Materialien zur Sozialgeschichte

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat eine Ausstellung und umfangreiche Materialien zur deutschen Sozialgeschichte aufbereitet. Auf der Internetseite In die Zukunft gedacht gibt es eine Darstellung, die bereits im späten Mittelalter einsetzt und bis ins Jahr 2010 reicht. Begleitet werden die Texte von vielen Bildern sowie Unterrichtsmaterialien, die – soweit ich das gesehen habe – aus Fragebögen zu den Darstellungstexten bestehen.

Zugänglich sind die Texte und Bilder über eine Zeitleiste,  ein chronologisches Inhaltsverzeichnis oder eine Themenauswahl. Zusätzlich enthält die Seite auch noch ein Glossar zum Nachschlagen zentraler Begriffe. Die Inhalte der Website gibt es zugleich auch als DVD, die beim Ministerium kostenlos bestellt werden kann.

In Berlin zeigt das BMAS auch eine (permanente?) Ausstellung, die vielleicht auch als Station für Klassenfahrten interessant sein könnte. Der Besuch kann mit den bereit gestellten Materialien dann im Geschichts- und /oder Sozialkundeunterricht eingebettet werden. Der Eintritt ist frei und umschließt auch die Benutzung von Audioguides. Konzept und Inhalte der Ausstellung werden in einem Beitrag auf lehrer-online ausführlicher beschrieben. Dort finden sich auch weitere Links rund um das Thema.

Damit noch nicht genug: Begleitend zur Ausstellung hat das BMAS Lehrerbegleitheft zur Ausstellung herausgegeben, das gleichfalls kostenlos über das Ministerium bezogen werden kann.

Es ist offensichtlich viel Geld für ein recht umfangreiches und medial breit gestreutes Projekt bereit gestellt worden. Die Internetseite macht auf den ersten Blick einen sehr guten Eindruck. Die Seiten sind klar gegliedert und übersichtlich gestaltet, die Texte verständlich geschrieben. Die Unterrichtsmaterialien scheinen mir hingegen weniger geeignet und wirken ein wenig unmotiviert dabei gegeben. Zum Sichern des Textverständnis lassen sich die Fragen aber auf jeden Fall nutzen. Spannend könnte es sein, ausgehend von den Internetseiten z.B. ein WebQuest zum Thema zu entwickeln.

Das Lehrerbegleitheft ist bestellt, aber noch nicht eingetroffen. Ich bin gespannt, was hier als „Arbeitsheft für die Schule“ noch angeboten wird.

Dem Vorkämpfer für den Schutz des geistigen Eigenthums

Der Titel ist Teil einer Inschrift auf einem Grabstein, die ich zufällig bei einem Spaziergang über den alten Friedhof in Bonn entdeckt habe:

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Laut Eintrag in der Wikipedia entwickelte Klostermann, der eigentlich Spezialist im Bergrecht war,

„einen neuartigen Ansatz, um geistige Schöpfungen (Literatur, Kunst und Erfindungen) mit einem aus sich selbst heraus begründbaren Schutz auszustatten. Dazu stellte er die Voraussetzung eines neuartigen (nicht bereits bekannten) Geisteswerkes auf, welches der mechanischen Vervielfältigung zugänglich ist und dessen Schöpfer eben hierdurch einen potentiellen Vermögensvorteil erhält.

Dies zog nicht nur eine argumentative Klammer um die Bereiche des Urheberrechts (Literatur und Kunstwerke) und des Patentrechts, sondern stellte eine Theorie des geistigen Eigentums auf, welche sich nicht auf ein naturrechtliches Persönlichkeitssubstrat des jeweiligen Schöpfers berufen musste. […]

Er hatte maßgebliche Vorarbeit für die spätere Gesetzgebung des Kaiserreichs auf diesem Gebiet geleistet.

Seine Theorie vom geistigen Eigentum wurde jedoch schon kurz darauf als undifferenziert und schlichtweg fehlerhaft angegriffen. Namentlich ersetzte Josef Köhler sie durch seine Lehre der Immaterialgüter und der (nun nicht mehr aus dem Naturrecht stammenden) Persönlichkeitsrechte.“

Schaut man übrigens in den entsprechenden Artikel zum geistigen Eigentum in der Wikipedia ist der Teil zur wesentlichen historischen Entwicklung im 19. Jahrhundert noch ziemlich dünn und wenig hilfreich.

Was ist „deutsch“ am Eck?

Deutsches am Eck ist ein interessanter Film, der in einem gemeinsamen Schüler-/Lehrerprojekt  im letzten Jahr hier in Koblenz entstanden ist. Eine Familie, die gerade das Deutsche Eck besichtigt, denkt vor laufender Kamera laut über Geschichte und Sinn des Denkmals nach. Der Film hat mit etwas mehr als vier Minuten eine gute Länge für den Einsatz im Unterricht und die Äußerungen der einzelnen Familienmitglieder bieten viele Ansatzpunkte für eine Diskussion in der Klasse. Das Video eignet prima sich als Einstieg zum Beispiel in das Thema Denkmäler oder das Verhältnis der Deutschen zur Nation. Ärgerlich ist allerdings die abgeschnittene Darstellung im Fenster und auch der Link zum Einbetten des Videos an anderer Stelle hat zumindest bei mir nicht funktioniert.

Geschichtsverstehen als sprachliche Übersetzungsleistung

Das schöne Wetter am Wochenende nutzend haben wir einen Ausflug zum Niederwalddenkmal oberhalb von Rüdesheim unternommen. Als Geschichtslehrer kann man (zumindest ich) an einem solchen Ort nur schwerlich abschalten, stattdessen sind die Ohren weit geöffnet für die vielen Gesprächsfetzen, die einen in der sonnigen Frühlingsluft so umschwirren.

Wir saßen auf den unteren Stufen, die von der Gedenkplatte (siehe Bild) hoch zum Monument führen. An uns vorbei läuft eine Frau, vielleicht Anfang 40, die sich mit ihrem Begleiter über die gerade gelesene Inschrift unterhält.

Dabei leistet sie im wahrsten Sinne des Wortes eine Übersetzungsleistung der Quellensprache in ihre eigene. Wir hören im Vorbeigehen nur einen Teil dessen, was sie sagt: „[…] des is zum Denke‘ an die Tote‘ un‘ fü‘ die heutije Jugend zum Nachmo‘. […]“

Da Sprache einen ganz wesentlichen Teil von Geschichtslernen und -verstehen ausmacht, ist es gut, dass sie stärker in das Blickfeld der Geschichtsdidaktik rückt. Ich bin immer noch fasziniert von der Art und Weise, wie die Frau sich den schwerfälligen Inschriftentext in ihrer eigenen Sprache verständlich gemacht hat. Am „Übersetzen“ der Quellensprache in eine den Schülerinnen und Schüler verständliche Form arbeiten Geschichtslehrer jeden Tag im Unterricht, meist allerdings die Lernenden auffordernd („Fasst den Text noch einmal zusammen!“ u.ä.) und nicht aus deren eigenen Verstehenswillen heraus.

Eine andere Übersetzungsleistung, die wir am Denkmal beobachtet haben, war nicht weniger interessant: So erklärte ein Deutscher einer vierköpfigen asiatischen Reisegruppe die einzelnen Elemente des Denkmals auf Englisch. Die Erklärungen waren kurz, aber die einzelnen Elemente wurden richtig identifiziert, umso überraschender war dann für mich seine Deutung der Germania-Statue: Das wäre „Germany“, das nach Frankreich blickte, mit dem man zuvor ja etwas „troubles“ gehabt hätte, aber der Blick zum Nachbarn sei dann bei Bau des Denkmals nach der Reichsgründung ein versöhnender und freundlichschaftlicher gewesen…

(die Ausstellung am Fuße des Denkmals schreibt, dass die Germania keineswegs nach Frankreich, sondern in den Rheingau blicke und den deutschen Lande die Kaiserkrone präsentiere, aber die Zielrichtung der Rheindenkmäler, wie auch in Koblenz, nach Frankreich ist tief verankert in den Köpfen)

Woher diese Umdeutung im Sinne einer deutsch-französischen Freundschaft kommt, durch den tatsächlichen Prozess nach dem 2. Weltkrieg oder einer gewollten positiven Selbstdarstellung bei den ausländischen Gästen, muss leider aufgrund der flüchtigen Beobachtung ungeklärt bleiben. Das lange Zitat aus der „Wacht am Rhein“ auf dem Denkmal fand jedenfalls bei der Erklärung keine Erwähnung…

Goethe fühlte sich medial überfordert

Lesenswerter Artikel mit einem interessanten historischen Vergleich und vielleicht auch ein Thema, das sich im Geschichtsunterricht aufgreifen lässt:

In der Studie „Fausts Kolonie – Goethes kritische Phänomenologie der Moderne“ (Würzburg, 2010) zeigt der Berliner Literaturwissenschaftler Michael Jaeger eindrucksvoll, dass selbst dieser Schriftsteller durch das Aufkommen eines relativ neuen, zunächst bedrohlich wirkenden Mediums, durch die Zeitung nämlich, sich heillos überfordert fühlte. […]

Das erstaunliche an dieser medienhistorischen Parallele ist die Tatsache, dass Goethes Hassliebe gegenüber der Zeitung ziemlich exakt dem entspricht, was Kognitionswissenschaftlern heute angesichts der Schnelllebigkeit des Internets so viel Sorge bereitet: die Abnahme der Fähigkeit zur Kontemplation, zur geistigen Produktivität und intellektuellen Ordnung.

Goethe hatte ein quälend-ambivalentes Verhältnis zur Zeitung. Einerseits bestand er auf der Lektüre seiner beiden Lieblingsblätter „Le Globe“ und „Le Temps“, andererseits wollte er sich – spätestens gegen 1830 – auf den Abschluss des „Faust“ konzentrieren. Das Ergebnis war ein fast schon manisch durchgeführter Zeitungsentzug, der den zerstreuten Dichter endlich an den Schreibtisch zurückholen sollte: „Seit ich die Zeitungen nicht mehr lese, bin ich viel freieren Geistes“, schrieb Goethe in einem Brief vom 23. März 1830.

Zum ganzen Artikel von Tomasz Kurianowicz auf faz.net geht es hier.

Die Ansatzpunkte für einen gewinnbringenden historischen Vergleich gehen noch weiter: Es war eben auch Goethe, der unser modernes Urheberrecht wesentlich angestoßen und vor allem die Begrifflichkeit des „geistigen Eigentums“ geprägt hat (siehe dazu hier; zu den Veränderungen und Auswirkungen durch die Einführung des Urheberrechts hier).

Ich denke, es würde sich lohnen, hier mal exemplarisch eine Unterrichtseinheit zu entwickeln, die die Standardthemen Karlsbader Beschlüsser, Zensur, Vormärz und Industrialisierung sinnvoll ergänzt. Bekannt ist mir da bisher nichts. Falls jemand da Unterrichtsmaterial oder -entwürfe kennt, bin ich für Hinweise dankbar.

Auswanderung und Assimilation?

Zunächst wussten sie wenig von dem fernen Land. Einige wurden gezielt zur Ansiedlung in bestimmten Städten und Regionen angeworben. Mittlerweile leben sie dort schon seit Generationen, geben aber dennoch ihre Sprache nicht auf, sondern von Generation zu Generation weiter. Das ist gut möglich, weil sie eigene Gemeinschaften bilden, ihre eigenen Geschäfte haben und auch eigene Sport-, Musik- und Geselligkeitsvereine. Entsprechend haben sie auch eine eigene Presselandschaft, die über die Ereignisse in ihren Herkunftsregionen berichtet und das politische  Meinungsspektrum abdeckt. Sie haben ihre Heimat verlassen aus wirtschaftlichen Gründen, weil sie sich in der Fremde ein besseres Leben erhofften, oder aus politischen Gründen, weil sie in der Heimat wegen ihrer politischen Ansichten überwacht, zensiert oder sogar inhaftiert wurden.

Es sind vor allem Handwerker, Kleinbauern und Arbeiter aus armen, ländlichen Gebieten, die auswandern. Studierte Rechtsanwälte, Ärzte oder Lehrer sind nur wenige dabei. Kaum jemand beherrscht bei Ankunft die Landessprache. Oft gehen einige Wagemutige vor, andere, vor allem Familienmitglieder, Freunde und Nachbarn kommen später nach und siedeln in der Nähe. So entstehen nach und nach kleine Stadtviertel, die nach ihrem Herkunftsland benannt sind: little Germanies.

Die Rede ist offensichtlich nicht von z.B. der türkischen Migration der letzten Jahrzehnte nach Deutschland, sondern von der Geschichte der deutschen Auswanderung, hier exemplarisch insbesondere der in die USA im 19. Jahrhundert. Aufmerksam geworden auf die offenkundigen Ähnlichkeiten bin ich durch einen Vortrag von Roland Paul vom Institut für pfälzische Geschichte auf dem Tag des Geschichtsunterricht an der Universität Saarbrücken.

Nicht nur angesichts der aktuellen Debatten um die Aussagen von Friedrich, Erdogan und zuletzt Seehofer scheint mir dies ein Thema zu sein, das im Geschichtsunterricht aufgegriffen und besprochen werden sollte, weil es die Schülerinnen und Schüler zur (aus historischer Sicht kompetenten) Teilnahme an der gesellschaftlichen Debatte befähigt. Geschichte als politisches Argument ist immer problematisch. Besonders an den Äußerungen des neuen Innenminister ist zu sehen, wie wichtig es ist, Migration nicht als Sonder-, sondern als Normalfall zu begreifen. Es gilt ggf. vorhandene naive Vorstellungen einer statischen Gesellschaft durch dynamische Konzepte zu ersetzen.

Viele Gegenden des späteren Deutschlands, wie z.B. die Pfalz, waren im 19. Jahrhundert vor allem Auswanderer-Regionen. Das Festhalten an den regionalen Traditionen (Kirmesfeiern, Karnevalsgesellschaften) und der eigenen Sprache durch die deutschsprachigen Auswanderer wird in der Literatur interessiert betrachtet und durchaus positiv gewertet (i.S. von „Es ist ihnen gelungen, ihre Sprache zu bewahren“ statt „Sie waren unfähig/unwillig, sich zu integrieren“). Die Vergleichbarkeit liegt auf der Hand, wird von den Familien- und Volkskundlern in der Regel nicht geleistet.

Spannend ist die sehr unterschiedliche Bewertung der beiden Phänomene (positiv das vermeintlich Eigene, negativ das Neue, Andere). Von der durch den Vergleich hervorgerufenen kognitiven Dissonanz, die auch bei den Schülern zu erwarten ist, sowie den Erfahrungsgeschichten von Kindern mit Migrationshintergrund kann der Geschichtsunterricht profitieren.

Als Material eignen sich Auszüge aus deutschsprachigen Zeitungen, wie z.B. den von Conrad Voelcker herausgegebenen „Hessischen Blättern“ oder „Der Pfälzer in Amerika“. Ideal für den Unterricht sind die Werbeanzeigen für die Geschäfte und Volksfeste, da diese leicht zu lesen sind und zugleich den „Community“-Charakter offenbaren. Zu finden sind solche z.B. im Buch von Roland Paul und Karl Scherer, Pfälzer in Amerika – Palatines in America, Kaiserslautern 1995. Davon ausgehend kann das Thema je nach Altersstufe vertiefend behandelt, Ähnlichkeiten, aber auch Unterschiede herausgearbeitet werden.

Der historische Vergleich und die Wahrnehmung der Ähnlichkeiten könnten zu einer gelasseneren Haltung in der Integrationsdebatte beitragen. Wobei ein im Sinne der Integration positiver Ausgang entsprechend dem historischen  Vorbild natürlich keineswegs garaniert ist.  Es bedarf dazu gemeinsamer gesellschaftlicher Anstrengung aller Beteiligten.

Bedenkenswert in diesem Hinblick erscheint mir übrigens das Teilfazit der RLP-Ausstellung zur Auswanderung. Dort heißt es:  „Ethnisch geprägte Viertel, wie ‚Little Germany‘ in New York oder ‚Over the Rhine‘ in Cincinnati, deutsche Schulen, Zeitungen und Kirchengemeinden erleichterten den Immigranten zwar die Integration, zugleich wurden sie jedoch als ‚Zeichen mangelnder Anpassungsbereitschaft und als Rückzug in eine vermeintlich homogene ethnische Kultur verstanden. […] Um die Wende zum zwanzigsten Jahrhundert stellten deutsche Einwanderer und ihre Kinder zehn Prozent der US-Bevölkerung. Die meisten Immigranten waren schon seit Jahrzehnten im Land, und es gab kaum noch Zuzüge aus Deutschland, die dem ethnischen Gemeinschaftsleben hätte neue Impulse geben können. Die Heterogenität der Deutsch-amerikaner, ökonomische Integration und die fortgeschrittene Akkulturation führten insbesondere in städtischen Gebieten zum Verfall der Identität.“

Im übrigen sollte man nicht auf den Kurzschluss verfallen, dass es in den USA, die sich als Einwanderungsland verstanden, keine Konflikte gegeben habe. Vielmehr sind schon im 18. und 19. Jahrhundert zahlreiche Belege für die Artikulation von Vorurteilen und „Überfremdungsängsten“, ganz ähnlich zu denen von heute, zu finden.

Es gibt zudem einige Seiten im Internet zum Thema, die sich auch im Unterricht einsetzen lassen:

Auswanderung aus den Regionen des heutigen Rheinland-Pfalz

Heimat Pfalz – Auswanderung

Zeitung: Buffalo Volksfreund (digitalisiert ab 1891)

Archivaria – the history of Buffalo, New York (digitalisierte Quellen)

Goethe-Institut: German-american site in Chicago

Palatines to America

Deutsch-Pennsylvanischer Arbeitskreis

Falls jemand noch Links zu thematischen Materialien oder zu weiteren digitalisierten deutschen Zeitungen aus den USA hat, wäre ich für Hinweise dankbar und nehme diese gerne hier auf.

Photo @dougtone auf Flickr

Bismarck als Vorläufer von Wikileaks?

Die Geschichte der Emser Depesche braucht hier nicht wiederholt zu werden. Die Frage ist, ob der Vergleich zieht. Zugegebenermaßen stammt er nicht von mir. Ich hab ihn zufällig auf einer Autofahrt im Deutschlandradio vor zwei Tagen im Radio gehört. Der Interviewpartner, wobei ich leider vergessen habe, wer das war, hat den Vergleichsversuchs des Moderators rundherum abgelehnt und zurückgewiesen. Das finde ich eigentlich schade, weil m.E. in dem Vergleich durchaus ein Erkenntis- und durch den Aktualitätsbezug zur Zeit auch hohes Motivationspotential steckt.

Natürlich sind die Veröffentlichungen der Emser Depesche und Wikileaks nicht dasselbe, aber sie bieten im Geschichtsunterricht die Chance für einen interessanten Einstieg oder möglichen Transfer am Ende der Unterrichtseinheit. Im Vergleich können Unterschiede (bewusste Veränderung durch Bismarck als Vertreter eines beteiligten Staates, Bedeutung der unterschiedlichen Medien) und Ähnlichkeiten (Veröffentlichung von vertraulichen bzw. geheimen Dokumenten) herausgearbeitet werden, um daran die Bedeutung von diplomatischer Kommunikation, der Kategorien geheim vs. öffentlich sowie mögliche Folgen  solcher Veröffentlichungen zu erörtern. Alternativ oder erweiternd lassen sich auch andere Fälle, wie z.B. die der Pentagon-Papiere zum Vietnam-Krieg, miteinbeziehen.

Joseph Görres‘ Rheinischer Merkur

Görres Denkmal in Koblenz

Görres Denkmal in Koblenz

Die Ausgaben der von Jospeh Görres zwischen Januar 1814 und Januar 1816 herausgebenen Zeitung Rheinischer Merkur sind auf den Seiten der Düsseldorfer Universitätsbibliothek fast vollständig in digitalisierter Form nutzbar. Es fehlen nur die wenigen Ausgaben vom Januar 1816. Das Digitalisat lässt sich exemplarisch als Quelle im Unterricht einsetzen und aufgrund der europäischen Bedeutung der Zeitung nicht nur in Koblenz aus lokalhistorischem Interesse. Einen kurzen Überblick zur Zeitung bietet der entsprechende Eintrag auf Wikipedia. Zur Biographie des 1776 in Koblenz geborenen Görres siehe den Artikel auf den Seiten des Landeshauptarchivs Koblenz.

(via Archivalia)

Dommedag Als

Das war Dänisch. Keine Ahnung, was das heißt, und auch der Übersetzer von Google hilft nicht wirklich weiter.  Es ist auf jeden Fall der Titel des neuen Buches des Historikers Tom Buk-Swienty, das es auf die Titelseiten der dänischen Zeitungen geschafft hat. Die „Enthüllungen“ werden heiß diskutiert und als wissenschaftliche Sensation gehandelt. Das sind sie sicher nicht. Interessant ist es trotzdem. Buk-Swienty hatte als erster Zugang zum Privatarchiv des dänischen Königs Christian IX. (1863-1909), wo er Dokumente gefunden, die belegen, dass der König auf eigene Initiative nach dem verlorenen Deutsch-Dänischen Krieg mehrfach versucht hat, in direktem Kontakt mit Bismarck und dem preußischen König Dänemark in den Deutschen Bund aufnehmen zu lassen. Dafür hat er auch die Vermittlung des belgischen Königs gesucht. Allerdings war dies nicht im Interesse Preußens und wurde deshalb nicht weiter verfolgt. Presseberichte finden sich heute u.a. in der Süddeutschen Zeitung, im Hamburger Abendblatt. Aus geschichtskultureller Perspektive besonders interessant ist die Darstellung in der deutschsprachigen Tageszeitung in Dänemark, dem „Nordschleswiger“, der dem Thema neben einem ausführlichen Bericht noch einen Leitartikel widmet.

Für die Wikipedia-Forscher interessant: Seit 11:06 Uhr heute morgen sind die Informationen schon in den Artikel über Christian IX. eingearbeitet.

Urheberrecht vs. Wissensexplosion

Zur Entwicklung des Urheberrechts in Deutschland im 19. Jahrhundert bietet spiegel online einen sehr interessanten Artikel. Im Vergleich von England und Deutschland ergibt sich, dass gerade das lange Fehlen urheberrechtlicher Beschränkungen zu einer Wissensexplosion und viel höheren Bücherproduktion geführt hat. Schöner Text für einen Oberstufenkurs, auch gut kombinierbar mit dem Unterrichtsvorschlag von Goethes Brief an die Bundesversammlung zum Urheberrecht.