgesetz erscheint im Unterricht  quasi als  Endpunkt der Entwicklung, als Krone der Verfassungsschöpfungen. Überspitzt formuliert. Dass das problematisch ist, zeigt schon ein Blick in Länder wie Frankreich oder die USA, deren Verfassungen zeigen, dass ein starker Präsident nicht zwingend gegen eine funktionierende Demokratie spricht, sondern dass das Argument nur im spezifischen Kontext der Weimarer Republik valabel ist.

Hinzu kommt: Gemäß des zweiten Punkts des Beutelsbacher Konsenses muss, was in Wissenschaft und Politik kontrovers ist, auch im Unterricht kontrovers erscheinen. Natürlich haben die die „Mütter und Väter des Grundgesetzes“ versucht, Lehren aus der Weimarer Verfassung zu ziehen. Das zu verstehen und aufzeigen zu können, ist ein Punkt. Zumindest müsste allerdings eine Differenzierung zwischen den von den Verfassern des Grundgesetzes als Probleme erkannten Ursachen und dem heutigen Forschungsstand differenziert werden, z.B. in Bezug auf die „Zersplitterung“ des Parteiensystems.

Das leisten schon die meisten Schulgeschichtsbücher nicht. Eigentlich müsste der Unterricht aber auch noch darüber hinausgehen, zumindest in der Oberstufe am Gymnasium, weil es genau einige dieser „Lehren“ sind, die heute diskutiert und in Frage gestellt werden. Zu nennen wäre hier u.a. die 5%-Hürde oder die Diskussion über Formen der direkten Demokratie.

Die Gegenwartsbezüge liegen auf der Hand. Daher darf der Unterricht nicht bei der Frage nach den Lehren des Grundgesetzes aus der Weimarer Republik stehenbleiben, sondern muss heute mit den Lernenden diskutieren, ob nach über 60 Jahren noch dieselben Grundsätze gelten, an denen sich die Verfasser orientiert haben oder eine Revision sinnvoll sein könnte. Das versetzt die Lernenden erst in die Lage die aktuelle politische Lage zu analysieren und ihre Interessen zu artikulieren (Beutelsbacher Konsens Punkt 3), statt nur einen auswendig gelernten Vergleich ohne Bezug zu ihrer Lebenswirklichkeit zitieren zu können.

Material fürs IWB: Anne Franks Geschichte

Das Anne Frank Zentrum hat schönes Material für die Arbeit mit interaktiven Whiteboards erarbeitet und stellt dieses kostenlos als Download auf seiner Seite zur Verfügung. Es ist sowohl für Windows als auch Mac verfügbar.

Das Material besteht im Wesentlichen aus kurzen Filmen sowie Zuordnungsübungen von Bildern auf Zeitleisten. Nichts Revolutionäres, aber das Material ist ansprechend gestaltet, kein reines Gymnasialmaterial, sondern auch für Lerngruppen anderer Schulformen geeignet. Interessant scheint mir auch der Einsatz nicht nur am Board, sondern an Computern mit Kopfhörer, wo die Schülerinnen und Schüler alleine oder zu zweit arbeiten können.

Auch in anderen Fächern wie Deutsch, Religion oder Ethik lässt sich das Material gut zum Anfang einer Unterrichtsteihe einsetzen. Hilfreich für Lehrkräfte ist auch die beigegebene Handreichung im PDF-Format, die gleichfalls mit dem Materialpaket heruntergeladen wird.

via @Lernen aus der Geschichte

App zur Geschichte der Berliner Mauer

Wer es noch nicht gesehen haben sollte, hier noch der Hinweis auf eine schön gemachte App für das Android Betriebssystem zur Geschichte der Berliner Mauer. Die Inhalte basieren auf der Website Chronik-der-Mauer. Entwickelt wurde die App im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung. Eine kurze Beschreibung gibt es unter Android AppTests und kann im Android Market kostenlos runtergeladen werden

Krieg in den Medien

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat bereits 2007 die DVD-Rom „Krieg in den Medien“ herausgegeben. 2010 wurden die Materialien in Teilen aktualisiert und überarbeitet. Ich kannte die DVD bisher nicht. Vor zwei Wochen nun war ich auf einer Fortbildung, in der die DVD sowie mögliche Einsatzszenarien im Unterricht verschiedener Fächer vorgestellt wurden – und ich muss sagen, ich war und bin begeistert.

Mein spontanes Fazit vor zwei Wochen war: Wenn die Schulbuchverlage solch gelungene multimedialen Materialien erstellen würden, wäre ich durchaus bereit dafür entsprechend Geld auszugeben und sie  im Unterricht einsetzen. Vergleichbares habe ich da im Bereich Geschichte noch nicht entdeckt. Vieles, was dort für teures Geld als interaktiv und/oder  multimedial angeboten wird, ist oft nur eine Zusammenstellung von Powerpoint-Präsentationen (siehe z.B. hier). Eine Frechheit und reine Geldmacherei.

Deshalb soll die DVD „Krieg in den Medien“ hier ausführlicher vorgestellt werden, denn sie scheint mir  zu Unrecht nur wenig bekannt. Zumindest kannte sie keiner der Kollegen, denen ich davon erzählte.

Die DVD gliedert sich in drei Einheiten:

1) Live dabei? Der Krieg und die Medien

2) Medienprodukt Krieg? Die Inszenierung des Krieges in den Bildschirmmedien

3) Alles Propaganda? Medien als Instrument der Beeinflussung

Alle drei Einheiten bieten zunächst eine Einführungstour und anschließend einen Wissensteil. Die Einführungen sind sehr gut durchdacht und didaktisiert und können (je nach Fach und Klasse) eins zu eins als Einstieg in das Thema übernommen werden. Sie enthalten zudem auch einzelne zum Teil hervorragende (Zuordnung verschiedener Sprechertexte zur selben Filmsequenz) und auch weniger gelungene (einfach Bildpuzzle) interaktive Übungen. Die Wissensteile sind informativ, allerdings auch etwas textlastig, und daher nicht unbedingt in dieser Form für alle Schularten und Klassenstufen geeignet. Die Lizenzierung der DVD ist hingegen ideal für Schulen, da mit Erwerb einer DVD die Inhalte auch auf weitere Computer kopiert werden dürfen (dafür ist sogar höchst komfortabel) im Startmenü ein eigener Punkt vorgesehen, so dass alle Schüler an eigenen Rechnern individuell oder in Kleingruppen am Material arbeiten können, ohne dass man eine teure Schullizenz oder einen Klassensatz DVDs erwerben müsste.

Die Medienauswahl ist sehr weit gespannt und reicht von Plakaten über Radioausschnitte, Film und Fernsehen bis zu relativ aktuellen Computerspielen. Vor allem die Fotos und Filmsequenzen sind toll ausgewählt und können direkt, ggf. auch losgelöst von der Einbettung in der DVD, im Unterricht eingesetzt werden. Das erleichtert die Arbeit in der Vorbereitung des Themas für den Unterricht ganz enorm. Etwas schade ist, dass einige der Abbildungen und Filme sehr klein dargestellt. Zumindest für die Filmausschnitte bietet sich hier ein Umweg über das Dateiverzeichnis an, so dass von dort aus direkt in einem anderen Player gestartet werden können.

Geeignet sind die Materialien nicht nur für den Geschichtsunterrichts, sondern ebenso für die Fächer Politik/Sozialkunde, Deutsch, Religion, Ethik oder auch Kunst. Dabei sollte man die DVD durchaus als Steinbruch betrachten, aus dem man für den eigenen Unterricht fertige Einheiten oder eben auch nur aufbereitete und ausgewählte Materialien beziehen kann. Mit diesen lässt sich auch sehr gut am interaktiven Whiteboard arbeiten, z.B. zur Analyse von visuellen Inszenierungen von Krieg.

Neben den genannten Inhalten bietet die DVD noch einige erwähnenswerte Extras, dazu gehören u.a. (soweit gesehen: gelungene) Arbeitsblätter im PDF-Format, die in der Neuauflage auch auf der DVD selbst vorhanden sind, ein Glossar   eine Film- und Spieledatenbank sowie eine Linkliste zum Thema.

Der zeitliche Schwerpunkt liegt auf der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert. Es finden sich aber auch zahlreiche Materialien zum 1. Weltkrieg auf der DVD. Einige Kapitel schlagen sogar einen Bogen bis ins Mittelalter. Das ist allerdings die Ausnahme.

Es bietet sich an je nach Schwerpunktsetzung weitere Materialien hinzuzuziehen. Zu nennen wäre zunächst die hier bereits vorgestellte Seite http://www.conflicthistory.com, die sich u.a. eignet für eine Aktualisierung des Themas, eine Ausweitung der globalen Perspektive oder eigene Recherchen der Lernenden. Ergänzend gibt es auch mehrere Printpublikationen. Im Umfeld der DVD-Produktion gab es eine Tagung, zu der ein lesenswerter Band entstanden ist. Das Inhaltverzeichnis kann beim Verlag eingesehen werden, die didaktischen Materialien können kostenlos auf den Seiten des Instituts für Friedenspädagogik in Tübingen heruntergeladen werden. Anfang diesen Jahres ist zudem bei der BpB eine Lizenzausgabe von Michael Howards Der Krieg in der europäischen Geschichte erschienen. Eine kurze Rezensionsnotiz der NZZ findet sich auf Perlentaucher.

Bestellt werden kann die DVD über die Bundeszentrale für politische Bildung. Sie kostet 7 €. Das Buch von Michael Howard, Der Krieg in der europäischen Geschichte, ist als Band 1106 in der Schriftenreihe der BpB erschienen und für 4,5€ erhältlich.

Überarbeitete Fassung der Handreichung Koblenz 1933-1945

Eine Überarbeitung der Handreichung zur Arbeit mit Google Maps und eigenen Stadtrundgängen am Beispiel von Koblenz in der NS-Zeit war nötig, da sie nicht dem Corporate Design des Pädagogischen Landesinstituts entsprach. Bei der Überarbeitung haben wir dann gleich auch die Namen und Mailadressen aktualisiert. Wie toll das doch ist mit digitalem und nicht mit gedrucktem Material zu arbeiten 🙂

Download der Handreichung als PDF

Materialien zur Sozialgeschichte

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat eine Ausstellung und umfangreiche Materialien zur deutschen Sozialgeschichte aufbereitet. Auf der Internetseite In die Zukunft gedacht gibt es eine Darstellung, die bereits im späten Mittelalter einsetzt und bis ins Jahr 2010 reicht. Begleitet werden die Texte von vielen Bildern sowie Unterrichtsmaterialien, die – soweit ich das gesehen habe – aus Fragebögen zu den Darstellungstexten bestehen.

Zugänglich sind die Texte und Bilder über eine Zeitleiste,  ein chronologisches Inhaltsverzeichnis oder eine Themenauswahl. Zusätzlich enthält die Seite auch noch ein Glossar zum Nachschlagen zentraler Begriffe. Die Inhalte der Website gibt es zugleich auch als DVD, die beim Ministerium kostenlos bestellt werden kann.

In Berlin zeigt das BMAS auch eine (permanente?) Ausstellung, die vielleicht auch als Station für Klassenfahrten interessant sein könnte. Der Besuch kann mit den bereit gestellten Materialien dann im Geschichts- und /oder Sozialkundeunterricht eingebettet werden. Der Eintritt ist frei und umschließt auch die Benutzung von Audioguides. Konzept und Inhalte der Ausstellung werden in einem Beitrag auf lehrer-online ausführlicher beschrieben. Dort finden sich auch weitere Links rund um das Thema.

Damit noch nicht genug: Begleitend zur Ausstellung hat das BMAS Lehrerbegleitheft zur Ausstellung herausgegeben, das gleichfalls kostenlos über das Ministerium bezogen werden kann.

Es ist offensichtlich viel Geld für ein recht umfangreiches und medial breit gestreutes Projekt bereit gestellt worden. Die Internetseite macht auf den ersten Blick einen sehr guten Eindruck. Die Seiten sind klar gegliedert und übersichtlich gestaltet, die Texte verständlich geschrieben. Die Unterrichtsmaterialien scheinen mir hingegen weniger geeignet und wirken ein wenig unmotiviert dabei gegeben. Zum Sichern des Textverständnis lassen sich die Fragen aber auf jeden Fall nutzen. Spannend könnte es sein, ausgehend von den Internetseiten z.B. ein WebQuest zum Thema zu entwickeln.

Das Lehrerbegleitheft ist bestellt, aber noch nicht eingetroffen. Ich bin gespannt, was hier als „Arbeitsheft für die Schule“ noch angeboten wird.

Kritik am Projekt „Gedächtnis der Nation“

Deutschlandradio Kultur hat ein lesens-/hörenswertes Interview mit Norbert Frei geführt, der sich sehr kritisch zu einigen Aspekten des Projekts äußert, die zum Teil auch bereits bei Google+ diskutiert wurden:

„Die Frage ist, ob es dieses Projekt in der Form, in der es konzipiert ist, wirklich tun kann, denn es kann ja nicht nur darum gehen, gewissermaßen Rohmaterial für künftige Fernsehdokumentationen zusammenzu…, ich würde sagen, zusammenzuklauben, sondern es muss eigentlich – gerade auch mit diesem Titel und mit diesem Anspruch, der dahinter formuliert ist – um etwas mehr noch gehen. […]

Es bedarf der Einordnung und vor allem: Geschichte und Geschichtsschreibung und Geschichtsbewusstsein geht nicht im Abruf von Erinnerungen auf. Das ist ein wirklich zentraler Einwand, den man hier immer wieder in Erinnerung rufen muss. Das heißt nicht, dass man solche Unternehmungen nicht machen soll, aber man muss doch, glaube ich, etwas komplizierter die Dinge angehen und etwas subtiler dann am Ende auch damit umgehen, denn ansonsten tut man auch den Menschen, die sich da einfinden in diesem Bus, keinen Gefallen. Die werden dann am Ende für bestimmte Zwecke, mediale Zwecke vielleicht sogar instrumentalisiert: Man schaut, was passt, von dem, was die Leute sagen, und das sucht man dann heraus.  […]

Hier scheint es mir eher so zu sein, dass – und dafür spricht ja auch schon so ein bisschen dieser Begriff „Gedächtnis der Nation“ – … Auch das ist ja etwas, wo man fragen kann, warum eigentlich „der Nation“, welcher Container ist es da, der hier gefüllt oder abgerufen werden soll, warum nicht „Geschichte der Deutschen“, und was ist dann mit den Deutschen mit dem sogenannten Migrationshintergrund? Also das sind ja alles ungelöste Fragen.“

Vielen Dank an Michael Schmalenstroer für den Hinweis auf das Interview!

Es lohnt sich auch einen Blick in die „Datenschutz“-Bestimmungen, vor allem auf den Bereich „Rechteeinräumung“ zu werfen (siehe dazu auch die Diskussion auf Google+).

Für die schulische Arbeit ist das Portal zumindest als „Mitmach“-Projekt eher nicht geeignet.  Andere Portale  scheinen mir für die Veröffentlichung von aufgezeichneten Zeitzeugengesprächen aus dem schulischen Kontext besser.