Rezension: Hörbuch Spectaculum Mundi Medievalis

Das vorliegende Hörbuch stammt aus dem Verlag Berliner Hörspiele. Das Buch ist geschrieben und gelesen von Stephan Warnatsch, der als Lehrer in Berlin an einer Gesamtschule sowie als Lehrbeauftragter am Institut für Geschichte an der TU Berlin tätig ist.

Warnatsch trägt seinen Text mit viel Engagement vor und man gewinnt den Eindruck, dass ihm die mittelalterliche Geschichte ein Herzensanliegen ist. In insgesamt 217 Minuten schlägt Warnatsch auf drei CDs einen großen Bogen von dem Quellenzugang zur mittelalterlichen Geschichte, über den Lebenslauf der Menschen, ihre Lebenswelt in Städten und auf dem Land bis hin zu Reisen, Festen und Fragen der Moral und Religion.

Das Buch ist hörenswert inszeniert und besticht vor allem durch die reiche Auswahl an interessanten Quellen, die von unterschiedlichen Sprechern vorgetragen werden. Gerade die vorgetragenen Quellen lassen sich hervorragend in den Unterricht integrieren. Zum einen weil sie ein weites Panorama der mittelalterlichen Welt eröffnen, zum anderen weil das Zuhören auf diese Weise nur selten vorkommt. Die Schüler in der Regel Quellentexte selbst laut vortragen oder leise erarbeiten. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass bei der Erfassung von Geschichtsstunden festgestellt wurde, dass sehr viel Zeit mit dem lauten Vorlesen von Texten im Unterricht zugebracht würde. Für ein Fach, dass sich als erarbeitend und problemorientiert versteht in der Tat ein erstaunlicher Befund. Auf jeden Fall scheint mir die Kombination von schriftlicher vorliegendem (oder anschließend reingereichtem) Quellentext und dessen professionellem Vortrag von CD eine kleine nette methodische Abwechslung für den Unterrichtsalltag.

Zum Teil scheint der Vortragsduktus beim Verfassertext von Warnatsch etwas schnell und überhastet und die an einigen Stellen etwas akademisch ironische Ausdrucksweise macht das Hörbuch in längeren Passagen selbst für den Unterricht in der Oberstufe schwierig. Text und Vortrag leben von der Lebendigkeit und den Kommentaren des Autors. Undifferenzierte Seitenhiebe wie die Andeutung, der Islam sei im Mittelalter verharrt, sind vollkommen unnötig und wären besser unterblieben. Ansonsten aber ingesamt ein Hörbuch, das Freude und Lust aufs ein sehr vielfältiges Mittelalter macht, das uns hier in seiner zeitgleichen Nähe und Fremdheit präsentiert wird.

Das Hörbuch kann auf den Seiten des Verlags in Auszügen angehört und als CD für 12,99€ bestellt werden.



Analyse von Schulgeschichtsbüchern

Eine hilfreiche Übersicht, z.B. für Fachschaften, die gerade vor der Entscheidung über die Einführung eines Geschichtsbuches stehen, findet sich hier auf den Seiten der Uni Münster als PDF-Dokument. Das Material entstammt dem Arbeitskreis Geschichte am Zentrum für Lehrerbildung der Uni. Das Schema orientiert sich im Wesentlichen an mehreren Aufsätzen von von Borries, ist in der Begrifflichkeit vergleichsweise komplex, aber mit den Leitfragen eine gute Grundlage für die Durchsicht der zu Auswahl stehenden Bücher.

Zu einer Idee für Schulbuchanalyse gemeinsam mit Schülern im Unterricht siehe hier.

Neanderthal 2.0

Nun sind auch die Neanderthaler im Web 2.0 angekommen: Das Museum bloggt und twittert (und ist auf facebook, und flickr, ein Rundumschlag unter dem Schlagwort neanderweb). Der Blog bietet einen knappen und gut verständlichen Einblick in Forschung und Museumsarbeit.

Die Internetseite des Museums gibt alle üblichen und notwendigen Informationen für einen möglichen Museumsbesuch bereit, hat darüber hinaus aber auch Anregungen und Materialien für den Unterricht zum Download. Wer gerade mit dem chronologischen Durchgang im neuen Schuljahr beginnt, sollte auf jeden Fall mal einen Blick auf die Seiten werfen!

My history network

Neues Schuljahr, neue Kurse, neue Schüler: Wer Lust hat, kann sich und seine Schüler bei My History Network anmelden, eine Austausch- und Lernumgebung für (Oberstufen-) Schüler aus der ganzen Welt über Geschichtsthemen. Nachdem ning nicht mehr kostenfrei ist, hat David Hilton, der die Initiative ins Leben gerufen hat, zusammen mit seiner Schule, dem Sheldon College in der Nähe von Brisbane, Australien, die Finanzierung gesichert, so dass das Netzwerk weiter bestehen und wachsen kann.

New school year, new courses, new students: Register you and your students in My History Network, an exchange and learning environment for (advanced level) students from around the world on issues of history. After ning is not anymore free of charge, David Hilton, who launched the initiativee, along with his school, the Sheldon College, near Brisbane, Australia, secured the funding, so the network can exist and grow.

Asterix und die Heeresreform des Marius

Aktuelle McDonald’s Werbung in Frankreich

Was McDonald’s in Frankreich recht ist, kann dem Geschichtsuntericht nur billig sein: Das Material entstammt einer meiner benoteten Lehrproben, hat sich aber auch über das Referendariat hinaus im Einsatz bewährt. Die Grundidee besteht darin, die Heeresreform des Marius mit Hilfe von Bildern aus dem Band „Asterix als Legionär“ zu illustrieren. Im Comic gibt es ausreichend Bilder, die die meisten Teile der Reform abbilden, auch wenn die Geschichte vollständig fiktiv und gut 150 Jahre später angesiedelt ist. Der Ablauf der Stunde findet sich hier zum Download. Ich habe die Bilder nur zu Illustration eingesetzt, denkbar ist aber natürlich, auch grad aufgrund des Bekanntheitsgrades von Asterix und Obelix eine Anschlussstunde mit der Frage nach dem Verhältnis von Comic und Geschichte. Wer das speziell für Asterix und Obelix nachlesen will, dem sei das Buch von René van Royen und Sunnya van der Vegt, Asterix. Die ganze Wahrheit (München 1998) empfohlen.

Die Textmaterialien und Arbeitsblätter habe ich zum Download in einem Dokument gebündelt. Die Bilder muss sich jeder selbst aus dem Asterix-Band raussuchen und zusammenstellen, da diese hier aus urheberrechtlichen Gründen nicht eingestellt werden können. Kritisiert wurde damals in der Lehrprobe übrigens der zu hohe Aufwand mit Farbkopien (Kurzbeschreibung der methodischen Planung). Angesichts von Scannern und Farbkopierern in vielen Lehrerzimmer und vermutlich in jedem häuslichen Lehrerarbeitszimmer finde ich den Aufwand von 5-6 Farbkopien (je 1 pro arbeitsgleicher Gruppe), die anschließend längere Zeit als schön gestaltete Plakate im Klassenraum hängen, durchaus gerechtfertigt.

Dommedag Als

Das war Dänisch. Keine Ahnung, was das heißt, und auch der Übersetzer von Google hilft nicht wirklich weiter.  Es ist auf jeden Fall der Titel des neuen Buches des Historikers Tom Buk-Swienty, das es auf die Titelseiten der dänischen Zeitungen geschafft hat. Die „Enthüllungen“ werden heiß diskutiert und als wissenschaftliche Sensation gehandelt. Das sind sie sicher nicht. Interessant ist es trotzdem. Buk-Swienty hatte als erster Zugang zum Privatarchiv des dänischen Königs Christian IX. (1863-1909), wo er Dokumente gefunden, die belegen, dass der König auf eigene Initiative nach dem verlorenen Deutsch-Dänischen Krieg mehrfach versucht hat, in direktem Kontakt mit Bismarck und dem preußischen König Dänemark in den Deutschen Bund aufnehmen zu lassen. Dafür hat er auch die Vermittlung des belgischen Königs gesucht. Allerdings war dies nicht im Interesse Preußens und wurde deshalb nicht weiter verfolgt. Presseberichte finden sich heute u.a. in der Süddeutschen Zeitung, im Hamburger Abendblatt. Aus geschichtskultureller Perspektive besonders interessant ist die Darstellung in der deutschsprachigen Tageszeitung in Dänemark, dem „Nordschleswiger“, der dem Thema neben einem ausführlichen Bericht noch einen Leitartikel widmet.

Für die Wikipedia-Forscher interessant: Seit 11:06 Uhr heute morgen sind die Informationen schon in den Artikel über Christian IX. eingearbeitet.

Lenin, Churchill, De Gaulle, Gandhi, Roosevelt und Mao

Was haben Lenin, Churchill, De Gaulle, Gandhi, Roosevelt und Mao gemeinsam, außer dass sie Staatsmänner waren und tot sind?

Unglaublich aber wahr auf Initiative des Präsidenten der Region Languedoc-Rousillon werden gerade von den „großen Staatsmännern“ der Geschichte über 3m hohe Bronzestatuen in Montpellier aufgestellt. Siehe die entsprechenden deutschen Presseberichte dazu hier oder naturgemäß etwas umfangreicher das Echo der französischen Presse.

Urheberrecht vs. Wissensexplosion

Zur Entwicklung des Urheberrechts in Deutschland im 19. Jahrhundert bietet spiegel online einen sehr interessanten Artikel. Im Vergleich von England und Deutschland ergibt sich, dass gerade das lange Fehlen urheberrechtlicher Beschränkungen zu einer Wissensexplosion und viel höheren Bücherproduktion geführt hat. Schöner Text für einen Oberstufenkurs, auch gut kombinierbar mit dem Unterrichtsvorschlag von Goethes Brief an die Bundesversammlung zum Urheberrecht.

Postmoderne Beliebigkeit

Ich habe den Eindruck, dass im aktuellen Unterricht genau das geschieht, was Peter Haber als Gefahr für ein Neuorientierung der Geschichtslehrpläne weg von der Chronologie angeprangert hat. Die Schülerinnen und Schüler werden mit Themen und Inhalten konfrontiert, für deren Verständnis und Analyse sie, um im Bild des Fremdsprachenunterrichts zu bleiben, noch gar nicht die richtigen „Vokabeln und Grammatik“ haben. Das führt in der Regel entweder dazu, dass gewisse Themenkomplexe unverstanden bleiben, deshalb auch als uninteressant bewertet und schnell wieder vergessen werden oder aber, dass die Inhalte bis zur Unkenntlichkeit „didaktisch reduziert“ werden, was mir auch ein eher zweifelhaftes Vorgehen scheint und den hohen Ansprüchen des Fachs diametral gegenüber steht.

Mit den in dem vorhergehenden Beitrag skizzierten Ideen ist keineswegs eine Abkehr von einem historischen Grundwissen verbunden, so schwierig dieses im Detail jeweils zu definieren ist. Auch bei der eingeforderten Kompetenzorientierung geht es nicht um eine postmoderne Beliebigkeit der Inhalte, die ja in Bezug auf die neuen hessischen Pläne in den Blogs von Andreas Körber und Christian Jung diskutiert und zu Recht kritisiert worden sind. Mir geht es vielmehr um eine Reorganisation der Inhalte des Unterrichts. Bislang orientieren sich diese eben an der Chronologie, oft verbunden mit der impliziten Annahme, dass die frühere Geschichte gegenüber der späteren weniger komplex und damit einfacher vermittelbar ist. Dem würde jeder Althistoriker und Ägyptologe wohl sehr deutlich widersprechen.

An die Stelle der chronologischen Ordnung als Rahmen des Unterrichts träte ein Perspektivwechsel, der es erlaubt, den Geschichtsunterricht auf den Vorstellungen und Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler aufzubauen. Das wäre ein Geschichtsunterricht, der von den Kindern und Jugendlichen ausgeht – obwohl ich das als oft hohle Phrase aus dem erziehungswissenschaftlichen Teil des Studiums nicht schätze, trifft es dies wohl am besten – und bei dem die Chronologie nicht mehr den Unterrichtsgang vorstrukturiert sondern zur Ordnungskategorie und Orientierungshilfe auf der Ebene der einzelnen Themenbereiche wird.

Geschichtsunterricht auf diese Weise neu zu versuchen, wäre auf jeden Fall spannend. Es bräuchte die Bereitschaft, die Zeit und das Geld, dies nicht sofort in neuen Rahmenlehrplänen in einem Bundesland verpflichtend zu machen, sondern an einigen Schulen, idealerweise mit wissenschaftlicher Begleitung auszuprobieren, zu begutachten, zu überarbeiten und schließlich als Konzeptvorschlag zukünftigen Lehrplankommissionen an die Hand zu geben.

Schön wär’s… 😉

Für und Wider der Chronologie im Unterricht

Auf den polemischen Einwurf von Peter Haber zu der Meldung aus Brandenburg möchte ich zumindest kurz reagieren. Ich denke, es sollte erlaubt sein, über den Sinn und Unsinn des Festhaltens am chronologischen Durchgang nachzudenken. Und ich denke, Peter Haber vergleicht in seinem Beitrag Äpfel mit Birnen. Ich will das an einigen Beispielen erläutern:

Aus der Sicht vieler Schülerinnen und Schüler präsentiert sich Geschichte als ein Fach, in dem man sich gut über längere Zeiträume „ausklinken“ kann, um dann später wieder einzusteigen, wenn einen z.B. das nachfolgende Thema  mehr interessiert. Das liegt im Wesentlich daran, dass der Geschichtsunterricht chronologisch fortschreitet, aber kaum methodische oder inhaltliche Progression kennt. Ganz anders im Fremdsprachenunterricht: Wenn ich dort als Schüler die Vokabeln und Grammatik über einen längeren Zeitraum nicht lerne, bin ich „raus“ und es ist ganz schwer, dann wieder den Anschluss zu finden und das Verpasste aufzuarbeiten. Ähnliches gilt für die Naturwissenschaften.

Gerade weil im Geschichtsunterricht ein rein chronologischer Durchgang erfolgt, werden viele Schüler stark überfordert. In Rheinland-Pfalz beginnt der Geschichtsunterricht in Jahrgangsstufe 7. Nach wenigen Wochen steht dann u.a. die attische Demokratie und der römische Staat auf dem Programm. Beides sind für viele Schüler wirkliche Hürden, kaum zu verstehen und bestenfalls erinnern sie sich nach Jahren daran, dass es schon im alten Griechenland auch Demokratie gab oder zitieren das Schlagwort von der „Wiege der Demokratie“.

Ich fände es durchaus angemessen, das Themenfeld „Geschichte der Demokratie“ z.B. in die Klassenstufe 9 zu verschieben (Alter der Schüler ca. 15 Jahre). In diesem Alter ist politische Teilhabe den Schülern wesentlich näher, weil eine gewisse Reife und ein Interesse an gesellschaftspolitischen Zusammenhängen wächst. Nicht umsonst wird seit Jahren über eine Einführung des Wahlrechts mit 16 diskutiert. Dort wäre dann auch ein eigener chronologischer Durchgang möglich, der strukturelle Unterschiede und einen Begriffswandel in der Zeit aufzeigt, also wirkliches historisches Lernen ermöglicht, das an diesem Thema in den Klassen 6 oder 7 schlicht vefrüht ist und an der Mehrzahl der Schüler vorbeigeht.

Natürlich erfordert ein solches Vorgehen ein verstärktes Zurückgreifen auf Hilfsmittel wie z.B. Zeitleisten. Durch die thematische Einbettung der Chronologie ist eine gute Orientierung gewährleistet und zudem noch ein regelmäßiger Wiederholungseffekt gegeben.

Ich muss zugeben so auch noch nicht unterrichtet zu haben, weil die Lehrpläne in Rheinland-Pfalz anders aussehen, aber ich würde es gerne einmal versuchen. Aus eigener Erfahrung der Projektarbeit kann ich sagen, dass  auch Schülerinnen und Schüler der 7. Klasse das Thema Nationalsozialismus in der Familie oder in der Schule hevorragend und gewinnbringend historisch bearbeiten können, weil sie hier selbst Fragen haben, diese auch stellen und grundlegende Arbeitsweisen und Methoden lernen können.

Diese Methoden historischen Arbeitens könnten dann aufeinander aufbauend Teil eines historischen  kompetenzorientierten Curriculums werden, das in themenzentrierten Kreisen ausgeht vom Individuum über den nahen Erfahrungsraum von Familie und Schule über die Stadt und Region hingeht zu Nationsbildung und Staatsaufbau. Die Themenkreise sollten natürlich in sich chronologisch gegliedert sein. Sie böten damit die notwendige Orientierungshilfe in der Zeit und würden nicht zu einer befürchteten Aufhebung der Historizität führen, sondern im Gegenteil gerade das Verständnis von historischen Entwicklungen und ihren Vergleich fördern und erleichtern.