Nachdem die Finanzierung für die Webseiten zumindest für die nächsten zwei Jahre gesichert erscheint, haben wir uns nun neben dem Twitter-Account auch einen Facebook-Auftritt zugelegt. Wer also über das Projekt auf dem Laufenden bleiben will, hat nun eine Möglichkeit mehr sich zu informieren.
Vielleicht hat ja noch jemand Lust und Zeit am Ende des Schuljahres mit einem Oberstufenkurs an einem der Themen zu arbeiten und kurze Artikel schreiben zu lassen. Die Beiträge der Schüler können dann auch auf classroom4.eu veröffentlicht werden.
Es gibt bereits Essays auf Deutsch, Englisch, Spanisch und Französisch. Alle Beiträge stehen unter CC-Lizenz und können auch als Material für den Unterricht genutzt werden. Es können auch selbst erstellte Bilder und Videos ergänzend zum Text eingereicht werden
Ideen und Anregungen, wie mit dem Projekt im Unterricht gearbeitet werden kann, finden sich hier in einem Google Doc zusammengefasst. Ansonsten stehe ich für Fragen auch gerne zur Verfügung.
Die Projektidee Geocaching für den Geschichtsunterricht zu nutzen am Beispiel der Demokratiegeschichte des Landes Rheinland-Pfalz in Koblenz hatten wir beim Konzeptwettbewerb von medien+bildung.com eingereicht. Gestern abend war die Preisverleihung und das eingereichte Konzept wurde in der Kategorie Schule mit dem Hauptpreis ausgezeichnet. Die Auszeichnung ehrt und verpflichtet uns zugleich: Nun ist es an uns, für eine gelungene Umsetzung zu sorgen.
Während es zahlreiche Angebote aus den Bereichen Tourismus, aus der politischen und außerschulischen Bildung gibt, sind mir bisher kaum Versuche bekannt, Geocaches als eine Form mobilen Lernens fachdidaktisch durchdacht für den Unterricht nutzbar zu machen gemeinsam mit Schülern lehrplanbezogene Projekte zu entwickeln. Dabei rückt das mediengestützte historisches Lernen vor Ort in den Fokus. Die sich hier bietenden Möglichkeiten wollen wir in der Praxis testen und evaluieren.
Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit mit den Kollegen von medien+bildung.com und hoffen die Ergebnisse in Form differenzierter, historischer Caching-Angebote in Koblenz für Schulklassen, aber auch alle darüber hinaus Interessierten im Lauf des nächsten Schuljahrs vorlegen zu können.
Vorab stelle ich hier die Präsentation und Linkliste für den Workshop nächste Woche zur Verfügung und Diskussion. Anregungen und Kritik sind willkommen. Der Workshop kann dadurch nur besser werden.
In Vorbereitung für einen Workshop zum Thema habe ich ein wenig in der Literatur gestöbert und bin überrascht. Zeitzeugen als Teil der Geschichtskultur und des Geschichtsunterrichts sind heute einigermaßen selbstverständlich. Auch wenn selbst organisierte Zeitzeugeninterviews im Unterricht aufgrund des organisatorischen und zeitlichen Aufwands bei geringer Stundenzahl des Fachs wohl eher ein Nischendasein führen, sind sie auf Ebene der Schulen etabliert und es gibt mittlerweile zahlreiche Anlaufstellen, die die Vermittlung von Zeitzeugen unterstützen.
Was mich nun zunächst überrascht hat, wie relativ jung das Phänomen doch noch ist.
So findet sich im Handbuch Geschichtsdidaktik in der 5. Auflage von 1997 weder ein eigener Eintrag noch ein Schlagwort zu Zeitzeugen/-gespräch/-interview. Im Bereich „Geschichte als Wissenschaft“ findet sich allerdings ein Beitrag zu „Oral history“, die hier noch ganz grundlegend als umstrittene geschichtswissenschaftliche Methode erklärt und gerechtfertigt wird. Die Hinweise für den Unterrichtseinsatz beschränken sich auf wenige Sätze, die allerdings sicherlich auch weiterhin ihre Gültigkeit besitzen, wenn sie vor der Gefahr der unkritischen Identifikation warnen.
In verschiedenen Beiträgen wird auf die „Schrittmacherfunktion“ (Kaminsky) des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten für die Verbreitung der Methode Zeitzeugenbefragung im schulischen Bereich hingewiesen. So kann Henke-Bockschatz im Handbuch Methoden im Geschichtsunterricht bereits darauf verweisen, dass „für den Bereich des Geschichtsunterrichts […] immer mehr Lehrpläne, Schulbücher und didaktische Handreichungen dazu [ermuntern], gemeinsam mit Schülern das Gespräch mit Zeitzeugen zu suchen.“ Das gilt weiterhin und wird durch die mediale Inszenierung von Zeitzeugen, vor allem durch das Fernsehen, weiter unterstützt und verstärkt.
Bemerkenswert finde ich, und das war der zweite Überraschungsmoment, die durchgängig doppelte Zuordnung von Zeitzeugengesprächen als Medium und Methode. Hier wäre meines Erachtens eine Präzisierung notwendig und auch hilfreich. Sauer ordnet in seiner Einführung Geschichte unterrichten „Zeitzeugenaussagen“ den Medien zu. Hinzuzufügen wäre, dass sie in unterschiedlicher medialer Form vorliegen: mündlich (evtl., aber nicht zwingend mit Präsenz des Zeitzeugen, denkbar ist ja z.B. auch ein Gespräch über skype), verschriftlicht, als Audio- oder Videoaufzeichnung. Jede diese Form bringt eigene Spezifika mit sich, die für ihren Einsatz im Unterricht sowie für die Auseinandersetzung der Schüler mit ihnen zu berücksichtigen sind. Darüber hinaus ist zu unterscheiden, ob das Interview vollständig oder nur in Auszügen vorliegt.
Die eigene Zeitzeugenbefragung mit entsprechender Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung ist dann hingegen eindeutig als Methode historischen Lernens und Forschens zu identifizieren.
Im Rahmen der Bewertung einer Facharbeit hatte ich kürzlich eine interessante Diskussion mit einem Kollegen, deren Inhalt ich hier gerne noch einmal aufnehmen möchte.
In der Facharbeit hatte ein Schüler über die Geschichte Schlesiens geschrieben und bemängelt, dass die Geschichte der ehemaligen Ostgebiete kaum in den Schulgeschichtsbüchern noch in den Lehrplänen vorkomme. In der Arbeit hat er dann versucht aufzuzeigen, dass z.B. das oberschlesische Industriegebiet ebenso gut exemplarisch beim Thema Industrialisierung behandelt werden könne wie das Ruhrgebiet und sich darüber hinaus insgesamt an der Geschichte Schlesiens einige Phänomene der europäischen Geschichte bündelten, so dass eine exemplarische Behandlung Schlesiens als europäische Region wünschenswert wäre.
Das Argument des Kollegen war nun, dass er es für problematisch hält, die Geschichte der ehemaligen Ostgebiete auch außerhalb der Vertreibungen nach dem 2. Weltkrieg ausführlicher zu thematisieren, weil man dadurch (die Debatte etwas verkürzend wiedergebend) eventuell bei der Schülergeneration überhaupt erst revisionistische Gedanken wecken könne (im Sinne, wenn das alles mal „deutsch“ war, dann…).
Ich würde dagegenhalten, dass, wenn wir diese Geschichte nicht in hinreichendem Maße im Unterricht thematisieren und diese dabei in einen europäischen oder globalen Rahmen einbetten, dann kann vielmehr der Eindruck einer Tabuisierung entstehen, den wiederum revisionistische Gruppen instrumentalisieren. Dadurch können sie eine meines Erachtens gefährliche Deutungshoheit gewinnen. Die Zielrichtung und Argumentation dieser Deutungen dekonstruieren zu können, sollte hingegen eigentlich eine zentrale Aufgabe des Geschichtsunterichts sein.
Mich würde sehr interessieren, wie Sie/ihr das als Kollegen sehen/seht und ggf. im Unterricht handhaben/handhabt.
Haupttempel: Rekonstruktion eines der Gottheit Lenus-Mars gewidmeten, gallo-römischen Umgangstempels aus dem 3. Jh. n. Chr.
Der Beitrag liegt nicht völlig, aber doch schon am Rand der in diesem Blog behandelten Themen. Ich muss aber zugeben, dass mich der Ort sehr beeindruckt hat und ich das gerne weitergeben möchte. Wer also irgendwo zwischen Köln, Aachen, Trier und Mainz wohnt, findet hier vielleicht einen Ausflugstipp für eines der kommenden langen Wochenenden. Also passt der Beitrag so kurz vor Pfingsten eigentlich ganz gut.
Innenansicht des rekonstruierten Tempels mit anderen Fundorten „nachempfundenen“ Wandmalereien
Der „Archäologie-Park“ liegt oberhalb der Moselorte Pommern und Treis-Karden, wo sich im letzteren auch ein Museum mit Fundstücken von den Ausgrabungen auf der Anlage befindet. Oben auf dem Berg sind kaum Objekte ausgestellt, dafür gibt es seit 2006 dort die (Teil-) Rekonstruktion einer keltisch-römischen Tempelanlage sowie eines keltischen Wohnhauses zu sehen. Das Heiligtum fußt auf einer keltischen Anlage, die in der Mitte eines oppidums der Treverer lag, das sich dort seit ca. 100 v. Chr. befand. Während sich die Siedlung im 1. Jahrhundert n.C. an den Fuß des Berges unten an die Mosel verlagerte (Cardena, das heutige Karden), wurde das Heiligtum weiter genutzt. Aufgegeben wurde der Tempel in der Mitte des 5. Jahrhunderts. Bis letztes Jahr fanden vor Ort auch noch Grabungen statt.
Mehr noch als die rekonstruierten Gebäude haben mich Lage und Umgebung begeistert. Wir haben bei einem Ausflug vor ein paar Wochen gute 1,5 Stunden oben im Gelände verbracht. In der Zeit waren an diesem wirklich schönen Sonntag neben uns nur 4-5 weitere Besucher vor Ort. Es war also nicht besonders schwer diese menschenleeren Fotos zu machen.
Rekonstruktion eines keltischen Wohnhauses in Fachwerkbauweise
Der Jahresbericht des Fördervereins führt für 2011 „hohe Gästezahlen 8über 2000)“ auf. Ich denke, der Ort verdient mehr Besucher (nicht zuletzt auch wegen des leckeren, selbst gemachten Kuchens in dem kleinen Café! ;)) und er kann auch noch deutlich mehr Besucher vertragen, ohne den Charme seiner Abgeschiedenheit zu verlieren.
Grundrisse eines weiteren gallo-römischen Umgangstempels und Teilrekonstruktion der Außenmauer der Anlage
Blick ins Moseltal vom Aussichtspunkt Fahrlei
Oben auf dem Plateau stören nur die Strommasten die Idylle. Diese sollen in den nächsten Jahren zurückgebaut und durch Bodenleitungen ersetzt werden. Zu erreichen ist die Anlage nur zu Fuß. Allerdings ist von der Mosel an den Wochenenden neuerdigns auch ein kleines Shuttle eingerichtet.
Für Schulen ist der Martberg sicher auch im Hinblick auf Exkursionen, Wander- oder Projekttage interessant. Für Klassen gibt es ein ganztägiges Programm, das u.a. auch ein römisches Mittagessen umfasst und pro Schüler allerdings auch 16€ kostet.
Weitere Infos zur Anlage, Öffnungszeiten etc. finden sich auf der Homepage.
Wer gerne Geocachen geht, kann sich dem Archäologiepark auch mit einem schön gemachten Multi-Cache nähern und so zugleich noch ein bisschen über die Umgebung erkunden.
Keramikbrennofen und Rekonstruktion eines keltischen Speichergebäudes aus dem 1. Jh. v. Chr.
Große Sportereignisse bieten auch immer die Möglichkeit, Themen, die sonst weniger Aufmerksamkeit erhalten, stärker in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. So ist dies auch mit der EM in Polen und der Ukraine. Sport ist nicht nur gegenwärtig, sondern war immer auch Politik. Während die Ukraine als Austragungsort gerade hoch politisiert wird, gerät Polen in der Debatte etwas ins Abseits. Dabei kann die EM Anlass sein, unsere Nachbarn besser kennenzulernen und z.B. die deutsch-polnischen Beziehungen auch im Unterricht aufzugreifen.
Dies lässt sich anhand der großen Politik tun, oder aber an Fußballgeschichte, an konkreten Biographien einzelner Spieler, wie z.B. Ernst Willimowski bzw. Ernest Wilimowski:
Seine Fußballlaufbahn begann er 1927 mit elf Jahren im deutsch-oberschlesischen 1. FC Kattowitz, wo er bis zum Jahr 1934 erfolgreich spielte. Nach dem Wechsel zu Ruch Wielkie Hajdukiwurde er bereits 1934 als 18-Jähriger polnischer Fußball-Meister. Diesen Titel errang er mit seinem Team auch 1935, 1936 und 1938. In 86 Spielen für Ruch Chorzow schoss Willimowski 112 Tore und wurde 1934 und 1936 polnischer Torschützenkönig.
Am 21. Mai 1934 debütierte er in der polnischen Nationalmannschaft in Kopenhagen gegen Dänemark. Polen verlor das Spiel mit 2:4. Vor dem Zweiten Weltkrieg spielte er 22 Mal für die Polnische Nationalmannschaft. […] Nach dem Einmarsch der Deutschen in Polen unterschrieb Willimowski die deutsche Volksliste. […] 1941/42 absolvierte er acht Länderspiele für die Deutsche Nationalmannschaft.
Konflikt und Konkurrenz: Deutsch-polnische Beziehungsgeschichte im Fußball. Ein historisches Symposium aus Anlass der Euro 2012 in Polen und in der Ukraine, FES Berlin, 29.-31.5.2012, Link
Ausstellung
Ausstellungseröffnung „Willimowski, Klose, Podolski & Co. • Oberschlesier in der deutschen und polnischen Nationalmannschaft – gestern und heute“ am 8. Juni 2012 im Amerika-Haus, Berlin, PDF
Für den Geschichtsunterricht aufbereitet, wurde das Thema meines Wissens noch nicht. Lehrplanthemen an Fußballgeschichte aufzuhängen ist nichts Neues, für 1954 und 1974 kenne ich da einige Beispiele auch aus den bekannten Fachzeitschriften (zuletzt in Geschichte lernen Nr. 47).
Bücher und Aufsätze können das Material liefern, um hier exemplarisch eine Unterrichtseinheit vorzubereiten und passend zur EM das spannende und komplexe Thema der deutsch-polnischen Beziehungen und der Konstruktion von regionalen bzw. nationalen Identitäten an konkreten Spieler- und/oder Vereinsbiographien anschaulich im Unterricht aufzugreifen.
Kurzum die Frage: Hat jemand Interesse kollaborativ in einem Google Doc zum Themenkomplex: Deutsch-polnische Beziehungsgeschichte, Konstruktion von Nation und Nationalismus am Beispiel der oberschlesischen Fußballer und Vereine eine Unterrichtseinheit für eine 10./11. Klasse zu entwickeln?
Das wäre auch methodisch ein spannendes Experiment. Zwar habe ich über solche Dokumente bereits kollaborativ an Texten gearbeitet, gemeinsam eine kurze Unterrichtseinheit auf diesem Wege habe ich bisher noch nicht erstellt. Ich würde mich freuen, das mal mit ein paar Kollegen auszuprobieren!
Basierend auf der gleichnamigen Internetseite hat das Anne Frank Haus in Amsterdam nun eine App für alle Betriebssysteme herausgebracht, mit der man Amsterdam auf den Spuren Anne Franks entdecken kann. Die App ist in drei Sprachen: Deutsch, Englisch und Niederländisch verfügbar. Der Weg durch die Stadt dauert mit dem Rad ca. 2,5 Stunden.