Die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg in Deutschland und Frankreich – Teil 3: Exkurs NS-Zeit

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Für die Nationalsozialisten war der Erste Weltkrieg ein zentraler Bezugspunkt für Politik und Erinnerungskultur. Nicht nur im Bezug auf die Revision des Versailler Vertrags, sondern auch ideologisch rückten der Mythos des Kriegserlebnisses und die Umdeutung von Krieg und Kriegstod als Opfer für die Gemeinschaft und Bedingung für den Erfolg und das Überleben des Volkes in den Mittelpunkt.

Entsprechend veränderte sich die offizielle Erinnerung an den Ersten Weltkrieg: Bereits 1934 wurde der ,,Volkstrauertag“ in ,,Heldengedenktag“ umgewandelt, zugleich wurden die Formen des Gedenkens vereinheitlicht. Die Inszenierung des Gedenkens an die Toten des Weltkriegs erfuhr eine Bedeutungsverschiebung von Trauer- zu Siegesfeiern.

So erklärte der „Bundesführer“ des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Siegfried Emmo Eulen, Ende 1933, da der Gedenktag „Volkstum und Volkskraft stärkt“ dürfe er kein Tag der Trauer bleiben, sondern müsse „ein Tag der Erhebung werden, ein Tag des Aufgehens der blutigen Saat“ (Zitat) werden. Hier findet sich auch das bereits im Beitrag zur Weimarer Republik erwähnte Motiv der Wiedergeburt.

Auch das Tannenberg-Denkmal wurde zum „Reichsehrenmal“ umgebaut. Die Nationalsozialisten verklärten Kampf und Opfer. Beschworen wurde die Bereitschaft, sich selbst zu „opfern“. Durch die Opferbereitschaft sollte sich das „Volk“, die „Rasse“ auszeichnen. Für die Masse der Verluste und die militärische Sinnlosigkeit schuf man so eine neue ideologische Legitimation, die den Kampf und möglichen Opfertod als Verpflichtung darstellte und mit der Entwertung des Einzelnen einherging. Die Bereitschaft zu Kampf und Tod „für das Vaterland wurde weder als bürgerliche noch als nationale Teilhabe am Gemeinwesen, sondern als Qualität der arischen Rasse und völkische Aufgabe inszeniert.“ (Zitat)

Ein lokales Beispiel aus Koblenz, das die veränderte Formensprache und Botschaft zeigt, ist das nach 1945 teilweise demontierte Denkmal für das Infanterie-Regiment „von Goeben“ Nr. 28 auf der Festung Ehrenbreitstein. Das genaue Jahr der Errichtung des Denkmals wird unterschiedlich angegeben. Die Gestaltung spricht allerdings für die Zeit nach 1933.

Update [7.7.2014]: Vielen Dank an Frau Weiß vom Stadtarchiv Koblenz, die darauf hinwies, dass das Denkmal auf der Festung Ehrenbreitstein am 16. Juni 1935 eingeweiht wurde.

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:W-1R_-_Koblenz_%280RP%29,_InfRgt_28.jpg

Historische Postkarte. PD Wikimedia Commons, o.J.

März 1945. Foto: Bundesarchiv, Bild 146-1970-088-28 / U.S. Signal Corps / CC-BY-SA

März 1945. Foto: Bundesarchiv, Bild 146-1970-088-28 / U.S. Signal Corps / CC-BY-SA

Die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg in Deutschland und Frankreich – Teil 2

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1.2 Deutschland

Um die Veränderungen in Deutschland nach 1918 besser zu verstehen, lohnt sich der Blick auf die Denkmäler, die nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 errichtet worden sind. Typisch für die Jahre nach 1871 war die Errichtungen von Säulen („Siegessäule“ z.B. in Berlin, Chemnitz und Siegburg) sowie von Denkmälern in Obeliskenform.

Die Orte, an denen die Kriegerdenkmäler nach 1871 errichtet wurden, lagen zentral in den jeweiligen Städten, z.B. auf dem Markt oder in der Nähe des Theaters. In Gestaltung mischen sich nationale Symbole mit Siegeszeichen wie Lorbeerkranz oder Statuen von Nike/Victoria. Angebracht werden Tafeln, die in der Regel nicht nur die Namen der gefallenen, sondern auch der verwundeten Soldaten aus der Gemeinde auflisten. Nicht selten dienen die Kriegerdenkmäler. zumindest in ehemals preußischen Gebieten, der Erinnerung an alle „Einigungskriege“, so dass auch die die Kriege von 1866 und teilweise von 1864 miteinbezogen werden.

Kriegerdenkmal in Höhn-Schönberg. Foto: Martin Kraft, CC-BY-SA.

Kriegerdenkmal in Höhn-Schönberg. Foto: Martin Kraft, CC-BY-SA.

Eine Fortsetzung der bisherigen Gestaltung war aus mehreren Gründen nicht möglich: Ebenso wie in Frankreich liegt ein Grund in dem massenhaft Tod von ca. 1,9 Millionen Soldaten des Deutschen Reichs. Zum Vergleich: Im Deutsch-Französischen Krieg waren auf deutscher Seite etwas weniger als 45.000 Opfer zu beklagen.

Hinzu kamen aber nach 1918 die Niederlage sowie die Auflösung des Kaiserreichs. Errichtet wurden die Kriegerdenkmäler während der Weimarer Republik, die den Krieg zwar nicht geführt hatte, mit der sich aber viele, gerade in Militärkreisen, nicht identifizierten, sondern Republik und Demokratie ablehnten oder sogar aktiv bekämpften.

Die Kriegerdenkmäler nach 1918 zeichnen sich folglich durch eine Abwesenheit nationaler Symbole aus. Sie rücken zudem aus dem Zentrum der Stadt an Plätze am Rand wie Friedhöfe, Grünanlagen oder seitlich von Kirchen. Da der Krieg mit einer Niederlage endete, fehlen auch die Siegeszeichen der alten Denkmäler und damit fehlte auch ein Teil der bisherigen Sinnstiftung. An deren Stelle treten die Abbildung militärischer Zeichen sowie christlicher Symbolik (Kreuz, Pietà oder der heilige Michael als Drachentöter, zugleich Nationalpatron und Bezwinger des „Bösen“), die nun die offenkundig notwendige, nachträgliche Sinnstiftung für den massenhaften Kriegstod leisten sollte.

Ebenso wie in Frankreich steht im Mittelpunkt der Kriegerdenkmäler die Trauer. Auf kommunaler Ebene wird an dem individualisierten Gedenken in Form von Namenslisten der toten Soldaten festgehalten. Entgegen der Entwicklung der industrialisierten Kriegsführung und der „Erfindung“ des „Grabs des unbekannten Soldaten“ stehen in lokalen Denkmäler in Deutschland wie in Frankreich der einzelne Soldat als Kämpfer im Mittelpunkt, was durch figurale Darstellung eines einzelnen Soldaten im Denkmal betont wird.

Dies gibt es meines Wissens an älteren Kriegerdenkmälern nicht und kann seinen Ausdruck sowohl in ganzfigürlichen Darstellungen wie auch in behelmten Soldatenköpfen finden. Aufgrunddessen, dass Initiative den Kommunen und einzelnen gesellschaftlichen Gruppen überlassen wurden und keine nationalen Vorbilder vorhanden waren, ist die formale Gestaltung der Kriegerdenkmäler überaus vielfältig.

Als Beispiel mögen die Kriegerdenkmäler für 1870/71 und 1914-18 aus dem kleinen Ort Kamp-Bornhofen dienen, die heute beide in Abstand von wenigen Metern dort auf der Rheinpromenade stehen:

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Weitgehend in Vergessenheit geraten scheint, dass es nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland eine eine breite pazifistische Bewegung gegeben hat, u.a. initiiert durch ehemalige Frontsoldaten im “Friedensbund der Kriegsteilnehmer”. Diese wurde bereits 1919 u.a. durch von Ossietzky und Tucholsky gegründet. An den Demonstrationen zur Erinnerung an den Kriegsbeginn, am 1. August als Antikriegstag, beteiligten sich allein in Berlin bis zu 200.000 Demonstranten. 1922 hatte die Bewegung 30.000 Mitglieder. Sie löste sich allerdings 1927 bereits wieder auf und wie vor dem Krieg war der Pazifismus in Deutschland eine marginale Bewegung.

Die Weimarer Republik war geprägt durch eine gespaltene Gesellschaft. Dies spiegelt sich auch in der Erinnerungskultur und Geschichtspolitik der Zeit wider. Das Gedenken an den Krieg und seine Opfer war ein gruppenbezogenes (z.B. Gemeinden) und milieuspezifisches Gedenken. Der Streit der politischen Gruppen verhinderte zudem lange die Errichtung eines nationalen Denkmals.

Daher erklärt sich auch die im Vergleich mit Frankreich und England relativ späte Einweihung des monumentalen Tannenberg-Denkmals 1927 sowie später 1931 in Berlin auch die Umwidmung der Neuen Wache unter den Linden.

Beisetzung Hindenburgs am 7. August 1934, Foto: Bundesarchiv, Bild 183-2006-0429-502 / CC-BY-SA

Beisetzung Hindenburgs am 7. August 1934, Foto: Bundesarchiv, Bild 183-2006-0429-502 / CC-BY-SA

Die Initiative zum Denkmalbau ging vom Bund der Veteranen der Provinz Ostpreußen. „Tannenberg“ war das einzige Schlachtfeld des Ersten Weltkriegs, dass sich innerhalb der deutschen Grenzen befand. Zudem war es eine für Deutschland siegreiche Schlacht, die mit dem Mittelalter (1410 Tannenberg/Grundwald) und dem Mythos Hindenburgs verknüpft wurde. Die Grundsteinlegung erfolgte bereits 1924, die Einweihung erst drei Jahre später, da war Hindenburg bereits Reichspräsident und als Datum wurde sein 80. Geburtstag gewählt.

Die Geschichte des Tannenberg-Denkmals kann stellvertretend für einen von der Mehrheit der Gesellschaft getragenen Wandel der Erinnerungskultur an den Ersten Weltkrieg gesehen werden. Der Ausdruck von Trauer wurde zu Revanche, das Gedenken an die Opfer zur Mahnung an die (Kampf-) Bereitschaft der Lebenden verbunden. Gegen Ende der Weimarer Republik überwog der Appel an einen aggressiven Nationalismus, an den die Nationalsozialisten nahtlos anknüpfen konnten.

Diese fließenden Übergänge der Erinnerungskultur zeigen sich in der Geschichte des Volkstrauertrags als zentralem Gedenktag für die Opfer des Kriegs in Deutschland. Die des Tages war vom 1919 gegründeten Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge mit Nachdruck betrieben worden. Auch hier gehen wiederum Vorschlag und Durchführung zunächst auf eine private und nicht auf staatliche Initiative zurück.

1926 wurde durch die Reichsregierung Kundgebundgen zum Volkstrauertag beschlossen, aber kein gesetzlicher Feiertag eingeführt. Anders als heute war es der fünfte Sonntag vor Ostern. Die Tageswahl stand symbolisch in der Nähe zur Wiederauferstehung Christi. Das Gedenken wurde damit in den Zusammenhang einer erwarteten nationalen Wiederaufstehung gestellt.

Der Volkstrauertag war ebenso umstritten wie die Denkmäler auf nationaler Ebene: So gab es Unterschiede in Termin und Gestaltung der Feierlichkeiten je nach Region und Konfession. Versammlungen und Reden hatten oft stark antidemokratischen und aggressiv nationalistischen Charakter, was die Vereinnahmung durch Nationalsozialismus leicht machte.

Beitragsserie: Die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg in Deutschland und Frankreich – Teil 1

Leicht überarbeiteter und gekürzter Vortragstext vom April in Koblenz

Wie der Titel bereits deutlich macht, geht es nicht darum, das Geschehen des Kriegs rekapitulieren, sondern einen Blick auf einige Aspekte der Erinnerung an den Krieg in Deutschland und Frankreich zu werfen. Dies geschieht in Form eines groben Überblicks in drei Schlaglichtern:

  1. unmittelbare Nachkriegszeit = 1920er Jahre, mit Ausblick auf die Veränderungen in der NS-Zeit
  2. Zweite Nachkriegszeit nach dem 2. Weltkrieg, 1950er/1960er Jahre (1964 = 50 Jahre nach Beginn)
  3. Heute = das Jahr 2014

1 Unmittelbare Nachkriegszeit des Ersten Weltkriegs: Denkmäler, Veteranentreffen & Alltagsgedenken

1.1. Frankreich

Angesichts des massenhaften Todes in der industrialisierten Kriegsmaschinerie des Ersten Weltkriegs mit zahllosen toten Soldaten, die nicht mehr identifizierbar waren, mussten und bisher ungekannten Anzahl von Kriegstoten (über 1,3 Millionen für Frankreich), mussten neue Formen der (nachträglichen) Legitimation des Kriegs und der Erinnerungskultur gefunden werden. Dies erfolgte mit der Erfindung des „Grabmals des unbekannten Soldaten“: zunächst in London, dann ein Jahr später in Paris das am Arc de Triomphe, das zum zweiten Jahrestag des Waffenstillstands, am 11. November 1920, eingeweiht wurde.

Provisorisches Beinhaus von Douaumont 1920-1927

Provisorisches Beinhaus von Douaumont 1920-1927

Gleichfalls 1920 wurde in Douaumont bei Verdun der Grundstein für einen neuen Bau gelegt. Dort hatte zunächst ein Provisorium bestanden. Für die Gebeine von über 130.000 nicht identifizierten französischen und deutschen Soldaten aufbewahrt, die in der Schlacht um Verdun gefallen sind, entstand nun eine „Knochenhalle“ (ossuaire) als Denkmal von bislang unbekannten Ausmaßen, die 1932 offiziell eingeweiht wurde. Vor dem Beinhaus befindet zusätzlich sich ein Friedhof mit 15.000 Gräbern französischer Soldaten.

In Frankreich entwickelte sich schnell neben den nationalen Erinnerungsorten auch eine lokale Erinnerungskultur an den großen Krieg. Denkmäler für Gefallene des Ersten Weltkriegs finden sich bis heute in fast jedem französischen Dorf. Anders als in Deutschland werden diese Denkmäler als Monuments aux morts (Denkmäler für die Toten) bezeichnet, während sich im Deutschen der Begriff „Kriegerdenkmal“ durchgesetzt hat, der allein auf die Kämpfer/Soldaten verweist, andere Tote allerdings begrifflich ausschließt. Eine Übersicht über die Monuments aux morts findet sich in dieser interaktiven Karte. Um sich einige Beispiele anzuschauen, bieten sich die Zusammenstellung von Fotos und Beschreibungen der Denkmäler an der Marne an.

Sollte die Organisation, Koordinierung und Freigabe der Denkmaliniativen zunächst auf nationaler Ebene geregelt werden, nahm man aufgrund der zahlreichen Anfragen schnell davon Abstand und übertrug die Aufgaben regionalen Autoritäten. So hatten einige wenige Vorgaben, wie z.B. die Inschrift „Mort(s) pour la France“ und das Anbringen von Namenstafeln für alle toten Soldaten der Gemeinde, bei allen Denkmalerrichtungen berücksichtigt zu werden, darüber hinaus waren aber unterschiedliche Gestaltungen möglich.

Schaut man sich beispielhaft die Denkmäler in der Region Champagne an, dann findet sich fast durchgehend in der Gestaltung eine Mischung aus Trauersymbolik mit Gefallenengedenken und Hinweisen auf Frankreich als Vaterland und den Sieg, der den betrauerten Tod letztlich mit Sinn erfüllt und überhöht. Als Standort wurde in der Regel ein zentraler Platz gewählt: vor dem Rathaus, vor der Kirche, der Schule oder auf dem Markplatz.

In Frankreich wurde dann der 11. November zum zentralen Gedenktag. Am Tag des Waffenstillstandes wurde an die Gefallenen des Krieges erinnert. Seit 1922 war der Tag Feiertag und hatte ein fest zeremonielles Gerüst, das aus einem Trauerzug, einer Rede des Bürgermeisters, Vorlesen der Namen der Gefallenen und anschließend Schweigeminute bestand. Anwesend waren sowohl Veteranen wie auch Schulkinder, was eine generations-übergreifende Erinnerung an die Kriegserfahrung sichern sollte.

Veränderungen erfuhren die Denkmäler und der Gedenktag durch die nachfolgenden Kriege. An vielen Kriegerdenkmälern wurden nach 1945 zusätzliche Tafeln mit den Namen der Toten der Gemeinde im Zweiten Weltkrieg angebracht. Am 11.11. wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zunehmend, besonders nach dem Tod der letzten Frontsoldaten des Ersten Weltkriegs den Toten und Gefallenen aller Kriege gedacht. Seit 2011 schließt dieses Gedenken offiziell auch die französischen Opfer in Afghanistan mit ein.

Monument aux morts pacifiste d'Equeurdreville, 1932 eingeweiht, Foto: Auditus CC-BY-SA

Monument aux morts pacifiste d’Equeurdreville, Normandie, 1932 eingeweiht, Foto: Auditus CC-BY-SA.

Zwei Besonderheiten in Frankreich verdienen der Erwähnung, da es Vergleichbares meines Wissens in Deutschland aus dieser Zeit nicht gibt:

1) Einbeziehung von zivilen Elemente in das Gedenken und die Denkmalgestaltung mit trauernde Witwen und auch Darstellungen von Kindern (eine mir bekannte Ausnahme ist das „Kriegerehrenmal“ in Kröv an der Mosel von 1928)

2) Die Errichtung von Friedensmahnmalen: Diese haben im Französischen einen eigenen Namen: Monuments aux morts pacifistes und auch einen französischsprachigen Wikipedia-Artikel, der zahlreiche Friedensmahnmale aus unterschiedlichen Regionen Frankreichs jeweils mit Bildern aufführt. Typische Inschriften dieser Mahnmale sind in deutscher Übersetzung: „Krieg dem Krieg“, „Verflucht sei der Krieg“ oder „Frieden zwischen den Völkern“. Die ersten dieser Mahnungen an den Frieden stammen bereits aus den Jahren 1921 und 1922.

Mahnmale statt Denkmäler der Heldenverehrung waren mir für Deutschland bislang erst für die Zeit nach dem 2. Weltkrieg bekannt. Der französische Wikipedia-Artikel verweist allerdings auf ein Denkmal in Strümpfelbach bei Stuttgart, das bereits nach dem Ersten Weltkrieg mit der Inschrift „Nie wieder Krieg!“ entstanden ist. Die in der NS-Zeit entfernte Inschrift wurde nach dem Zweiten Weltkrieg erneuert.

Weiterlesen – Teil 2: Deutschland

Kollaborativ digitale Zeitleisten im Geschichtsunterricht erstellen

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Zeitleisten gehören zu den ältesten Visualisierungsformen von Geschichte und Geschichtsunterricht. Zur Geschichte der Zeitleisten im Geschichtsunterricht und zur fachdidaktischen Diskussion gibt es auf den Seiten der Geschichtsdidaktik an der Uni Giessen einige interessante Hinweise. Auch digitale Zeitleisten sind nichts Neues mehr. In mehreren Beiträgen wurden bereits vor allem englisch- und französischsprachige Werkzeuge (siehe auch den Überblick im Blog von Christoph Pallaske sowie die Liste im Geo&Ges-Wiki) zur Erstellung digitaler Zeitleisten vorgestellt sowie auf die Möglichkeiten der Zeitleistengestaltung mit Office-Programmen und dem Interaktiven Whiteboard hingewiesen.

teilnehmer einladenDie GeschichtsApp „App in die Geschichte“ stellt eine eigene Zeitleistenfunktion zur Verfügung. Da die Benutzeroberfläche vollständig auf Deutsch verfügbar ist, kann die Anwendung auch in jüngeren Klassen eingesetzt werden. Ist eine Zeitleiste einmal von einem Nutzer angelegt – das kann auch die Lehrkraft sein -, kann er weitere Nutzer einer Lerngruppe zum gemeinsamen Arbeiten an derselben Zeitleiste einladen. Dazu müssen nur die Nutzernamen bei der neu angelegten Zeitleiste eingetragen werden. Damit können alle eingeladenen Nutzer gleichzeitig und mit gleichen Rechten die Zeitleiste bearbeiten und verändern. Das ermöglicht die gemeinsame Arbeit mit der gesamten Klasse, in Partnerarbeit oder Kleingruppen.

Im Unterricht kann auf vielfältige Weise mit digitalen Zeitleisten gearbeitet werden, z.B.:

1) Die Zeitleiste wird über einen längeren Zeitraum im Unterricht als Ergebnissicherung eingesetzt. Jeweils andere Schüler notieren im Anschluss an eine Unterrichtsstunde relevante Daten aus dem Unterricht zur dauerhaften Sicherung für die ganze Klasse auf der Zeitleiste. So entsteht über Wochen und Monate hinweg eine begleitendes Produkt zum Unterricht, das immer wieder angeschaut wird und so wichtige Ereignisse und Zusammenhänge über einen längeren Zeitraum erinnern hilft.

2) Eine eigene Zeitleiste, die dann für die ganze Klasse freigegeben wird, kann auch ein Referat stützen, – je nach Thema – sowohl als Alternative zu PowerPoint oder Prezi als auch als Ergänzung eines Thesenpapiers. Ebenso nutzbar ist eine kollaborative Zeitleiste innerhalb einer Referatsreihe. Alle Vortragenden ergänzen dann jeweils 1, 2 oder 3 Daten aus ihrem Beitrag in der Zeitleiste, die so zu einem gemeinsamen Produkt der Lerngruppe wird und zentrale Inhalte alle Vorträge noch einmal zusammenfasst und langfristig sichert.

3) Das gleiche Vorgehen bietet sich zum Ende einer Unterrichtsreihe an. Die Schülerinnen und Schüler sollen zu einem Thema noch einmal eine vorgebene Anzahl von Daten in einer Zeitleiste festhalten. Dabei ist eine Auswahl zu treffen und die Relevanz der Ereignisse für die Aufnahme in die Zeitleiste zu diskutieren (siehe auch hier).

4) Längere Verfassertexte, die eine Abfolge von Ereignissen mit Jahreszahlen oder Tagesdaten enthalten, besonders auch dann, wenn die Erzählung nicht chronologisch erfolgt, können auf diese Weise erschlossen und strukturiert werden. Die Ergebnissicherung erfolgt über die Präsentation der Zeitleiste einer Gruppe am Whiteboard oder Beamer, die durch die Mitschüler ggf. ergänzt und korrigiert wird. Es ist möglich, dass eine beispielhafte Zeitleiste anschließend für alle Lernenden als „Musterlösung“ zur Verfügung gestellt wird.

5) Zur Vorbereitung und Begleitung von Projektarbeiten kann die Zeitleiste gleichfalls zur Sammlung und Strukturierung in der Recherchephase eingesetzt werden. Anders als im Heft erscheinen dann die Notizen in chronologischer Folge und bieten damit zugleich eine übersichtliche Ordnungsstruktur, wenn aus verschiedenen Büchern und Internetseiten recherchiert wird.

Die Zeitleistenfunktion der GeschichtsApp ermöglicht reine Texteinträge, das Hochladen von Bildern aus dem App-Archiv oder über „Weitere Dokumente hinzufügen: Aus meinen Dateien“ -> „Neues Dokument hochladen“ das Einfügen von externen Bildern sowie das Einbetten von verschiedener Dateiarten (z.B. Soundcloud, Youtube oder auch LearningApps).

Um den Mehrwert digitaler Zeitleiste neben den kollaborativen Möglichkeiten auszuschöpfen, ist es sinnvoll, nicht nur Texteingaben, sondern auch multimediale Elemente einzufügen. Vermutlich prägen sich einzelne Ereignisse oder Personen mit einem dazugehörigen Bild auch besser ein als ohne. Für Schülerinnen und Schüler ist es eine Herausforderung, passende Bilder zu recherchieren. Viele probieren dies direkt über die Google Bildersuche und stoßen dabei nicht selten auf Bilder, die zwar gut aussehen, aber nichts mit ihrem Eintrag zu tun haben, ohne dass sie immer in der Lage wären, dies selbst beurteilen zu können.

Daher ist es hilfreich, die Lernende auf die Wikipedia und das dahinter liegende Mediendatenbank der Wikimedia Commons hinzuweisen. Um Bilder zum eigenen Beitrag zu finden, ist ein möglicher und guter Weg zunächst den Eintrag der Wikipedia durchzusehen und falls sich dort kein brauchbares Bild findet, unten am Ende des Artikel den Link zu den Commons zu nutzen. Vorteil dieses Vorgehens besonders für jüngere Schülerinnen und Schüler ist es, dass die Bilder einem Thema zugeordnet, vorausgewählt und mit zusätzlichen Informationen versehen sind. Außerdem ist die Qualität in der Regel gut, auf jeden Fall immer ausreichend für die Nutzung in einer Zeitleiste. Die Verwendung der Wikimedia Commons kann zugleich Anlass sein, zu zeigen, wo sich die Hinweise auf die Nutzungsbedindungen befinden und welche Lizensierungen (PD/CC) zu unterscheiden sind.

Von der GeschichtsApp werden automatisch drei Darstellungsvarianten generiert. Die „kompakte Ansicht“ bietet eine Übersicht und zeigt alle Eintragungen auf einen Blick. Das geht allerdings zulasten eine linearen Darstellung im Sinne eines Zeitstrahls (in Leserichtung von links nach rechts). Die kompakte Ansicht macht auf dem Bildschirm eine schlangenartige Darstellungsform nötig, wie sie auch z.B. für den niederländischen Geschichtskanon von entoen.nu gewählt wurde.

kompakte Ansicht

Darstellung als „kompakte Ansicht“

Bei der klassischen Zeitleistenanzeige steht jeweils ein Eintrag im Mittelpunkt. Der vorhergehende und anschließende Eintrag werden an den Pfeilen links und rechts bereit mit Datum und Titel angezeigt. Es kann vor- und zurückgeklickt werden.Unten findet sich eine Übersicht mit allein Einträgen der Zeitleiste, die auch direkt angeklickt werden können. Nutzt man die GeschichtsApp auf einem Smartphone erscheint nur der jeweilige Eintrag. Vor und zurück bewegt man sich mit einem Fingerwisch über den Bildschirm. Dies kann – ähnlich wie Vokabelkärtchen – zum Lernen von Jahreszahlen und Ereignissen zur Vorbereitung auf Tests oder Klausuren genutzt werden.

zeitleisteSchließlich gibt es auch noch die Darstellung als Karte. Dabei steht nicht die Chronologie im Vordergrund, sondern die geographische Verortung. Sofern die Bilder nicht mit Geodaten versehen sind, ist die Verortung auf der Karte beim Hochladen der Dokumente selbst vorzunehmen. Beim obigen Beispiel zur Geschichte des Denkmals am Deutschen Eck scheint diese Darstellungsform wenig sinnvoll. Bei anderen Themen hingegen bietet sie einen weiteren Zugang. So, wie im unten stehenden Beispiel zur antiken Geschichte. Die Zeitleiste ist noch nicht vollständig und entsteht gerade parallel zur Unterrichtsreihe. Wichtig ist der Hinweis, dass die zugrundliegende Karte bei Google Maps heutige Grenzen, Städte- und Ländernamen anzeigt, die von den historischen stark abweichen. Dennnoch hilft die Verortung der Eintragungen auf einer Karte bei der Orientierung im Raum.

karte

Darstellung auf einer Karte (aktuelles, noch nicht abgeschlossenes Projekt in Klasse 7, hier sieht man auch die Nutzernamen der „Mitarbeiter“, für die die Zeitleiste zur Bearbeitung freigegeben ist)

Zeitschrift Geschichte Lernen 159/160: Historisches Lernen mit digitalen Medien

Photo by turkletom CC BY 2.0

Photo by turkletom CC BY 2.0

Kurzer Hinweis auf eine neue Veröffentlichung im Friedrich-Verlag: Am 17. Mai erscheint in der Zeitschrift Geschichte Lernen mit dem Doppelheft 159/160 eine Ausgabe speziell zum historischen Lernen mit digitalen Medien, die ich als Gastherausgeber betreuen durfte.

Das Heft bietet eine Vielfalt verschiedener Ansätze mit hoffentlich anregenden Ideen für die schulische Unterrichtspraxis. Dank geht an die Autoren, die mit ihren Beiträgen unterschiedliche Zugänge und Einsatzmöglichkeiten für die Arbeit mit digitalen Medien im Geschichtsunterricht aufzeigen. So finden sich im Heft u.a. Beiträge

  • zur Visualisierung von archäologischen Funden als 3D-Modelle mit SketchUp
  • zum kollaborativen Schreiben mit Etherpads
  • zu digitalen Fotostorys
  • zum Einsatz von Interaktiven Whiteboards im Geschichtsunterricht
  • zur Dekonstruktion von Geschichtsdarstellungen des Zeitzeugenportals „Gedächtnis der Nation“
  • zur kritischen Auseindersetzung mit Geschichte in Online-Foren
  • zur Arbeit mit WebQuests
  • zu virtuellen Exkursionen mit Streetview

Inhaltsverzeichnis mit Übersicht über die Praxisbeiträge als PDF.

 

Die GeschichtsApp ausprobieren: Kurzanleitung – erste Schritte

2014-05-04_231457

Um die Funktionen der WebApp auszuprobieren, registriert man sich zunächst als Lerner unter folgender Seite: http://app-in-die-geschichte.de/student/register

Die Anmeldung ist möglichst einfach gehalten und für den Schulgebrauch ausgelegt. Es können ein selbst gewählter Name sowie ein Passwort eingegeben werden. Anschließend lässt sich die WebApp nutzen. Weitere Daten werden von den Nutzern nicht abgefragt.

Nach dem Einloggen mit den selbst erstellten Zugangsdaten auf der entsprechenden Seite können sowohl das Tagging Game, das Mapping Game wie die Zeitleistenfunktion genutzt werden. Wer die WebApp als einzelner Lerner und nicht mit einer Gruppe z.B. innerhalb einer Schulklasse nutzt, nimmt als Einstieg für die beiden Spiele als Ausgangsbasis am besten immer das App-Archiv mit den digitalisierten Quellen.

2014-05-04_232334Dort können über unterschiedliche Zugänge die aktuell fast 80.000 digitalisierten Quellen durchsucht werden. Die jeweils letzte Suchanfrage wird gespeichert. Klickt man nun auf das Tagging Game, kann man diese durch die Suchanfrage definierte Gruppe von Digitalisaten spielerisch verschlagworten.

2014-05-04_232533Dabei stehen zwei verschiedene Spiel-Modi zur Verfügung. Die einfache Verschlagwortung, bei der es für jedes richtige Schlagwort einen Punkt gibt, sowie den Tabu-Spiel-Modus. Im letzteren sind nur Quellen verfügbar, denen mindestens bereits fünf Schlagworte zugeordnet sind. Daher kann es vorgenommen, dass je nach Suchanfrage dort keine Quellen verfügbar sind. Die bereits vergebenen Schlagworte werden angezeigt und dürfen nicht mehr angegeben werden, dafür gibt es für jedes weitere richtige Schlagwort fünf Punkte.

Die Punktwertungen werden dem Nutzer gut geschrieben. Die 30 besten Nutzer der WebApp erscheinen mit ihrem gewählten Namen in der HighScore.

Aufgrund der Entwicklung der App sind zur Zeit ausschließlich Digitalisate aus Archiven in Koblenz und Linz am Rhein vorhanden. Für lokale Quellen aus der eigenen Stadt muss man selbst z.B. in den Wikimedia- oder Flickr-Commons suchen und kann die Digitalisate im eigenen Konto unter „Meine Dateien“ rechts oben hochladen.  2014-05-04_233221

Bei einem geplanten Unterrichtseinsatz der App ist es sinnvoll beim Stadt- oder Kreisarchiv wegen einer Kooperation und der Bereitstellung von digitalisierten Quellen für den Unterricht anzufragen. Lehrkräfte und Archive können eigenen Zugang mit mehr Rechten anlegen. Archive können über diesen Zugang selbstständig Digitalisate im App-Archiv für Schulen zur Verfügung stellen.

Aufgrund der vorhandenen Quellen für die meisten Nutzer außerhalb von Koblenz und Linz zur Zeit noch weniger interessant ist das Mapping Game. Auch hier erfolgt der Einstieg für Einzelnutzer über das App-Archiv. Zu den Digitalisaten kann jeder Nutzer in seinem Konto eigene Referenz-Fotos hochladen, dass kann z.B. ein historisches Foto eines Straßenzuges oder eines Platzes sein, das in heutiger Ansicht mit derselben Perspektive aufgenommen wird oder das Gebäude bzw. der Ort, der zu einer Urkunde gehört, weil diese dort verfasst wurde.

2014-05-04_234400Interessant wird das Mapping Game allerdings erst, sobald es in einer Gruppe gespielt wird. Dazu muss von Schule oder Archiv im Content Management System eine Lerngruppe angelegt werden. Werden nun von Nutzer dieser Gruppe Referenz-Bilder hochgeladen, sehen diese alle Mitglieder der Gruppe und können sie bewerten auf einer Sterne-Skala  von 1-5. Dadurch erhält der Nutzer, der das Bild hochgeladen hat, zugleich auch Punkte für die HighScore-Wertung.

Die Zeitleisten-Funktion ist weitestgehend selbsterklärend. Jeder Nutzer kann eigene Zeitleisten anlegen. In diese Zeitleisten lassen sich Texte, Digitalisate aus dem App-Archiv oder selbst hochgeladene Dokumente einfügen, über die Einbettungsfunktion lassen sich aber auch Online-Videos oder learningapps in die Zeitleiste integrieren.

2014-05-04_235606Wer innerhalb einer Lerngruppe arbeitet, kann die erstellte Zeitleiste auch für alle Mitglieder der Gruppe zum Ansehen freigeben. Innerhalb einer Gruppe können auch beliebig viele Mitglieder eine Zeitleiste kollaborativ erstellen. Die erstellten Zeitleisten stehen dann allen Nutzern der Gruppe dauerhaft zum Nachschauen oder zum Lernen z.B. in der Schule vor einem Test oder einer Klausur zur Verfügung.

#gd_dig Geschichtsfragen (?) in der Autovervollständigung der Google-Suche

Interessant finde ich, dass die unvollendete Schuldfrage als erstes direkt zum Ersten Weltkrieg führt; und das sowohl in der Gegenwarts- wie in der Vergangenheitsform. Interessant sind auch die Unterschiede zwischen den Ergänzungsangeboten im Präsens und in der Vergangenheit. Beides Mal landet jedoch der Erste Weltkrieg an erster Stelle.

Handelt es sich um eine längerfristige spezifisch deutsche Debatte oder um eine kurzfristige Konjunktur rund um den 100. Jahrestag und das Buch von Clarke? (siehe z.B. das Interview mit Nicolas Beaupré auf L.I.S.A.) Spiegelt sich in der Google-Ergänzung zur Frage die deutsche Lehrpläne und der darauf aufbauender Unterricht mit „historische[n] Spiegelfechterei[n]“ (Ventzke)?

Bei den weiteren Stichproben haben mich einige Themen überrascht, die ich eher für marginal gehalten hätte, die aber offensichtlich massenhaft abgefragt werden und daher als Autoversvollständigung angeboten werden. Zugleich ist es auch erschreckend zu sehen, was für simple Jahreszahlen offenkundig abgefragt werden.

Erstaunlich mag der geringe Anteil an Vervollständigungen zu Promis und anderen Kuriositäten sein. Überraschend fand ich angesichts der zugrundeliegenden Häufigkeit die Spitzenplätze von Mauerfall über Mittelalter zum Urknall. Ich hätte andere Themen vermutet. Viel Erkenntnis kann man aus den Fragen alleine allerdings nicht ziehen. Aus einer geschichtsdidaktischen Forschungsperspektive wäre es überaus spannend hingegen zu erfahren, wer tatsächlich danach sucht, was er oder sie zu finden sucht und welche Link angeklickt werden.

Wir können davon ausgehen, dass Google das alles weiß und für denjenigen schon die entsprechenden Werbeanzeigen bereit hält…

 

Google wer ist schuldGoogle wer war schuld

Google warum war Google Warum hatten

google wann war

App in die Geschichte – Funktionen und Unterrichtsideen 3: Tagging Game

Zum Gewinnen hat es heute bei der Europeana Creative Challenge im Bereich history education leider nicht gereicht. Wenn man sich die beiden Gewinner anschaut (trimaps und Zeitfenster), dann muss man anerkennen, dass die Webpräsenzen deutlich professioneller und flotter wirken als unsere. Wenn man die die ausgezeichneten Apps mit unserem Projekt vergleicht, dann wird klar, dass trotz des geringeren Funktionsumfangs andere Kriterien (Vermarktung, Übertragbarkeit auf andere Anwendungsbereiche, Wissensvermittlung) vermutlich stärker gewogen haben als unsere Schwerpunkte (Selbsttätigkeit der Lernenden, kollaboratives Lernen, explizit geschichtsdidaktischer Ansatz, Plattformunabhängigkeit, OER). Es war letztendlich wohl etwas anderes gesucht, als wir im Angebot haben.

Wie auch immer, nach dem Wettbewerb heißt es weiterdenken. Nun steht die Suche nach Alternativen auf dem Programm, um zum einen den existieren Prototypen auch über September hinaus zur Nutzung anbieten zu könenn und zum anderen die vorhandene Funktionen in der Usability verbessern und die App um weitere Funktionen erweitern und weiterentwickeln zu können. Hier zunächst eine kurze Beschreibung des Tagging Games und erste Ideen, wie dieses im Geschichtsunterricht eingesetzt werden könnte:

Die digitalisierten Quellen werden ohne Schlagworte in das App-Archiv übernommen. Das eröffnet die Möglichkeit, dass die Nutzer die Quellen selbst verschlagworten (engl. to tag). Um eine Quelle zu verschlagworten, ist eine genaue Beobachtung des Bildes bzw. ein Verständnis des Textes notwendig. Die Verschlagwortung erfolgt in zwei Etappen: Zunächst können beliebig viele Vorschläge für Schlagworte eingegeben werden. Fünf Quellen werden jeweils für eine Minute eingeblendet. Wird ein Schlagwort vom System als zutreffend erkannt, erhält der Nutzer dafür Punkte für die Highscore.

Sobald einer Quelle fünf als „richtig erkannte“ Schlagworte zugeordnet sind, erscheint sie nur noch im Tabu-Spiel, wo sie weiter verschlagwortet wird. Nun werden die bereits existierenden Schlagworte angezeigt und dürfen nicht mehr eingegeben werden. Auch hier gibt es für weitere richtige Schlagworte Highscore-Punkte. Die vergebenenen Schlagworte werden den Quellen dauerhaft zugeordnet und sind fortan auch über die Suchfunktion im App-Archiv nutzbar. Da die Schlagworte von allen Nutzern vergeben werden, können sich auch Fehler einschleichen, z.B. weil ausprobiert wird, ob auch „Schlumpf“ als Schlagwort akzeptiert wird, Symbole nicht richtig gedeutet werden oder die Fachbegriffe fehlen und so z.B. bei Bildern aus dem Zweiten Weltkrieg das Schlagwort „Bundeswehr“ eingegeben wird.

Für fehlerhafte Schlagworte gibt es einen Meldebutton. Es folgt eine interne Nachricht an die Lehrkraft des Lernenden, der den Meldebutton genutzt hat. Die Lehrkraft muss nun einschätzen, ob es sich um ein richtiges oder nicht zutreffendes Schlagwort für die Quelle handelt und kann das Schlagwort gegebenenfalls komplett aus dem System löschen. Für nachträglich gelöschte Schlagworte werden auch bereits vergebene Highscore-Punkte abgezogen. Hingegen erhalten die Schülerinnen und Schüler, die ein falsches Schlagwort erkannt und gemeldet haben, einen Zusatzpunkt.

Die Funktion dient dem spielerischen Üben möglichst präziser Bild- und Dokumentbetrachtung. Gefördert werden soll zudem das Wiedererkennen von Personen, Bauten und die wiederholende Festigung von Fachbegriffen. Das selbstständige Verschlagworten kann das Verständnis von grundlegenden wissenschaftlichen Arbeitstechniken wie Ordnen und Strukturieren unterstützen. Zudem fördert das Schlagwortfinden die Recherchekompetenz der Schülerinnen und Schüler z.B. im Hinblick auf die Nutzung von Online-Suchmaschinen oder Bibliothekskatalogen. Als falsch gemeldete Schlagworte können als Lernanlass aufgegriffen und im Plenum am konkreten Beispiel diskutiert werden. Es ist sinnvoll, dass Lernende bereits Erfahrungen mit Bildbetrachtungen und -beschreibungen vor dem Spielen gesammelt haben.

Die Arbeit mit dem Tagging Game eignet sich als Vorbereitung der Analyse von zuvor verschlagworteten Quellen. Es kann aber auch eingesetzt werden, um zum Abschluss einer Unterrichtsreihe an einer Auswahl von Quellen neu kennengelernte Begriffe und Personen zu wiederholen und zu festigen. Darüber hinaus ist es als spielerische Übung zwischendurch geeignet, um den Unterricht aufzulockern und genaue Bildbetrachtungen zu trainieren.

Ebenso lässt sich mit bereits durch andere Lernende verschlagwortete Quellen arbeiten. Sind die Schlagworte richtig, vollständig und hilfreich für die Beschreibung des Bildes? Falls nicht, können Sie als falsch gemeldet, korrigiert und ergänzt werden. Hier besteht die Möglichkeit ein Anzahl von Bildern in Gruppen überprüfen und bearbeiten zu lassen.

Sinnvoll ist es in jedem Fall bei alten Stadtansichten als Quellen, dass diese aus dem Lebensraum, also Schul- und/oder Wohnort, der Lernenden stammen, so dass diese auf ihre Ortskenntnisse zurückgreifen können, um die Quellen zu erschließen und zu verschlagworten. Handelt es sich um Quellen, für die den Lernenden das Kontextualisierungwissen fehlt, bleibt die Verschlagwortung notwendiger an der Oberfläche und bringt weitgehend banale Begriffe hervor.

Weiterlesen: allgemeine Infos zur WebApp

 

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App in die Geschichte – Funktionen und Unterrichtsideen 2: Mapping Game

Das Spiel ist eine Funktion der WebApp „App in die Geschichte“. Es basiert auf den Möglichkeiten der Georeferenzierung durch mobile Endgeräte und eignet sich besonders für die Arbeit mit Fotos und Gemälden. Die Perspektive der historischen Ansicht einer Quelle kann im aktuellen Stadt- oder Landschaftsbild gesucht werden. Die Kamera des Smartphones oder Tablets erlaubt eine Aufnahme der heutigen Ortsansicht. Die geographischen Koordinaten des Aufnahmestandpunkts werden mit Hilfe der GPS-Funktion des Geräts automatisch erfasst und mit beiden Aufnahmen, dem historischen Original- und dem aktuellen Bild, verknüpft. Dem Nutzer werden die gemachten Bilder zudem auf einer Landkarte (engl. map) angezeigt.

Andere Nutzer derselben Lerngruppe können die neuen Aufnahmen im Hinblick darauf bewerten, inwiefern sie die Perspektive des Originals tatsächlich wiedergeben. Der Autor des Fotos erhält für positive Bewertungen seiner Aufnahmen durch andere Nutzer Punkte für die Highscore. Es können bis zu fünf Sterne vergeben werden; jeder Stern entspricht einem Punkt in der Highscore-Wertung.

Das Mapping Game eignet sich besonders, Schülerinnen und Schüler durch praktisches Ausprobieren entdecken zu lassen, „dass Fotos etwas ‚intentional Gemachtes‘ sind, dass sie z.B. im Auftrag entstehen, bestimmten Konstruktions- und Wahrnehmungsgewohnheiten folgen und dass ihre handwerkliche Gestaltung etwas mit der beabsichtigten Wirkung zu tun hat. Es lohnt sich daher, Schülerinnen und Schüler öfter selbst fotografieren, sie z.B. eine fotografische Vorlage mit der eigenen Handy-Kamera rekonstruieren zu lassen und dabei den kompositorischen Entscheidungen des Fotografen nachzuspüren.“ (Andreas Weinhold, Fotografie, Zensur und Propaganda im Ersten Weltkrieg: Förderung historischer Bildkompetenzen, in: Medienbrief 1 (2014), S. 18).

Ideen für den Unterrichtseinsatz

Mit dem Mapping Game kann man gut in ein lokal- oder regionalhistorisches Thema einsteigen. Insbesondere die Themen historische Stadtentwicklung sowie Umgang mit den baulichen Überresten des kulturellen Erbes sind interessant. Die Schülerinnen und Schüler erhalten den Auftrag alte Ansichten ihres Schulortes im heutigen Stadtbild wiederzufinden. Die Aufnahmen der Lernenden werden mit den Originalansichten verglichen, um Kontinuitäten und Veränderungen des Ortes zu beschreiben und damit seine Historizität wahrzunehmen. Dies bildet den Ausgangspunkt für die Formulierung von Fragen oder Hypothesen für die weitere Arbeit.

Das Spiel eignet sich auch für Exkursionen und Klassenfahrten. Die Lehrkraft stellt eine Auswahl von thematisch ausgewählten Stadtansichten für die Lerngruppe zusammen. Anstatt oder auch vorbereitend zu einer Stadtführung erkunden die Lernenden die unbekannte Stadt mit Hilfe der Fotos und einem Stadtplan, indem sie die fotografierten Orte im heutigen Stadtbild wiederfinden und fotografieren. Die Fotos können dann zu einer Nachbereitung und Vertiefung des Ausflugs im Unterricht dienen.

Ansätze für thematische Fokussierungen sind vielfältig denkbar. So können u.a. chronologische Zugänge gewählt werden (die Stadt im Mittelalter, in der Frühen Neuzeit, im 19. Jahrhundert oder im Zweiten Weltkrieg), ebenso wie Bauwerke (Kirchen, Befestigungen etc.), Kunst-Epochen (Romanik, Gotik etc.), biographische (Geburtshaus, Schule, Gedenkplatten etc.) oder kategoriale Aspekte (wie Repräsentationen von Herrschaft im Stadtbild: Burg, Rathaus etc.). Falls keine Bilder im App-Archiv zur jeweiligen Stadt vorhanden sind, kann eine Kooperation mit dem jeweiligen Stadtarchiv angefragt werden, oft ist auch eine Online-Suche z.B. in den Wikimedia Commons hilfreich.

Unabhängig von der Verortung auf einer Karte kann mit selbst hochgeladenen Foto-Ikonen, Karikaturen oder Gemälden auch anders gearbeitet werden: Die Schülerinnen und Schüler erhalten dann den Auftrag, dasselbe oder verschiedene Bilder in einem eigenen Standbild nachzustellen und dieses als Referenzfoto hochzuladen. Alle Mitglieder der Lerngruppe können die selbst gemachten Fotos anschließend im Hinblick darauf bewerten, ob die Umsetzung gelungen ist.

Die Standbilder und Fotos sind natürlich kein Selbstzweck, sondern dienen der Annäherung an das Original und dessen Deutung. Es geht insbesondere um das Erkennen von Haltungen und dem Verhältnis der Personen zueinander, bei deren Erschließung ein Vergleich von Standbildern, Beobachtungen beim Standbildbau und die eigenen Empfindungen als Beteiligte im Standbild helfen können.

Weiterlesen: Funktionen und Unterrichtsideen Teil 3 – Tagging Game

Bild Mapping Game