Classroom Game Design: „Kids are coming to school to be social“

Der Hinweis auf das Video stammt von Christian Kleinhanß auf Google+. Das Video ist schon fast ein Jahr alt. DIe Grundidee finde ich inspirierend und frage mich, ob jemand damit schon Erfahrungen für den Geschichtsunterricht gemacht hat? Es geht nicht darum, Computerspiele in den Unterricht zu integrieren, sondern Spiel- und Motivationselemente für die Strukturierung des Unterrichts zu übernehmen, z.B. das Prinzip von Leveln, die man „erklimmen“ kann, wenn man gewisse Aufgaben erfolgreich erledigt hat. Vielleicht fehlt dem Geschichtsunterricht dafür aber auch bislang noch die notwendige Progression, um dies umzusetzen zu können?

Paul Andersen macht ein wichtiges Statement: „Kids are coming to school to be social.“ Er spricht sich dagegen aus, Unterricht einfach mit Videos besser zu machen oder Lernen mit Technik zu automatisieren. Eigentlich kann man das gar nicht genug betonen, denn oft sind es solche Vorstellungen, die einer kurzatmigen Rezeption des Flipped Classroom oder der Arbeit mit Lernplattformen zugrundliegen. Vielmehr  ist eine Veränderung von Schule und Lernen unter den Bedingungen der Digitalität gefragt. Ein Punkt, der mir erst auf der #gld13-Tagung erst so richtig klar geworden ist. Das muss nicht immer die Nutzung von Computern, Smartphones oder Tablets umfassen.

Paul Andersen beschreibt das Ziel als Wandel vom passiven lehrerzentrierten zu einem aktiv schülerzentrierten Unterricht. Zentral für diesen Wandel in seinem Unterricht war für ihn das Feedback der Schüler: „Everything I do in my class is a result of feedback I got from my student.“

Das ist im Kern eine Botschaft, die nicht nur in diesem Blog schon in vielen Beiträgen, wenn auch sicher weniger prägnant formuliert, zu lesen war. Deshalb gefällt mir das Video vermutlich auch so gut, weil ich zu ähnlichen Schlussfolgerungen gelangt bin und nur dazu ermutigen kann, das Feedback der Schülerinnen und Schüler einzuholen und Lernprozesse gemeinsam zu gestalten.

Trotz allem scheint das in der Schule (in Deutschland) weiterhin die Ausnahme zu sein. Warum nur?

Nachlese zur Tagung #gld13

Die Tagung Geschichte lernen digital war sehr anregend und bestens organisiert. Die vielen Eindrücke sind noch frisch und müssen nach und nach geordnet und verarbeitet werden. Deshalb möchte ich auch gar keinen allgemeinen Tagesbericht schreiben. Wer mag, kann in den folgenden Tagen die Aufzeichnungen der Vorträge auf dem L.I.S.A.-Portal nachschauen. Ab Juni werden die ausgearbeiteten Beiträge zum Peer-Review im Netz stehen.

Die Tagung kann den Anfang eines schwierigen, aber konstruktiven Dialogs bilden, der unterschiedliche Perspektiven von u.a. Geschichtsdidaktikern, Lehrkräften, Aus- und Fortbildnern auf die Veränderungen von Geschichtslernen im digitalen Zeitalter einbindet. Eine wichtige Perspektive, die auf der Tagung fehlte, war übrigens die der Lerner. Es wäre eine Überlegung wert, diese Ernst zu nehmen und miteinzubeziehen. In welcher Form das geschehen könnte, müsste man schauen.

Einen Gedanken aus der Abschlussdiskussion möchte ich in diesem Beitrag noch einmal herausgreifen, da er mir im Rückblick während der zwei Tage in München zu kurz gekommen scheint. Große Teile der Tagung waren auf die Angebotsseite fokussiert und standen unter einem instrumentellen Verständnis des Digitalen. Es ging darum, wie Lernplattformen, digitale Werkzeuge und Materialien sinnvoll für den Geschichtsunterricht sinnvoll genutzt werden können, um diesen zu verbessern bzw. nachzuweisen, dass sie es nicht tun. Die Formulierung macht es schon deutlich und vor allem Lisa Rosa hat in der Diskussion wie auch auf Twitter darauf hingewiesen: Digitale Medien werden so nur als Mittel bzw. Werkzeuge begriffen. Das ist aber ein Verständnis, das angesichts der kulturellen und gesellschaftlichen Veränderungen, die die Digitalisierung mit sich bringt, zu kurz greift. Es geht um das “Lernen unter den Bedingungen der Digitalität”. Auch ohne digitale Medien erfolgt Lernen und Arbeiten heute immer unter diesen Bedingungen.

Daraus ergibt sich die für meinen Arbeitszusammenhang als Lehrer wichtige Frage, wie sich Schule und (Geschichts-) Unterricht unter diesen Bedingungen verändern und wie darauf zu reagieren ist. Das sind in der Tat zunächst keine fachspezifischen Beobachtungen, und sie sind deshalb vielleicht weniger im Blickfeld der Geschichtsdidaktik, aber diese Bedingungen sind auch für den Geschichtsunterricht grundlegend, weil sie den Rahmen für formales historisches Lernen in der Schule bilden.

Um verständlicher zu machen, was das bedeutet und welche Veränderungen gemeint sind, möchte ich exemplarisch drei Beobachtungen aus dem Schulalltag noch einmal zusammenfassen:

– Bei einem vorbereitenden Besuch für ein Comenius-Projekt in einer zentralanatolischen Stadt in der Türkei hatte ich ein längeres Gespräch mit einem Oberstufenschüler. Er erklärte mir, dass der Geschichts- und Religionsunterricht ideologisch gefärbt sei. Das, was die Lehrer erzählten und was in den Schulbüchern steht, würde er immer noch einmal mit eigenen Recherchen im Internet überprüfen, um sich eine eigene unabhängige Meinung zu bilden. Nichtsdestotrotz lernt er das im Unterricht Dargebotene auswendig und erzielt exzellente Noten in Tests und Klausuren, weil diese Zulassungsvoraussetzung für eine gute Universität später sind. Lehrer und Schulbuch, und damit der Staat über die Schule, haben ihre Deutungshoheit verloren. Die Schule hat übrigens nicht mal eine Schulbibliothek

– Schüler organisieren ihre Lern- und Arbeitsprozesse zunehmend selbstständig und kollaborativ z.B. in Facebook-Gruppen, die parallel zu ihren Kursen laufen. Dort werden Fragen gestellt, Hausaufgaben gemacht, Klausuren vorbereitet. Die Lehrer sind außen vor und viele Kollegen wissen vermutlich nicht einmal um diese Parallelstrukturen. Daraus ergeben sich aber Fragen nach dem Sinn z.B. von Hausaufgaben und von Aufgabenformaten. Um einen älteren Spruch sinngemäß zu zitieren: Wenn sich die Antwort auf eine Frage in wenigen Sekunden googeln lässt, dann ist nicht Googel schlecht, sondern die Frage.

– Das gleiche gilt auch für den Unterricht selbst. Laut Statistiken haben Schüler weiterführenden Schulen eine 100% Ausstattung mit Handys. Davon ist eine wachsende Zahl Smartphones. Schulen reagieren in der Regel weiterhin mit „Handy“-Verboten. Das hindert aber Schüler nicht unter dem Tisch ihre Handys zu nutzen, auch gezielt für den Unterricht, um z.B. Antworten auf Lehrerfragen zu googeln. Wenn ihnen diese Frage-Antwort-Spiele, worauf Martin Lindner zu Recht hinweist, nicht sowieso zu dumm sind und sie sich diesen grundsätzlich entziehen, was in der Qualifikationsphase der Oberstufe sicher schwieriger ist als in der Mittelstufe. Ein sinnvoller Unterricht darf nicht auf Fragen aufbauen, deren Antworten sich schnell googeln lassen.

Auf der Tagung wurde von Marko Demantowsky zu Recht festgestellt, dass sich die Grundformen historischen Denkens und Lernens in der Auseinandersetzung mit Quellen und Darstellung in den Modi von Re- und Dekonstruktion nicht ändern. Was sich aber sehr wohl ändern kann bzw. ändern muss, sind u.a. Unterrichtsgestaltung, Aufgabenformate und Lernprodukte.

Jan Hodel hat darauf hingewiesen, dass wir uns mitten in einem Wandel befinden, dessen Ende wir noch nicht absehen können. Nichtsdestotrotz oder vielleicht gerade deswegen ist eine ebenso experimentelle wie reflexive Praxis nötig, die sich öffnet und den Dialog mit den Lernenden sowie eine fachdidaktische Fundierung sucht, um nicht beliebig zu werden. Umgekehrt scheint es mir eine dringende Aufgabe der Geschichtsdidaktik auch die veränderten allgemeinen Bedingungen von Schule und Unterricht in den Blick zu nehmen, das Fach und seine Praxis zu ihnen in Beziehung zu setzen, und in einem Dialog mit der Praxis den Geschichtsunterricht weiterzuentwickeln. Der auf der Tagung ankündigte Arbeitskreis innerhalb der KGD könnte dafür ein zentrales Forum bilden.

Präsentation von classroom4.eu bei #gld13

Morgen startet die ersten Konferenz im deutschsprachigen Raum zum Digitalen in Geschichtsdidaktik und -unterricht. Die Veranstaltung ist als interaktive Netztagung angelegt, so dass auch partizipieren kann, wer nicht in München vor Ort ist. Wer die Vorträge mitverfolgen will, kann dies über eine Twitterwall und einen Live-Stream tun. Die entsprechenden Links finden sich im Tagungsblog.

Anbei stelle ich die Folien zu meinen Vortrag hier schon ein. Hoffentlich machen die Bilder neugierig auf das Thema, den Vortrag online zu verfolgen; vielleicht lässt sich nach Durchsicht der Folien aber auch schon sagen, wie langweilig der Beitrag ist und damit das Joggen oder die Kaffeepause am Freitagnachmittag zuhause besser planen 😉

LdL-Einführung in der Mittelstufe

Die ICM-Konferenz in Marburg letzte Woche hat mich noch einmal darin bestärkt, dass der Flipped Classroom für Schulen eher ein Katalysator und Übergangsmodell zu einer anderen Lernkultur sein kann, die den einzelnen Schüler und die Interaktion mit den Mitschülern ins Zentrum des „Unterrichts“ stellt. Dazu muss man das Rad nicht neu erfinden, Lernen durch Lehren (LdL) ist eine Methode, die genau das leistet.

Nun will ich erstmalig mit einer 8. Klasse LdL ausprobieren. Bislang habe ich ganze Stunden und Unterrichtsreihen nur in der Oberstufe als LdL durchgeführt. Aber bereits beim Erklären des Prinzips und „Ausprobieren“ letztes Jahr, mit jeweils 10-15 Minuten, die am Beginn der Stunde als Wiederholung durch die Schüler selbst gestaltet wurden, kam die Frage auf, ob nicht auch ganze Stunden übernommen werden könnten.

Mittlerweile haben die Schülerinnen und Schüler im Geschichtsunterricht in Gruppenarbeit u.a. eigenständig Videos erstellt und Kurzvorträge gehalten. Was sie darüber hinaus noch in anderen Fächern an sozialen und methodischen Kompetenzen erworben haben, überschaue ich nicht. Das ist an meiner Schule leider bislang wenig vernetzt.

Nun werden wir zum Beginn der neuzeitlichen Geschichte die komplette Unterrichtsreihe „umdrehen“: Die Schülerinnen und Schüler suchen sich ihr Thema, ausgehend von der Vorgaben des Lehrplans, aus, arbeiten sich in ihr Thema ein, treffen eine Auswahl an relevanten Inhalten für die Unterrichtsstunde und gestalten als Experten diese mit eigener Material- und Methodenauswahl. Die Vorbereitung erfolgt im Unterricht. Meine Aufgabe ist die Betreuung und Beratung der einzelnen Gruppen. Die Absprache der Stundengestaltung habe ich verpflichtend gemacht, damit soll verhindert werden, dass Stunden völlig am Thema vorbeigehen.

Zwischen die Stunden der Schüler sind „Plenums“-Stunden eingefügt, die dazu dienen sollen, die einzelnen Themen miteinander zu vernetzen und mögliche Fragen zu klären. Diese Stunden sind offen angelegt und werden von mir moderiert, wobei auch denkbar ist, die Moderation abzugeben.

Die Stunden werden nicht wie Vorträge oder Referate benotet. Allerdings können wir nicht nur im notenfreien Raum arbeiten, deshalb werde ich mir während der Stunden Notizen zur Mitarbeit des Plenums, also nicht der Schüler als Lehrende, machen – einsehbar und damit möglichst transparent für die Schüler. Am Ende steht zudem auf Grundlage der Schülerstunden ein abschließender Test.

Ob das alles so funktioniert, bin ich gespannt. Die Planung beruht auf den bisherigen Erfahrungen in der Oberstufe. Es ist für mich ein erster Versuch in dieser Form in der Mittelstufe zu arbeiten. Das ernsthafte Interesse und Nachfragen sowie das Verteilen der Themen heute deuten in eine gute Richtung. Ich hoffe, dass sich das in den kommenden Vorbereitungsstunden bestätigt.

Wen die Planung und Anlage der Unterrichtsreihe näher interessiert, der kann gerne einen Blick in den Ablaufplan sowie das Infoblatt werfen, die sich sowohl an die Schüler als auch implizit an die Eltern richten. Konstruktive Kritik ist – wie immer – sehr willkommen. Falls die Planung nicht völlig daneben ist, können die beiden Zettel vielleicht als Anregung oder Vorlage für eigene LdL-Reihen dienen.

Buchtipp: Web 2.0 im Fremdsprachenunterricht

Ein Buch über „Web 2.0 im Fremdsprachenunterricht“ an dieser Stelle vorzustellen, mag zunächst befremden. Aber wenn man mal genau hinauschaut, was gibt es zum Thema „Web 2.0“ bislang für den Geschichtsunterricht? Außer in den einschlägig bekannten Blogs wenig bis gar nichts. In den Fremdsprachen sieht das anders aus, nicht nur ist auf den von Jürgen Wagner und Verena Heckmann herausgegebenen Sammelband zu verweisen, auch in den Praxiszeitschriften sieht es anders aus als bei den Historikern: So ist zum Beispiel die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift „Unterricht Französisch“ im Friedrich-Verlag dem Thema „Interaktive Whiteboards“ gewidmet. In Zukunft sicher auch vorstellbar für geschichtsdidaktische Publikationen, vielleicht sogar wünschenswert, auf jeden Fall scheint es, dass wir als Geschichtslehrer trotz der Nähe zur Medienarbeit („Geschichte ist immer und ausschließlich medial vermittelt.“) hinten dran sind.

Es ist nun aber auch, wenn man einmal darüber nachdenkt, nicht so arg verwunderlich, dass die Fremdsprachen in der Nutzung – und folglich in der Publikation von Unterrichtsvorschlägen zum Einsatz – von Web 2.0-Werkzeugen weiter sind als andere Fächer. Das lässt sich meines Erachtens durchaus plausibel mit Anlage und Struktur der sprachlichen Fächergruppe erklären. Ähnliches gilt für Mathe und Naturwissenschaften in Bezug auf das Modell des Flipped oder Inverted Classroom, aber das ist noch einmal ein eigenes Thema.

Worin geht es im Fremdsprachenunterricht? Im Wesentlichen um Kommunikation. Vereinfacht gesagt: Wenn Schüler in einer Fremdsprache kommunizieren, ist das bereits eine Form des Spracherwerbs durch Üben, Wiederholen, Ausprobieren und Improvisieren. Hier liegt eine große Schnittmenge mit dem zugrunde, was als „Web 2.0“ bezeichnet wird: Die eigene Textproduktion, die Interaktion mit anderen Usern und das Veröffentlichen selbst erstellter Inhalte im Netz.

Insofern überrascht es wenig, für die Fremdsprachen entsprechende Veröffentlichungen wie auch das vorliegende Buch zu finden. Stellt sich die Frage, ob sich für den Geschichtsunterricht etwas gewinnbringend lesen oder direkt übernehmen lässt? Um es vorweg zu nehmen: Zur direkten Übernahme in den Geschichtsunterricht eignet sich wenig in dem Buch. Anregend lesen lässt es sich nichtsdestotrotz.

„Web 2.0 im Fremdsprachenunterricht“ hält, was der Untertitel verspricht: Es ist ein „Praxisbuch“. In insgesamt beeindruckenden 35 (!) Beiträgen werden unterschiedlichste Web 2.0-Werkzeuge an einem konkreten Unterrrichtsbeispiel vorgestellt. Jedes Beispiel stammt aus der Praxis und ist hinlänglich erprobt. Eine wahre Fundgrube für jeden (Fremdsprachen-) Lehrer.

Von Wikis über Glogster, Pinterest und Popplet, Podacsting, Microblogging, Trickfilmen, Arbeit mit sozialen Netzwerken und Videos bis zu komplexen Lern-Management-Systemen wie Moodle wird in den Beiträgen ein großer Bogen gespannt oder vielmehr ein bunter Strauß an Möglichkeiten präsentiert. Bei aller Praxisnähe ist an dieser Stelle auch die einzige Kritik zu vermerken: Aus meiner Sicht hätten die Beiträge etwas stärker gebündelt und strukturiert und in einem programmatischen Beitrag auch theoretisch verortet werden dürfen.

Für den Geschichtsunterricht ist mir ähnliches nur im von Ulf Kerber betreuten Wiki der PH Karlsruhe bekannt, das aber (noch) keine Einbettung der einzelnen Werkzeuge in konkrete Unterrrichtszenarien leistet. Auch um eine größere Reichweite zu gewährleisten und den weniger internetaffinen Kollegen an den Schulen und universitären Geschichtsdidaktikern die allgemeinen wie fachspezifischen Potentiale des „Web 2.0“ aufzuzeigen, wäre eine vergleichbare Publikation für den Geschichtsunterricht überaus wünschenswert.

Jürgen Wagner/ Verena Heckmann (Hrsg.), Web 2.0 im Fremdsprachenunterricht, Glückstadt 2012.

P.S. Besonders gut gefallen hat mir die Mehrsprachigkeit des Bandes mit Beiträgen in Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch. Solche mehrsprachigen Publikationen sind mit Ausnahme weniger wissenschaftlicher Tagungs- und Sammelbände selten geworden. Aber auch hier erleichtert die Zielgruppe der Fremdsprachenlehrer die Publikationsform.

#ICM2013: Das ICM im schulischen Geschichtsunterricht

Am Dienstag startet die zweite deutsche Konferenz zum Inverted Classroom Modell in Marburg. Das Programm findet sich auf den Seiten des ICM-Blogs. Auch die Referenten werden mit den Abstracts für ihre Beiträge dort kurz vorgestellt. Hier schon einmal vorab ein Blick in die Prezi für meinen Vortrag im Plenum, der als Erfahrungsbericht aus der Praxis nach einem Jahr und mehreren „geflippten“ Unterrichtsreihen angelegt ist. Daher passte die Prezi-Vorlage zur Erkundung einer unbekannten Insel ziemlich gut- es gab Umwege, gefährliche Klippen… und am Ende dieses Jahres seit der letzten Konferenz ist sicher kein endgültiges Ziel erreicht, aber doch irgendwie ein Schatz gehoben mit einem im Vergleich zu davor stark veränderten Unterricht.

Geocaching zur jüdischen Geschichte und Tipps für Projekte

Aus einem Schülerprojekt mit einem LK 13 haben wir gestern einen Geocache zum jüdischen Leben im mittelalterlichen Koblenz veröffentlicht. Die Texte und Fragen sind so angelegt, dass mit dem Cache in der Mittelstufe die entsprechenden Seiten im Buch bzw. die Vorgaben des Lehrplans zum Judentum im Mittelalter er- bzw. umgesetzt werden können. Die von den Schülern verfassten Informationstexte bieten neben allgemeinen Informationen immer wieder auch einen lokalen Bezug zu den Orten, an die man sich im Lauf des Caches begibt.

Heute haben wir angefangen, die Infotexte aus dem Cache als Videos aufzubereiten. Das erste Video ist nun fertig und auf Youtube veröffentlicht. Vorteile der Videos sind, dass sie sowohl vom heimischen Rechner als auch vor Ort auf einem mobilen Endgerät angesehen werden können, zum Beispiel während der Geocaching-Tour.

Nach mehreren Geocaching-Unterrichtsprojekten will ich mal versuchen ein paar erste Tipps aus den Praxiserfahrungen zusammenzufassen:

– Geocaching-Projekte brauchen Zeit: Die Schülerinnen und Schüler kennen sich in der Mehrheit weder mit der Nutzung von Geo-Koordinaten noch mit dem GPS an ihrem Smartphone oder gar mit einem richtigen GPS-Gerät aus. Das muss berücksichtigt werden. Gerade mal eben zum Einstieg eine Runde Cachen gehen, funktioniert nicht immer, weil doch (für mich überraschend) viele Schüler mit der Orientierung anhand von GPS-Daten überfordert sind.

– Ob nun ein Rätsel- oder ein Multicache: Es geht beim Geocachen um Koordinaten, daher werden in der Regel Zahlen verrätselt. Bei vielen Caches wird das gemacht durch das Ablesen oder Entdecken einfacher Informationen vor Ort: „Notiere die Anzahl der Wörter in der ersten Reihe…“, „Zähle die Fenster…“, „Nimm die Quersumme der Jahreszahl…“ – die entsprechenden Zahlen ergeben dann jeweils einen Teil der zu erratenden Koordinaten. Soll Geocaching nicht nur Interesse an Themen und Orten wecken, sondern historisches Lernen ermöglichen, dann ist dieses Verfahren viel zu punktuell. Schließlich geht es um Narrationen. Das sollte von Anfang an im Blick sein und, falls Schüler selbst Caches erstellen, auch besprochen werden. Ganz vermeiden lassen sich solche Aufgaben für die Recherche vor Ort vermutlich nicht, wenn man sicher gehen möchte, dass die Orte denn auch tatsächlich aufgesucht werden und die Informationen nicht nur online recherchiert werden (daher die sicher noch verbesserungsfähige Mischform in dem oben verlinkten Cache zur jüdischen Geschichte).

– Es sollte klar sein, dass die Cache-Texte kein „Copy & Paste“ sein sollen. Ein guter Ansatz dafür kann das Benennen einer spezifischen Zielgruppe sein, z.B. das Erstellen des Caches für jüngere Schüler, für die eine Text-Übernahme aus der Wikipedia oder wissenschaftlichen Werken nicht in Fragen kommt. Hier muss dann selbst geschrieben und formuliert werden.

– Die Arbeit in Kleingruppen an verschiedenen Stationen hat sich bewährt. Dabei recherchiert und erstellt jeweils eine Gruppe den Text zu einem Ort. Um sicherzugehen, dass alle die kompletten Inhalte kennen, ist es z.B. möglich, dass die Rätselfragen von ein oder zwei anderen Gruppen erarbeitet werden, die den jeweiligen Text nicht geschrieben haben.

– Denkbar ist auch, dass der Cache selbst, also die zu findene Dose mit den Schlusskoordinaten von der Lehrkraft versteckt wird. Das ist noch einmal recht viel Arbeit, bietet aber den Vorteil, dass in einer Abschlussstunde alle Gruppen die Inhalte noch einmal durchgehen und sich auf die Suche nach dem Cache machen. Allerdings macht das Verstecken von Cache-Dosen selbst viel Spaß. Insofern ist zu überlegen, ob man das den Schülern nehmen will. Für den Lern- und Wiederholungseffekt ist es auf jeden Fall nicht schlecht.

– Die erstellten Materialen können unterschiedlich genutzt und weiterverarbeitet werden. Das ist sowohl denkbar durch dieselbe Gruppe, durch nach Interesse und Neigung wechselnden Gruppen oder in einem arbeitsteiligen Prozess. So haben die Schüler die für den Geocache formulierten Texte anschließend eingesprochen und als Audiodatei gespeichert. Daraus machen wir jetzt Filme. Dadurch kann durch vergleichweise geringen Mehraufwand eine Vielfalt von Materialien entstehen, die unterschiedliche Zugänge und Nutzungsmöglichkeiten erlauben.

Interaktive Netztagung #gld13 | Geschichte Lernen digital

Am 8. und 9. März 2013 findet in München die Tagung #gld13 | Geschichte Lernen digital als Kooperationsprojekt der Körber-Stiftung (Hamburg), der Gerda-Henkel-Stiftung (Düsseldorf), der Bayerischen Staatsbibliothek (München) und der kgd (Konferenz für Geschichtsdidaktik) statt.

Auf der Seite http://www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de wird die Tagung live gestreamt. Der Tagungsname ist zugleich Hashtag (#gld13) und soll eine direkte und aktive Beteiligung unter anderem für Zuschauer des Live-Streams ermöglichen. Daher dann auch der Begriff der „interaktiven Netz-“ Tagung.

Entsprechend gibt es zur Tagung auch ein Blog, in dem sich bereits einige der Abstracts der Beiträge sowie Informationen zu den Referenten finden:

http://gelerndig.hypotheses.org

Idee der Tagung ist es, unversitäre Geschichtsdidaktik und digitale Unterrichtspraxis (für eine „digitale Geschichtsdidaktik“? – ein Begriff, der absichtlich vermieden wurde) zusammen und damit ins Gespräch zu bringen. Das scheint mehr als überfällig und die Tagung wird ein Erfolg, wenn sie diesen notwendigen Dialog einleiten hilft. Das Programm verspricht auf jeden Fall spannende Inhalte und Anknüpfungspunkte. Eine Übersicht über das zweitägige Programm kann hier eingesehen werden:

https://speakerdeck.com/pallaske/gld13-tagungsflyer

Tagung: Von Gestern für Morgen lernen

Am Wochenende findet in Köln die Tagung „Von Gestern für Morgen lernen. Zivilgesellschaftliches Engagement an Orten der Erinnerung“ statt. Weitere Informationen sowie das Programm finden sich auf den Seiten der BpB.

Gemeinsam mit den Kollegen von m+b.com sowie dem Team der Kaiserdom-App darf ich dort einen Workshop zum Thema „Multimediale Angebote selbst gestalten“ anbieten. In meinem Part stelle ich die Arbeit mit Google Maps und Geocaching vor. Für alle Interessierten, die vielleicht auch nicht an der Tagung teilnehmen können, gibt es hier vorab schon mal die dazugehörige Präsentation.

Jüdische Geschichte in der eigenen Stadt mit dem Smartphone entdecken

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„Wie vermittelt man Jugendlichen heute jüdische Geschichte und Kultur?“ Mit dieser Frage in einem Tweet wurde ich diese Woche auf den Geschichtomat aufmerksam. Die Seite ist ein Projekt des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden. Zur Projektwoche jetzt im Februar begeben sich Hamburger Schüler auf Spurensuche, dokumentieren und veröffentlichen ihre Ergebnisse in multimedialer Form auf der Webseite, wo sie auf einer Karte auch in der Stadt verortet werden.

Dieselbe Frage haben wir uns in Koblenz auch gestellt. Und auch wir sind – wenig überraschend – zu einem Lernszenario gekommen, dass die Arbeit mit digitalen Medien und mobiles Lernen in den Mittelpunkt stellt, allerdings mit etwas anderem Fokus als in Hamburg. Zunächst ging es gleichfalls darum von der Perspektive, die sich bei vielen Schülern findet, Juden ausschließlich als Opfer wahrzunehmen abzurücken und einen Blick auf jüdische Geschichte als Teil einer historisch vielfältigen Gesellschaft zu werfen.

Der aktuelle 13er Leistungskurs Geschichte hat dazu in Form eines Projekts zwischen schriflichem und mündlichem Abitur begonnen in Zusammenarbeit mit der Stadtbildstelle Koblenz sowie unterstützt durch das Leo-Baeck-Programm, Aspekte jüdischer Geschichte in Koblenz zum eigenen Entdecken für Jugendliche und andere Interessierte aufzubereiten.

Zum Einstieg in das Projekt stand eine Geschichte zur Entdeckung von zwei Treppen, bei denen jüdische Grabsteine als Stufen benutzt wurden. Die erste Treppe wurde 1950 entdeckt und löste einen kleinen Skandal in der Stadt aus. Die zweite Treppe wurde erst 2010 freigelegt. Alle Grabsteine sind mittlerweile entfernt und auf den jüdischen Friedhof überführt. Wer die ganze Geschichte nachlesen möchte, finde auf den Internetseiten des Stadtarchivs Koblenz unter Stadtgeschichte Online ein umfangreiches PDF.

Die Geschichte ist an sich recht spannend und verrät viel über den Umgang mit Juden und dem jüdischen Kulturerbe in der Nachkriegszeit. Nur wird das rund 60 Seiten lange PDF-Dokument wohl kaum jemand in Gänze lesen. Insofern bot es sich an, an diesem Beispiel zu überlegen, ob und ggf. wie sich wissenschaftlich aufgearbeitete Geschichte interessant für ein breites Publikum umsetzen lässt. Ein solches, durchaus anspruchsvolles Vorgehen im Geschichtsunterricht kann eine grundlegende kritische Auseinandersetzung mit Produkten der populären Geschichtskultur anregen.

Für die Umsetzung haben wir uns entschieden, parallel sowohl ein Geocache wie auch ein Geoquest mit dem Editor von Questor herzustellen. Letzteres ist eine kostenlose App für Apple und Android, mit deren Editor sich eine Art multimedialer Stadtrallyes konzipieren lassen, die dann über einen Spielcode in den Apps auf den mobilen Geräten installiert werden können.

Beide Produkte führen über die Spiel- und Rätselform zur Auseinandersetzung mit der Geschichte. Die Ergebnisse sind öffentlich und kostenlos für alle Interessierten nutzbar. Wer Interesse hat, findet den Cache „Jüdische Grabsteine als Treppenstufen“ auf opencaching.de. Der Code zur Installation bei Geoquest lautet: 299609.

In einem zweiten Schritt nehmen wir nun speziell die mittelalterliche Geschichte in den Blick und versuchen gezielt für eine 7./8. Klasse eine Tour zur jüdischen Geschichte in Koblenz anzulegen, die vom Sitz des Stadtherrn zur Judengasse und zum Markt führt. Dabei sollen alle lehrplanrelevanten Aspekte berücksichtigt werden, so dass die Geschichtskollegen in den Koblenzer Schulen das entsprechende Schulbuchkapitel auch durch ein ortbasiertes, entdeckendes Smartphone-Spiel in der Stadt ersetzen könnten.