Archive & Computer-/Internetspiele

Gestern bin ich durch einen Tweet von EiserfeldWolf auf zwei Spiele aufmerksam geworden, die Geschichte vermitteln wollen und bei denen Archive bei der Konzeption der Spiele mitgewirkt haben.

Zum einen ist es das runterladbare Spiel Lambert & Laurin, mit dem 2008 auch ein Gewinnspiel verbunden war, für dessen Lösung das Kreisarchiv Siegen-Wittgenstein sowie das Stadtarchiv in Siegen aufgesucht werden mussten.

Zum anderen Het geheim van Rotterdam (Das Geheimnis von Rotterdam), in dem sich ein Schüler und sein Großvater auf Spurensuche in Rotterdam begeben.

Ehrlich gesagt, stehe ich etwas ratlos vor diesen Spielen. Ich weiß wie schwierig die Öffnung von Archiven für ein weiteres Publikum ist, weil dies von vielen Archiven weiterhin nicht als „Kerngeschäft“ angesehen wird. Insofern begeistern mich solche Initiativen, weil in Archiven ungeheure Schätze für die Vermittlung von Geschichte, gerade auch für die Schule, liegen. Deshalb ist mir die Zusammenarbeit von Schule und Archiv ein wichtiges Anliegen.

Fraglich ist, ob dies durch solche Spiele geleistet werden kann und ob der Aufwand für die Erstellung eines solchen Spiels gerechtfertigt ist. Die Idee, das Computerspiel mit dem Archivbesuch zu verknüpfen, finde ich sehr gelungen, aber nach Ablauf des Wettbewerbs, fürchte ich, wird das Spiel heute kaum noch genutzt werden.

Dem niederländischen Spiel liegt die schöne Idee, eines Vergleichs von Rotterdam vor und nach der Bombardierung 1940 durch die Deutschen zugrunde. Allerdings besteht das Spiel vor allem aus Suchbildern, in denen Münzen und Gegenstände gefunden werden müssen, was ich persönlich schon beim zweiten Level als ermüdend und langweilig empfand (zusätzlich dazu die schlechte, nervtötende Musik, die aber zum Glück ausschaltbar ist). Mit den Gegenständen werden keine weiteren Informationen verknüpft und auch der Großvater hält sich sehr zurück und erzählt (zumindest bis zum Puzzle im vierten Level, nach dem ich dann ausgestiegen bin) außer dem langwierigen Rahmenhandlung kaum historisch Interessantes. Wobei das in der Umsetzung z.B. durch weitere Informationen zu den Gegenständen bei Anklicken sehr schön und leicht umsetzbar gewesen wäre.

Insofern frage ich mich, gibt es weitere Beispiele mit computer- oder internetbasierten Spielen historischen Lernen in oder mit Archiven zu fördern? Was kannst sonst das Ziel von solchen Spielen sein? Nur eine andere Art von Werbung für die eigene Einrichtung, wie hier im Blog De digitale Archivaris angedeutet?

Irgendwie denke ich, dass in der Verbindung von Internet, Spiel und historischem Lernen durchaus ein Potential  für die Öffnung von Archiven für eine breitere (und junge) Öffentlichkeit schlummert, das aber bisher noch nicht geweckt scheint.

Hörbuch-Rezension: Kleine Geschichte der Freien Universität Berlin

Im vorliegenden Hörbuch erzählt Wolfgang Wippermann, apl. Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Freien Universität Berlin, die Geschichte „seiner“ Universität. Dabei gelingt es ihm, die Entstehungsgeschichte der Uni mit der Gründung 1948 in einen breiten welthistorischen Kontext einzubetten. Durch die Konkretisierung am Beispiel der Freien Universität wird der Weg in den sogenannten Kalten Krieg und die Rolle Berlins überaus anschaulich und ist damit als Hörausschnitt auch sehr gut im Unterricht als Einstieg oder Vertiefung des Themas sehr gut einsetzbar. Ähnliches gilt für die Schilderung der Vorgeschichte und Entwicklung der Studentenbewegung rund um das Symboljahr 1968, vor allem den mir bis dahin unbekannten „Fällen“ Kuby und Krippendorff, wobei letzteres,  heute gleichfalls Professor, als Zeitzeuge seine Geschichte selbst erzählt.

Weniger überzeugend sind die letzten beiden Kapitel gelungen, die die Zeit seit 1968 und vor allem die letzten 20 Jahre schildern, die Wippermann selbst als Dozent an der FU miterlebt hat und als Niedergang beschreibt und die abschließend zu einem hochschulpolitischen Kommentar des Bologna-Prozesses wird. Stark ist Wippermann dort, wo er mit Begeisterung von der Gründungsidee und der Erfolgsgeschichte der ersten Jahrzehnte der FU berichtet.

Das Hörbuch wird neben Wippermann noch von einem weiteren Sprecher, der die Übergänge zwischen den Erzählungen Wippermanns herstellt sowie Auszügen aus einem Zeitzeugengespräch mit Professor Krippendorff gestaltet. Zu Beginn findet sich ein O-Ton aus der Ansprache von der Übergabe des Henry-Ford-Baus  1954 durch den damaligen Innenminister Schröder. Davon hätte man sich mehr gewünscht, allerdings ist es eben nur ein Hörbuch und kein Hörspiel oder Feature , wobei die erzählte(n) Geschichte(n), angereichert durch O-Töne und Musik aus der Zeit noch spannender verpackt wäre(n).

Das Hörbuch ist eine Produktion der Berliner Hörspiele und dort für 14,90€ zu beziehen.

Geschichtsschulbücher aus dem Kaiserreich

Das GEI hat in seinem Projekt der digitalen Schulbuchbibliothek 36 Bände von Schulgeschichtsbüchern des Kaiserreiches digitalisiert und online gestellt. Die Bücher sind dort einsehbar und auch als PDF-Dokument runterzuladen.

Die aktuell verfügbaren Bücher stammen aus den Jahren 1873-1914. Dies ist allerdings nur der Anfang für ein sehr umfassendes Gesamtprojekt.

Für den Unterricht, gerade der Oberstufe, entsteht hier ein leicht greifbarer Fundus, um z.B.  den Wandel der Deutung und Darstellung von Geschichte in ihrer Zeitbezogenheit zu thematisieren. Für die Regionalhistoriker: Einige Bücher stammen übrigens aus dem Coblenzer (damals noch mit „C“) Baedeker-Verlag.

Der Hinweis kam von Klaus Graf im Blog Archivalia, wo es im Beitrag und mehreren Kommentaren um die mittlerweile geänderten Nutzungsbedinungen (Stichwort: copyfraud) ging.

Arbeitsblatt zur Analyse von Kriegerdenkmälern

Vor einigen Tagen wurde hier im Blog eine Idee zum Unterrichtseinstieg mit Kriegerdenkmälern veröffentlicht. Da sich diese Denkmalsform in fast jeder deutschen Stadt findet, bieten sich hier gute Lerngelegenheiten, die Schule zu verlassen und vor Ort zu arbeiten. Dabei lässt sich regionale Geschichte exemplarisch mit der nationalen, europäischen oder gar globalen Geschichte verbinden.

Die Arbeit lässt sich über den Einstieg hinaus natürlich noch vertiefen. Zur Analyse von (Krieger-) Denkmälern habe ich mit dem hier zum Download bereitgestellten Arbeitsblatt (.doc) gute Erfahrungen gemacht. Die Schüler notieren auf dem Blatt ihre Beobachtungen möglichst präzise. Die Notizen werden anschließend im Unterricht verglichen und Symbole erklärt. Davon ausgehend können überregional bedeutsame Monumente  zum Vergleich und Transfer herangezogen werden, um auch das typische von eventuell vorhandenen regionalen Besonderheiten herauszuarbeiten.

2. Newsletter des Verbandes der Geschichtslehrer Deutschlands erschienen

Der Newsletter informiert

„in enger Verbindung mit der Rubrik „Szene“ in „geschichte für heute“ (Wochenschau-Verlag) über die Verbandsarbeit sowie kurz und präzise über aktuelle Entwicklungen und Themen aus der Geschichtswissenschaft und Geschichtsdidaktik, dem musealen Bereich und den Medien.“

Wer in den Newsletter des VGD aufgenommen werden möchte, kann sich per Mail an die Redaktion wenden: Christian Jung

Viele Beiträge erscheinen auch vorab im Blog Zeittaucher, der gleichfalls von Christian Jung betreut wird.

Bunkerführung Ehrenbreitstein

Am Sonntag, 20. Juni, findet um 14.30 Uhr eine weitere (sehr interessante und empfehlenswerte) Führung durch das Bunkersystem unter der Festung Ehrenbreistein statt. Kosten pro Person: 2,50€.  Anmeldungen per Telefon Freitag und Samstag (10-14 Uhr) bei

Direktion Burgen, Schlösser, Altertümer • Besucherdienst

Festung Ehrenbreitstein • 56077 Koblenz

Fon 0261 6675-4000

Afrika im Geschichtsunterricht

Andreas Körber weist in seinem Blog auf eine Veranstaltung am 25. Juni in Hamburg, die sich mit der Frage „Afrika – (kein) Thema im hiesigen Geschichtsunterricht?“ auseinandersetzt. Meiner Erfahrung nach spielt Afrika in deutschen Schulen vor allem dann eine Rolle, wenn Aktionstage oder Projetkwochen für „Afrika“ organisiert, Geld gesammelt und den bedürftigen Afrikanern geschickt wird. Selbst in Schulen, die eine Partnerschule in einem afrikanischen Land haben, kommt es selten zu einem Dialog.

Für den Geschichtsunterricht ist weiterhin dem Resümee von Dennis Röder zuzustimmen:

Afrika taucht in heutigen Lehrplänen und Schulbüchern kaum auf. Wir verbinden mit der ägyptischen Geschichte weniger Afrika als eher eine frühe Etappe zur „europäischen Erfolgsgeschichte“.

Erwähnung findet die Geschichte des Kontinents sonst nur in Kontakt mit Europa (Kolonialismus, Sklavenhandel, Imperalismus, Dekolonisation) und leider weitgehend auch weiterhin ohne afrikanische Perspektiven, sondern nur mit (kontroversen) europäischen Quellen. Wie Material aussehen könnte, das auch afrikanische Stimmen berücksichtigt und diese als handelnde Akteure gleichberechtigt neben die Europäer stellt habe ich versucht in einem Arbeitsblatt zum Beginn der deutschen Kolonialherrschaft in Ruanda aufzuzeigen.

Die WM bietet natürlich Gelegenheit, Afrika zu thematisieren. Das Interesse, das durch die „erste Fußball-Weltmeisterschaft in Afrika“ (worauf die Moderatoren der Fernsehsender in jedem zweiten Satz drauf hinzuweisen scheinen) geweckt wird, kann natürlich auch im Geschichtsunterricht aufgegriffen werden. Hier bietet sich die Chance neben Tierfilm und Fußball einen anderen Blick auf Afrika zu werfen. Gerade die notenfreie Zeit jetzt kurz vor den Sommerferien bietet sich an, extracurriculare Themen aufzugreifen und projektartig zu bearbeiten.

Wer Afrika im Unterricht thematisieren möchte, dem bietet eine Liste mit Links, die in der diigo-Gruppe Geschichtsunterricht unter „Afrika“ verschlagwortet sind, einen ersten Anlaufpunkt für Materialien.

Unterrichtseinstieg 1870/1871

Das Foto stammt vom Gertrudenfriedhof in Oldenburg (hier in alten Bildern) und zeigt einen Gedenkstein für die in Oldenburg verstorbenen Franzosen 1870/71. Ein kurzer Ausflug mit Schülern, die mit Wörterbüchern, grundlegendenen Französischkenntnissen und einer Bibel ausgerüstet sind, zu dem Monument, wie es dies auch in anderen deutschen Städten gibt, kann zunächst zu ersten Fragen führen: Was macht ein Gedenkstein auf Französisch hier? Von wann stammt das Denkmal? Warum wurde es hier errichtet? Davon ausgehend können sich die Schüler an der Entzifferung der Inschriften versuchen:

A la Mémoire / des Soldats français

décédés en 1870-71

Et nunc meliorem / patriam appelunt.

Hebr. 11,16

Érigé par leurs Compatriotes.

Auf den Seitentafeln stehen die Namen der Verstorbenen, die aber durch den Pflanzenwuchs nur schwer einsehbar sind.

Ausgehend von der Entschlüsselung des Textes ergeben sich weitere Fragen: Warum waren französische Soldaten in Oldenburg? Was ist 1870/71 passiert? Warum sind sie hier gestorben?

Geht man anschließend auf dem Friedhof ein Stück weiter, kommt man zu dem Gedenkstein für die oldenburgischen Gefallenen des deutsch-französischen Kriegs.  Ähnlichkeiten und Unterschiede in der Gestaltung der Gedenkstätte können thematisiert werden.  Mit Hilfe der deutschen Inschriften lässt sich auch schon ein Teil der Fragen und Hypothesen beantwortet werden.  Eventuell finden sich bekannte Familiennamen, die dann zu Nachfragen bei den Eltern oder Großeltern führen.  Der kurze Besuch vor Ort bildet einen motivierenden, problemorientierten Einstieg, der dann anschließend im Unterricht in der Schule entsprechend aufgegriffen und vertieft werden kann und den Schüler ihnen ein sonst schon sehr fernes Thema nahe bringen kann und zeigt damit das Potential von Lokal- und Regionalgeschichte für historisches Lernen.